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feat. Bruce Brookshire

Kirchheim/Teck, Rollschuhplatz-Open Air, 23.06.2007

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Fotos: Adelina Schmidtlein


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Kirchheim/Teck, Rollschuhplatz-Open Air, 23.06.2007

Nähe zum Objekt der Berichterstattung verhindert journalistisch gebotene Objektivität. Man sieht das an den seit Jahrzehnten wegsehenden Chronisten von Radrennen. Alle wussten es, alle sahen… angeblich nichts, alle hielten die Schnauze. Ein Wunder, dass es nicht viel mehr Tote gab, ein Wunder, dass die Omertà so lange Zeit anhielt. Umso widerwärtiger erscheint einem die Tour de Farce 2007, umso schwieriger ist der zigste Artikel im Home of Rock über LIZARD vom immer gleichen Geschichtsschreiber.
Und hiermit das Geständnis: Ja, ich habe über Jahre die völlige Wahrheit verschwiegen, obwohl mir immer bewusst war, dass es falsch ist. Ich habe euch belogen, bitte verzeiht mir. Ich habe Alkohol getrunken bei all den Konzerten dieser Band, ich habe Gitarren, Frauen und Nikotin als Stimulanzien verwendet. Ich habe elendiglichen Spaß gehabt mit dieser Musik, Lord have mercy. Ich werde nun die Wahrheit sagen. The truth, the whole truth and nothing but the truth! Watch out:

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Bruce Brookshire war mal wieder zu Besuch bei seinem Freund Georg Bayer, der ja nun wieder dort ist wo er hingehört, am Mikrofon bei LIZARD nämlich, also ging man gemeinsam auf eine kleine Tour und brachte verblüffend viele Menschen auf die Beine und machte sie froh. Wenn man die Reaktionen in den einschlägigen Foren liest, handelt es sich sogar um eine anhaltende Glückseligkeit. Wundert es? Nein, oder? Der Welt größter Rock'n'Roll-Entertainer zusammen mit der tightesten Kapelle südlich der Ostsee auf entspannter Spaßreise, da geht nix mehr schief.
Samstag, 23. Juni 2007, Kirchheim unter Teck, lauschiges Open Air vor den Mauern der Bastion aus dem 15. Jahrhundert (der zugehörige Club Bastion hat übrigens ebenfalls eine spannende Historie), jede Menge gutgelaunte Bürger und einige Langzeitfans der Bands DOC HOLLIDAY und LIZARD, angenehmstes Wetter, sensationelle Preise (5 €uronen Eintritt, 2,50 für leckeres Bier und essbare Pizza - in Baden-Württemberg funktioniert Sponsoring noch), das ist ein Tag für ein Konzert.

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Da wir ab heute bei der Wahrheit bleiben wollen, muss gesagt sein, dass LIZARD immer noch überraschen können. Diesmal mit zwei Schlagzeugen, eines für Helmut Kipp und eines für Wolfgang Rosner. Zuletzt konnte man das beim legendären "Abschiedskonzert" (jetzt endlich auf DVD, Review folgt) bewundern. Percussionfreunde werden wissen was gemeint ist, wenn man sagt, dass die zwei Klasse-Drummer einen außergewöhnlichen Job machen. Mal swingen beide zusammen, dann schüttelt einer den Shaker während der andere groovt, dann stampfen beide straight durch einen 4/4 mit allerhöchstem Rock-Faktor, manchmal gibt's ein Donnerwetter und danach geht die Cymbal-Sonne auf. Die ein, zwei "zugetretenen" Einsätze hat kein Mensch bemerkt.
Natürlich, zwei Schlagzeuge bedeuten doppelten Aufwand, aber mit dieser Band, in dieser famosen Art und Weise gibt es den Extrakick, sogar für einen Dauergast.
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Die nächste Wahrheit haben wir in diesem Magazin schon so oft gesagt, dass sie möglicherweise zu den Ohren heraushängt: Volker D. und Christoph B. sind das beste lebende Gitarrenduo aller Zeiten. Es tut weh, wenn Menschen heute noch WISHBONE ASH, den alten WHITESNAKE oder gar den längst vergammelten Southern-Helden hinterher weinen, derweil sich diese Kerle in einer nie gesehenen Leichtigkeit durch die Welt der zweistimmigen Gitarre spielen. Ähnliche Abstimmung und Gleichberechtigung gibt es nirgends, wer es besser weiß soll sich bitte bewerben. Onanierende Selbstdarsteller scheiden allerdings sofort aus und kommen nicht in die zweite Runde.
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Die Sonderstellung dieser zwei Schwaben zeigt sich besonders deutlich, wenn im Verlauf des Konzerts Bruce Brookshire dazu kommt und sich qua Setlist natürlich als Frontmann betätigt. Bruce ist ein überragender Gitarrist, das weiß man, aber er bekommt kongenialen Support von rechts und links, lässt auch zu, das man ihm die Bälle zuspielt, stoppt sie mit der Brust und gibt per Hackentrick weiter. Im Ergebnis hat man dann eine klassische 3-Stürmer-Taktik (nicht von Trapattoni erfunden!) mit 170 'Toren des Monats' in 45 Minuten. DAS, Damen und Herren, ist Schönheit. Danke für die Aufmerksamkeit.

