|
Konzertbericht:
Supp.: FlatmanEsslingen, Dieselstrasse, 31.01.2003 |
![]() |
|
|
|
Fast ein ganzes Jahr haben wir LIZARD als Headliner nicht live gesehen. Zeit also. Und schon geht's durch Schnee und Wind, nur ohne Kind, nach Esslingen. Im letzten Jahr sind einige seltsame Dinge in der Southern Rock Szene vorgegangen. Wo es jahrelang nur Wüste gab, kamen plötzlich Bands wie Kakteen aus dem Nichts. Nur ein paar Namen: Rebel Storm, Savoy Truffle, 1880, W.I.N.D. (aus Italien!) und natürlich unsere deutschen Bands Two Moon, Moderate Pace, Nocturn und Flatman. Zählt man noch die vielen Bands hinzu, die unser Joachim entdeckt hat (siehe seinen Artikel über Bands auf www.MP3.com), dann kann man beinahe von einem Southern Rock Revival sprechen. Das müssen jetzt nur noch die Hörer und Leser draußen an den Bildschirmen und Kopfhörern mitkriegen.
Die beste (Southern) Band Europas hat Heimspiel und lädt die beste (Southern) Newcomerband Deutschlands als Support ein. Die Highlights der "A Bottle Of Booze"-CD plus einige ausgesuchte Skynyrd Cover (u.a. On The Hunt) und natürlich auch Edge Of Sundown von Danny Joe Brown werden uns krachend um die Ohren gehauen. Auffallend ist, wie schnell sich die Band im letzten Jahr eine verblüffende Bühnenroutine erarbeitet hat. Ebenfalls auffallend ist, dass die Jungs sehr von den Äußerlichkeiten beeinflussbar sind. Ist die Hütte voll, legen sie los wie die Feuerwehr, ist der Laden leer, kommen sie auch schon mal aus dem Konzept. In Esslingen war's voll. FLATMAN sind derzeit der beste Support, den man sich holen kann. Man gebe der Band 60 Minuten und eine ordentliche Bühne, dann rocken sie alles in Grund und Boden. Es gibt aber noch eine logische Steigerung. Wenn eine Band im 2. Jahrzehnt besteht, im 8. Jahr in fast unveränderter Besetzung auftritt und in dieser Zeit neben einer Masse Konzerten auch solche Meisterwerke wie "Southern Steel" einspielt, dann darf man verlangen, dass auf der Bühne satt was geboten wird.
Um es kurz zu machen, LIZARD haben eine weitere Evolutionsstufe erklommen.
Dass Dörfler und Berner ein Gitarrenduo par excellance sind haben wir im Home of Rock schon öfter gesagt (und in den verschiedenen Jahresrückblicken dokumentiert). Eine Steigerung schien fast nicht mehr möglich. Und doch, sie haben es geschafft. Noch mehr Soli, noch ausgefeiltere Double-Leads, noch mehr Druck, noch perfekteres Zusammenspiel. Ein paar der älteren Nummern sind leicht umarrangiert und das verhindert Langeweile bei Leuten, die die Band schon oft gesehen haben. Als Sanges-Nachtigall ist Georg Bayer nicht berühmt, mit dem hohen C wird es nichts mehr in diesem Leben. Um so faszinierender ist es, dass er und seine Band es immer wieder schaffen, ihre Songs zielsicher, ohne Qualitätsverlust und ohne Eintönigkeit, genau auf den Punkt zu bringen. Mittlerweile ist es eigentlich gar kein "normaler" Southern Rock mehr. Der Rahmen ist viel zu eng geworden. Lizard ist einfach eine perfekte Rock Show.
Mehr als zwei Stunden und etliche Weißbiere später (da müssen die Schwaben noch viel lernen - Kristallweizen... bäh!) räumt Georg für die letzte Zugabe die Bühne und Franken-Van Koss übernimmt für Gimme Back My Bullets. Gitarristisch gesehen sowieso eine Offenbarung. Und der Gesang? Nichts für schwache Nerven! Näher am Original war noch niemand.
Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.02.2003
Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 31.01.2003 |
||||||||||||
|
|
|