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Konzertbericht:The Steve Schuffert BandMünchen, Hide-Out, 24.04.2002 |
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Was ist das: 6 Beine und 6 Arme, 20.000 gefahrene Kilometer kreuz und quer durch Deutschland, 59 Auftritte in knapp 3 Monaten, ein Repertoire, größer als das von James Last und immer gut drauf? Endlich, bei Konzert Nummer 49, erreicht der kleine Tross auch München. Ab dann wird es allerdings schwierig. Denn um Münchens rockendstes Wohnzimmer (außer meinem, versteht sich) zu finden, muss man schon etwas ortskundig sein. Irgendwo in Neuhausen, versteckt im Keller eines Bürogebäudes, ist dieses winzige Refugium des guten Geschmacks. Und das seit weit mehr als 10 Jahren. Sechs Wochen vorher hat unser Ralf in Mühlheim ein Konzert der Band gesehen, bei dem einige Hendrix Coverversionen gespielt wurden. Die gab es in München nicht. München war ein Beatles-Abend. 4 Songs (u.a. Ticket To Ride, Back In The U.S.S.R. und Day Tripper) von den Briten (die im Übrigen nie zu meinen Favoriten zählten) gab es im Verlauf dieses langen Abends. Und dann natürlich STEVE SCHUFFERT. Der ist mächtig schmächtig und spielt mächtig kräftig. Ein gitarrentechnisches Genie ist er sowieso. Das kann man auf den 3 CDs der Band nachhören und live steht er dem in nichts nach. Mit seiner Fender und 8, 9 Pedalen macht Steve schier unfassbare Dinge. Dazu hat er eine Stimme, die mindestens einen Meter größer klingt, als Steve in Wirklichkeit ist. Das klingt jetzt alles sehr technisch. Ist es aber nicht. Der Kniff ist: Diese Band verbindet grandiose technische Fähigkeiten mit grandiosen Songs und das ergibt grandiose Musik, die mich direkt dort trifft, wo es wirkt. Im Blues'n'Boogiereflexzonenbereich zwischen Ohr, Solarplexus und Bauch. Erfahrene Schuffert-Konzertbesucher haben mir gesteckt, dass die Band bei diesem Auftritt (wie gesagt, Nummer 49) schon bedeutend ruhiger agierte, als noch bei den ersten Gigs der Tour. So so, was haben die denn dort veranstaltet? Die Setlist des Abends bestand aus Nummern der Alben "Terminal Blue" und "In Color", also Album 2 und 3, etlichen neuen, unveröffentlichten Songs (die allesamt nur darauf warten, endlich auf CD zu landen), den besagten Coverversionen (auch George Harrisons Here Comes The Sun war dabei) und nur einem Lied des Debüts "Plug In And Play" (The Healer). Das sagt eigentlich alles. Weg vom, leicht überproduzierten und etwas kommerziellen, Bluesrock der ersten Scheibe, hin zu einer brisanten Mischung aus Blues, Rock, Boogie, Southern Rock, Americana, Singer/Songwriter, Hard Rock und Roots Rock. Ganz egal, was die Band spielt, es kommt immer gut. Auf einen brachialen Boogie, wie zum Beispiel Hiway 51, folgt Fool For Your Stockings, und zwar so gut, dass Gibbons/Hill/Beard sich das Barthaar zupfen würden, dann kommt wahlweise eine Nummer, die Musiker wie Tom Petty/Roger McGuinn/Bob Dylan/Neil Young oder wen auch immer, in ihre Schranken verweisen, gefolgt von einem hart rockenden Abgehsong und so weiter... Im zweiten Teil greift Steve auch mal zur zwölfsaitigen und zur akustischen Gitarre und zaubert damit mal Byrds-ähnliche, mal dylaneske Sounds und dann kommt der Beweis: Pearls To The Swines ist eine gewaltig Bluesnummer von "In Color". Die 50 anwesenden Münchner sind so was wie Trüffelschweine. Alle anderen haben eine Perle wie die Steve Schuffert Band ohnehin nicht verdient. Im Gespräch verrät mir Thomas Bauer, Steve's Labelboss von Fortune Records, dass die Planung für die nächste Tour (Anfang 2003) bereits läuft. Es sind dann, statt nur 60 Konzerten, gut 90 Auftritte geplant, damit auch der letzte Mensch diese tolle Truppe sehen kann. Was für ein Rock & Roll-Irrsinn... Wir bedanken uns bei: Steve, Pete & Matt for the time, patience, Pizza and friendship. Thomas für seinen Einsatz. Uwe für die Megaleistung im Bus und drumherum. Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 25.04.2002
Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 24.04.2002
Eigentlich bei jedem Konzert nehme ich mir vor, nicht immer nur auf die Finger des/der Gitarristen zu starren. Solange mir dieser Vorsatz gegenwärtig ist, halte ich ihn auch oft ein. Aber was soll ich tun, wenn vor mir ein Ausnahmekünstler wie Steve Schuffert spielt? Dies, auf eine Distanz von zwei Metern? (Da war ja der Wolfi in unserem Übungskeller weiter von mir entfernt.) Der Vorsatz läßt sich nicht mehr einhalten, die Augen werden magisch von der Gitarre angezogen und schießen zwischen Rechter und Linker hin und her. Und die Neuronen senden nur noch Fragezeichen. Wie macht der das? Das gibt's doch nicht? Doch, das gibt's. Und zwar dann, wenn ein Genie eine ganz eigene Technik entwickelt und Begleitung und Solo gleichzeitig spielt. Da sind manche Akkorde gar nicht mehr erkennbar und ich muss zum Basser schauen, um zu sehen, welche Tonart gerade dran ist. Und wenn dieses Genie dann auch noch die Technik (9 Pedale?) aber sowas von perfekt beherrscht? Das Ohr meldet, "halt, da hat sich doch was geändert", die zuständigen Neuronen streiten sich "Flanger, nein Phaser, nein Flanger, nein Phaser - und wo ist der Hall - oder beides - oder alle drei" und ich habe nichts vom Tritt aufs Pedal mitbekommen, denn siehe oben. Zwei kleine Combo-Verstärker (Fender und ?) stehen hinter Steve Schuffert (auf unseren Fotos gut zu sehen).
So ein Mini wäre mir nicht ins Schlafzimmer gekommen (im Keller stand ja auch der Marshall), und dann klingt
Steves Gitarre, als würde er genau den Großen spielen.
Eigentlich hätte ich an diesem Abend vier Augenpaare gebraucht: Wie gesagt eines für Steves Hände,
eines für die Füße!, ein weiteres für Drummer Matt Carmichael und das vierte für Pete
Tomarakos am Bass. Pete und Matt spielen wie Steve in einer eigenen Liga, nämlich der obersten. Pete
ergänzt mit dem Bass Steves Gitarre, als wären sie Zwillinge, die telepathisch in permanentem Kontakt
stehen und leistet gleichzeitig seinen Teil als Rhythm Section gemeinsam mit Matt.
Mir gehen die Superlative aus. Darum schließe ich mit einem Appell: Wenn Ihr lest oder hört, dass die Steve Schuffert Band in erreichbarer (:-) Entfernung spielt, dann kann es nur eine Entscheidung geben: ICH GEHE HIN! Werner Saumweber, (Impressum, Artikelliste), 25.04.2002
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