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Konzertbericht:

Steve Hackett

Erfurt, HsD Gewerkschaftshaus, 31.03.2004

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Ingolf Schmock

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Steve Hackett
Steve Hackett
Rob Townshend
Rob Townshend
Roger King
Roger King
Terry Gregory & Gary O'Toole
Terry Gregory & Gary O'Toole
Steve Hackett & Band
Setlist Teil 1
Setlist Teil 1
Setlist Teil 2
Setlist Teil 2
Erfurt, HsD Gewerkschaftshaus, 31.03.2004

Steve Hackett Als alter GENESIS-Fan musste man natürlich anwesend sein, wenn dieser großartige Musiker, im Rahmen seiner aktuellen Tour, im ehrwürdigen HsD Erfurt gastierte.
Leider hatten sich an diesem Abend nur knapp 350 Besucher (ich glaube, besondere Musikliebhaber) eingefunden, um eine der nur zwei Deutschlandvisiten 2004 zu verfolgen. Abgesehen davon, dass es Hacketts erste Live-Tour nach 20 Jahre Bühnenabstinenz war.

Was dann ab 21.15 Uhr geboten wurde, konnte man nur mit der Bezeichnung "nicht von dieser Welt" versehen.
Während der ersten 20 Minuten wurden von den Hörern mental sofort erhöhte Aufnahmefähigkeiten abverlangt. Die Erkenntnis einem progressiven Gourmetmenü beizuwohnen, wurde jedem damit sofort bewusst.
Steve Hackett Nach dem noch ziemlich sophisticated intonierten Valley Of The Kings folgte mit Mechanical Bride und Circus Of Becoming (vom aktuellen Output "To Watch The Storms") zwei denkbar anstrengende Tracks. Diese glänzten trotz der verschachtelten Songstrukturen mit absoluten perfekten Breaks bzw. Tempiwechseln und jazzigen Impressionen, wie bei KING CRIMSON zu ihren besten Zeiten.
Diese Sound-Kakophonie steigerte sich noch mit Frozen Statues, eine Freejazz-Klangcollage mit wunderbaren flächigen Keyboardteppichen.
Das schwarze Loch zum Hackettschen Kosmos hatte sich damit geöffnet und man konnte sich diesem einfach nicht mehr entziehen.

Der Sound war von Anfang an exzellent, was in den Räumlichkeiten eine Meisterleistung des Tonmischers darstellte.
In den folgenden gut zwei Stunden wurden die wirklichen starken Songs vom "To Watch The Storms"-Album und andere Perlen aus seinem reichlichem Solofundus zelebriert.

Steve Hackett

"Einfallsreicher Gitarrist/Songschreiber sucht Kontakt mit gleichgesinnten Musikern, die wie er die Stagnation der heutigen Musikformen durchbrechen wollen." (Zitat S.H.)
Diese Zeitungsanzeige vom Dezember 1970 gilt als der Auslöser bzw. Beginn des wichtigsten prägenden Abschnittes in der musikalischen Laufbahn von Steve. Er wurde daraufhin zum Vorspielen bei GENESIS eingeladen und als Gitarrist angenommen.
Steve Hackett erblickte am 12.Februar 1950 in London das Licht der Welt und sollte recht früh seine Vorliebe für die Musik entdecken. Er spielte als Kind schon Mundharmonika, bis er im Alter von 13 Jahren die Gitarre für sich erschloss. Mit 15 bekam er dann seine erste E-Gitarre mit Verstärker.
Der Jüngling fühlte sich damals besonders zu den ROLLING STONES hingezogen.
Mit zarten 16 verließ er die Schule und schlug sich nun mit verschiedenen Jobs durchs weitere Leben. Parallel dazu schaltete er regelmäßig Anzeigen im Melody Maker, um eine Band zusammenzustellen.
Steve Hackett Entscheidend für Steve war ein von Segovia gespieltes Bach-Stück für Gitarre (Andrés Segovia, spanischer Gitarrenvirtuose, geb. 1893, gest. 1987 - Red.). Das eröffnete für ihn neue Möglichkeiten die akustische Gitarre neu zu erschließen.
Er spielte in verschiedenen Bands, wie SARABANDE, CANTERBURRY GLASS und QUIET WORLD, mit denen er 1970 das Album "The Road" einspielte.
In dieser Zeit hörte er sehr viel schwarzen Blues, der den Drang, mit seiner Gitarre in neue unbekannte Bereiche vorzustoßen noch bestärkte.
Nach dem besagten Einstieg bei GENESIS ging er gleich in der ersten Jahreshälfte 1971 auf Promotions-Tournee. Trotz seines zurückhaltenden bzw. introvertierten Wesens brachte er durch sein Spiel mehr Drive und Power zur Band. Seine experimentalen Ideen wurden dann auch in das Album "Nursery Cryme",1971, mit verarbeitet.
Das erste Solo-Werk "Voyage Of The Acolyte",1975, gab ihm Gelegenheit zu mehr experimentellen Spielereien, die bei den auf traditionellen Songs aufbauenden GENESIS nie eine Chance hatten.
Steve Hackett Er verließ nach der erfolgreichen 77er Tour (Livealbum "Seconds Out") und 7 Alben ziemlich frustriert die Prog-Götter. In seinem Streben als Perfektionist wollte er sich weiterentwickeln.
Er gruppierte sich neben Steve Howe 1985 zur kurzlebigen Supergruppe GTR, die auch nur ein Studio-Album veröffentlichte. Er konzentrierte sich danach verstärkt auf seine Solo Projekte, mehr oder weniger erfolgreich, die bis heute auf 17 Alben dokumentiert sind. Der letzte Studio-Output "To Watch The Storms" aus dem vergangenen Jahr, ist mit der unglaublichen Bandbreite ein echtes Meisterstück geworden und verlangte deshalb nach einer Livepräsentation.

