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| Landsberg/Halle, 04.06.2005 |
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Kaum eine andere Band aus dem Ostblock war in Europa so erfolgreich wie die ungarische Rocklegende OMEGA. Doch es wurde in den letzten Jahren ziemlich still um die Musiker vom Balaton. Dementsprechend groß waren die Erwartungen vieler Musikliebhaber aus eben jener glorreichen Zeit, nach 22 Jahren Deutschlandabstinenz, die Magyaren erstmalig wieder livehaftig auf hiesigem Terrain begrüßen zu dürfen.
Die Austragungsstätte für dieses Unterfangen sollte nun Landsberg, ein reizvolles verträumtes Städtchen ländlichen Charakters mit mittelalterlichem Flair, im Herzen von Sachsen-Anhalt sein.
OMEGA waren eine Sensation und eigentlich hat sich daran nichts geändert, wir hatten sie nur schon als Erinnerung abgetan. Ihre Besten Songs wurden zum Teil zu Hymnen, obwohl man deren ungarische Liedertexte nicht mal aussprechen konnte. Ihre Stadionkonzerte lösten regelrechte Wallfahrten der DDR-Jugendlichen nach Budapest aus.
Für dieses Phänomen bürgt diese wohl zweifelsohne dienstälteste Formation neben den ROLLING STONES, die seit mittlerweile 43 Jahren auf der Bühne steht.
Ihre Geschichte nahm schon sehr früh, genau im Jahr 1959 ihren Anfang, als sechs Budapester Gymnasiasten beschlossen, zeitgemäße Musik zu machen. Da sie bis dato keinerlei Instrumente beherrschten, ließen sie einfach das Losverfahren darüber entscheiden, wer welches
erlernen sollte. Ihren ersten öffentlichen Auftritt absolvierten sie 1962 in der technischen Universität Budapest, weil aber zu diesem Zeitpunkt noch namenlos, machte der Veranstalter aus dieser Not eine Tugend, und plakatierte deswegen kurzerhand mit dem selbsterdachten Logo Omega. Das gefiel den Jungs so gut, dass sie fortan beschlossen, unter diesem Banner weiterzuarbeiten. Quasi gilt dieses Ereignis unter heutigen Gesichtspunkten als Geburtsstunde der ungarischen Beatmusik.
Noch orientierungslos und mit fluktuierenden Besetzungen frönten die jungen Wilden musikalisch traditionellen Instrumentalcombos wie den SHADOWS oder Duane Eddy, ja ließen sich kurzzeitig sogar zum Schlager, mit der Sängerin Zsuzsa Koncz in ihren Reihen, hinreißen. Die Liaison betrachtet man mit dem heutigen Abstand als ein Experiment und sie war nur von sehr kurzer Dauer. Zwei Jahre später wurden sie zufällig von Manager John Martin (u.a. SPENCER DAVIS GROUP)
entdeckt und vom Fleck weg für eine kleine England-Tournee engagiert, bei der sie persönlich auf damals schon feste Businessgrößen wie THE WHO und Georg Harrison trafen.
Nach dem relativ erfolgreichen Feedback dieses Unternehmens bekamen die Magyaren das Angebot, für das Decca-Label ein Album einzuspielen. Dieser halbgare und nie richtig fertig gestellte Output kam dann auch unter den verheißungsvollen Titel "Omega Red Star From Hungary" zu Veröffentlichungsehren.
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Angetrieben vom Hype um einige britische Rhythm & Blues- bzw. Rock'n'Roll-Kapellen namens YARDBIRDS oder THE ANIMALS, spielten und verfeinerten sie ihren derben Popmusikverschnitt mit den klassischen Bluesstrukturen, die bei den Halbwüchsigen ganz hoch im Kurs standen.
OMEGA veröffentlichten 1966 ihre erste Single Paint It Black, eine Richards/Jagger-Komposition, der drei weitere folgten, allesamt mit Coverversionen bekannter Hits aus dem Westen.
