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| Nashville, TN (USA), Ryman Auditorium, 22.06.2007 |
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Die schlechten Neuigkeiten zuerst: Draußen war es zu heiß und das Konzert war mit 2 Stunden und 20 Minuten viel zu kurz. Sonst fällt mir einfach nichts Schlechtes dazu ein. Ok, die Halle war klimatisiert, so dass es ziemlich egal war wie es draußen ist und fast 2,5 Stunden sind auch nicht schlecht, sie kamen mir aber vor wie 30 Minuten...
Ich denke, es ist schon erkennbar in welche Richtung dieser Bericht geht und vielleicht bin ich dafür auch nicht der richtige Berichterstatter, da dies einfach meine absolute All-Time-Lieblingsband ist, aber egal.
Das Ryman, das mir bei G3 im März schon sehr gut als Veranstaltungsort gefallen hat, hielt wieder was es versprach, der Sound war super, von jedem Platz aus konnte man gut sehen und mit ca. 2.000 Leuten war es auch sehr gut gefüllt, aber nicht ausverkauft. Und die Stimmung war von Beginn an herrlich, niemand kam wohl auch nur auf die Idee sich hinzusetzten, da es auf der Bühne nie Langeweile gab.
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Saallicht aus, Live And Let Die kurz durch die Boxen und schon ging es ab mit dem ersten Riff des Übersongs vom neuen (Doppel-) Album "Real To Reel", Rock Bottom. Schon mal gehört? Stimmt, denn bei "Real To Reel" handelt es sich um ein Coveralbum, allerdings einem der allerersten Klasse. Rock Bottom von UFO sticht dabei besonders hervor, was bei den übrigen Songs nicht einfach ist. Frank Hannon lässt es bei diesem Song von Anfang an richtig krachen, man merkt ihm an, dass dies sein Lieblingsstück der neuen Scheibe ist. Die weiße Flying-V ist an dieser Stelle auch nicht gerade unangebracht. Auf dem Album nimmt der Song schon über 8 Minuten in Anspruch, hier dürften es noch etwas mehr gewesen sein.
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Mit Thank You aus LED ZEPPELINs alten Tagen kommt gleich ein weiterer Coversong, ebenfalls hervorragender Job. Brian Wheat benutzt hier zum ersten Mal einen seiner beiden Hofner-Bässe a la Paul McCartney, was irgendwie ein lustiges Bild zu dieser Art von Musik ist.
Überraschenderweise kommen an dieser Stelle gleich zwei Songs vom letzten 'richtigen' Album "Into The Now", der Titelsong und Miles Away. Beides keine schlechten Lieder, allerdings hätte es mir besser gefallen, wenn dafür mehr Titel der nicht vertretenen "Bust A Nut" Scheibe gespielt worden wären. Into The Now, etwas härter und etwas moderner als die übrigen TESLA-Lieder, schien wie gemacht für den erst 29 Jahre alten Dave Rude, der letztes Jahr Tommy Skeoch endgültig ersetzte. Skeoch hat sich nach der Geburt seiner Tochter letztes Jahr nun ins Familienleben zurückgezogen und verbringt seine Zeit zuhause in Florida. Wahrscheinlich ist das auch aus gesundheitlichen Gründen für ihn besser. Rude hat nebenbei seine eigene Band (Dave Rude Band), von der es auch schon CDs gibt, die es aber nur in Kalifornien zu lokalem Ruhm gebracht hat. TESLA wurde übers Internet auf ihn aufmerksam. Ein Fehlgriff scheint es nicht zu sein, der Junge hat richtig was drauf. Das hatte Tommy Skeoch auch, allerdings habe ich den Eindruck, dass auf der Bühne nun eine positivere Stimmung herrscht, da Skeoch eher eine düstere Ausstrahlung hatte.
