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Vitamin X:

Augsburg, Spectrum, 14.06.2001

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Spectrum in Augsburg 14.06.2001Bildergalerie
Länge: 120 Min Medium: Konzert

Es ist Feiertag in Bayern und dazu schönes Wetter und der Club füllt sich deshalb auch nur recht zögerlich. Aber als Vitamin X um kurz nach 21.30 auf die Bühne kommen ist das Spectrum doch ganz ordentlich besucht, das Publikum offensichtlich gut gelaunt, geht gleich bei den ersten Songs mit. Ist aber auch kein Wunder, denn die Band liefert ein farbenfrohes Bild. Die bunten Klamotten, ob es der Umhang des Sängers, (der sich später als der eigentlich Drummer herausstellt), Pluderhose des Bassisten Emmanuel, Batikklamotten des Keyborders oder Hawaiihemd des Gitarristen ist, das sieht nach Sonne, Sommer, Afrika oder Karibik aus.
Zuerst hält Emmanuel eine kleine Rede, erzählt vom 20-jähriges Jubiläum der Band - ja richtig, die Reggae-Band Vitamin X hält sich jetzt schon seit 20 Jahren tapfer im Musikgeschäft, respect - und lobt das Augsburger Publikum in den höchsten Tönen ("you are the best")

Die Show beginnt mit dem Song ,Rasta Reggae Nite' aus ihrem neuen Album "Crying Out", passt ja auch als Start recht gut. Am Sound gibt es nichts zu meckern, der kommt klar und druckvoll rüber. Der Sänger an den Kongas macht sich optisch wie akustisch besonders gut.

Vitamin X zeigen mit den folgenden Nummern, größtenteils vom neuen Album, was sie so drauf haben. Bei entspanntem melodischem Roots-Reggae und einer Menge afrikanischen Feeling kann man sich nicht stillhalten, da muß man einfach mittanzen.
Aber auch Anklänge von Dub, Ragga und Dancehall fügen sich harmonisch in das musikalische Gesamtbild ein.

Als sich die Musiker an den Händen fassen und das Publikum auffordern das Gleiche zu tun, recken sich gleich massig händchenhaltende Arme in die Höhe, und langsam glaube ich, dass Emmanuels Lobrede auf die Augsburger tatsächlich stimmt. In München hat man da in der Regel mehr Mühe die Leute zum Mitmachen zu überreden. Erst denke ich mir zwar etwas amüsiert, das erinnert mich irgendwie an die Kindergottesdienste von früher, aber wenn man so drüber nachdenkt: Wann kommt es bei uns verkniffenen Deutschen schon mal vor, dass sich wildfremde Menschen an der Hand fassen und auch noch Spaß dabei haben. Und mit dieser Aktion allein haben Vitamin X ihren Auftrag für diesen Abend schon erfüllt, die Message von Frieden, Freude, Gleichheit zu vermitteln.

Und plötzlich krabbelt der Schlagzeuger  hinter den Drums raus und tauscht mit dem Sänger Platz und erst jetzt kapiere ich, dass eben der Sänger eigentlich der Drummer ist. Der legt auch gleich mächtig los, macht Stimmung und animiert das Publikum zum Mitsingen. Aber buntes Outfit hin oder her, sein Kittel sieht irgendwie aus wie von Else Kling geklaut. Macht ja aber nix.

,Reach out and touch', eine Soul-Pop-Nummer, die mir auf ihrer CD gar nicht so gut gefällt, wird durch den Gitarristen zum absoluten Hammer. Der fängt, zu fantastischem Gitarrenspiel auf seiner Gibson, plötzlich an mit einer irren Soul-Stimme ins Micro zu röhren, dass es eine wahr Freude ist. Und dass er daran selbst auch Spaß hat, das kann man sehen und förmlich spüren.

Der erste Set wird mit einem Bob Marley Medley beendet. Und obwohl ich denke, dass es eigentlich nicht notwendig ist, dass eine gute Band, wie Vitamin X es ja auch ist, die Marley-Klassiker aus der Schublade zu zieht, fand ich es in diesem Fall ganz ok, weil für die Zusammenstellung Songs gewählt wurden, die man zu solchen Anlässen sonst nicht so oft hört wie z.B. ,Natural Mystic'  und eben nicht zum 150. mal ,I shot the sheriff' und ,No woman no cry'.

Nach ca. 20 Min.Pause beginnt der 2. Set ganz afrikanisch, Sänger und Bassist (!) wirbeln mächtig an den Bongos. Und der Saal tobt.

Vitamin X kommen live ungeheuer druckvoll und abwechslungsreich rüber, was, abgesehen davon, dass jeder von ihnen weiß, was er an seinem Instrument tut, daran liegt, dass alle gute und unterschiedliche Singstimmen haben und so auch jeder "seine" Songs hat. Auch die Rapeinlagen zum Ende der Show sind gut und wirken nicht aufgesetzt wie bei vielen anderen Roots-Reggae-Band, die auch mal was "Modernes" machen wollen. Was der Sänger da so mit rougher Stimme von sich gibt lässt an Buju Banton oder Bennie Man erinnern.

In der Zugabe kommen wir dann am Sheriff doch nicht vorbei, aber den Leuten gefällt es ganz offensichtlich und ziehen anschließend auch zufrieden und nassgetanzt ab.

ID (Impressum, Artikelliste), Juni 2001 (Text und Photos)

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