Allmählich begannen sie, Elemente von Beat, Jazz und Blues mit ungarischer Folklore zu vermischen, um instinktiv den eigenen Stil zu kreieren. Die ungarischen Texte wurden damals überwiegend von der jungen Studentin Anna Adamis (Ehefrau von Bandmitglied Jozsef Laux), die Musik von Keyboarder Gabor Presser verfasst. Nach diversen ungarsprachigen Singles erschien 1968 beim staatlichen Plattenlabel
Hungaroton das Debütalbum "Trombitas Fredi es a rettenetes Emberek", das sich sogleich mit 100.000 verkauften Exemplaren zum Goldstatus erhob. Ein knappes Jahr später landete die Band mit dem Nachfolgewerk "10000 Lepes" (Qualiton) den ersten großen Erfolg. Die daraus ausgekoppelte Presser-Komposition Gyöngyhaju lany (Mädchen mit dem Perlenhaar) wurde zum Megaseller. Vier Jahre später hatte der DDR-Schlagerbarde Frank Schöbel mit seiner deutschsprachigen Version Schreib es mir in den Sand im Osten ebenfalls großen Erfolg, und eine Westversion von den Hannoveranern
SCORPIONS, "White Dove", konnte 1995 immerhin auch noch einen Beachtungserfolg einheimsen.
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Eine ausgedehnte Europa-Tournee absolvierten die Ungarn mit Bravour und errangen 1970 nebenbei wichtige Auszeichnungen bei Liederfestivals in Palma De Mallorca und Tokio.
Im April 1971 erfolgte der Wendepunkt in der Bandhistorie, die Kreativköpfe Laux mit Ehefrau und Presser verließen das fahrende Schiff OMEGA, um ihre Ideen mit der innovativen Jazzrock-Formation LOCOMOTIVE GT zu verwirklichen. Bis heute musiziert das verbliebene Quintett, mit dem neuen Texter Peter Sülyi an seiner Seite, in dieser Konstellation. Im Einzelnen sind das die beiden Gründungsmitglieder Janos "Mecki" Kobor (Leadsänger) und Tastenvirtuose Laszlo "Laci" Benkö, Tieftöner Tamas "Misi" Mihaly (seit 1967 dabei), Gitarrenhexer György "Elephant" Molnar (ex-DECCA, seit 1968 dabei) und last but not least Ferenc "Ciki" Debrenceni (ex-NEOTON, seit 1971 dabei) an den Trommelfellen.
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Die Magyaren waren bereits durch England und die halbe Welt getourt, als sie Ende 1972 zum ersten Mal in den damals so genannten "Arbeiter- und Bauern-Staat" DDR, für ein paar Konzerte einreisten. Empfangen wurden sie wie eine Band aus dem Westen, obwohl Ungarn irgendwie zum Ostblock dazugehörte, man begegnete ihnen seitens der Fans auf gleicher Ebene wie internationalen Rockikonen.
OMEGA sorgten mit ihren extravaganten Shows und ihren an den Glamrock angelehnten, fantasievollen Outfits für Aufregung. Auf diese Weise verkörperten sie exorbitant jenen gewissen evidenten Hang zur Freiheit, dem DDR-Kulturfunktionäre seit jeher argwöhnisch und skeptisch gegenüberstanden. Das bedeutete: Wenn die Pusztarocker in der DDR gastierten, fürchtete die Partei um ihren Ruf.
Aber auch in der ungarischen Heimat fühlten sich einige Parteibürokraten von den kritischen, bandeigenen Texten auf den Schlips getreten, dass sogar ein 1972 produziertes Album aus diesem Grund nicht veröffentlicht wurde. Daraufhin wurde als musikalischer Gegenprotest der selbstproduzierte Konzertmitschnitt "Elö Omega" (verpackt in einem Aluminiumcover) herausgegeben, der mit seinem authentischen Material besonders in der DDR zur steigenden Popularität beitrug. OMEGA bekamen sogar die Möglichkeit, einige Produktionen beim damaligen Rundfunk der DDR in deutscher Sprache abzuliefern. Diese wurden 1997 unter dem Titel "Das deutsche Album" (Barbarossa/Sony BMG) zusammengefasst und ohne Erlaubnis der Band auf CD veröffentlicht.
