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Van Morrison

Supp.: Baum

Duisburg, Kraftzentrale im Landschaftspark Nord, 18.05.2006

10. Traumzeitfestival, 18.-21.05.2006
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Duisburg, Kraftzentrale im Landschaftspark Nord, 18.05.2006

Besetzung:
Van Morrison: Vocals, Saxophone, Harmonica
Michael: Guitar
Ned Edwards: Guitar, Vocals
David Hayes: Bass
Robin Aspland: Bass
Rev: Keyboards
Richard Kelly: Pedal Steel Guitar
Tony Skibble: Fiddle
Neil Wilkinson: Drums
Crawford Bell Singers: Background Vocals
Gast:
Candy Dulfer: Saxophone

'Kultur statt Maloche'.
Bereits zum 10. Mal fand in diesem Jahr im Landschaftspark Duisburg Nord das Traumzeit-Festival statt. Auf dieser weitläufigen Anlage wurde bis zum Jahr 1984 Roheisen geschmolzen. Nach Schließung des Hüttenwerks und gleichzeitiger Vernichtung der Arbeitsplätze entstand nach und nach ein schöner und stimmungsvoller Landschaftspark mit verschiedenen Locations, für Musik-Events wie geschaffen. Allen voran steht dabei das jährlich stattfindende, mehrtägige Traumzeit-Festival. Sicher, bei diesem Event wird normalerweise für den Rockfan gar nichts geboten, stehen doch Weltmusik und Jazz auf dem Programm. In diesem Jahr konnten die Veranstalter allerdings Van Morrison für die Eröffnung des Festivals in der Kraftzentrale gewinnen. Die Rockfans wurden wach und das Konzert war rasch ausverkauft. Die letzten vorhandenen Karten bekam man nur, wenn man bereit war einen Festivalpass (68 Euro an der Abendkasse) für alle vier Konzertabende zu erwerben.
In der Kraftzentrale wurde übrigens früher der Strom für das Hüttenwerk erzeugt, heute ist es einer der ungewöhnlichsten und eigenwilligsten Konzertsäle im Ruhrgebiet. Eine wirklich tolle Halle. Fängt ja schon gut an.

Den Support bestritt ein junger Schweizer Künstler, der sich schlicht und einfach Baum nennt - ausgerüstet mit Stimme und Akustikgitarre bot er ein halbstündiges Set, bei dem ein wenig Lagerfeuerromantik entstand. Romantik hin oder her, der Mann glänzte zuallererst durch sein hervorragendes Gitarrenspiel. Dabei erinnerten mich viele Songpassagen stark an die Dave Matthews-Acoustics, auch Leo Kottke kam mir bei seinem flüssigen Spiel in den Sinn. Zugegeben, das hatte schon was, zudem ein passender Einstieg zum Hauptprogramm.

