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| Frankfurt, Jahrhunderthalle, 23.06.2004 |
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Auch mit der Aussicht mich hiermit zu wiederholen bzw. zu zitieren, muss ich doch ein paar Worte darüber verlieren. Zum Thema YES wurden schon tonnenweise Versuche gestartet, aussagekräftige und eindrucksvolle Kritiken zu verfassen. Selbst ich als befangener Freund der Band, bemühe mich ein paar unparteiische Rezensionen dazu abzuliefern.
Am besagten Mittwoch absolvierten die alten, aber durchaus noch sehr mobilen Herren den letzten Deutschland-Gig, im Rahmen ihres 35jährigen Bühnenjubiläums, in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Für mich war die architektonisch hochwertige Halle eine Premiere, die mit ihrer Akustik unmittelbar vor der Bühne, sowie auch auf den hintersten Rängen bestechen konnte. Der Sound stand hier einem digitalen Tonträger in nichts nach.
Die Location war an diesem Abend mit der kompletten Bestuhlung sichtbar ausverkauft, d.h. etwa 2.000 Menschen waren anwesend.
Kurz nach 20 Uhr betraten die Briten ebendiese Szenerie mit der obligatorischen Feuervogel Ouvertüre.
Beim Einstiegstrack Going For The One wurde dann das bis dahin verhüllte Geheimnis um das vom YES hauseigenen Graphiker und Künstler Roger Dean gestaltete Bühnenbild den Blicken der Anwesenden freigegeben. Die obskuren verschlungenen Fantasiegebilde belebten Assoziationen zu Fantasialand oder Lummerland. Ein auf seinem erhöhten Thron sitzender Alan White, musste mit seinem Drumsticks muschelartige Gebilde bekämpfen und erweckte damit den Eindruck, er wäre Poseidon aus Arielle die Meerjungfrau.
Dieses Gesamtkunstwerk wurde dementsprechend beleuchtet und entfaltete erst dadurch seine mystische Atmosphäre. Aus einiger Entfernung wirkte das Konzept natürlich sehr eindrucksvoll, aber in den vorderen Sitzreihen verblasste das Bild sehr schnell und es entpuppte sich als riesige deformierte Luftballons aus dem Toys'R'Us von nebenan.
Aber trotz all dem wurden die Artrockveteranen schon vorweg in diesem Ambiente abgefeiert.
Die Setlist an diesem denkwürdigen Abend beherbergte einige Überraschungen. So wurden nach den allseits bekannten Songs als erster Höhepunkt Mind Drive, ursprünglich auf dem "Keys To Ascension Part 2" Album zu finden, zum ersten Mal bei einer Tournee live präsentiert. Dieses bombastische Teil verursachte mit seiner ungeheuren Bandbreite Gänsehaut pur.
Eingebettet in den über 30 Minuten dauernden Vortrag wurden das schmeichelnde South Side Of Sky und Turn Of The Century in voller Länge, was dramaturgisch kaum noch zu toppen war.
Nach knapp 75 Minuten Spielzeit wurde dann eine viertelstündige Pause eingeläutet.
Als die fünf Protagonisten zum zweiten Teil antraten, fühlte man sich zu MTV-Unplugged gebeamt. Sie rückten mit dem verkleinerten Instrumentarium recht nah zusammen, um ihre Hits in eigenwilligen, plüschigen Versionen vorzutragen. Dabei putzig anzusehen waren das Spielzeugpiano von Meister Wakeman und der Besen schwingende White.
Wer so eng beieinander auf einer Bühne noch soviel Spaß beim musizieren versprühen kann, beweist damit eigentlich, dass hier nicht nur routinierte Musiker sondern auch Freunde ihr musikalisches Lebenswerk reproduzieren.
Der etwa 30minütige Akustikset versuchte einige Riesensongs, u.a. natürlich das unumgängliche mainstreamige Owner Of A Lonely Heart, in eigenen, umarrangierten Vorträgen zu verpacken, was durchaus gelang. So wurden Long Distance Runaround leicht geswingt und Roundabout als Chicago-Blues-Paket verschnürt. Das gab dem Abend einige besondere knisternde ätherische Momente. Die Band wirkte sehr gelöst und gab sogar den einen oder anderen Scherz zum Besten.
(Der beste Scherz: Sie haben versucht Blues zu spielen... Red., Abt. Comedy)
Die Wonderous Stories hatte ich noch nie so grandios gehört und verspürt wie bei diesem relaxtem Set. Tolle Leistung, die vom Publikum auch angenommen und gefeiert wurde.
Nach einer virtuosen Solo-Überbrückung von Saitenzauberer Howe, wurde danach der Konzertabend weiterhin im Breitwandsound bestritten.
Über das folgende überflüssige Rhythm Of Love, bei dem Jon seinen Gang durch die Menge beschreitet, wollen wir gnädigerweise hinwegsehen. Vielleicht brauchte der ewig meditative Shouter diese extra Streicheleinheiten.
And You And I erzeugt bei jeden YES Fanatiker nach wie vor, auch noch nach dem tausendsten Mal hören, wohlige Schauer. Wakeman's ergreifende Synthiekaskaden und die Basspedale haben die Macht jede harte Schale aufzubrechen.
26 Minuten geballte "Tales From Topographic Oceans"-Power mit dessen Wahnsinnstrack Ritual, wurde mit einem furiosen Schlagzeuggewitter von Alan und der Kesselpaukeneinlage von Chris veredelt. Das gesamte musikalische Spektrum dieser Kapelle wurde bei dieser Darbietung noch einmal offenbart.
Nahe am Bühnenrand konnte man doch schon äußerliche Alterserscheinungen der Herren Musiker feststellen, aber auch immer noch die Spielfreude. Immer wieder imposant, der kindlich herumhüpfende Howe, der seine Seele dem Gitarrenteufel verkauft hat. Aber auch der best Bassplayer ever, Chris Squire, mit seinem mittelalteranmutenden unterleibbetonenden Beinkleid. Bestimmte Traditionen sollten beibehalten werden, so auch diese.
Nach der geforderten Zugabe mit Starship Trooper, bei dem Jon hinter den Kulissen mit einer schönen Frau (seine Frau?) ein Tänzchen aufführte, endete ein rundes Konzert der Superlative.
Es passierten in diesen knapp drei Stunden so viele erregende Höhepunkte, wie es sich so manches weibliche Wesen erwünschen würde. Es kann kaum noch eine Steigerung für ein YES-Konzert geben.
(Schick die Mädels mal ins Hauptquartier nach München! Die sagen dann nur noch "oh, yes!")
Wie wäre es denn einmal mit einem Konzert im Kölner oder Erfurter Dom!
Rock'n Roll will never die!
(Setlist siehe hier)
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