|
|
| Essen, Zeche Carl, 29.10.2009 |
 |
Wir schreiben Donnerstag, den 29.10.2009, und ich bin mit dem netten fotografierenden Kollegen Lutz auf dem Weg zur Zeche. Aber - oh Wunder - diesmal nicht zur Pilgerzeche in Bochum, sondern - für mich zum ersten Mal - zur Zeche CARL in Essen.
Bei unserer Ankunft ca. 30 Minuten vor Konzertbeginn parken kaum Autos vor der Halle, verlassen steht der schwarze Tourbus auf dem Parkplatz und aus dem Gebäude klingen die letzten Töne des Soundchecks. Die wartende Besucherzahl vorm Eingang hält sich in überschaubaren Mengen und richtig voll sollte es an diesem Abend auch nicht werden.
Die Zeche CARL ist um einiges kleiner als die Eventhalle in Bochum und bei den ersten Tönen der progressiv-metallisch lärmenden SPHERIC UNIVERSE EXPERIENCE aus Frankreich halten sich die Zuschauerzahlen im noch zweistelligen Bereich. Man merkt den Franzosen ihre Unerfahrenheit an, immerhin ist es ihre erste große Tour, dazu noch in diesem Package, aber etwas mehr Bewunderer hätten sie schon verdient gehabt. Sicherlich ist bei den Jungs noch einiges an Luft nach oben, aber der Applaus ist mehr als höflich und so geht die Band nach gut 30 Minuten von der Bühne um Platz zu schaffen für den Überraschungssieger des Abends.
SERENITY aus Österreich rocken die Bühne nach einer relativ kurzen Umbaupause. Nun hatte ich die Jungs erst kurz vor dem Konzert per CD kennen gelernt und war gespannt auf die Umsetzung ihrer Studioaktivitäten. Was sofort auffällt ist die Präsenz von Georg Neuhäuser, dem Hünen hinterm Mikro. Selten sieht man einen Frontmann, der so sympathisch die Massen zu begeistern weiß, und das willige Volk vor der Bühne frisst ihm vom ersten Ton an aus der Hand. Das Set der Symphonicmetaller besteht aus Songs des aktuellen Drehers, umrahmt von zwei Songs des Vorgängeralbums. Bereits im Frühjahr dieses Jahres hatte man sich in Bochum blicken lassen und verwies von daher etwaige "Doppelbesucher" gleich darauf, dass man immer noch unterwegs wäre, um das aktuelle Album "Fallen Sanctuary" zu promoten. Die Halle hatte sich inzwischen schon wesentlich besser gefüllt, denn scheinbar hatte das Quintett eine gute Fanbase mitgebracht. Die gewünschte Zugabe nach den gut 45 Minuten des Auftritts wurde leider nicht gegeben, weil man Platz machen musste und wollte für den Hauptact des Abends:
THRESHOLD! Diese durften wir nun schon zum zweiten Mal innerhalb dieses Jahres live erleben. Und ich muss gestehen, dass die Jungs mich immer wieder umhauen. Diesmal nicht nur wegen ihrer spielerischen Fähigkeiten, sondern auch wegen der Lautstärke. Denn die war diesmal ohrenbetäubend (wenn man am nächsten Tag trotz Ohrenstöpsel noch ein Rauschen in den Ohren hat, soll das was heißen). Schade eigentlich, denn so konnte man leider dem Geschehen auf der Bühne akustisch nicht ganz folgen. Was die Briten boten, war wahrlich ein Abend der Überraschungen. Anlässlich ihres 20jährigen Jubiläums gab es einen Querschnitt aus der Zeit des ersten Albums "Wounded Land" bis hin zum aktuellen Dreher "Dead Reckoning", wobei nicht jedes Album gewürdigt wurde.
|
|
|
|
Der Einstieg konnte mit Consume To Live fasst nicht besser gelingen. Immerhin war das eines der Lieder, mit denen Damian Wilson auf dem Debütalbum schon für einen Klassiker sorgen konnte. Die Überraschung des Abends gelang THRESHOLD im ersten Teil des Abends mit Avalon, einem meiner Lieblingslieder überhaupt. Tja, und Klassiker haben die Jungs inzwischen einige im Programm. Ob es nun The Art Of Reason, Mission Profile vom "Subsurface"-Album oder Critical Mass vom gleichnamigen Dreher oder Long Way Home vom "Hypothetical"-Überfliegeralbum ist - Damian Wilson singt sie inzwischen um einiges sicherer als noch im Januar in Bochum. Und es fällt auf, dass der Mann nach wie vor eine Menge Spaß an und mit der Band hat. Apropos Spaß: den hatten die fünf Musiker neben dem Sänger den ganzen Abend und es hat den Eindruck, als hätten sie nur auf den Moment gewartet, endlich wieder auf Tour gehen zu dürfen. So ist Damian auch sichtlich beeindruckt von der Begeisterung in Essen und merkt immer wieder an, dass dies erst das erste Konzert der Tour ist und die Leute jetzt schon total aus dem Häuschen sind. Da darf der Besuch in der Menge, die inzwischen sichtbar angewachsen ist, nicht fehlen, inklusive einer nicht ganz ungefährlichen Klettertour an der äußeren Balkonbrüstung. Mr. Wilson sorgt immer wieder für Fannähe, während seine Jungs auf der Bühne ein geiles Solo nach dem nächsten von der Bühne feuern. Unnötig zu erwähnen, dass Johanne James - the black man on the drums - ein wahres Trommelfeuer der allerersten Klasse ins kleine Rund der Halle schießt. Richard West steht dauergrinsend hinter seinen schwarzen und weißen Tasten, gibt sich den Growls bei Pilot In The Sky Of Dreams oder dem Hintergrundgesang hin, Karl Groom fegt über die Bühne, immer wieder auf der Suche nach Pete Morton, dem zweiten Mann an der Gitarre und wenn der gerade selber vor sich hin fiedelt, sucht man halt den vor seinen Monitorboxen wachenden Bassisten Steve Andersson auf. Nur leider verwischte der Sound merklich mit zunehmender Länge des Konzertes, so dass die gewünschten und auch gespielten Zugaben Mission Profile und Paradox völlig im Geräuschmüll untergingen. Nach guten 120 Minuten verließen die Jungs die Bühne und versprachen wieder zu kommen. Das wäre nur zu wünschen, denn sie sollten noch einigen Menschen auf diesem Globus bekannt gemacht werden.
Bleibt als Fazit: SPHERIC UNIVERSE EXPERIENCE haben noch reichlich Luft nach oben, sollten sich aber schnell wieder blicken lassen, SERENITY werden hoffentlich bald auf Headliner-Tour gehen und dabei länger spielen und THRESHOLD sind in der Verfassung eine absolute Macht - nur an der Lautstärke sollten sie wieder arbeiten, das war in Bochum um einiges angenehmer.
|
|