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Fotos: Friedemann Schmidt
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| Bochum, Zeche, 30.10.2008 |
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Das Ruhrgebiet gehört ohne Zweifel zu den starken und sympathischen Landstrichen in Deutschland. Ich weiß, dass jetzt wieder Kommentare wie "Ruhrpott" oder ähnliches eingeworfen werden [von wem? Red.], und jeder der noch nie durch diesen Landstrich mit mehr Autobahnabfahrten als Einwohnern gefahren ist, meint, hier gäbe es nur grau vor sich hin "schlotende" Kamine, aber es ist hier anders, nämlich einfach nur schön! Soviel Lokalpatriotismus muss sein. Hier wohnen viele nette Menschen, einer der großartigsten Tatort-Kommissare hat hier sein Revier beackert, das Ruhrgebiet stellt die meisten Fußballvereine in der 1. Bundesliga und wir haben mit der Westfalenhalle in Dortmund die schönste Konzertarena Deutschlands, wenn nicht sogar Europas. Aber in dieser großartigen Halle findet man leider nur die großen Größen des Musikbusiness. Macht aber nichts, wer die Halle nicht voll kriegt, bucht eben einen der vielen kleinen Clubs, die es "im Pott" gibt. [Aus "Friedemanns Reiseberichte 1970 - heute", noch in keinem Verlag erschienen. Ich empfehle derweil "Merian - Das neue Ruhrgebiet: Köpfe statt Kohle" für € 5,-; Anm. Jogi, der jetzt eine Selbstgedrehte "schloten" geht]
Einer der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Clubs ist die altehrwürdige ZECHE in Bochum (Genau! Die Stadt, der Hööörbie ein ganzes Lied gewidmet hat). Seit 1981 stehen hier große und kleine Stars auf der Bühne und beschallen das musikfreudige Publikum. Wer meint, dass ein kleiner Club keine großen Namen zieht, täte der ZECHE aber Unrecht. Hier schwitzten schon so Größen wie Tina Turner (auf ihrer "Private Dancer"-Tour), REM, SIMPLE MINDS, BAP, Grönemeyer, PINK CREAM 69, MAD MAX, MOTÖRHEAD und viele, viele andere.
In diesen bunten Reigen der bekannten Größen stellte sich nun auch zum wiederholten Mal der "Symphatikus" Neal Morse. Und es wurde ein fulminanter Abend. Sechs lange Jahre, genau seit der "Testimony"-Tour 2002, hat er die ZECHE warten lassen, um sich dort wieder blicken zu lassen. Das sollten eigentlich gute Voraussetzungen sein, um die Halle voll zu bekommen. Aber der erste Blick 40 Minuten vor Beginn des Konzertes besagte etwas anderes. Schon der oberste Bereich des Saals war abgesperrt, somit ist klar, dass die Halle, die ca. 1.000 Leute bespaßen kann, nicht ausverkauft ist. Richtig voll und eng wurde es den ganzen Abend nicht, ich schätze, dass sich ca. 400 Leute in der Halle befanden, die allerdings mit einem Konzert der Extraklasse belohnt wurden. Fans aus den Nachbarstaaten Niederlande und Belgien wurden erblickt, sogar aus Dänemark kam man angereist. Wer zu Neal Morse geht, weiß, dass man mit qualitativ hochwertiger Musik rechnen darf, da kann die Anfahrt auch schon einmal länger dauern.
Kurz nach 19:30 Uhr (eigentlich erstaunlich früh, wenn man aber bedenkt, dass der Curfew [Pottdenglisch für Zapfenstreich; Red.] in der Zeche bereits um 22:30 Uhr ist, wird die Anfangszeit relativiert) erschallten die ersten Töne durch den Saal und erstaunlicherweise nicht vom aktuellen Longplayer "Lifeline", sondern von Neals Ex-Band SPOCK'S BEARD. Mit At The End Of The Day - vom Album "V" wurden die unterhaltsamen und niveauvollen folgenden zwei Stunden eingeläutet.