Ihr musikalisches Portfolio hatte sich symbiotisch vom R&B/Beat zum orgellastigen Sound mit Assoziationen an einfache Hardrockstrukturen verwandelt, der seine Wurzeln im weißen Blues gar nicht verleugnete.
In Ungarn erschienen die Studiowerke mittlerweile auf dem für sogenannte leichte Musik neubegründeten Plattenlabel Pepita.
Im April 1973 wurde der deutsche Produzent Peter Hauke auf die Band aufmerksam und nahm sie exklusiv für das Bacillus Label (Bellaphon) für zunächst drei englischsprachige Alben, denen aber später mehr folgen sollten, unter Vertrag.
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Rockmusik aus Osteuropa hatte im Westen eigentlich immer einen schweren Stand. Die sich permanent im Rahmen der offiziellen, vom System vorgegebenen musikalischen Konventionen bewegende Musik hatte nicht den Reiz wie das provokative Gegenstück aus dem kapitalen Westen. Die Kreativität wurde somit bei den Ostkünstlern sehr stark beschnitten, das heißt, was bei den offiziellen Gremien durch den Rost fiel, war oft handwerklich gut gemachte, aber etwas zu sterile Rockmusik. In Ungarn hingegen war das nicht der Fall, das freizügigere kommunistische System ermöglichte seinen Musikern uneingeschränkt freiere Schöpfungen.
OMEGA hatten damals zuhause einen Ruf und Stellenwert wie die BEATLES im Vereinigten Königreich. Der konventionelle Hardrock wurde zunehmend mit reizvollen Soundmustern angereichert, schwermütige elektronische Rock-Attitüden ergossen sich in esoterische Sphärenklänge a la PINK FLOYD.
1976 erschien unter diesen Vorrausetzungen das erste kommerziell erfolgreiche Album "Time Robber/Idörablö" (Bellaphon/Pepita), das unter Ausschöpfung aller damaligen technisch fortschrittlichen Möglichkeiten in der Bundesrepublik produziert wurde - und da auch selbstredend mit 250.000 verkauften Einheiten zu Buche schlug.
Dieses metamorphosische musikalische Werk gilt heute als die erste sprachliche 1:1 Umsetzung eines ungarischen Tonträgers. Im Innenhüllentext dieser Veröffentlichung gab es damals dazu folgendes nachzulesen: "Interstellare, galaktische Klänge, deren Erzeugung auf erstes Hören hin kaum auszumachen sind, leiten die Mutation einer Hardrockgruppe ein, die sich vom Erdboden entfernt, neuen Welten zuwendet. Dieser 'Musiktrip' durch Raum und Zeit findet auf dem neuen Album der ungarischen Top-Rock-Gruppe OMEGA statt, die ihr bisheriges Image gründlich ändert und ihr musikalisches Spektrum erweitert. Die Produktion dieses Albums, die mit größtem Aufwand und intensivster Arbeit an den von OMEGA vorgegebenen Themen stattfand, bietet ein Hörerlebnis, wie es bei heutigen Produktionen selten geworden ist. Effekte, die immer an markanten Stellen des musikalischen Ablaufs verwendet wurden, ein Soundteppich, den der in dieser Produktion schwerpunktmäßig verwandte Synthesizer zaubert, geben dem musikalischen Ablauf eine immer spannende, interessante Bedeutung."
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Im weiteren Verlauf dieser effizienten Phase, die in die nachfolgenden, goldhonorierten Platten "Csillagok Utjan/Skyrover" und "Gammapolis" mündete, wurde die Band durch die englischsprachigen Studioalben (und sogar mit einigen deutschen Singles) im Westen zu einer der populärsten Ostbands. Durch ihr Gespür für melodisch, ausgewogene Arrangements behaupteten sie sich sehr schnell und überzeugend an der Spitze und füllten in Mitteleuropa mühelos die größten Konzerthallen.