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Dann kamen endlich die ganz alten Kamellen. What You Give ("Psychotic Supper"), Modern Day Cowboy ("Mechanical Resonance") und Lazy Days, Crazy Nights ("The Great Radio Controversy") gingen zurück zu den Anfängen der ersten drei Studioalben. What You Give wurde von Frank Hannon angesagt mit dem Hinweis auf seine Gibson SG, denn nur mit einer ,Bad ass electric guitar like this' kann ein Song wie dieser gespielt werden. Überhaupt Hannon, er ist zwar kein Derwisch wie Angus, aber steht eigentlich nur still, wenn er seine Akustikgitarre zur Einleitung des ein oder anderen Songs spielt. Ansonsten ist es wirklich schwer ihn in einem ruhigen Moment zu erwischen. Und die drei Tage, die die Band schon in Nashville verbracht hatte (die beiden Shows an den drei Tagen zuvor waren wegen Jeff Keiths Stimmproblemen ausgefallen), war er anscheinend nur in den beiden Gibson Läden unterwegs (na gut: nach eigener Aussage auch bei einigen Radio- und Fernsehterminen). Wie üblich wechselte er ständig zwischen seinen verschiedenen Flying-Vs , einigen Les Pauls und SGs. Auch ansonsten war es kein Abend für Fender-Freunde, diese Marke war nicht vertreten, auch wenn sie bei den Aufnahmen zur neuen Platte doch zum Einsatz kam. Auch Brian Wheat spielte ausschließlich Gibsons, wenn der Hofner nicht zum Zug kam, ebenso Dave Rude. Macht aber nichts.
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Diese drei Songs wurden vom Publikum richtig abgefeiert, vor allem Modern Day Cowboy, bei dem auch für mich die Heiserkeit an diesem Abend begann, wurde frenetisch bejubelt, die Lyrics zum Beginn des Liedes wurden vom Publikum übernommen. Auch Lazy Days war von den Fans im Message Board der Band schon seit längerem gefordert worden, und nun auch endlich erhört.
Die Tour hatte bis dahin heftige Diskussionen ausgelöst, da bis zur Nashville Show elf von zwanzig Songs vom neuen Album stammten, plus Signs, das ja bekannterweise hier in den Staaten ihr größter Hit war, im Original aber nicht von TESLA stammt, sondern von der FIVE MAN ELECTRICAL BAND aus dem Jahre 1971.
Bei Walk Away, im Original von der JAMES GANG, gab es ein herrlich harmonisches Solo von Frank Hannon und Dave Rude zusammen. Hier zeigte sich und zahlte sich auch aus, dass Dave Rude schon alle Gigs von TESLA der 'Sommertour' 2006 mitgemacht hatte.
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The Way It Is, der zweite "Radio Controversy" Song, war ein Publikumsliebling, ebenso wie Freedom Slaves ("Psychotic Supper"), das live unglaublich rockt und eigentlich in keiner TESLA-Show fehlen sollte. Jeff Keith nutzte diesen Song ausgiebig zum Marsch über die Bühne inklusive stilgerechtem Salutieren, nicht ohne dabei ein höhnisches Lächeln übrig zu haben. Dieses ersetzte aber nur kurzzeitig sein sonst wirklich sehr positives Auftreten und seine unglaublich Ausstrahlung. Ich denke, dass er ein Hauptgrund für das Gelingen eines TESLA-Konzerts ist und die Leute wirklich von den Stühlen reißen kann (und diese dann ihren Hintern auch von selbigen lassen). Ein echter Frontmann, der den Eindruck hinterlässt, nie schlechte Laune zu haben. Ständig in Kontakt mit dem Publikum, immer auf Zwischenrufe eingehend und einfach sehr symphatisch. Als ich ihn am Nachmittag vor der Halle traf, kam er mit ausgestrecktem Arm auf mich zu, fragte mich nach meinem Befinden und erzählte einfach drauf los... dabei erfuhr ich dann auch, dass der Grund für seine Stimmbandprobleme war, dass die Band es beim Einspielen der 25 Songs für die Platte (und bestimmt noch ein paar mehr als 25) einfach übertrieben hatte und zuviel in zu kurzer Zeit gemacht wurde. Um dafür zu sorgen, dass keine weiteren Termine abgesagt werden müssen, hatte er an diesem Tag auch schon seit 11 Tagen aufs Rauchen verzichtet, was schon eine Entbehrung zu sein schien.
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Zu Heaven's Trail ("No Way Out") fiel dann vor allem Brian Wheat optisch auf, da er einen pinken Gibson Bass mit auf die Bühne brachte. Das tat irgendwie weh, beeinträchtigte aber in keiner Weise seine äusserst solide und engagierte Leistung. Da muss dann endlich auch mal Troy Luccketta an der Schiessbude erwähnt werden, ein sehr dynamischer und solider Drummer, ohne großes Brimborium. So wie es sich für gute Rockmusik gehört.
