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The Lizards
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Carmine & Vinnie Appice (r.)
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Teddy Rondinelli
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Session: The Lizards & Vanilla Fudge
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Bill Pascali
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Carmine Appice
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| Erfurt, Gewerkschaftshaus, 26.03.2004 |
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Das Gewerschaftshaus (jetzt Haus der sozialen Dienste) im Herzen von Erfurt, ist eine gemütliche Kulturstätte im ostalgischen Ambiente. Die passende Lokalität für die Wiederbelebung entsprechend benebelter Blues-, Progressive- oder Kraut-Rock Konzerte.
An diesem Abend wird dieses Haus von den reanimierten US-Rockveteranen VANILLA FUDGE beehrt. Dementsprechend ist die ungefähr 300 Köpfe zählende Meute aus Damen und Herren im gesetzteren Alter zusammengesetzt.
Zum Showdown um 21 Uhr erklommen der Supportact THE LIZARDS die Bühne. Im Outfit der End 68iger zelebrierten diese eine krude Mischung aus Heavy-, Psyche- und Glam-Rock. Sozusagen eine Fusion aus IRON BUTTERFLY, GRAND FUNK RAILROAD und SWEET.
Die Band hat in den letzten zwei Jahren schon 1 Album eingespielt. Das aktuelle (2.) "Rule" wird nun endlich mit ihrer Supportaufgabe, standesgemäß promotet.
Leadsänger Jo Garner ist schon eine lebende Legende, kann er doch auf eine bewegte Karriere bei den New Yorker Heavy-Metal Pionieren SIR LORD BALTIMORE verweisen. Die im Stadtteil Brooklyn gegründete Formation sorgte mit ihrem von harten Gitarren dominierten Sound von 1968 bis 1973 für Furore. Das Resultat ist auf dem 1970 erschienenen einzigen Album "Kingdom Come" nachzuhören. Eine Neueinspielung des Titelsongs befindet sich auf dem neuen Output.
Zum aktuellen Line-Up gehören neben dem schon erwähnten Frontmann, am Schlagzeug Vinnie Appice, er trommelte für John Lennon, Rick Derringer, BLACK SABBATH und war 1983 Gründungsmitglied von DIO (7 Alben), Gitarrist Patrick Klein, sowie der von den Prog-Rockern STAR PEOPLE kommende Bassist Randy Pratt.
Während des 50minütigen Auftrittes bestachen die Hardrocker durch ein sehr agiles Performen, was der Stimmung im Saal die nötige Resonanz entlockte. Ich denke, dass THE LIZARDS damit ihrem Schattendasein entfliehen können und in den hiesigen Breiten viele Freunde dazugewonnen haben.
Kurz nach 22 Uhr ist es dann endlich soweit! Die "Psychedelische Eiskrem" erstürmen nach ihrer Frischzellenkur die Arena.
Sie zeigen gleich am Anfang, dass man ein musikalisches Handwerk nicht verlernen kann. Die Herren verlassen sich eben nicht auf den Ruhestand und beweisen uns damit, dass Altern nicht gleich Stillstand bedeutet. Die These "Die Renten sind sicher!" ist ja mittlerweile auch überholt.
Die Band raufte sich 1966 auf Long Island, N.Y. unter dem Namen THE PIGEONS, als Soul-Coverband zusammen. Im Mai benannte man sich dann in die, damals beliebte, Eiskremsorte VANILLA FUDGE um.
Drumlegende Carmine Appice (geb. am 15.12.1946) und Bassist Tim Bogert (geb. am 27.08.1944), die beiden Urmitglieder, sind auch heute wieder mit am Start. Gitarrist Vince Martell (geb. am 11.11.1945) wird auf der laufenden Tour (und wohl für immer; Red.) durch Teddy Rondinelli, der sonst mit seinem Bruder Bobby als Hardrock-Projekt RONDINELLI firmiert, ersetzt. Es war fast schon ein kleineres Familientreffen.
Der Orgelspieler der ersten Stunde, Mark Stein (geb. am 11.03.1947) ist nicht mehr mit von der Partie, dafür ist jetzt Bill Pascali (arbeitete die letzten 30 Jahre als Studiomusiker) zuständig.
