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Konzertbericht:

Two Moon

München, TUNIX Festival, 27.06.2003

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Adelina Schmidtlein

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Two Moon - Alex Fuchs
Alex Fuchs - 63 KB
Two Moon - Steffen Winkler & Jens Lange
Steffen Winkler & Jens Lange - 56 KB
Two Moon - Michi Lethaus
Michi Lethaus - 56 KB
Two Moon - Steffen & Alex
Steffen & Alex - 49 KB
München, TUNIX Festival, 27.06.2003

Two Moon

Hartes Brot: Hochsommer in München und 250 arbeitsunlustige Studenten sitzen an Biertischen und schaffen es vor lauter Lethargie grade noch, sich ein Bier reinzuschütten und mit allerletzter Kraft einen vegetarischen Burger zu mampfen. Die Wiese vor der Bühne ist leer und auf selbiger müht sich eine Band ab. Das muss ja tierisch Spaß machen.

Vielleicht haben wir in unserem Magazin "for the hard working people" (Copyright by Johnny Van Zant) ja doch den einen oder anderen Studenten aus den Jahrgängen 1978 bis 1984. Preisfrage an Euch: Was ist Southern Rock?
Anwälte, Doktoren und sonstige Promovierte verirren sich des öfteren zu uns, das wissen wir. Aber die sind allesamt Jahrgang 1970 und (deutlich) älter. Die wissen aber auch sehr genau, dass Southern Rock kein modisches Accessoire für trendbewusste Jung-Karrieristinnen ist. Gnade der frühen Geburt...

Ich hatte die Live-CD der Bayreuther Band TWO MOON ("Hard Live") im letzten Herbst recht gelobt und deswegen waren wir (die vollständig vertretene Münchner Southern Rock Fraktion - 1 Frau, 2 Mann) natürlich neugierig, ob das auch im wirklichen Live-Leben so gut funktioniert.
"Hard Live" wurde bei einem Gig im Vorprogramm von DOC HOLLIDAY aufgenommen. Das TUNIX Festival in München ist ein anderes Pflaster (s.o.).

Dieter Gottschling

Vögel brüllen, Sonne knallt und deswegen hat Gitarrist Dieter Gottschling auch einen Cowboyhut auf. Und unter dem schaut er den ganzen Gig nicht raus. Es folgt nun eine Abhandlung über die Lead Gitarre:
Lead. Englisch für "die Führung". Amerikanisch für "die Hauptrolle". Im typographischen Sinn für "der Durchschuss". To lead = anführen, leiten, vorauseilen. Nicht zu verwechseln mit lead free. Das heißt bleifrei.
Was ist also nun die Aufgabe des Lead Gitarristen?
1. Soll er das eine oder andere Solo spielen, d.h., die Band aus dem gewohnten Groove herausführen, den gerade gespielten Song mit einigen Extranoten veredeln und dann wieder in den alten Groove zurückleiten. Aufgabe tadellos erledigt, weitermachen! Bisserl lauter und selbstbewusster darf aber auch sein.
Und 2. muss der Lead Gitarrist auch noch eine Drecksau sein. Im Fall des TUNIX Auftrittes muss er das faule Studentenpack anpöbeln, ihnen klar machen, dass sie gefälligst ihren Arsch für das viele Bafög bewegen sollen (und mir nebenbei noch ein frisches Bier herantragen dürfen). Will sagen: Kopf hoch, Gitarre nach vorn, Schwanz raus - immerhin hat man DAS Phallussymbol des Musikers schlechthin in der Hand - ein paar ganz fiese, von mir aus auch falsche, Rotzriffs an die halbgebildeten Schädel geknallt und dann kommen die da draußen schon in die Gänge. Schließlich freuen die sich auch über jede unflätige Bemerkung von Hosenscheißern wie Eminem, Kid Rock und ihren kopfsockentragenden Bro's & Sistas.

Genug des Gossenjargons. Fakt ist, unter solchen Umständen ist eine introvertierte, wenn auch solide, Gitarrenleistung zu wenig, um das Publikum zu animieren. Im kleinen Club nicht weiter dramatisch, auf so einer relativ großen Bühne mit sich verlaufendem Publikum muss mehr Offensive her. Und vor allem: Es gibt keinen Grund zur Zurückhaltung. Der Dieter kann's ja! Damit Schluss mit der Nörgelei. Denn die knapp 90 Minuten waren einwandfrei.

TWO MOON sind keine klassische Southern Rock Band im Sinne von Lynyrd Skynyrd oder Molly Hatchet. In den Songs ist etwas Westcoast, etwas Country, etwas Hardrock, etwas Jam und natürlich viel southern Bluesrock. Und so baut sich auch der Set auf. Gott sei Dank keine Sweet Bird Free Dixie Home Coverversionen, großteils eigene Songs und dazu einige sehr ausgewählte Cover (u.a. von Johnny Cash) und die obligaten Bluesnummern, die dann aber auch gut zünden (ich hab bei der Nummer von Willie Dixon sogar einen vergeistigten Studenten mit dem Zeh wackeln sehen!).

Immer wieder lässt Gitarrist Steffen Winkler aufhorchen (Motto: Ihr tragt Eure alten Flaschen zum Container, ich steck sie mir an den Finger) und lässt etliche klassische Slidefetzer raus. Das kommt immer gut und sorgt für den nötigen Dreck im Sound. Und die paar Harp Einwürfe sind auch tadellos.
Natürlich stehen zwei im Mittelpunkt: Alex Fuchs singt und spielt die dritte Gitarre und Michi Lethaus singt und sieht gut aus und macht das Publikum an. Da aber unsere Jugend heutzutage politisch korrekt ist, wagt es kaum einer genauer hinzuschauen. Ich schon. Muss mich ja auch nicht bei der nächsten Asta-Sitzung rechtfertigen. Gnade der frühen Geburt...

Alex Fuchs

Sehr positiv fällt die Performance von Alex auf. Der Gesang ist so richtig auf eigenem Mist gewachsen, keine Kopierversuche, das könnte er auch nicht richtig. Den Songs wird dadurch Eigenständigkeit gegeben.
Die Rhythmusabteilung ist ohnehin straight und nahezu fehlerfrei.

45 Minuten hat es gedauert, bis sich die Jungs (das Mädel nicht, da hat es gleich gefunkt) freigespielt haben. Aber dann kam ein Blues und dann ein klassischer Allman-Groover und plötzlich war das alles locker und die Rhythmusgitarren sind marschiert und der Lead Gitarrist hat den (kleinen) Larry rausgehängt und alles war gut. Mehr davon!

Der Gig hat mir Spaß gemacht, für die Band war es sicher schwer. Aber da muss eine Southern-Kapelle durch, nur so macht man auf sich aufmerksam und der eine oder andere interessierte Zuhörer ist immer da. Immer nur Proberaum geht nicht, aus dem sind TWO MOON sowieso längst herausgewachsen. Viel Potential, viel geiler Rock, wenig Selbstvertrauen. Ich weiß, es lag an den Umständen. Aber da musst du einfach durch. Mir hat das Bier geschmeckt. Denn auch da musst du durch. Auch wenn am nächsten Tag der Fluch der frühen Geburt im Schädel hämmert...

Ach ja, vergessen zu erwähnen. Das TUNIX (TU = Technische Universität) ist ein klasse Festival. Kein Eintritt, entspannte Atmosphäre, nette Frauen und Jungs im Service, allerfeinste Location. Nur: Zu wenig Musik für alte Säcke!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 02.07.2003

Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 27.06.2003

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