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Der nächste Song, wieder von Frank Hannon angesagt und auch von ihm (wie auch schon auf dem zweiten Teil der "Real To Reel" CD) gesungen, ein "favorite song we grew up to" von ihm und seinen Kollegen. Und dies war auch spürbar, ist dieses Stück doch ein weiteres Highlight des neuen Werks, das mit sehr viel Elan und Enthusiasmus vorgetragen wird. Anders als in Peter Framptons Version sind Frank Hannons Talkbox-Einlagen sehr gut verständlich. Unter anderem dankt er Frampton hier auch für die wunderbare Musik ("We want to thank you, Peter Frampton, for rockin on your guitar"). Wer es bis hierhin noch nicht erraten hat, es handelt sich um Do You Feel Like We Do. Neben dem Gesang ist natürlich die Gitarrenarbeit hervorzuheben, ist sie doch Hauptbestandteil des Songs. Auf der Platte verbraucht dieses Lied schon elf Minuten und lässt damit viel Zeit sich auf dem Instrument auszutoben, beim Konzert könnte es etwas weniger gewesen sein, aber diese Zeit nutzen Hannon und Rude abwechselnd sehr gut. Ein gigantisches Stück.
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Das folgende Dear Mr. Fantasy von TRAFFIC, etwas ruhiger und mehr ein Stück für Jeff Keith, geht am Ende in einen absolut treibenden Beat über, bei dem sich Franks weiße Flying-V wie von Zauberhand gegen den Bühnenhimmel verabschiedet (per vorher am Headstock befestigtem Seil). Einzige Showeinlage an diesem Abend (außer den beiden "Reels" vielleicht noch, die sich während der Songs der neuen Platte auf der Backdrop-Leinwand drehen - siehe Fotos). Dear Mr. Fantasy wurde übrigens für die Platte live eingespielt, und eben genannter Schlussteil entstand aus einem eher zufälligen Jam, bei der keiner in der Band wirklich wusste wo er hinführen würde. So entstehen wohl die besten Aufnahmen.
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Wenn ein Stück von TESLA nie fehlen wird, dann ist es ihr Love Song ("The Great Radio Controversy"). Bei dieser Tour noch um einen Akustik-Teil zu Beginn ergänzt, ist der Jubel unbeschreiblich. Die Halle tobt und jeder, aber wirklich jeder singt mit. Schon ohne den 'neuen' Teil eines der besten Akustikintros überhaupt, wird die Einlage von Dave Rude und Frank Hannon an den Akustikgitarren zu einem weiteren Höhepunkt.
"So you think that it's over...?", nein, ist es nicht, denn mit Little Suzi kommt ein weiteres Stück vom Debutalbum "Mechanical Resonance", das über geht in I Just Want To Make Love To You von FOGHAT, das 'endlich' Signs einleitet.
Nach Signs und 2 Stunden Spielzeit ist erstmal Schluss. Die Pause vor der Zugabe dauert 3 Minuten länger als normal, denn wir sind in Nashville, und dort sollte man sich standesgemäss anziehen. Was Jeff Keith mit einem fürchterlich blauen und hinreißend bestickten Anzug auch macht, der jeden Country und Western Star wohl vor Neid hätte erblassen lassen würde (zumindest damals in den Fünfzigern). Außerdem wurde eine Steelguitar und ein Keyboard aufgebaut und mit den entsprechenden (den Amerikanern im Publikum bekannten) Musikern besetzt, und noch eine Backgroundsängerin von irgendeinem der Countryknaben auf die Bühne gestellt. Und jetzt festhalten: Jeff Keith ist dabei eine Countryplatte aufzunehmen! Das war die Überraschung des heutigen Abends.
Es folgten mit Oklahoma Bound (ein Song für/über Jeff Keiths Schwester, die auch anwesend war) und Sin City (NICHT das uns bekannte Stück einer australischen Combo) zwei Stücke aus diesem Album, das wohl auch schon fast fertig ist. Das Publikum war begeistert! Angesichts der Tatsache, dass TESLA schon zwei Stunden gespielt hatten, war es mir egal, und die Jungs auf der Bühne hatten richtig Spaß. Na ja, Frank Hannon vielleicht nicht so. Aber es war auch mehr als Gag gedacht und jeder, der nicht so auf diese Musik steht, hat es auch als solchen gesehen.
