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Konzertbericht:
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![]() Same procedure like every year. Bisher endete jeder meiner Versuche eine Band auf der Freilichtbühne Killesberg anzuschauen damit, dass das Konzert ins nahegelegene Kongresszentrum B verlegt wurde. Wie immer weiß keiner warum, nur dass es am Wetter liegen könnte kann man nach einem Blick auf den wolkenlosen, strahlendblauen Himmel über der Landeshauptstadt definitiv ausschließen. Eher schon grasiert die Vermutung, dass der Vorverkauf nicht zufriedenstellend verlief und das Areal um die Freilichtbühne zu groß gewesen wäre. Spekulationen. Wenden wir uns lieber den Fakten zu, und die bescheren YES an einem wunderschönen Sommerabend eine gut gefüllte stickige Halle. Setlist: Firebird suite, Siberian khatru, Magnification, Don't kill the whale, In the presence of, We have heaven, South side of the sky, And you and I, To be over (Steve Howe), Second initial (Steve Howe), Show me (Jon Anderson & Rick Wakeman), Excerpts from 'The six wives of Henry VIII' (Rick Wakeman), Heart of the sunrise, Long distance runaround, Fish (Alan White Solos), Awaken, Roundabout, Yours is no disgrace Gegen 20 Uhr betreten die alten Haudegen die großzügig dimensionierte Bühne. Es ist wirklich Wakeman und das hat selbstverständlich Folgen für die Setlist. Doch schön der Reihe nach. Das Publikum empfängt die Band mit tosendem Beifall. YES müssten sich schon verdammt dämlich anstellen, damit dieses Konzert nicht zu einem großen Erfolg wird. Selbstverständlich muss ein Konzert im klassischen YES-Line-up mit einem klassischen YES-Opener beginnen, und was anders kommt da in Frage als Firebird suite/Siberian khatru.
Drei Dekaden Rock 'n' Roll haben natürlich ihre Spuren hinterlassen. Vor allem von Gitarrist Steve Howe haben sie ein heftiges Tribut gefordert, und er scheint jede überflüssige Bewegung zu vermeiden. Seiner spielerischen Klasse tut es jedoch keinen Abbruch. Schlagzeuger Alan White hat es da schon einfacher. Der kann wenigstens sitzen. Rick Wakeman wirkt dagegen fast wie das blühende Leben hinter seinen Keyboards. Chris Squire merkt man auch nicht an, dass er sein fünfzigstes Wiegenfest schon vor ein paar Jahren feiern durfte. Der Bassist wirkt sehr agil, sorgt neben Jon Anderson für Bewegung auf der Bühne und schüttelt so ganz nenbenbei einige verdammt groovende Basslinien aus dem Ärmel. Wer hat behauptet, dass YES nur Musik für notorische Takte-Mitzähler macht? Das ist Rock 'n' Roll was die Band da ablässt, Progressive Rock 'n' Roll versteht sich.
'Da können sie ja gleich Owner of a lonely heart spielen', nörgelt einer im Publikum. Klar könnten sie das, oder noch besser Changes, aber nicht vergessen: Rick Wakeman ist wieder dabei und der hat am "90125"-Album nun mal nicht mitgewirkt. Mit dem mehr als zehnminütigen In the presence of, ebenfalls von "Magnification", beschließen YES ihren Ausflug in die relative Gegenwart. Man will ja die Altfreaks nicht zu sehr langweilen, und die sollen in der Folgezeit auch voll auf ihre Kosten kommen.
We have heaven und das dynamisch-groovende Southside of the sky folgen, Songs die nicht unbedingt zum Standard-Live-Repertoire der Band gehören. And you and I fällt eher in diese Rubrik, doch erstmals an diesem Abend gestaltet sich überraschenderweise gerade bei dieser ruhigeren Nummer die musikalische Darbietung etwas langatmig und der Enthusiasmus des Publikums nimmt merklich ab. Dann kommt eben eine Geheimwaffe zum Einsatz: Steve Howe solo und akustisch mit To be over und Second initial. Nach ziemlich exakt 75 Minuten verlässt auch Steve die Bühne nachdem Jon Anderson eine 15 minütige Pause angekündigt hat. Ob das so eine glänzende Idee war? Als Jon Anderson und Rick Wakeman mit Show me das Programm fortsetzen befindet sich gut ein Drittel der Besucher noch an den Bierständen im Foyer. Ihnen entgeht eine wunderschöne Performance. Auch Rick Wakemans Solo-Spot findet nur vor einem Teil des Publikums statt. Die Ausschnitte aus The six wifes of Henry VIII wirken überraschend kompakt und fast schon geradlinig. Jedenfalls bleibt die von mir befürchtete große Langeweile aus, allerdings ist es natürlich auch ein Bild für Götter, wie Teile des Publikums sich im Luftkeyboardspielen versuchen.
YES sind einfach großartig. Fünf exzellente Musiker präsentieren zeitlose Musik, die auch dreißig Jahre nach ihrer Veröffentlichung nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat. Das großartige Awaken beschließt die Show, doch YES lassen nicht lange bitten und legen Roundabout und Yours is no disgrace nach. Besonderer Dank an das Team von CMM für die Unterstützung. Martin Schneider, (Impressum, Artikelliste), 10.07.2003
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