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Als Kollektiv sind LIZARD heute vermutlich besser denn je zuvor. Warum ist das so? In erster Linie sind es die Songs, die über die Jahre nicht nur nicht langweiliger wurden, "gereift" klingt an solchen Stellen scheußlich abgegriffen, nein, die Lieder wurden immer wieder weiterentwickelt, in ihren Arrangements leicht verändert, mit neuem Schmuck versehen, mit Kleinigkeiten aufgepeppt. Da kommt ein winziges Solo am Keyboard hinzu, eine schicke Bassfigur, ein Riff, ein Pfiff, eine simple Rhythmusverschiebung, der Kenner kann immer wieder Neues entdecken. Dazu kommt die Entwicklung aller Bandmitglieder, die sich als Persönlichkeiten darstellen, ohne in Egozentrik zu verfallen und nie übers Ziel hinauszuschießen. Das funktioniert bei sechs respektive sieben Könnern selten bis nie. [Übrigens ein Grundproblem heutiger Rockmusik, denn alles kapriziert sich auf den einen Frontmann, sei es Sänger oder Gitarrenheld, und die Gruppe bleibt auf der Strecke - wer braucht schon eine Band und vollständige Songs, wenn es doch den Heroe am Bühnenrand gibt…].

Bruce Brookshire
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Wesentlich für die Anziehungskraft im Jahr 2007 ist auch, dass Herr Bayer über die Jahre - und vor allem über seine Pause - verdammt nah an die ganz ganz großen Sangescharismatiker herangerückt ist. Da reicht ein Wink mit den Fingern, ein Klatschen und ein Hüftschwung (Stopp, das war Elvis), das Volk folgt. Setzt sich am Ende doch Können, Wissen und Ausdauer durch? Egal, LIZARD spielten an diesem Samstagnachmittag einen so bezaubernden Gig, dass ein Mann angehörs Route 66 zum Einstieg Brookshires sagte, dass Nachspielerei nun wirklich nicht sein müsse.
Musste sie doch, denn Bruce mag nun mal (die) Route 66, und es war ja auch nur der Anfang eines fulminanten Lizard-Brookshire-Lizard Sets.

Über die vielen Möglichkeiten einer Setlist mit Bruce Brookshire und LIZARD muss man nicht lang diskutieren. 4 Stunden würden eventuell knapp ausreichen, um die wichtigsten Songs zu spielen. Also bleiben bei 90 Minuten viele Wünsche unerfüllt (für Insider fehlte zum Beispiel Bring Me Some Water… pah), aber der Rest reicht allemal für eine 'sensation de plaisir'. Eine plaisir pour la vue ist die Darbietung sowieso. Für die Nicht-Franzosen: Wir sprechen von einer Augenweide. Drei Gitarren, Bass, zwei Schlagzeuge, Keyboards plus beizeiten Schorsch als zusätzlicher Shouter, mehr geht nicht. In diesem Ambiente ein solches Konzert, das ist der Rockertraum. Dankeschön.

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Höchst amüsant an diesem frühen Abend waren zwei Begebenheiten. Zuerst die alte Dame, die Eintritt zahlte, um wackligen Knies nach vorne an die Bühne zu staksen und Bruce höchst erbost einen Vogel zu zeigen. Entweder wollte sie Last Ride hören, oder es war ihr einfach zu laut. Und nach LIZARD/Brookshire natürlich Arthur Brown. Ihr wisst schon, Arthur Brown, the god of hellfire. Das Leben macht aus manchen Menschen skurrile Performancekünstler, Arthur Brown ist ein solcher. Halbplayback, wunderliche Verkleidungen, Ausdruckstänze, das ist der Rest einer crazy world einer Eintagsfliege von 1968. Sein damaliger Helfer Vincent Crane (ATOMIC ROOSTER) muss das Trauerspiel glücklicherweise nicht mehr erleben. Die braven Kirchheimer klatschten trotzdem.

Arthur Brown
Arthur Brown...
Arthur Brown
... the god of hellfire

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 16.05.2007

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