Ihre energetischen und äußerst lebendigen Konzerte wurden 1979 nahezu unverfälscht mit dem Live-Doppelalbum "Elö Omega Kisstadion 79" nachhaltig und eindrucksvoll konserviert.
1980 besiegelte der schon damals namhafte Produzent Frank Farian einen Vertrag beim Major-Label WEA, was letztendlich in der Studioarbeit "Working/Az Arc" (WEA/Pepita) seinen Abschluss fand. Peter Hauke versuchte in dieser Zeit die Protagonisten mehr zu synthetischen Klängen zu bewegen, da es aber dem eigenen Stil in keinster Weise entsprach, entfernten sie sich allmählich vom internationalen Markt bzw. produzierten fortan keine englischsprachigen Alben mehr.
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1982 und 1983 führte OMEGA ihre Tourneetätigkeit wiederum in die DDR, wo sie wie erwartet mit Begeisterung und vollen Konzertsälen empfangen wurden. Ihr Auftritt in Magdeburg gipfelte in einen vorsätzlich herbeigeführten Stromausfall, weil das Publikum für die Parteibonzen zu enthusiastisch reagierte. Daraufhin wurden sicherheitshalber die restlichen Auftritte der Band diktatorisch und konsequent untersagt.
1986 sollten die Magyaren noch einmal zum 40. Jahrestag der FDJ in Ostberlin aufspielen, weil sich aber einige Querulanten dagegen aussprachen, wurde die Teilnahme kurzerhand abgesagt. Trotzdem fand ein Konzert statt, allerdings ohne dem Wissen der damals staatlichen Künstleragentur. Es sollte auch das vorläufig letzte Intermezzo in Ostdeutschland gewesen sein.
Im gleichen Jahr kam es zum Release einer neuen Platte beim eigenen Label Favorit, mit dem bezeichnenden Titel "Omega XII-A Föld Arnyekos Oldalan" (Die Schattenseite der Erde), dessen Anspielung auf PINK FLOYDs "The Dark Side Of The Moon" dabei weder einen musikalischen noch geistigen Bezug aufzeigte. Die Musiker verzettelten sich völlig in einem Rausch neuester Computertechnik und Musikelektronik, der diese Kompositionen a priori in seichtem, nahezu poplastigem Fahrwasser ertränkte.
Im September feierten sie, zeitgleich mit dem Jagger/Richards Gespann das 25jährige Bühnenjubiläum, mit zwei gigantischen Stadion-Konzerten in Budapest, vor jeweils 15.000 verzückten Zuschauern.
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Irgendwie geriet die OMEGA Maschinerie ins Stocken, und man beschloss erst einmal eine längere kreative Pause einzulegen, die dann letztendlich fast sieben lange Jahre anhalten sollte.
Ganz tatenlos verbrachten die Herren ihre Auszeit nicht, sie hatten sich mit ihren Aktivitäten als Vorbilder für viele jüngere Musikerkollegen und Nachwuchskünstler schon längst etabliert, und unterstützten als Mentoren die junge ungarische Rockszene (gründeten 1999 für diesen Zweck eine eigene Aktiengesellschaft).
Im September 1994 betraten die Magyaren, bereit zu neuen konzertanten Taten und mittlerweile verstärkt durch einen weiteren Gitarristen, Tamas Szekeres, die Bühne des Budapester Nepstadion, um vor 70.000 Fans, mit den musikalischen Gästen Gabor Presser, Joszef Laux, Tamas Somlo, Rudolf Schenker und Klaus Meine, einen grandiosen Auftritt zu zelebrieren.
