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Headshrinker Festival, Breitbrunn, 01.07.2005

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Fotos: Adelina Schmidtlein

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Dieser Drummer ist auf der Flucht!
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Breitbrunn, Headshrinker Festival, 01.07.2005

White Cowbell Oklahoma Ein Konzert mit drei Problemen. Den ganzen Tag Regen, dazu am späten Abend Schafskälte und höchstens 50 Leute vor der Bühne. Wäre das nicht gewesen, dieses einzige Deutschlandkonzert der wundervollen Chaoten WHITE COWBELL OKLAHOMA aus Kanada wäre eines meiner Inselkonzerte, eines nachdem man sozusagen glücklich sterben könnte, weil man vermeintlich alles gesehen hat und nichts mehr kommen kann. Nochmal Glück gehabt, weiterleben erlaubt, und wir dürfen vielleicht auf eine baldige Neuauflage unter besseren Voraussetzungen hoffen. So ist "leider" nur das bisher mit Abstand beste Konzert des Jahres 2005 daraus geworden. Trotz THUNDER.

White Cowbell Oklahoma

This is White Cowbell Oklahoma!

White Cowbell Oklahoma Die Veranstalter hatten wirklich Pech mit ihrem schnuckeligen kleinen Festival, denn zwei Wochen hatten wir in Oberbayern Hochsommer, aber pünktlich kam das Sauwetter und mit ihm gingen die Leute bzw. blieben zuhause. Es ist ja schließlich kein Rock im Park, für das man schon Monate vorher einen guten Hunderter ablegt, um dann irgendwelche Chartpupser zu sehen. Nein, hier hatten wir, neben einem ganzen Haufen mehr oder weniger interessanter anderer lokaler und internationaler Bands, für ein paar Euronen nur die heißeste Southern-Rock'n'Boogie-Band des Jahres, was sage ich, der letzten Jahre - und die kamen extra für diesen einen Freitags-Gig aus Holland, um direkt im Anschluss wieder dorthin zu fahren. Übrigens: Unter den wenigen Zuschauern konnte ich keinen aus der so umtriebigen Southern Rock Gemeinde entdecken... Aber das ist schon korrekt, immerhin waren keine LYNYRD SKYNYRD, ALLMAN BROTHERS oder wenigstens MOLLY HATCHET angesagt. Man muss sie töten solang sie klein sind, diese nicht aus dem Bible Belt stammenden Nachäffer.

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Clem
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Sarge

Ich gebe zu, das "Vorprogramm" war nicht mein Bier, mir zu modern, zu alternativ, zu irgendwas. Bleibende Schäden hinterlassen junge Bands, egal welcher Ausrichtung, dennoch nicht und dem einen oder anderen stocksturen Bayern-Redneck würde eine ordentliche Schraddelrock-Kopfspülung ganz gut tun. Sei's drum, wir paar Würstchen waren da und wir hatten Spaß. Obwohl von den anderen wohl die wenigsten vorher mit dem Begriff Southern Rock etwas anfangen konnten.

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White Cowbell Oklahoma Put The South In Your Mouth und lass Dich überrollen von der aberwitzigsten Rock & Roll-Show seit den LENINGRAD COWBOYS und ZZ/DC.
Think big und nimm 4 (!) Gitarren. Hm, eigentlich 5, weil Hollis eine wunderschöne Doppelläufige spielt. Welche Band hatte denn zuletzt vier Gitarristen auf der Bühne? Ted Nugent spielte mal einen Gig im Münchner Circus Krone mit fünfen, aber das war wohl mehr ein optischer Gag, zu hören waren die neben Nuge nicht. Ladies and Gentlemen, here is the ultimate 4-Man-Guitar-Army! Und sie alle rocken und rollen und stampfen wie weiland MOLLY HATCHET in ihren allerbesten Zeiten. Nur noch wilder, noch härter und vor allem wesentlich lustiger, abgefahrener und unernster, als irgend eine Southern-Boogie Band das jemals zuvor getan hätte. Hinfort mit der patriotischen Heimatvolkstümelei, her mit dem (fast) waschechten Highway-Patrol Sheriff Chainsaw Charlie, der abwechselnd per Megaphon Anweisungen plärrt oder mit der Flex aus dem Heimwerkermarkt Funkenfontänen produziert.

