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München, Garage, 15.10.2003 &
Horb-Altheim, 17.10.2003

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Fotos:
Adelina Schmidtlein

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American Dog
American Dog
Big D
Big D
Joe Turnbull
Joe Turnbull
Bobby Nesbitt
Bobby Nesbitt
Billy Moss & Pat Savage
Billy Moss & Pat Savage
Billy Moss & Pat Savage
Rebel Storm mit Stefan Kossmann (Flatman)
München, Garage, 15.10.2003 & Horb-Altheim, Rainbow, 17.10.2003

Rebel Storm

Man stelle sich bitte vor: Bei einem Fußballspiel im ausverkauften Münchner Olympiastadion (Bayern gewinnt natürlich 4 zu 0) kündigt der Stadionsprecher im Werbeblock ein Konzert an. "Liebe Fußballfans, übermorgen tritt die großartige Southern Rock Band Rebel Storm in München auf. 21 Uhr in der Garage. Wir freuen uns auf zahlreichen Besuch". Wie viele der 70.000 Menschen können wohl mit dem Begriff "Southern Rock" etwas anfangen? 50.000? 7.000? 700? 70? Oder nur 7? Vermutlich assoziieren 69.993 Fußballfans Southern Rock mit Hubert von Goisern, Kentucky Fried Chicken oder Frauenfußball.
Würde man allerdings Sweet Home Home Alabama als Trailer einspielen und dann sagen "Wollt Ihr Musik wie diese live hören, dann kommt übermorgen zum Konzert", dann wäre das Haus voll. Denn ein Großteil der 70.000 haben sich zu solcher Musik früher ein Bierchen genehmigt und würden das gern mal wieder hören.

Rebel Storm

Sweet Home Home Alabama kriegen die Leute beim Konzert natürlich nicht. Aber das spielt keine Rolle. Als Ersatz bieten REBEL STORM nämlich Southern Rock der Sorte "Nie war er so wertvoll wie heute".
Dumm nur, dass kein Stadionsprecher ein Rock & Roll Konzert ankündigt. Bleibt also nur, dass die verantwortlichen Macher selbst für ihre paar Gäste sorgen. Und damit sind wir beim Wesentlichen.

Die Garage in der Kult Fabrik (ehemals Kunstpark Ost) ist ein großer Club mit feiner Soundanlage und allen Voraussetzungen für beste Konzerte. Hier wird lokalen und überregionalen Bands eine Bühne geboten und neben diversen Newcomern, verlaufen sich öfter auch bekannte Acts hierher. So ergab es sich, dass die Band AMERICAN DOG auf Tour nach Europa kam und für die Garage gebucht wurden. Damit die Jungs auftreten können, benötigte man eine Backline und da REBEL STORM zur Zeit ebenfalls on tour sind, wurden sie dazu geholt. Kurzfristig, mit nur wenigen Wochen Vorlauf. AMERICAN DOG kamen aus Paris angereist, REBEL STORM befanden sich auf der Rückreise aus Italien.
Und dann passiert es, dass von dem Konzert niemand etwas weiß. Keine Plakate, keine Ankündigung in einer Zeitung, kein Garnichts. Kurzfristigkeit hin oder her, für München ist es mehr als peinlich, wenn sich zu einem Konzert zweier solcher Bands grade mal 7 Besucher verlaufen. 5 davon hatten REBEL STORM eine Woche zuvor im kleinen Hide Out bereits bewundert, einer war zufällig da, um die CD seiner eigenen Band abzugeben und einer kam aus Italien um AMERICAN DOG zu sehen. Dafür dürfen die Bands die GEMA-Gebühren bezahlen, kriegen weder Seife noch Handtücher um sich die Hände zu waschen, müssen die Bühne fegen um nicht in die Glasscherben des vorherigen Abends zu treten und besorgen sich ihr Abendessen selbst. Vor allem leuchtet mir der Sinn solcher Veranstaltungen und Locations nicht ein, wenn sich niemand um eine angemessene Zuschauermenge bemüht. Schade.

Es wäre nichts als logisch, wenn die beiden Bands aufgrund der Umstände angepisst wären und den Gig canceln würden. Tun sie aber nicht. Ganz im Gegenteil, mit Unterstützung des großartigen Soundmannes Tom Burlefinger erleben die wenigen Anwesenden in den folgenden 75 Minuten eines der genialsten Southern Rock Konzerte der letzten Jahre.