1995 produzierte man, ermutigt von diesem Ereignis, das neue Studioalbum "Transcendent/Trance and Dance" (Mega), bei dem Gabor Presser und Szekeres erstmals mitwirkten, und dessen puristischer musikalischer Inhalt zu den Besseren Vröffentlichungen zählen dürfte.
Es folgten dann noch einige Studioergüsse, der bisher letzte 1998 "Egy Eletre Szol"(MI-5 Records), aber eigentlich verkamen die Rocksenioren immer mehr zu einem gigantischen Musikzirkusakt und machten meistens nur noch durch ihre Budapester Stadienspektakel regelmäßig von sich reden.
1998 bekamen OMEGA für ihr gesamtes musikalisches Schaffen den ungarischen Nationalpreis verliehen. Angesicht dieses Hintergrundes hat sich der sagenumwobene Ruf dieser einzigartigen ungarischen Formation in den Köpfen so mancher Musikliebhaber eingebrannt und sollte an diesem denkwürdigen Abend in Landsberg entweder verworfen oder neu entflammt werden.
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Etwa 4.000 angereiste, globale Musikliebhaber aus allen Teilen Deutschlands und aus Ungarn tummelten sich deshalb, den kommenden Ereignissen entspannt entgegensehend, in dem idyllischen, von Felswänden umrahmten und von einer romanischen Kapelle verzierten
Freilichtgelände. Eine Bühne, voll gepackt mit jeder Menge opulentem Equipment, blinzelte verheißungsvoll der musikhungrigen Meute entgegen, deren Appetit dadurch noch etwas geschürt wurde.
Der Wettergott schien währenddessen auch sehr milde gestimmt zu sein, die sonst eigentlich mit einem permanenten Regenfluch belegten OMEGA-Auftritte sollten an diesem Abend mit gelegentlichen kleinen Schauern glimpflich davonkommen.
Den musikalischen Reigen eröffnete dann CARO, eine sehr sympathische und charismatische Sängerin von der Ostseeküste, die rein akustisch, nebst Halbplayback, ihre Eigenkompositionen vom gerade erschienen Debüt recht überzeugend vortrug.
Die Anwesenden waren nach den üblichen Anlaufschwierigkeiten doch sehr von der mitreißenden Performance der jungen Singer/Songwriterin angetan und bezeugten es auch mit viel Beifall. Als sie gar noch zum Schluss Tracy Chapmann's Don't You Know, Talking About A Revolution anstimmte, hatte sie ihre kleine Schlacht um die Zuhörer doch noch gewonnen.
Von dieser hoffnungsvollen Newcomerin, die sich in den vergangenen Jahren schon in einige musikalische Projekte eingebracht hat, wird man in Zukunft hoffentlich noch einiges zu hören bekommen.
Danach folgte die Überraschung des Events. Der Moderator dieses Abends betrat die Bühne mit zwei prominenten Gästen im Schlepptau: Mit Dieter Birr von den PUHDYS und Christian Liebig, dem Basser von KARAT, versuchte man, sozusagen als Zeitzeugen, persönliche
Erinnerungen zum Hauptakt unterhaltsam aufzufrischen.
Und dann, gegen 21.45 Uhr, passierte es endlich, in das fahle Licht der angebrochenen Dämmerung hinein, betraten die Magyaren unter tosendem Jubel und den Klängen des Radetzkymarsches die Arena zur entscheidenden Deutschlandpremiere.
Die in die Jahre gekommenen OMEGA-Mannen, zunächst von sparsam eingesetzten Lichtspots in Szene gesetzt, performten von der ersten Minute an in Höchstform und man verspürte geradewegs den Drang der Musiker, endlich wieder nach all den Jahren für ihr treuestes Publikum jenseits der Heimat aufzuspielen.
