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Supp.: Prime Mover

Reichenbach, H2O, 18.11.2003

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Reichenbach, H2O, 18.11.2003

Bevor die Sirenen erklangen, durfte erst mal die Metal-Cover-Band PRIME MOVER aus dem benachbarten Uhingen das Publikum auf das bevorstehende Headbanging einschwören. Die Phon-Einheiten der Band beeinträchtigten stellenweise die Substanz der einzelnen Musikstücke. Hard Rock kommt nun mal nicht auf leisen Sohlen daherspaziert, und so hatte sich der vorausschauende Konzertbesucher bereits die Ohrstöpsel in die Gehörgänge geschoben.

Keine müde Altherren-Combo
Wer eine müde Altherrentruppe erwartet hatte, die noch einmal durch die Lande zieht, um ein paar Euro aus den Taschen einiger unverwüstlicher Nostalgiker zu ziehen, musste sich schnell eines Besseren belehren lassen.
Mit Jailbreak und Waiting for an Alibi stiegen John Sykes (git.,voc.), Scott Gorham (git.), Michael Lee (dr.) und Randy Dregg (bs.) sogleich fulminant ins Klassik-Set ein.
Mit enormen Spielfreude wurden die einzelnen Stücke zelebriert. Der legendäre "Twin-Guitar Sound", für den WISHBONE ASH einst Wegbereiter war und den THIN LIZZY erstmals im Hard Rock anwandte, ließ das Publikum keinen Augenblick daran zweifeln, dass Sykes und Gorham immer noch ein verdammt gutes Gitarren-Team sind. Also eine Lehrstunde für alle Skeptiker, die nun eine Altvorderen-Party vorausgesagt hatten.

Typischer Thin Lizzy Sound
Die aus der Feder von Gary Moore stammende Ballade Still in love with you, erstmals 1978 erschienen auf dem Kult-Album "Live And Dangerous", wurde mit lang anhaltenden Gitarrensoli gespielt. Gegen jeden modernen Trend, der minutenlange zweistimmige Gitarren-Sound - typisch Lizzy - er brachte das Publikum zum Kochen.
Wenngleich von der Originalbesetzung nur noch der Californier Gorham und Sykes (nicht ganz Originalbesetzung - Red.), der zwischendurch seine Gitarrensalven bei WHITESNAKE ablieferte, übrig geblieben sind, waren die alten Klassiker doch durchweg authentisch. Unterstützt wurde der Sound durch das kraftvolle und virtuose Spiel von Michael Lee an den Drums und Randy Dregg am Bass.

Ein Andenken an Philip Lynott
In der Zugabe beschwor John Sykes bei Rosalie noch einmal die spirituelle Anwesenheit von Philip Lynott, dem viel zu früh verstorbenen Gründungsmitglied, Sänger und Bassisten von THIN LIZZY. Sykes, der in den achtziger Jahren dem Klischee des gutaussehenden fast-finger-Gitarristen entsprach, war damals eine Entlastung für den charismatischen Lynott. Von daher überrascht es kaum, dass Sykes' Gesangstil dem von Lynott originalgetreu nachkommt. Das enthusiastische Publikum nahm es mit Freude zur Kenntnis, lebt doch durch Sykes der Geist Philip Lynotts weiter.

Brigitte Gerstenberger, (Artikelliste), 19.11.2003

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