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| Frankfurt, Festhalle, 07.06.2004 |
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Tja, hin- und hergerissen war ich schon: Entweder ich bezahle 55 Euros und erlebe einen tollen, kurzweiligen Abend mit einem wirklich guten Entertainer oder ich belasse es dabei, in wohlgeodneten Erinnerungen zu schwelgen.
Dem singenden Schlagzeuger ist es zu Hause scheinbar zu langweilig geworden und so wollte er noch einmal die großen Stadien und Hallen füllen. Die (deutschen) waren auch innerhalb von Stunden ausverkauft, so dass ich nur noch einen Innenraumplatz in der wunderschönen Festhalle ergattern konnte.
Ich mag die Festhalle: Architektonisch toll und ich habe dort prima Konzerte gesehen (PINK FLOYD, McCartney, Neil Young). Den Collins hatte ich drummend und singend (More fool me) zum ersten Mal 1974 mit GENESIS gesehen, der Rest ist Geschichte, die kennt jeder, das spare ich mir. Mit GENESIS sah ich ihn dann 1992 auf deren letzter gemeinsamer Tournee: Wer ahnte denn damals, dass er danach total auf die Hitparade schielte und GENESIS den Laufpaß geben
sollte?
Die großen Solo-Tourneen 1990, 1994 und die 1997 waren Megaerfolge (finanziell gesehen eh...), seine Band Megaspitze, megalang mit 150 Minuten die Konzertdauer. Da ich ihn noch nie Solo erlebt hatte, wollte ich es jetzt wissen. Nach den 2 Dutzend Big Band-Konzerten 1998, neben seinem Londoner Konzert im La Scala für BBC Radio 2 (leider nur knapp 90 Minuten) am 6. November 2002 und diversen Promoauftritten zur Verkaufsförderung seiner Film-Soundtracks jetzt also nach 7 Jahren mal wieder richtige Arbeit für Brother Phil.
Immer wieder das gequälte Lächeln in meinem Gesicht, wenn ich gefragt werde, wo man denn um Himmels Willen in Nähe der Festhalle parken kann (und nach dem Konzert auch schnell wieder in Richtung Rheinland verduften kann): So hieß es auch dieses Mal wieder rechtzeitig losfahren.
Anders als die Stadionkonzerte im Juni war dieses Hallenkonzert ohne Opener MIKE & THE MECHANICS und so ging's dann auch schon um 10 nach 8 los. Alle Lautsprecher hingen von der Decke, so dass die Bühne der Festhalle vollgestopft war mit 2 Schlagzeugen und vielen Trömmelchen. Hinter der Bühne war eine Empore aufgebaut, zu der man links und rechts über Treppen hingelangen konnte. Der Sound war sehr gut ausgesteuert, nur bei den schnellen, lauten Songs kam Collins' Stimme nicht so deutlich rüber.
Die Band: Diesmal wieder mit Leland Sklar (b), Daryl Stuermer (g) und Chester Thompson (dr), also alles gute Bekannte. Dazu u.a. vier Bläser und 5 SängerInnen.
Die Auswahl der Songs war nicht wirklich überraschend: Glücklicherweise nur 3 Songs seiner letzten CD "Testify", 1x "Tarzan" und 1x "Brother Bear". Stattdessen brachte er in den 130 Minuten überwiegend Altbewährtes: Collins und Chester Thompson betraten ganz unspektakulär die
Bühne und hauten auf die Felle drauf. Was das sollte, weiß man nicht: Will er uns immer noch weismachen, er könne Schlagzeug spielen? Schon vor 30 Jahren war ich der Meinung, dass es da Bessere gäbe. Beim 1985er Live-AID-Konzert in London und Philadelphia (wo er bei anderen Künstlern trommelnd aushalf) fiel das besonders schlimm auf: Nie habe ich White room so lahm bzw. außer Takt gehört.
