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Konzertbericht:
Empfenbach, Festival Holledau, 04.07.2003 |
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Der Welt vogelwildeste Chaotenkapelle hat inzwischen auch schon einen ganzen Haufen Jahre auf dem Buckel, und obwohl die CDs der Band seit einiger Zeit nicht mehr richtig überzeugen können, live sind sie Jahr für Jahr immer wieder ein Riesenspaß. Der Kult lebt und auch beim Open Air in Empfenbach (wer's nicht kennt, das ist ungefähr 60 Kilometer nördlich von München in Richtung Regensburg, mitten im Hopfenanbaugebiet Holledau) haben gut 2.000 Leute getanzt, gelacht und gestaunt. Den Spruch von der "schlechtesten Band der Welt" kann man natürlich vergessen. Die Leningrad Cowboys sind die Auslese finnischer Musiker (family tradition, schließlich stammen sie alle von der gleichen Mutter ab, die Väter sind nicht bekannt) und das demonstrieren sie 90 Minuten lang mehr als eindrucksvoll. Rhythm & Blues, Polka, Hardrock, Rock & Roll, Wolga-Lieder, Metal, Sixties-Pop (Elouise, Delilah). Und alles gleichzeitig. Sänger/Gitarrist Tume sieht immer mehr aus wie der späte John Belushi und mit einem rumpelnden Sweet Home Chicago startet der Set entsprechend. Drei Gitarren, der fette Bläsersatz von hinten, wechselnde Leadvocals. Es ist wirklich schwer zu erzählen, was bei einem Konzert der Cowboys abgeht. Für die Photographen ist es auf jeden Fall fast unmöglich die Action auf der Bühne authentisch einzufangen. Zwischen all den Coversongs kommen einige eigene Highlights (u.a. Space Tractor oder der Klasse-Rocker Where's The Moon), ständige Publikumsanimationen - ja, warum sollte man nicht einfach mal ein paar Empfenbacher Mädels auf die Bühne holen und sie dort ausziehen, haben doch nichts zu verbergen, die Süßen - oder eine Scorpions-Gitarrenlehrstunde "for free - kostet nichts". Was spricht dagegen, dass ein Sänger sein Mikro in ein gerupftes Gummihuhn schiebt und dem Vogel ins Bürzel singt? Ich meine, es gibt genügend Ärsche, die unschuldigen Mikros direkt ins Gesicht plärren. Gell Herr Kübelböck. Herzilein spielen die Finnen natürlich auch. Gimme All Your Lovin' gibt es in der bekannten Stolper-Polka-Version, ZZ TOP könnten sich ein Scheibchen abschneiden, und die Mädels der Finnen sind auch besser. Ach ja, die beiden älteren Damen waren in den späten Sixties Miss Vladivostock bzw. Miss Ulan Bator. Gut gehalten, daran könnte sich Uschi Glas was abschneiden. Oder stimmt das etwa gar nicht und die fleißigen Tanzmäuse sind erst in den Achtzigern geboren? Dann wäre das ein Fehler auf www.leningradcowboys.fi. Glaub ich aber nicht, denn Finnen lügen nicht. Die finnische Sprache ist verwandt mit dem Ungarischen. Und deswegen spielen die Cowboys eine zehnminütige Monsterversion von Let There Be Rock (weil schließlich ist Marika Röck auch nicht in Ungarn sondern in Kairo geboren). Alle AC/DC-Klone dieser Welt sollten aufgeben. Ich habe noch keine so ultimative Fassung dieses lebenslänglichen Megaboogie gehört. 3 Gitarren immer voll in die Schnauze, göttliches Gebrüll und dazu die Traktor-Fake-Gitarre von Tipe und ein anderer Knallkopf, der mit der Trommel über die Bühne trampelt. Köstlich, unvergleichlich, legendär! Noch ein musikalisches Schmankerl: Rockin' In The Free World von Krach-Genialist Neil Young. Nur werden Young's Crazy Schrammel Horses niemals eine so tighte Interpretation hinkriegen. Rockmusik in Perfektion. Der Song an sich ist eh unangreifbar. Zur Zugabe dann das Unfassbare: Noch ein Wörtchen zum Empfenbacher Festival. Mitten zwischen den Hallertauern Hopfenanbaugebieten hat sich dieses Open Air Festival seit Jahren etabliert und das mit Recht. Gemütlich, übersichtlich und bestens organisiert, können sich Bands und Zuschauer drei Tage lang vergnügen. Liebe Veranstalter anderer Events, bitte schaut mal genau hin! Ich verrate nämlich jetzt die Preise. Dank an Pit Gerl für den Support und das feine Festival. Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.07.2003
Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 04.07.2003 |
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