|
| Köln, Rhein Energie-Stadion, 23.07.2006 |
 |
Mick Jagger - Vocals, Guitar (Streets Of Love)
Keith Richards - Guitar, 12-String Acoustic Guitar, Vocals
Ronnie Wood - Guitar
Charlie Watts - Drums
Darryl Jones - Bass, Background Vocals
Chuck Leavell - Keyboards, Background Vocals
Lisa Fischer - Background Vocals, Percussion
Bernard Fowler - Background Vocals, Percussion
Blondie Chaplin - Background Vocals, Guitar, Percussion
Bobby Keys - Tenor-Saxophone
Tim Ries - Saxophone, Keyboards
Michael Davis - Trombone
Kent Smith - Trumpet
Der diesjährige Start der STONES-Europatour stand nicht gerade unter einem guten Stern. Zuerst fiel 'Good Old Keith' während seines Urlaubs auf den Fiji-Inseln von einer Palme und knallte heftigst mit dem Kopf auf und beinahe zeitgleich schwächelte Ronnie Wood: Eben der Rückfall in alte Angewohnheiten - Alkoholentzug in einer Klinik. Konzertabsagen und Verschiebungen wunderten da nicht, nur eines habe ich bis heute nicht ganz verstanden: Leipzig wurde abgesagt, dafür durften die enttäuschten Fans als Ersatz kostengünstig per Bus nach Berlin fahren und bekamen noch einen Bonus auf die schon bezahlten Eintrittskarten. Also passte nun plötzlich das Publikum von zwei angeblich fast ausverkauften Konzerten ins Olympiastadion hinein?!? Bisschen komisch. Doch man ist seit über 30 Jahren als Fan einiges gewohnt, also ab nach Köln!
Die leidige Diskussion über die Eintrittspreise möchte ich hier nicht fortführen, das überlasse ich lieber den Wirtschaftsmagazinen. Die glorreichen Zeiten in denen man die STONES für wenig Zaster besuchen durfte sind schon lange vorbei, leider.
Der Security-Check am Stadion-Eingang war mehr als lau, Mist, keinen Fotoapparat mitgenommen, wie man es macht, macht man es verkehrt.
In diesem Jahr gönnte ich mir mal einen Tribünenplatz (man wird ja nicht jünger). Leichtsinnigerweise hatte ich mir die Osttribüne ausgesucht - mit der Folge, dass ich mir wegen der gnadenlosen Sonnenbestrahlung am Nachmittag völlig die Murmel verbrannt habe - aber man muss eben auch einstecken können.
Gegen 19 Uhr begann der Abend mit dem Opener RAZORLIGHT. Diese Band war nun gar nicht mein Fall. "Garagenrock" an sich ist ja nicht schlecht, aber das hier gebotene war nur grell, mittenlastig, laut plärrend und völlig übersteuert. Dann doch lieber Flüssigkeitsaufnahme - diese Hitze! Wasser - Bier - Bier - Wasser, geht schon besser.
Meine Aufregung stieg, wie oft habe ich die STONES eigentlich schon live gesehen? Ich muss doch beizeiten mal nachzählen, meine Anspannung vorher hat in den ganzen Jahren jedenfalls nicht abgenommen.
Kurz vor 21 Uhr dann der 'Bang'. Auf der riesigen Leinwand fand scheinbar eine Simulation des Urknalls statt. Jumpin' Jack Flash, Richards sägte seine Riffs, Jagger übernahm von der ersten Sekunde an das Kommando, stimmlich und körperlich in Topform dirigierte er die Massen wie seit Urzeiten. Das Stadion hatte sich mittlerweile gefüllt. Sah man bei RAZORLIGHT doch noch mächtige Lücken, schien es nun kurz vor 'Sold Out' zu sein. Mir fiel die Intimität der modernen Fußballstadien auf, kompakt und nahe zur Bühne. Von nahezu jedem Platz konnte man das Geschehen genau verfolgen. Das hatte schon Arena-Charakter. Goodbye Field-Concerts! Ich bedauerte gleichzeitig die Fans auf den 'On Stage-Plätzen', das sollte nun 450,- Euro wert sein? Auf einen Balkon eingesperrt wurden sie dazu verdammt das Geschehen von hinten zu beobachten. Den Popo von Mick Jagger in allen Ehren, aber ich weiß nicht so recht.