Bei Gammapolis und Eletfogytig Rock and Roll, untermalt von der nun voll ausgeschöpften Lichtshow, hatten Kobor und Co. ihr Publikum schon längst auf der Habenseite. Diese Spiellust und -laune übertrug sich ohne Umschweife auf das weite Areal. Es bot sich eine eindrucksvolle Kulisse dar, Transparente und Nationalfahnen wurden geschwenkt, die Songs wurden bis in die letzten Reihen begeistert mitgesungen und abgefeiert. Musikliebhaber, meist schon im reiferen Alter, schwelgten in ihren ganz persönlichen Jugenderinnerungen, und sicherlich drückte man sich heimlich so manche Träne weg. Aber auch jugendliche Klientel, die zum Beginn von OMEGA noch gar nicht geboren waren, tanzten vergnügt zu jener immerjungen Tanzmusik, entrückt von allen Generationsvorbehalten.
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Bei 10000 Lepes spielte sich die Band auf der knapp bemessenen Bühne in einen wahren Rausch, die sehr agile Performance wurde durch eine perfekt abgestimmte Licht- und Lasershow wirksam untermalt. Eine Videoinstallation, die leider im
Hintergrund etwas verblasste, und diverse Pyroeffekte waren die Zutaten, die man von einen Rockkonzert erwartet. Der Tonmischer leistete dabei hervorragende Arbeit, der satte und klare Sound beschallte das Auditorium, dass jedem Anwesenden warm ums Herz werden musste.
Tatkräftig unterstützt wurde die OMEGA-Stammannschaft von einem weiteren Keyboarder, Zsolt Gömöry, und von den beiden Backgroundsangeskünstlern György Demeter und der bezaubernd anzuschauenden Ildiko Kereszetes, die sich später mit den Song Nem a mienk az eg sogar noch solistisch behaupten durfte.
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Die Magyaren hatten schon immer eines feines Gespür für melodisch ausgewogene Arrangements und musizierten sich, ausschließlich in ungarischer Sprache, durch einen repräsentativen Querschnitt ihrer schon vier Jahrzehnte andauernden Schaffensepoche. So kamen sogar selten gespielte Songs aus ihrer Beat-Phase zu ihrem Recht.
OMEGA kredenzten mit ihrer Performance mehr als einen haltlosen Aufguss des ehemaligen Erfolgsrezeptes. Mit mitreißendem Imaginations- und Präsentationstalent bombardierten sie das Publikum mit Material, das von ruppigen Synthie-Sounds bis zu handfestem, "altbackenem" Hardrock reichte.
Die solistischen Kunstfertigkeiten von György Molnar (55), mit seinen beißenden Gitarrenriffs, wobei er sich des öfteren mit Kompagnon Szekeres ausufernde Duelle lieferte, und die krautigen Orgelausbrüche (von ein paar Intonationsschwächen abgesehen) vom "Rick Wakeman des Ostens" Laszlo Benkö, ordneten sich aber immer wieder in das ausgewogene Ensemblespiel ein.
Der 63jährige Shouter Janos Kobor posierte in allerbester Rockstarmanier mit seiner wehenden Echthaarmatte und war zu jedem Zeitpunkt konform mit dem jeweiligen Songmaterial. Dazu gesellten sich bombastische Momente im Überfluss und die Gewissheit, dass hier eine ehrliche Rockband immer noch zu forcierter alter Stärke zurückfinden kann.
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Beim ersten Höhepunkt mit Csillagok Utjan und Lena schwangen sich die Protagonisten zu Herrschern über kosmisch-schwelgerische Klanggipfel auf, um wie ein einziger Resonanzkörper fast schon sinfonische Panoramaklänge auszubreiten. Als transzendentale Reisebegleiter verwandelten sie das Auditorium in eine Kulisse jenseits von Raum und Zeit, mit berauschenden Lichtkompositionen und einer nahezu meditativen musikalischen Patina.
Plötzlich bekamen die Songs ein richtiges Feeling und entfalteten in ihrer gesamten Ausdehnung ihr schönstes und vollendetstes Bukett. Die gebündelte Erfahrung aus 43 Bühnenjahren entlud sich zu einem von Klassikern gespickten Ostrock-Happening.
