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| Southhaven, MS (USA), Snowden Grove Amphitheater, 04.06.2006 |
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Es ist wohl wie mit einem Drink aus dem Urlaub oder aus fremden Ländern: Zuhause schmeckt es einfach nicht mehr so gut wie in der ursprünglichen Umgebung.
Ich habe LYNYRD SKYNYRD zwar schon einige Male in Deutschland spielen sehen und war jedes Mal auch sehr angetan, aber der heutige Auftritt hier im Süden von Memphis war schon einen Klasse für sich. Um ehrlich zu sein, ich hoffe ich vergraule hiermit nicht eingefleischte Johnny Van Zant-Fans, Johnny kam beim Auftritt in einer der Südstaaten einfach viel netter, lockerer und sympathischer rüber als er das aus meiner Sicht in Deutschland immer getan hat. Dort gab es immer eher einen Schuss Arroganz.
Die Voraussetzungen für ein Open Air an diesem Abend waren zunächst sehr schön, allerdings begann es dann leicht zu regnen und es hatte sich zugezogen, in der Umbaupause vor SKYNYRD war am Horizont dann aber schon ein herrlicher Sonnenuntergang zu bestaunen und pünktlich zum Headliner war der Himmel sternenklar.
Meine Aufmerksamkeit gegenüber dem Wetter lässt schon darauf schließen, dass ich an den Openern nicht sonderlich interessiert war, obwohl vor allem Jason Aldean, der wohl gerade einen Top 10 Hit in den Country & Western Charts hatte, schon recht rockig war. Dazu muss erwähnt werden, dass richtige Stimmung erst aufkam, als er Paradise City und Sweet Child Of Mine aus GUNS N' ROSES' guten alten Tagen coverte. Komisch.
Den Abend eröffnet hat Eric Church, na ja, ich kann und muss glaube ich darüber hier nicht viele Worte verlieren. Oder kennt den jemand? Die ca. 4.000 Zuhörer waren hier in jedem Fall noch nicht wirklich von den Klappstühlen zu locken.
Die Stimmung stieg sofort, als LYNYRD SKYNYRD ihren Auftritt mit Workin' For MCA begannen, das nahtlos in I Ain't The One überging. Überraschend für mich war an dieser Stelle, dass inzwischen wieder drei Gitarristen auf der Bühne standen (oder habe ich etwas verpasst), was natürlich gerade bei dieser Band wirklich nicht schadet.
Der Neue nennt sich Mark Matejka, spielte vorher unter anderem bei der CHARLIE DANIELS BAND und ich hatte den Eindruck, dass er noch um einen 'Stammplatz' kämpft, allerdings kann man seine Leistung solide nennen.
Trotz großer Bühne wurde es zum dritten Song, You Got That Right, das erste Mal eng, denn neben den üblichen Verdächtigen gesellten sich nun auch Cassie Gaines und Dale Krantz Rossington und eine dreiköpfige Bläserabteilung zur Band. Für mich neu, war auch nicht schlecht, ich denke aber, dass es nicht hätte sein müssen. Der Sound ist auch ohne Bläser voll genug.
[Für uns wäre es auch neu gewesen. Cassie Gaines ist wohl eher Wunschdenken unseres wackeren Marco. Immerhin hat es 'nur' eine Woche gedauert, bis ein Leser mit schmerzverzerrtem Gesicht geschrieen hat. Red.]
Nach dem Lied gab es dann die erste Grußadresse von Johnny an das Publikum: "Are you ready to rock your ass off" und "Skynyrd is in the house" veranlasste die Menge zu frenetischem Jubel und einer angemessenen Begrüßung.
Ja, das Publikum. So was habe ich noch nie gesehen. Abgesehen davon, dass der Engpass am Bierstand nicht etwa der Zapfhahn war, nein, es war der nette Officer, der jeden Ausweis kontrollierte (und über den Alterdurchschnitt bei diesem Konzert muss ich wohl auch nichts sagen) und, ganz wichtig, jeden für mündig befundenen Antragsteller mit einem Bändchen versah, das ihm beim nächsten Bier die Prozedur ersparte, waren ca. 30% der Anwesenden mit Klappstühlen ausgestattet!
Da saßen sie nun in gemütlicher Runde und manch einer hat sich nicht mal die Mühe gemacht einen Blick auf die Bühne zu werfen. Dabei durfte an jedem Klappstuhl natürlich der in den Staaten überall zu findende Cup-Holder (mein Auto hat 4!) nicht fehlen. Aber alles hat Vor- und Nachteile, denn beim Bier holen aus den ersten Reihen hatte man nicht mit Menschenmassen, sondern nur mit vielen Klappstühlen zu kämpfen, aber diese haben den Kampf leider immer sehr schnell verloren. Andere Länder, andere Sitten.