Die Band hatte die Stücke erst vor dem Auftritt das erste Mal im Soundcheck geprobt, Brian Wheat hatte die Noten dazu auf dem Drumpodest liegen und 'schaute ab'. Das tat Jeff Keith übrigens hin und wieder während des gesamten Sets, hatte er doch wie früher (oder heute noch) Wolfgang Niedecken einen Ordner mit den Texten hinter dem Monitor liegen.
Spätestens als mit Honky Tonk Women noch mal ein 'richtiger' Song kam, war wieder alles in Ordnung, und ganz ehrlich gesagt, Jeff Keiths Stimme würde für Country gar nicht so schlecht passen. Langfristig müssen wir uns bestimmt keine Sorgen machen, haben TESLA doch gerade erst eindrucksvoll gezeigt, wo ihre Wurzeln liegen. Interessant ist allerdings, dass die Country Einlage damit vergleichbar wäre, wenn die SCORPIONS ein Duett mit Marianne Rosenberg brächten. Mit dem Unterschied, dass 'unser' Publikum das nicht so aufnehmen und entsprechende Lieder auch nicht mitsingen würde.
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Das war es nun, der Konzerthöhepunkt für mich dieses Jahr, und es war wirklich ein Höhepunkt. Wirklich schade, dass TESLA sich seit 1991 nicht mehr in Deutschland haben blicken lassen. Diese Band mit ihrer Spielfreude, ihrem Können und der guten Laune die sie verbreiten, würde der ein oder andere bestimmt gerne wieder sehen. Gerade heute (24.6.) sind TESLA zwar im Flugzeug nach Europa unterwegs, leider spielen sie aber nur das Arrows Festival in Holland und noch einen weiteren Auftritt dort und einen in England, aber: Brian Wheat sagte mir, dass sie den Aufenthalt auch nutzen, um mit ihrem Agent zu sprechen und Deutschlandtermine sind im Oktober geplant! Er war sich nicht sicher, aber anscheinend sind Kiel und München im Gespräch. Nicht viel, aber immerhin mehr als die letzten 16 Jahre.
Was die Setlist betrifft, kann man doch auch sehr zufrieden sein. Einiges von der "Radio Controversy", ein bisschen "Into The Now", "Mechanical Resonance" und "Psychotic Supper", na ja, und auch ein Song vom "Akustik Live Album"... schade nur, dass "Bust A Nut" wirklich schlecht wegkommt. Und die sechs neuen Songs kann man bei der Länge des Konzerts niemandem übel nehmen.
Wie schon gesagt ist die neue CD eine Doppel-CD, von der lediglich der erste Teil käuflich erwerbbar ist. Teil 2 gibt es hier in den Staaten mit dem Kauf eines Tickets beim Konzert. Europäer haben es besser, denn im diese Woche erscheinenden August-Heft des Classic-Rock-Magazines (27.6.) liegt die CD bei. Und es lohnt sich wirklich!
Komische Strategie, die dann auch dazu führt, dass in den Tagen nach den ersten Auftritten der Tour diese CD für 175 $ in Ebay den Besitzer gewechselt hat. In wenigen Monaten ist sie dann bestimmt auch im Laden erhältlich, und dann für nur 11.99 $.
Eine weitere TESLA Neuigkeit ist, dass noch in diesem Jahr ein Box-Set erscheinen wird, das neben den üblich verdächtigen Songs auch viele Raritäten enthalten soll, die dann bis zurück in die TESLA-Vorgänger-Band CITY KIDDzurückreichen sollen. Nächstes Jahr gibt es dann wieder ein 'richtiges' Studiowerk.
Setlist: Rock Bottom, Thank You, Into The Now, Miles Away, What You Give, Modern Day Cowboy, Lazy Days, Crazy Nights, Walk Away, The Way It Is, Freedom Slaves, Heaven's Trail, Do You Feel Like We Do, Dear Mr. Fantasy, Acoustic-Intro/Love Song, Little Suzi, I Just Want To Make Love To You, Signs
Oklahoma Bound, Sin City, Honky Tonk Women
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