Nach zwanzig Minuten Umbau und Soundcheck: Bühne frei für 'Van The Man'.
Beim Opener Boogie Woogie Country Girl aber noch keine Spur vom Meister, Ned Edwards sang stattdessen (Morrison lässt sich vor dem zweiten Song im Set ja immer herausrufen, 'ne kleine Macke eben). Bei Wonderful Remark übernahm er aber schließlich die Leitung. Doch, upps, bei den ersten Takten war sein Mikro noch DOWN geschaltet, die erste Panne an diesem Abend. Van Morrison war sichtlich sauer, ließ sich aber (noch) nichts weiter anmerken. Pay The Devil, Titelsong des aktuellen Albums, Stranded in einer hervorragenden Version und Magic Time folgten.
Bei Moondance wurde es dann höchste Zeit für den Special Guest Candy Dulfer. Seit Jahren schon ist ihr Sax-Solo bei diesem Klassiker Programm, sie gab sich bestimmt auch hier in Duisburg reichlich Mühe, ich kann es aber beim besten Willen nicht beurteilen, denn: Man hörte absolut nichts von ihrem Spiel. Wieder technische Probleme! Van Morrison tobte, drehte sich um, schimpfte etwas nach hinten, fummelte an seinen Notenblätter auf dem Pult herum. Kippt nun etwa die Show? Wer Van Morrison kennt, ahnte spätestens jetzt Böses.
Es folgte der Muleskinner Blues, die technischen Schwierigkeiten schienen behoben, doch Morrison blieb mürrisch. Ich beobachtete ihn hier in der zweiten Reihe vor der Bühne ganz genau: Er dirigierte durch kurze Gesten seine Band. Vieles schien dabei improvisiert. Allein durch seine Körpersprache zog er die Blicke und die volle Aufmerksamkeit der Band auf sich. Zu David Hayes pflegte er während des gesamten Konzertes zudem rege Kommunikation mit Worten und Gesten. Bei Instrumental-Parts strahlte er oft eine spirituelle Ruhe aus, er stand da ganz ruhig mit fest geschlossenen Augen, hörte einfach der Musik zu. Mein Eindruck: Der Mann ist Musik! Er muss niemandem mehr etwas beweisen und macht auf der Bühne und auf seinen CDs nur noch das, was ihm Spaß macht. Sein äußeres Erscheinungsbild hat sich schon jahrelang nicht mehr verändert, der graue Anzug wirkt noch immer eine Konfektionsgröße zu klein, dazu der obligatorische Hut und die getönte Brille. Understatement pur. Vielleicht macht ihn das sympathisch und vielleicht wirkt er dazu im Gegenteil wiederum in manchen Momenten despotisch. Van Morrison ist es (sch...) egal!
Die Show ging weiter. My Bucket's Got A Hole In It, They Sold Me Out, Stop Drinking (musste ich ja zwangsläufig, um den vorderen Stehplatz nicht einzubüßen - haha).
Das Konzert war gerettet, Van Morrison steigerte sich von Song zu Song, lachte sogar einige Male. Doch spätestens bei Days Like This und In The Afternoon fielen mir einige Schwächen auf: Die Band spielte merkwürdig zurückhaltend, ja, sie wirkte gehemmt und verunsichert. Lag es an den umgestrickten Arrangements? Das konnte schon sein, denn selbst die Klassiker bekamen durch den permanenten Fiddle- und Pedal Steel-Einsatz einen Country-Touch auferlegt, ungewohnt und auch sehr befremdlich für die Fans um uns herum. Ich glaube, Van Morrison tut seinem Repertoire damit keinen Gefallen. Bezeichnend dafür ist, dass die letzten Songs im Set die Highlights des Abends darstellten. Bright Side Of The Road in einer powervollen Version und schließlich Help Me mit grandiosem Harmonicaspiel und einer hervorragenden Bandleistung ohne größere Country-Verwaschungen. Die Kraftzentrale bebte und Morrison verließ die Bühne.
Zugaben gehören ja nicht zwangsläufig zum Programm des Iren, doch diesmal gab er uns keinen Korb, ein ultrakurzes Gloria hinterließ ein begeistertes Publikum. 'Dank schooon' - das war's!

Fazit: Obwohl mich die neuerlichen musikalischen Experimente des Van Morrison nicht begeistern können, habe ich ein denkwürdiges Konzert gesehen. Ich hoffe aber, dass dieser Ausnahmemusiker rasch wieder zu seinen musikalischen Wurzeln zurückkehrt, denn: Morrison und Hardcore-Country? Irgendwie will das nicht zusammenpassen!

Setlist:
Boogie Woogie Country Girl, Wonderful Remark, Pay The Devil, Stranded, Magic Time, Moondance, Muleskinner Blues, My Bucket's Got A Hole In It, They Sold Me Out, Stop Drinking, There Stands The Glass, Dead Or Alive, Irish Heartbeat, Days Like This, In The Afternoon, Don't You Make Me High, Playhouse, I Can't Stop Loving You, Bright Side Of The Road, Help Me, Gloria

Rainer Peschen, (Artikelliste), 04.06.2006

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