Weiter ging es mit That Smell und zu meiner großen Freude Simple Man, bei dem vor allem Rickey Medlocke das erste Mal mehr in Erscheinung trat und seinen Gefühlen freien Lauf ließ, was im Laufe des Abends dann noch öfter geschehen sollte, er sich wie ein Derwisch zu seinem Gitarrenspiel im Kreis drehte, auf dem Boden kniete, und einfach gute Laune verstreute. Apropos (Big-) Band: Insgesamt machte SKYNYRD auf mich den Eindruck, als wüsste jeder (mal abgesehen von Neulingen) wo sein Platz ist, ohne dass dies statisch oder gelangweilt wirkte (Gary Rossington hält sich hier allerdings immer eher bedeckt). Auffällig, neben Medlocke, der sehr solide spielende Michael Cortellone und viel Spaß an seiner Arbeit schien auch Ean Evans zu haben. Billy Powell, neben Gary Rossington das einzige 'Originalmitglied' war auch dabei. Leider konnte ich ihn von meinem Platz aus nicht sehen.
I Know A Litte folgte und anschließend wohl ein Höhepunkt für die sehr patriotischen Südstaatler: T For Texas, wobei hier natürlich das T für Tennessee besser ankam (obwohl das Konzert in Mississippi stattfand). Kleine Geographiekunde: Memphis ist in TN, aber Southaven ist am südlichen Stadtrand von Memphis und das Konzertgelände, das Snowden Grove Amphitheater, liegt dort ca. eine Autominute von der Stateline entfernt. Zum Namen des Geländes: Wenn eine Wiese mit einer draufgestellten Bühne ein Amphitheater ist, dann habe ich in meinem Konzertleben schon sehr viele Amphitheater besucht...
Zu T For Texas gab es noch ein hervorragendes Gitarrenduell mit dem in die Jahre gekommenen Gary Rossington, bei dem sich beide sehr schön ergänzten und anstachelten.
Down South Jukin' war der nächste Song, anschließend wurde es dann mit Comin' Home etwas besinnlicher, um dann ein wahres Feuerwerk an Begeisterungsstürmen zu entfachen. Startschuss hierfür war Gimme Back My Bullets, das aber noch von The Ballad Of Curtis Loew getoppt wurde. Dieses scheint hier besonders angesagt zu sein, denn jeder, aber wirklich jeder, sang den kompletten Song mit. Hierzu sei auch noch erwähnt, dass hinter uns 3 ca. 12-jährige Jungs mit METALLICA-Shirts nicht nur diesen, sondern eigentlich jedes andere Lied auch von ihren Eltern als Hausaufgaben aufbekommen zu haben schienen. Das nenne ich Erziehung! Sie hatten ihre Lektion wirklich gelernt.
Nachdem Johnny Van Zant sich die Sympathien des Publikums schon bei der Zeile "don't forget son, there is someone up above" erworben hatte, da dieser Teil der Staaten im sogenannten Bible-Belt liegt, der mit Kirchen und ähnlichem zugepflastert ist, setzte er nun noch einen drauf. Eine kleine Staaten-Flagge am Mikroständer war nur der Anfang, als er dann zur Einleitung von Red, White And Blue ausholte, die amerikanischen Troops pries und die Südstaaten feierte, oh Mann, da war die Hölle los. Aber nein, es ging noch weiter: Die Südstaaten-Flagge als Bühnenhintergrund brachte dann erst den richtigen Kick. Während wir uns ruhig verhielten und uns mit betretenen Mienen ansahen, tobte um uns der Mob. Wir wollten uns nicht ausmalen wie es aussehen würde, wenn z.B. die SCORPIONS Schwarz-Rot-Gold... nein, lassen wir das. Das verstehen wir Deutschen einfach nicht.
Beim folgenden Gimme Three Steps gab Rickey Medlocke dann noch mal alles, inklusive Gitarre-spielen-auf-dem-Boden-liegend, mitsingend und Leute anfeuernd. Spielfreude pur. Zur Ansage von Sweet Home Alabama dann noch mal ein bisschen Patriotismus, ein "Alabama"-Schrei inklusive geballter Faust und der Weissagung "The south will rise again" ging es in das letzte Lied vor der obligatorischen Zugabe Free Bird, die dann den letzten Zweifler auch noch überzeugte.
Ein wirklich gelungener Abend (für jeden Amerikaner sowieso), der für gute Laune sorgte. Zum Abschluss dann noch ein kleiner Wermutstropen für Anfänger in Sachen amerikanischer Konzerte: Der Bierstand war schon geschlossen, hätte auch nichts genutzt, denn man musste das Gelände zwar verlassen, aber jedes Bier musste drinnen bleiben. Wie schon gesagt: Man muss nicht alles verstehen...
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