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White Cowbell Oklahoma Schade nur, dass die beiden Sängerinnen nicht dabei waren (unbestätigten Gerüchten zufolge wurden sie in Amsterdam verhaftet... na ja, vielleicht wollten sie auch nur einen Tag länger Coffeeshoppen), für ein paar zünftige Ferkeleien wären die bestimmt gut gewesen. Andererseits ist bei W.C.O. auch ohne Unzüchtigkeiten genug los auf der Bühne. Dafür sorgt alleine schon Frontman Sarge, der sich als archetypische Rock-Bühnensau für keine Pose zu schade ist. Oder macht es mehr her, wenn sich Clem und Hollis die Licks zuwerfen und Jessup H. Christ und The Cousin Who Hath No Name (die heißen so, ehrlich, ich schwör!) derweil ein klein wenig riffen? Das klingt dann in etwa wie Sweet Home Lotta Rosie, Ihr versteht?
Es sähe aber auch fantastisch aus, wenn 1.000 Menschen zu Black Mountain Top hemmungslos übers Gelände hüpfen. Nun klingt die Nummer irgendwie nach GRAND FUNK und die Kids kennen GRAND FUNK nicht, aber gehüpft sind sie trotzdem alle. Nicht ganz 1.000 zwar, aber immerhin.

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White Cowbell Oklahoma Stampede, Stampede! Somebody Shot A Gamblin' Man in Reno und jetzt sind sie auf der Flucht und schießen sich den Weg mit genau den Soli frei, die gemeinhin den Southern Man zum weinen bringen. Wer sich querstellt, kriegt ein Heavy-Riff übergebraten und kommt anschließend in die Cencerro Blanco-Blues'n'Wahnsinnsmaschine. Bubi, da hilft kein Cheerleader mehr und Wyle E. Peyote lacht nur hämisch - wer nicht hysterisch mitschreit und headbangt hat verloren. Für immer, weil von irgendwo kommt ständig ein mörderischer Angriff einer Gitarre, selbst wenn dich grade noch der Keyboarder mit einem flotten Honky-Tonk scheinbar in Sicherheit wiegt.

White Cowbell Oklahoma Clem singt etliche Nummern selbst, legt dazu einmal sogar seine Gitarre zur Seite, was aber durchaus von den drei anderen Äxten wettgemacht wird. Derweil stolziert Sarge über die Bühne und gibt den Leuten was sie wollen und feuert Drummer Mudflap (der heißt so, ehrlich, ich schwör) unnötigerweise an. Aber zu Monster Railroad greift er natürlich wieder selbst ans (Mikrophon-)Ruder.
Neben den Songs vom Album gibt es noch eine ganze Schippe anderer, die unbedingt und so schnell wie möglich auf einen Tonträger gehören. Himmel, diese Band ist so göttlich, dass die uns als Berichterstatter eigentlich auferlegte Zurückhaltung für die Katz ist. Wir sind hier schließlich nicht der Rolling Stone, der nur rhythmisch klatscht, wenn ein suizidgefährdeter Jungjunkie seine Wandergitarre misshandelt. Bei den weißen Kuhglocken spielt die Musik. Und das so, dass jeder Clubbesitzer um seine Biervorräte fürchten muss, dass jedes Mädel und jeder Knabe die Tanzschuhe ruiniert, dass der minimal gealterte Schreibknecht noch Tage danach Schmerzen im Kreuz hat und vor Begeisterung immer noch nach Zugaben brüllt.

So viel Southern-Boogie, Spaß, musikalische Leistung und Respekt vor der besten Musik aller Musiken bekommt man sehr sehr selten. Hört Euch mal die Soli in Ole Glory an und zeigt mir eine frischere Band!
Und den Leuten vom Headshrinker Festival wünschen wir fürs nächste Jahr ordentliches Wetter und wieder eine so phantastische Bandauswahl.

White Cowbell Oklahoma

This was White Cowbell Oklahoma!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 04.07.2005

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