| Mind Open Air, München, 13.09.2002 |
 |

München wird nicht mehr zur Rock & Roll Hauptstadt dieser Welt. Damit habe ich mich abgefunden. Vergeblich war der Kampf, umsonst die Bemühungen.
Aber! Solang es Menschen gibt, die es immer wieder versuchen, die Locations finden, die noch keiner vorher gefunden hat, solang es Bands gibt, die sich nicht zu schade sind, vor 10 Leuten zu spielen, solange ist nicht alle Hoffnung dahin.
Am Rande des wunderschönen Münchner Bahnhofsviertels, in der Straße, die nach Paul Heyse dem Nobelpreisträger für Literatur benannt wurde, hat sich ein Biotop entwickelt, dass seinesgleichen sucht. Zwischen alten Industriefassaden und -Gebäuden haben sich Künstler, Handwerker, Freaks und ein Hinterhof-Tomatenzüchter angesiedelt, das Gelände mit Leben erfüllt und jetzt finden dort auch Veranstaltungen statt. Mitten in der Stadt und trotzdem fast außerhalb.
Stephanie und Stefan, die beiden Veranstalter des MIND OPEN AIR, haben sich viel Mühe gemacht und mit viel Liebe zum Detail gearbeitet und so ist der äußere Rahmen richtig geil. Dazu ein Münchner Spätsommertag mit Sonne und einem weißblauen Rautenmuster am Himmel (dieser Absatz wurde gesponsert von der CSU), ziemlich perfekt für einen alternativ-schrillen Abend.

Leider fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit müssen die Straubinger PANTA REI loslegen. Schade, denn die sind richtig gut. Melodischer Power-Pop mit Alternative Einflüssen. Aber was ist schon Alternative? Mal tönt es nach Alanis Morissette, mal nach Katrina & The Waves, dann ein wenig U2, ein Spritzer Skunk Anansie. Zum Glück für meine Ohren keine Kakophonie, die Musik hat immer den nötigen Touch Melodie.
Die Band gibt es schon 5 Jahre und sie wird eindeutig getragen von Sängerin Elisabeth Erl. Klasse Stimme. Es gibt ein Album, eine EP und eine Single und die kann man sich durchaus mal reinziehen. Da steckt viel Potential dahinter.

Schwieriger waren die sehr jungen Schwaben von YOUR:GARDEN für mich. Ein etwas kruder Mix aus diversen momentan angesagten Sounds, der in seiner Gesamtheit ein reichlich uneinheitliches Bild abgibt. Zwischendurch meint man gar, alte deutsche Krautrocker zu hören. Die werden aber gleich wieder von einer Hardcore Attacke zurück ins Krautfass geschickt.
Witzig ist der Einsatz eines Cellos zu Beginn und dass man den dazugehörigen Bogen auch auf der Gitarre verwenden kann, hat vor einiger Zeit ein gewisser Jimmy Page vorgemacht.
Die Band ist sicher ausbaufähig und wenn am Gesang noch etwas gearbeitet wird und der musikalische Ein- und Ausdruck etwas präzisiert wird (wo genau will die Band hin?), werden wir noch voneinander hören.

Und zum Schluss: Heimspiel für die GIMMICKS. Seit gut 2 Jahren punken sich die drei Münchner durchs Umland und haben sich eine ganz ordentliche Fanbasis erarbeitet. Inzwischen hat sich auch eine ganz ansehnliche Publikumsschar versammelt.
Die Musik ist einfach und gradlinig (was bei Punk nicht wirklich überrascht) und geht direkt ins Bein. Die Vorbilder liegen mehr in der amerikanischen Punkszene denn in der britischen (plus diverser HOSEN Anleihen) und deshalb klingt es auch mehr nach Sonne und Fun als nach depressivem "ich habe keinen Job und hasse Maggie Thatcher/John Major" Krawall.
Mir liegt das und deswegen machen die GIMMICKS auch - trotz Soundproblemen und limitierter Lautstärke - Spaß.

Das MIND OPEN AIR sollte unbedingt wiederholt werden. Klasse Location, nette Leute, angenehme Preise, sympathische Bands. Nur, es war nach Sonnenuntergang saukalt und ich hab mir eine fette Grippe geholt. Da hilft kein weißblauer Rautenhimmel. Sch... CSU.
Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 16.09.2002
Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 13.09.2002
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|