Weiter im Programm: It's Only Rock'n'Roll, danach Oh No Not You Again vom aktuellen Album, in dieser Live-Version bedeutend fetziger als auf Konserve.
Let's Spend The Night Together gehörte schon immer zu meinen Favoriten, Erinnerungen an mein erstes STONES-Konzert im Jahre 1982 wurden wach. She's So Cold, geiler Song vom "Emotional Rescue"-Album. Doch was war los? Ich konnte es genau beobachten: Richards warf Ronnie Wood immer wieder böse Blicke zu, dieser antwortete demonstrativ mit Kussmund. Warum? Man konnte es hören! Ron Woods Gitarrenspiel war einfach nur schrecklich und es wurde auch im Laufe des gesamten Konzertes nur unwesentlich besser. Wir alle lieben die 'Ecken und Kanten' beim Zusammenspiel zwischen Keith und Ron. Das macht die STONES aus, genau das ist erdiger, ehrlicher Rock. Doch heute Abend? Ron Wood spielte destruktiv, versuchte oft den jeweiligen Song scheinbar absichtlich zu versemmeln. Bei den Soli stimmte kaum eine Note, die Saiten schnarrten. Ich war während der Show schon froh, wenn er ab und zu eine Kunstpause einlegte und nur gelangweilt einen Riff beisteuerte. Dann plötzlich spielte er wieder den Clown (wir kennen ihn ja, aber so?). Ich mag diesen Musiker sehr, aber ich weiß nicht was mit ihm los ist. Vielleicht geht es ihm gesundheitlich schlechter als wir denken, man kennt seine Probleme diesbezüglich. Mich machte sein Zustand jedenfalls sehr nachdenklich.
Weiter ging es mit zwei Höhepunkten. Zuerst As Tears Go By mit Keith Richards an einer 12-Saiten-Acoustic. Er und Mick Jagger standen im Rampenlicht. Jetzt wusste ich auch die Streets Of Love von "A Bigger Bang" richtig zu schätzen. Ein wunderbarer Song! Jagger zog das Publikum sichtlich in den Bann. Magic!
Auch Tumbling Dice, in einer langen Version, durfte natürlich nicht fehlen. Starke, fetzige Version, Ronnie riss sich zusammen und Jagger erhöhte seinen persönlichen Kilometerstand. Night Time Is The Right Time, "ein sehr alter Blues-Song", so Mick Jagger. Kurze Einblendung eines Ray Charles-Portraits, doch dieser Song gehörte ohne Zweifel Lisa Fischer. Mein Gott, hat die eine Vulcano-Voice! Der Kölner Dom zitterte. Beeindruckend!
Es folgten meine, wie bei jeder Tour, persönlichen Glücksmomente. Nach den Introductions war Keith an der Reihe. "Great to be back, great to be anywere". Before They Make Me Run fetzte, eine Killerversion, übrigens, genau das ist Garagenrock, liebe RAZORLIGHTer! Slipping Away in einer gefühlvollen Version beschloss den Keith-Part.
Und weiter ging es mit Action. Der Mittelteil der Main-Stage erhob sich, und los ging die Fahrt zur B-Stage in Nähe der Nordtribüne. Mick, Keith, Ronnie, Charlie, Darryl Jones und Chuck Leavell auf dem Wege, mit Miss You im Gepäck. Das Publikum tobte. Auch auf der B-Stage selber gab es zwei Highlights: Rough Justice von "A Bigger Bang" und als weiteres Leckerchen, man höre und staune, Get Off Of My Cloud, ein Geschenk für alle 'Hardcore-Fans'. Der B-Stage-Zauber endete mit dem Rücktransfer der Mannen mit gleichzeitigem Honky Tonk Women, eben auch so ein Crowdpleaser der nur selten bei einem STONES-Konzert fehlt.