Die Setlist hielt noch mehr dieser Überraschungen parat. Mit seiner inzwischen für Europakonzerte bekannten Band, bestehend aus Elisa Krijgsman (Guitars, Vocals), Collin Leijenaar (Drums, Vocals), Jessica Koomen (Vocals, Keyboards), Henk Doest (Keyboards) und Wilco von Esschoten (Bass, Vocals) nahm Neal uns mit auf seine Reise durch das aktuelle Album und weitere Stationen seiner Laufbahn.
Mit Leviathan und The Way Home wurden die ersten Stücke von "Lifeline" den Besuchern durch die Gehörgänge gepfeffert und sie bewiesen, dass sie live noch mehr Druck erzeugen als auf dem Album.
Für mich folgte einer der Höhepunkte. Mit Author Of Confusion aus dem "One"-Album und I'm The Guy vom "Snow"-Meisterwerk wurde ein astreines Duo ins Dunkle des Saals geballert, was sowohl gesangstechnisch als auch musikalisch vom Feinsten war. Die Spielfreude und Präsenz von Mr. Morse ist einfach beeindruckend. Und dass man diese beiden Stücke miteinander kombinierte, hat mich auch begeistert. Bisher also nur Volltreffer gelandet.
Mit There Is Nothing, That God Can't Change wurde das einzige "Unplugged"-Stück gespielt, ganz alleine von Neal Morse an der Gitarre. Und in einem solch musikalisch simplen Song zeigt sich schon, was der Mann an den 6 Saiten drauf hat. Phantastisch - und die Geschichte über seinen Glauben noch unaufdringlich eingebaut, fertig war die Erholungsphase für die Ohren. Mit dem Titelstück des aktuellen Longplayers ging es weiter auf der Progrock-Schiene, bevor man mit Walking On The Wind etwas weiter in die SB-Historie zurückgriff und damit den ältesten Song des Abends spielte. Dieser stammt nämlich vom "Beware Of Darkness"-Album.
Mit einem Medley von "?" und The Temple Of The Living God in einer brachialen Version beendete man den offiziellen Teil, bevor es noch mal anlässlich zweier Zugaben laut in der Halle wurde. Der Bonusteil des Konzertes wurde mit der Nummer Help Me / The Spirit And The Flesh eröffnet, welches mit einem absolut chaotischen, aber genialen Finale endete, in dem Neal Morse zeigte, dass er nicht nur singen, Keyboard und Gitarre spielen, sondern auch noch das Schlagzeug bedienen kann.
Mit Stranger In Your Soul / Bridge Across Forever wurde schließlich das TRANSATLANTIC-Ass aus dem Ärmel gezogen und ein glückliches Publikum in die schwarze Nacht des Ruhrgebietes entlassen.
Alles in allem ein Abend, der sich voll rentiert hat. Neal Morse in Bestform, eine Band, die sich hinter den großen Namen auf den Morseschen CDs nicht zu verstecken braucht und auf einem sehr hohen Niveau spielt, dabei den Liedern aber eine eigene Note verleiht und sich trotzdem ganz nah am Original hält. Keine großartige Lightshow, alles zu Gunsten der Musik ausgerichtet. Musikerherz, was willst du mehr, als vielleicht noch den ein oder anderen Song?
Zum Schluss stellten sich der Meister und seine Band dann noch geduldig für Fotos, Fragen und Autogrammwünsche zur Verfügung, und auch das ist etwas, was man heutzutage nicht mehr von jeder Band geboten bekommt. Von den sympathischen Damen am Merch-Stand wurden die Shirts und CDs zu vernünftigen Preisen anboten. Dort wurde ich gebeten, in meinem Bericht auf die deutsche Neal Morse-Page hinzuweisen, was ich hiermit gerne tue. Wer mehr über Neal erfahren möchte, kann das ab sofort in deutscher Sprache auf Neal-Morse.de.
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