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Konzertbericht:Lance KeltnerMünchen, Hide-Out, 19.01.2003 |
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Die Welt ist gerecht und Dieter Bohlen ist der größte deutsche Komponist aller Zeiten. So schaut's aus meine Damen und Herren. Und deswegen spielen echte Rocker Jahr für Jahr ihre kleinen Clubtourneen und die Rolling Stones suhlen sich in den Fußballstadien dieser Welt, während ein Gitarrist, der Herrn Richards mit gefesselten Händen an die Wand spielen würde, seinen Verstärker eigenhändig zum alten Bus schleppt. 4 Alben hat Keltner inzwischen auf dem Buckel, das aktuelle "Lance Keltner" ist grade eben erschienen und ist eigentlich eine konsequente Fortführung seiner bisherigen CDs. Weg vom Blues, hin zum "modernen" Rock mit Einflüssen aus Southern Rock, Rock & Roll und natürlich Blues. Die auf CD eingesetzten technischen Gimmicks übernimmt auf der Bühne ein kleiner Japaner mit Knöpfen dran. Der elektronische Rhythmusgeber und ein paar Pedale von Co-Gitarrist Mark Younger-Smith sind optisch die einzigen Zugeständnisse an den Zeitgeist. Ansonsten stehen eine handvoll Gitarren und alte Verstärker rum. Und seltsamerweise liegt auch noch eine Hantel auf dem Boden. Welchen Zweck die erfüllt, habe ich nicht herausbekommen. Anyway, Lance jedenfalls schreibt seine Songs mit Hirn, Bauch und Gitarre und er ist einer der wenigen zeitgenössischen Musiker, die einen solchen Sack voll potentieller Hits haben. Der gesamte erste Konzertteil ist gespickt mit (Rock!) Hymnen, die Leute wie Bryan Adams oder Desmond Child nur zu gerne schreiben würden, leider fehlen ihnen aber dazu die Eier. Lance ist ein Guitar-Hero, der sich nicht in den Vordergrund drängt. Er überlässt Mark Younger-Smith so manchen Spot und konzentriert sich auffallend auf seinen außergewöhnlich guten Gesang. Die Band ist insgesamt unheimlich tight und perfekt. Michael Moyer am Bass und Drummer Tommy Taylor (mit Kopfhörern) betonieren einen großartigen Untergrund und darüber kommen die Gitarren plus Stimme wunderbar zur Geltung. Nach der Pause erleben wir aber dann ein echtes blaues Wunder. Die Band schaltet noch einen oder zwei Nachbrenner ein und es geht gar furchtbar schweißtreibend in die zweite Halbzeit plus Verlängerung. Dirty Knees, Voodoo Doll, Groove Thang, Devil And The Deal. Ein Knaller nach dem anderen. Absolute Weltklasse. Trocken und hart rocken die Jungs wie vom Voodoopriester verfolgt durch ihren Set. In Bye Bye Donkey wird, wie auch einen Tag später in Nürnberg, Rod Stewarts Hot Legs eingebaut. Was für ein unfassbarer Rocker das doch ist. Wer braucht da noch einen nölenden Altstar? Lance und seine Bande überzeugen auf den Studioscheiben. Live allerdings sind sie eine Bank, die eigentlich nur darauf wartet, endlich von den Aktionären wahrgenommen zu werden. Der Kurs geht nämlich steil nach oben und sollte, wenn die Musikwelt nicht komplett durchgeknallt ist, früher oder später an der Spitze des Rock & Roll-Dow Jones-Index enden.
Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 04.02.2003
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