Der letzte Showteil ließ das Stadion überkochen, eine tolle Stimmung und eine atemberaubende Atmosphäre bei Sympathy For The Devil, mit blutrotem Bühnenlicht und Feuerfontänen, Start Me Up und Brown Sugar. Schnitt: Die STONES verließen die Bühne.
Die Zugaben ließen nicht lange auf sich warten: You Can't Always Get What You Want testete die Sangeskunst des Publikums aus und Satisfaction fetzte in einer langen Version. Viel Licht und ein kleines Feuerwerk auf der Bühne (zum Grillen der On-Stage-Leute - he, he) beendete den denkwürdigen Abend nach der obligatorischen Verbeugung unserer Rocker.
Fazit: Ich habe ein sehr gutes STONES-Konzert gesehen. Es wird auf jeden Fall in meinen 'ewigen Top Ten' ganz vorne stehen, trotz der Schwächen die uns Ron Wood offenbarte. Keith Richards wirkte zwar in manchen Momenten etwas müde, doch seine Riffs saßen (übrigens viel besser als noch bei den Amerika-Konzerten im Vorjahr). Charlie Watts spielte seinen Part solide wie immer, er schien sehr gut drauf zu sein, lächelte sogar des öfteren. Doch der Sieger des Abends war zweifellos Mick Jagger, der mich schwer beeindruckte. Ein Vollprofi! Er, der Showman, lieferte einen Gig ab, der mich vollends überzeugte. Er wollte in den letzten drei Jahren scheinbar wieder nicht älter werden und wirkte sogar noch agiler als bei der Licks-Tour 2003. Seine Vocals haben noch immer dieses gewisse Timbre und seine Ausstrahlung ist ungebrochen. Durch Fingerzeig konnte er auch hier in Köln sein Publikum bis in die letzte Reihe hinein dirigieren. Unglaublich und unverschämt zugleich!
Auch die Stage konnte mich (im Dunkeln) überzeugen. Sah sie bei Helligkeit noch eher wie das Geilenkirchener Parkhaus aus (ha, ha), erstrahlte sie während der Show zu einzigartigem Leben mit ihren tausenden LEDs und Scheinwerfern. Wenn ich da an die 'drahtige' und in meinen Augen lieblose Licks-Bühne denke..., doch das ist ein anderes Thema. Auch der Sound stimmte, einen angeblichen 'Rumpel-Sound' (u.a. im Express vom 25. Juli zu lesen) kann ich keineswegs bestätigen.
Sehen wir die STONES während dieser Tour zum letzten Mal? Ich persönlich fürchte: Ja! Charlie Watts will laut eigener Aussage nicht mehr. Zudem musste er erst vor kurzem eine Krebsbehandlung überstehen. Ronnie Wood leidet an einem Lungenemphysem und kämpft fortwährend gegen sein Alkoholproblem. Keith Richards und Mick Jagger dagegen werden wohl nie ganz von der Stage verschwinden.
Warten wir es mal ab, denn noch ist die Tourmaschinerie im Gange und sie läuft in Europa noch bis zum 03. September 2006. Der nächste (und auch letzte) Deutschlandtermin wird am 03. August in Stuttgart sein, VIELLEICHT wirklich 'der Letzte'.
Setlist:
Jumpin' Jack Flash, It's Only Rock'n Roll, Oh No Not You Again, Let's Spend The Night Together, She's So Cold, As Tears Go By, Streets Of Love, Tumbling Dice, Night Time Is The Right Time, Before They Make Me Run (Keith Richards on Voc.), Slipping Away (Keith Richards on Voc.), Miss You (To B-Stage), Rough Justice, Get Off Of My Cloud, Honky Tonk Women (To Main-Stage), Sympathy For The Devil, Start Me Up, Brown Sugar, You Can't Always Get What You Want (Encore), Satisfaction (Encore)
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|