Big D

Wenn dieser Auftritt einen positiven Effekt hatte, dann den, dass der Rezensent jetzt weiß, dass REBEL STORM nicht nur kleine Clubs zum Kochen kriegen, sondern auch in großen Venues abräumen. Laut, glasklar, Power bis zum Anschlag und trotz aller widrigen Umstände gnadenlos spielfreudig, rocken die fünf durch ihren Set, lassen keine Verschnaufpausen zu und zeigen alles, was Southern Rock ausmacht:
Gitarrenschlachten ohne Ende, Big D's mächtige Röhre (Billy Moss kann wegen totaler Heiserkeit seit Tagen nicht mehr singen), Joe "Mr. Boogie" Turnbull am Piano und natürlich wieder ein Drumsolo von Bobby Nesbitt, das viele Nachwuchsschlagzeuger zur Aufgabe bewegen dürfte.
Immer wenn Billy " Mr. Smokin' Guitar" Moss zu einem seiner Soli abhebt - und das sind nicht wenige - ist man an glückliche Dave Hlubek-Zeiten erinnert. Eine wahre Ein-Mann-Show. Aber weil das nicht reicht, stößt Pat Savage jedes Mal in die wenigen Lücken und zusammen sind die beiden ein Gitarren-Tandem, wie man es heutzutage vielleicht noch bei 2 anderen Bands findet. Dank dem Killersound rockt das alles dermaßen umwerfend, dass die Absenz eines würdigen Publikums doppelt schmerzt.

Um es kurz zu machen: Weltklasse!

American Dog

AMERICAN DOG sind anschließend natürlich eine ganz andere Abteilung. George Thorogood meets Lemmy ist das Motto und die drei überaus sympathischen Rabauken (die von Manager Tommy Floyd im "Tiefflug" in Rekordgeschwindigkeit von Paris nach München transportiert wurden) lassen nichts anbrennen. Rücksicht auf verloren gegangene Noten wird nicht genommen und wann immer sich Gelegenheit für ein klassisches Boogie-Riff bietet, wird dieses auch sofort gespielt. Simpel, gradeaus, ohne Umweg übers Kleinhirn direkt in den Magen. Die Hunde prügeln sich ebenfalls eine gute Stunde durch ihre 3 CDs und "philosophieren" dabei ausgiebig übers Trinken und Ficken und die Schlechtigkeit der Welt.

American Dog

Diese Art von straightem Einfach-Rock & Roll macht Spaß, aber sie macht vor allem Spaß in einem prall gefüllten Club, in dem rechts und links ledertragende, biertrinkende Biker die recht leicht zu erlernenden Refrains mitgrölen. So ganz alleine vor einer Bühne zündet die Sache leider nicht richtig. Dafür können AMERICAN DOG aber nichts.

München ist ne große Stadt mit vielen Menschen. Aber ein bisschen Promotion braucht jedes Konzert. Von ganz alleine kommt niemand auf die Idee, sich zwei Bands anzugucken, die im Freistaat nicht bekannt sind. Vor allem dann nicht, wenn ein 0,3 Liter Weißbier 3 Euro kostet.

Billy Moss & Pat Savage

Zwei Tage später im Schwarzwald. Irgendwo hinter den Bergen, da wo noch nicht mal mehr die Zwerge nach Schneewittchen suchen, weil die längst in eine bewohntere Gegend abgehauen ist.
Das "Rainbow" in Horb am Neckar ist klein. Als Backstageraum dient ein lustiger alter Doppeldeckerbus, der draußen im Garten steht, und die Bühne bietet keinen Platz für Monitorboxen. Dafür ist das Häuschen voll mit Rockern aus der ganzen Region, die Band labt sich am reichlich vorhandenen Catering und alle freuen sich auf das Konzert. Was es doch für regionale Unterschiede gibt...

Die jungen Lokalmatadoren von GREEN LEAF bestreiten ein nettes Akustik-Cover-Programm und wärmen das Publikum gut an. Aber im Moment, in dem Billy, Pat, Don, Joe und Bobby mit No Settled Man loslegen, fegt ein ganz anderer Wind durch den finstren, dunklen Wald.
Wieder ziehen die fünf alle Register und es bleibt kein Auge trocken. Double-Leads, southern Groove, Boogie, Blues und Rock & Roll der Spitzenklasse. Ich glaube nicht, dass mir solche Musik jemals langweilig werden könnte. Von mir aus schau ich mir jede Woche 5 Konzerte dieser Kategorie an.

Billy Moss & Pat Savage

Billy Moss rockt diesen Abend ganz besonders grausam und brät Solo um Solo, Savage donnert daneben gradezu entfesselt vor sich hin und nach gut eineinhalb Stunden kommt "endlich" die Hommage an das Rainbow, den Schwarzwald und die Leute hier: True Tales Of The Black Forest. Es gibt viele so genannte XXL-Songs im Southern Rock, und so mancher ist über die Jahre etwas angestaubt. Aber diese Nummer live zu hören und zu sehen, ist eine Offenbarung.

Wie überall auf dieser Tour, hinterlassen REBEL STORM ausschließlich glückliche und zufriedene Gäste. Für Fahrer Mimi ist die lange Tour hier beendet, den letzten Gig in Frankreich fährt Rainbow-Chef Freddy und wir freuen uns ab sofort auf die nächste Tour im nächsten Jahr.
Danke Jungs, Ihr seid einfach großartig. REBEL STORM rules!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 19.10.2003

Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15. & 17.10.2003

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