Jon Oliva ist Heavy Metal pur. Nicht nur wegen seines Körperumfangs. Sein kompositorisches Talent ist unter Kennern unbestritten, seine Nase steckte er in mehr schädliche Substanzen, als unsereins je riechen könnte.
Er ist länger im Business als seine Begleitmusiker, und ist irgendwo immer noch ein überaus freundlicher, witziger Mensch. Und weitaus fitter als mancher im Publikum sowieso.
Ich sehe den Mann in diesem Jahr zum dritten Mal (nach dem Dynamo und Rock Hard Festival) und wieder haut er mich dermaßen um, das ich sofort wieder zu einer seiner Shows gehen würde. Wobei es immer um Jon Oliva geht. Eigentlich spielt heute PAIN, so heißt seine Band, und sollte auch mal gewürdigt werden. Früher bei CIRCLE II CIRCLE, unterstützen die Jungs schon seit einer Weile den Mountain King bei seinen Live-Verpflichtungen. Fantastische Musiker, das soll auch mal gesagt werden. Trotz aller Spotlights die sie bekommen, stehen sie immer im mächtigen Schatten Jon Olivas.
Bevor jedoch JON OLIVAS PAIN die Bühne betritt, heißt es noch SAIDIAN zu überstehen. Technisch einwandfrei präsentieren die Jungs um Sänger Markus Engelfried Melodic Metal den die Welt nicht braucht, einfallslos und langweilig. Ich fragte mich andauernd wann die mal ein neues Lied spielen wollen. Kein Scherz!
Würde ich mal unter "Gewollt, aber nicht gekonnt" abhaken. Die zurzeit anwesenden 70-80 Leute quittieren den Auftritt mit Höflichkeits-Applaus, holen sich ein Bier und warten auf den King.
Als JON OLIVAS PAIN endlich die Bühne betreten ist die Zeche nicht wesentlich voller. 150-200 werden es wohl gewesen sein, die sich auf den Weg nach Bochum gemacht haben, um einem exzellenten Konzert beizuwohnen.
Jon ist erkältet, das sagt er gleich am Anfang des Konzerts, und es wird wieder einen bunten Reigen aus dem gesamten Repertoire geben, und er hat eine Hexe dabei.
Nicht was Ihr denkt.
Eine kleine Plastikfigur, die ihm vor dem Auftritt geschenkt wurde, ihm erstaunlich ähnlich sieht, und er dazu meint: "I love her so much, she looks like me!" Und das andauernd.
Na ja, wo die Liebe hinfällt. (die Ähnlichkeit ist zugegebenermaßen erstaunlich und nicht nur bei der Nase.)
Mit der kläglichen Besucherzahl kann man natürlich nett vor der Bühne bangen, First Row und sehr familiär, man kennt sich halt. Der Meister greift sich sogar 'ne Zichte von Kollege Metal Harry, um seine strapazierten Bronchien noch etwas mehr zu reizen.
Erkältet ist er, aber das hindert ihn nicht (wieder mal) eine fantastische Leistung hinzulegen. Die Stimme ist wieder da! "Sober Living" wie er meint, na ja, als Wodka oder Iso-Getränk zur Auswahl standen, wählte er den Wodka. Gut so. Erkältungen muss man mit dem Beelzebub austreiben.
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Die Songauswahl lag diesmal etwas anders als bei den Frühjahrs-Gigs. Mehr auf dem "Streets"-Album gelagert, wurde als Opener New York Don't Mean Nothing gewählt. Ungewöhnlich aber genial. Jesus Saves Wie immer Song Zwei.
Wann, verdammt, werden SAVATAGE mal dieses Opus komplett auf der Bühne präsentieren?
Tonight He Grins Again glänzt, weil nur selten gespielt, besonders.
Mein Lieblings Song vom neuen Album The Dark gibt es erst später im Set.
Ansonsten spielt man von der "Tage Mahal" noch Gimme Some Hell und All The Time. Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf SAVATAGE.
Das Finish läutet dann Power Of The Night, gefolgt von Hall Of Mountain King ein, Jon greift seine Hexe und bedankt sich. Und das war's auch schon. Meine Güte, diese gut 100 Minuten vergingen wie im Flug. Jon hielt sich diesmal mit Anekdoten zurück, wohl um die Stimme zu schonen, auch Monty Pythons "Sit On My Face And Tell Me That You Love Me", oder andere seiner spaßigen Pausenfüller fanden heute Abend keine großartige Verwendung.
Vielleicht lag's daran, dass er heute einigermaßen nüchtern auf der Bühne stand, beim Rock Hard Festival haben ihm ja einige krumm genommen das er zuviel geschwafelt hätte ... Auch wenn ich persönlich seine Gags sehr witzig finde, 2 Songs gespielt sind mir lieber als zehn Minuten dummes Gerede. Matt, Jerry und Kevin sind eh seit dem dritten Song in Schweiß gebadet. Mr.Oliva sieht erstaunlich frisch aus als er die Bühne verlässt! Auch für kleines Publikum gaben PAIN alles. Wer an diesem Abend unzufrieden nach Hause ging, dem kann man wohl nicht mehr helfen.
Great Show! See you in 2006!
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