VANILLA FUDGE ".spielte populäre Hitsongs, auf traumatischen Zeitlupentempo herunter, furchte Vokalpassagen mit exzentrischen Orgel-Crescendi auf, zerdehnte Gitarrenbreaks auf Schlagzeug-Finali bis an die Grenze der psychischen Erträglichkeit." (S.Schmidt-Joos, B.Graves, B.Halbscheffel/Rock-Lexikon). Hatten mit der ersten Single You Keep Me Hanging On, einem SUPREMES-Hit, 1967 einen Top-Erfolg in England und in den USA. Mit ihrem ersten Album im Gepäck sammelten die FUDGES dann beachtliche Live-Erfahrungen als Co-Headliner mit der STEVE MILLER BAND oder als Support für die JIMI HENDRIX EXPERIENCE, bei LED ZEPPELIN und der Abschiedstournee von CREAM.
Nach 3 weiteren sehr symphonischen Alben, gaben VANILLA FUDGE am 14.März 1970 ihr letztes Konzert. Ihre Einflüsse auf Bands wie ATOMIC ROOSTER, URIAH HEEP und DEEP PURPLE sollten erst viel später die nötige Anerkennung finden.
Bogert und Appice gründeten danach die Heavy-Band CACTUS (3 Alben) bis diese dann mit Supergitarrist Jeff Beck, Ende 1972 eine legendäre Bluesrockplatte aufnahmen. Es gab dann noch ein Live-Album, bevor sie sich endgültig als Studiomusiker verdingten.
Der erste Reunionversuch startete 1984 mit dem Album "Mystery", das aber nicht überzeugen konnte und deshalb scheiterte.
Im Juli letzten Jahres gab es in Henrys Bluesgarage, Isernhagen eine erneute Wiederbelebung. Das Ereignis wurde vom Wallbreaker-Macher Eckhard Gallus für sein privates Konzertarchiv mitgeschnitten. Das Ergebnis war so phänomenal, dass die Band ihn spontan autorisierte, dieses Tondokument in einer geringen Auflage zu veröffentlichen. Das Ganze schlug bei den Fans und der Industrie wie eine Bombe ein. Die Herren leckten plötzlich Blut und tourten wieder ausgiebiger bzw. wurden zu einem neuen Studiooutput animiert. "The Return", mit alten und frischen Songs, überzeugte die Fans und Kritiker gleichermaßen.
Aber wieder zurück zum Konzertgeschehen. Spätestens bei Tearin Up My Heart einer *NSYNC(!)-Coverversion, die das Zwerchfell mit wohligen Schauern erbeben ließ, wurde so manchen klar, dass "The Return" wörtlich angenommen werden kann. Der Sound hätte etwas besser ausfallen können, aber in Anbetracht dieser musikalischen Zeitreise war es wirklich doch akzeptabel. 1968 im Marquee-Club hat es sich bestimmt genauso angehört!
Überhaupt wurde der Eindruck erweckt, man hätte das Originalset in das 21.Jahrhundert transformiert. Vom Hippie-Outfit bis zum Instrumentarium passte alles 1:1, außer der Tatsache, dass die Herren beim Altern nicht stagniert sind.
Apropos, die Veteranen lebten beim Musizieren sichtlich auf und übertrugen den Spaßfaktor auf das euphorische Publikum. Als dann noch bei ... Sexy (Cover von Rod Stewart) fünf zuckersüße Tanzmäuse auf den Brettern tanzten und sich rekelten, war die Stimmung kaum noch zu toppen.
Nach 80 Minuten regulärem Set, bedurfte es keinen Propheten, das VANILLA FUDGE noch einen draufsetzen mussten. Das erfüllten diese auch tatkräftig mit einem ausufernden Gitarrensolo von Meister Rondinelli plus anschließendem Superstition und einer grandiosen Jamsession mit den LIZARDS. Besonders beachtlich das Trommelduett zwischen den Brüdern Vinnie und Carmine Appice.
Dank solcher Leute wird der wahrhaftige Rock'n Roll noch am Leben erhalten.
Alle beteiligten Musiker scheuten nach der Show dann auch nicht den Kontakt zu ihren Fans und erfüllten bereitwillig Autogrammwünsche bzw. tauschten höfliche Worte aus. Für manchen fast schon "Rockgötter" zum anfassen!
So konnte man an diesem Abend fast ausschließlich in zufriedene Gesichter blicken, mit der Gewissheit wieder einem denkwürdigen Konzertereignis beigewohnt zu haben.
Zum Schluss muss ich den Manager des HSD Gewerkschaftshauses, Reiner Kalisch, ein besonderes Lob aussprechen. Sein persönlicher und umsichtiger Einsatz für das Wohlbefinden behinderter Konzertbesucher ist in der heutigen Zeit nicht mehr so selbstverständlich. Sein Verdienst ist es sicherlich auch, dass uns solche Abende in Zukunft im HSD Erfurt nicht verloren gehen werden. Danke dafür!
Rock'n Roll will never die!
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