Die Mitsing-Hymne Gyöngyhaju lany versprühte am Ende noch einmal einen Hauch Ost-Romantik, aus jener Zeit als der Eiserne Zaun noch real war, um wie ein homöopathisches Heilmittel diese groteske Lebensphase und so manche eigene Identität gegen das Vergessen zu therapieren.
Die abendliche musikalische Soiree fand somit nach gut zwei Stunden ihren versöhnlichen Abschluss und das friedlich feiernde Publikum wurde allein mit der Gewissheit zurückgelassen, eine der letzten und dienstältesten Rockgruppen als Zeitzeugen noch einmal genossen zu haben.
Ein gigantisches Höhenfeuerwerk über dem Kapellenberg holte dabei so manchen in die Ferne abgeschweiften Rockfan wieder auf den Boden der Realität zurück.
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43 Jahre Institution OMEGA kann heute mit einer nachhaltigen Bilanz aufwarten, die immer von Willenskraft, Ausdauer, Ehrlichkeit, wahrer Freundschaft und einem herzlichen Umgang mit den Fans geprägt war, und wie selbstverständlich ohne jegliche Allüren und Macken. Davon konnte ich mich persönlich überzeugen, als ich freundlicherweise anschließend zu einer kleineren Aftershow-Party der Musiker eingeladen wurde. Beim lockeren Smalltalk mit Gitarrist Molnar und Sänger Kobor, übrigens in astreinem Deutsch, erfuhr ich beim Genuss des extra vom Gammapolis-Fanclub gebackenen Kuchens, dass die beiden von diesem Abend sehr angetan waren und einer Tournee durch unser Land im nächsten Jahr eigentlich nichts mehr im Wege stünde. Gespannt seien sie auch, so Kobor, wie OMEGA bei ihrem noch anstehenden erstmaligen Auftritt in Moskau aufgenommen würden.
Mein Fazit ist, dass ich diese Augenblicke und starken emotionalen
Eindrücke nicht so schnell vergessen werde.
Als kleines Bonbon wurde die neue Anthologie-Doppel-CD "Omega Best Of Vol.1" (Dunefish/Edel) exklusiv beim Konzert vor der offiziellen VÖ angeboten. Die Auswahl der darauf enthaltenen Songs aus der Schaffensperiode 1965-75 stammt von der Band selbst und ist durchweg als gelungen zu betrachten, das Beste vom Besten in digitaler Qualität. Der Nachfolge-Plot wird garantiert nicht lange auf sich warten lassen, und wer weiß, was das rührige Dunefish-Label noch für alle OMEGA- Fans in petto hat. Der Lauf der Sterne ist eben nicht aufzuhalten.
In diesem Sinne: Rock'n'Roll will never die!
Mein ganz persönlicher Dank für den freundlichen Support geht an Christian Hentschel (Dunefish Promotion, Melodie und Rhythmus) Tibor Nagy (Omega Management), Mario Keim (Fotograf), Karin (Gammapolis Fanclub) und Goldener Löwe Landsberg (örtl. Veranstalter).
Setlist-Landsberg: Radetzkymarsch, Nyitany (Overture) (1978), Gammapolis I (1979), Eletfogytig rock and roll (1981), Ezüst esö (1979), 10000 Lepes (1969), Han en szel lehetnek (1968), Mozgo vilag (1976), Fekete pillango (1986), Babylon (1987), Naplemente (Single 1969), Csillagok Utjan (1978), Lena (1978), Napot hoztam csillagok (1977), Örültek oraja (1979), Nem a mienk az eg (Ildiko Keresztes) (1999), Ballada fegyver kovacs fiarol (Single 1970), Nem tudom a neved (1976), Hajnali ocean (1987), A Madar (1973), Petroleum Lampa (1969), Metarmorfozis II (1978), Addig elj (1976),
Zugabe: Gyöngyhaju Lany (Single 1970)
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Bilder: Mario Keim, 04.06.2005
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