In der Festhalle ging's dann aber auch mit Something happened on the way to heaven schnell mit richtiger Musik zur Sache. Schon beim 3. Lied Against all odds hatte ich die erste Gänsehaut des Abbends: Wann passiert einem sowas schon mal?
Die besten Songs des Konzertes waren die, bei denen die Bläsersektion volle Kanne loslegte: So
auch bei Don't lose my number. Es folgte ein lahmer Tarzan mit You'll be in my heart, One more night und wieder was Überflüssiges aus 2003: I can't stop loving you.
Die Band gab bei Hang in long enough wieder mächtig Dampf, um dann leider bei True colours in einschläfernden A-Capella-Gesang zu enden: Collins hat solch einen immensen Fundus an getexteten Songs, warum nur leiht er sich solch einen Song aus?
Come with me von "Testify" besserte meine Laune dann auch nicht auf, eher schon Groovy kind of love und das phänomenale I missed again.
Another day in paradise war eines der Highlights, anschließend leider wieder ein Hänger
mit No way out vom Bären-Soundtrack. Man muß ihm zu Gute halten, dass er nicht auch noch Ausschnitte der Disney-Filme auf der Leinwand abspielte, dann wär's ganz unerträglich geworden.
Ein Wort zwischendurch zur Light-Show: Sehr aufwendig und sehr gut; nach der 94er PINK FLOYD-Show das beste, was ich danach gesehen habe (auch die STONES können da nicht mithalten). Hinter der Empore war eine riesengroße Wand, in der kleine Glühbirnen (ähnlich der Vari-lights) alle Farben in Bruchteilen von Sekunden aufleuchten lassen konnten.
Bei Seperate live das obligatorische Duett mit einer seiner Sängerinnen und dann der absolute Höhepunkt des Abends: Ich weiß, es hört sich konservativ und doof an, aber In the air tonight an dem Abend mit den Lichteffekten gespielt war eines der besten Songs, die ich
live seit 1971 gesehen habe. Kaltes, blaues Licht und flakscheinwerferähnliche Lichteffekte gepaart mit Stuermers schneidender Gitarre und dazu ein wummernder Bass, der den Fußboden der Festhalle vibrieren ließ. Collins nüchterne, nicht überdrehte Vocals dazu, das war einfach toll! Kurz vor dem Einsetzen der Drums stieg Collins auf die Empore, wo hydraulisch ein Schlagzeug hochgefahren wurde und trommelte, was die Stöcke hergaben. Uff, danach setzte die Band zum Endspurt an und spielte wieder was Freundliches, Dance into the light, You can't hurry love und mein immerwährender Collins-Favorit 2 hearts.
Richtig albern und für mich unbegreiflich, warum sowas überhaupt im Set auftaucht, war die
Hutaustauschnummer You can wear my hat, naja.
Am Schluß des regulären Sets dann noch Easy lover (hier konnte man hören, dass seine Sänger dieses Jahr nicht so überzeugen können) und Sussudio.
3 Minütchen Pause, er kam auf die Bühne und meinte, es wäre noch Zeit für 2 Songs. It's not too late von "Testify" (richtig geraten: absolut daneben!) und das grandiose Take me
home.
Am Schluß stellte er noch seine Jungs und Mädels vor und verabschiedete jeden.
Fazit: 17 von 24 Songs waren sehr gut bis wirklich überragend. Collins zeigt, dass er ein toller Entertainer ist, der nur leider manchmal einen etwas kitschigen Geschmack hat, diese 7 überflüssigen Songs aber wohl in 2004 bringen muß, weil es Single-Auskopplungen bzw. Songs vom
letzten Soloalbum sind. Dennoch alles in allem ein prima Konzert, hätte ich mir ehrlich gesagt nicht so positiv vorgestellt.
Bleibt mein letztes Wort, dass ich Collins besser 1990 solo gesehen haben sollte. Aber so ist das halt...
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