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Supp.: In Cold Blood

Würzburg, Capitol, 17.04.2002

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Fotos: Epi Schmidt

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Nazareth
Jimmy Murrison & Pete Agnew
Nazareth
Jimmy Murrison & Dan McCafferty
Nazareth
Jimmy Murrison
Nazareth
Pete Agnew
Würzburg, Capitol, Mainfrankenpark, 17.04.2002

So, heute abend wird kein Fußball geguckt (Deutschland - Argentinien), ist eh nur ein WM-Vorbereitungsspiel und außerdem spielt NAZARETH nur ein paar Kilometer entfernt.
Also auf nach Würzburg, genauer gesagt Dettelbach, zum Capitol im Mainfrankenpark.
Verkehrstechnisch günstig gelegen, direkt an der A3, ist man auch schnell da. Hier möchte ich gleich mal einfügen, dass sich der örtliche Veranstalter wenig kooperativ zum HoR verhalten hat: Die, zweifellos, freundlichen Anfragen unsererseits wurden nicht mal beantwortet. Naja...wenn man's nicht nötig hat...

Aber weiter im Text. Das äußere Ambiente, sowohl des "Parks" als auch des Capitols lassen wenig Atmosphäre aufkommen. Dem passt sich denn auch die Vorgruppe IN COLD BLOOD, aus Deutschland, an.
An und für sich ist ja ganz gut Publikum gekommen, wenn auch zum Teil ganz schön betagt, aber die Band kommt mit ihrem Punk- und New Wave-beeinflussten Rock nicht über Achtungsapplaus hinaus. Der Sound ist einfach schlecht! Ich habe schon Befürchtungen, dass sich das in dieser Disco bei NAZARETH fortsetzen wird (viel zu viel Bass, die Gitarre kommt gar nicht durch).

Nach einer, überflüssig langen, Umbaupause ist es endlich soweit: NAZARETH.
Was wird mich erwarten? Eine dieser unsäglichen "Golden Oldies"-Shows mit seicht und schlecht gespielten/gesungenen früheren Hits?
Diese Bedenken werden schnell zerstreut: Mit Light Comes Down vom 98er "Boogaloo"-Album bringen die 5 "Jungs" einen perfekten Opener. Der Sound ist merklich besser geworden, auch wenn sich die Gitarre, auch im Verlauf des Konzertes, immer noch nicht richtig durchsetzt.
Gleich als zweiter Song folgt Razamanaz. Ich bin wirklich verblüfft wie gut Dan McCafferty bei Stimme ist. Eine der prägnantesten Stimmen im Rock'n'Roll schreit die alten Kracher immer noch nahezu original heraus. Gut, hier und da wird schon mal mit Hall und Echo unterstützt, aber schließlich befindet sich NAZARETH im 31.(!) Jahr ihres Bestehens.
Einer meiner Favoriten folgt: Miss Misery von "Hair Of The Dog" (1975). Der schleppende, gewaltige Bluesrock dieses Songs ist vielen im Publikum wohl etwas zu herbe Kost. Mir nicht!! Dan McCafferty tut sein möglichstes um die Leute aus der Reserve zu locken, was leider nur langsam gelingt. Naja, die Franken waren noch nie für ihr überschäumendes Temperament bekannt.

Einziges weiteres Originalmitglied der aktuellen Besetzung ist Pete Agnew, der ganz offensichtlich noch immer viel Spaß am Auftreten hat. Ständig um Kontakt zum Publikum bemüht, immer zu einem Späßchen aufgelegt, spielt er nebenbei noch einen tollen, sehr präsenten, "drahtigen" Bass. Sein Rhythmuspartner am Schlagzeug ist Lee Agnew, der den 1999 verstorbenen Darrell Sweet würdig vertritt. An der Gitarre ist seit 1995 Jimmy Murrison tätig. Mit ihm ist der NAZARETH-Sound wieder etwas bluesiger geworden. Sein Spiel ist wenig spektakulär, aber in dem engen Rahmen der Songs kann er doch hin und wieder seine eigene Note setzen. Leider, wie gesagt, kommen seine Fender-Stratocaster Gitarren nicht so gut raus wie nötig.
An den Keyboards, ebenfalls seit 1995, Ronnie Leahy, der unaufdringlich die Songs bestens unterstützt.

Die Setlist entspricht ziemlich genau dem neuen Live-Album "Homecoming" und so folgen noch Holiday, Dream On, Simple Solution (von "No Mean City", 1979), My White Bicycle (mit kleinem Tänzchen von Dan zu seinen Drogenerfahrungen in Amsterdam), zu meiner Freude: Bad, Bad Boy.

Es ist wirklich erstaunlich was Dan McCafferty noch leistet. Ich glaube, man muss aus Schottland kommen um so zu "singen"! Auch Bon Scott, Brian Johnson, Jimmy Barnes und Frankie Miller sind aus Schottland, oder hatten entsprechende Vorfahren...
Dan trinkt denn auch während der Show Wasser, "ölt" aber zwischendurch immer wieder mit einem Schluck Whiskey. Gegen Ende genehmigt er sich sogar die ein oder andere Zigarette.

Nochmal zu Frankie Miller. Für den Herbst ist ein "Tribute-Album" für den seit Jahren schwer erkrankten Sänger geplant, verkündet Dan McCafferty. NAZARETH haben dafür den Frankie Miller Song Danger, Danger eingespielt und präsentieren diesen heute abend auch. Klasse!

Weiter geht's mit Hair Of The Dog, Hearts Grown Cold, Broken Down Angel, die Knaller Whiskey Drinkin' Woman und Beggars Day (von Nils Lofgren), sowie This Flight Tonight.
Der eingeplante Dudelsack macht leider kurz vor seinem Einsatz schlapp. Oder wie Pete Agnew seinem nach Erklärungen ringenden Sänger souffliert: "Kaputt".

Zur Zugabe spielen sie noch ihre Version von Cocaine, das ja auch schon auf dem 81er Live-Album "'Snaz" vertreten ist, sowie das unvermeidliche Love Hurts. Normalerweise sind Love Hurts und Dream On nicht unbedingt mein Fall. Aber wenn's beim Rest vom Konzert ordentlich gefetzt hat (in einem gewissen Rahmen, die Herren sind ja zum Teil schon einiges über 50), dann kann ich mich auch an diesen Songs freuen.

Nach ca. 1 3/4 Stunden ist es vorbei. Fazit: Trotz aller wideren Vorzeichen, ein tolles Konzert. Gut, 300 Kilometer würd ich deswegen jetzt nicht fahren, aber wenn's innerhalb von einer Stunde zu erreichen ist - jederzeit gerne wieder!!!

Epi Schmidt, (Impressum, Artikelliste), 18.04.2002

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