Steve Hackett

Seine sehr eigenen Trademarks im Spiel und das äußerst solide Agieren der Rhythmusgruppe ließen Raum für die ausgiebigen Gitarrenimprovisationen des Meisters.
An diesem Abend stand Mr. Hackett wahrlich eine der besten Begleitcombos zur Verfügung: Terry Gregory, der souveräne Frickler am Bass, Roger King, der Beschwörer, an den Keyboards, Gary O'Toole mit dem perfekten Drumtiming und Rob Townshend, ein echter Könner an den verschiedensten Blasinstrumenten, werkelten mitreißend auf ihrem Handwerkszeug. Sie ließen keinen Zweifel aufkommen, auf enorm hohem spieltechnischem Niveau zu agieren.
Dabei bleibt Hackett der ruhende Mittelpunkt, optisch wie musikalisch.

Steve Hackett

Bei dem akustischen Teil des Konzertes wollten sich die Münder so mancher anwesender Saitentüftler nicht mehr schließen. Steve bediente sein Instrument wie ein Profisportler, bestäubte seine Hände mit Talgpulver um dann mit seinen Spinnenfingern in eleganter Leichtigkeit über die Saiten zu gleiten, somit sich ihm die Pforten zum Rock-Olymp auftaten.
Das dargebotene Repertoire umfasste sowohl die Klassiker seiner Karriere, wie Every Day ("Spectral Mornings", 1979) oder Please Don't Touch ("Please Don't Touch", 1978) als auch AOR-Rocksongs wie Brand New und das anmutige Serpentine Song, mit traumhaftem Flötenspiel.
Aber auch düstere Facetten wurden mit Darktown vom gleichnamigen Album aus 1999 strategisch in den Set mit eingebaut.
Natürlich kamen auch instrumentale Zitate aus der Genesis-Phase zum tragen. Firth Of Fifth und Blood On The Rooftops wurden mit Hingabe zelebriert, dass sich die Nackenhaare aufstellten. Das wurde im Zugabenteil mit Los Endos und dem harmonischen Spectral Mornings noch vollends würdig gekrönt.

Steve Hackett

Steve Hackett bewies wieder einmal: Als Ausnahmekünstler im progressiven Musikbereich ist und bleibt er eine beständige Größe.
Für die Anwesenden im HsD Erfurt war es wirklich ein durchweg gelungener und gehaltvoller Konzertabend.

In der Nacht nach diesem Ereignis hatte ich eine recht wirr anmutende Vision: Im Traum begegnete mir Steve und Peter zusammen mit den anderen bekannten Gesichtern, die eine Bühne betraten und recht fantasievolle Musik zu intonieren. Wenn ich mich noch recht entsinne wurde der musikalische Vortrag mit "Suppers. Nochetwas" betitelt. Das ist mir aber leider doch entfallen. Es war eben nur ein Traum.
(Boah, was für geile Drogen! Red., neidisch)

Rock'n Roll will never die!

Ingolf Schmock, (Artikelliste), 19.04.2004

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