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Adelina Schmidtlein
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Tourplakat - 66 KB
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Jack Bruce - 54 KB
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Von Jack Bruce kann man vieles erwarten. Aber ganz sicher keine abgestandene Oldie-Show.
Zwar sind seine Tourneen in den letzten Jahren seltener geworden, aber wer seine, mehr oder weniger, regelmäßigen Plattenveröffentlichungen verfolgt, konnte in den letzten 30 Jahren einen beständigen Mangel an Bestand bei ihm feststellen.
Man kann es auch in unserem Interview nachlesen. Der Mann lässt sich in keine Schublade stecken, verweigert sich populären Trends und anhaltenden Reunion Forderungen von Cream. Er macht genau das, was ihm gerade gefällt.
Genau so waren unsere Erwartungen an das Konzert in der, gut gefüllten, Kulturfabrik in Roth. Indifferent.
Das Vorprogramm bestritt Jenifer Jackson (Jenifer mit einem "n") mit einem jungen Bassisten. Die sympathische Sängerin/Songwriterin mühte sich, kam aber, zumindest bei mir, gar nicht an. Das ist nicht meine musikalische Abteilung. Nicht unangenehm, sogar ansprechende Stimme, aber ich stand mit solchen sanften Tönen schon immer auf Kriegsfuß.
Jack Bruce hat eine illustre Band um sich geschart:
Vernon Reid an der Gitarre. Der Gründer von Living Colour (die mir immer zu intellektuell waren) hat sich in den letzten Jahren zu einem der gefragtesten Sidemen gemausert. Von Mick Jagger, über Michael Hill's Blues Mob, zu B.B. King, Santana, Joe Lynn Turner und James Blood Ulmer holen ihn alle ins Studio. Jack Bruce nimmt ihn mit auf Tour und er weiß warum. Reid spielt nicht den Clapton oder Moore, sondern er gibt den Songs einen eigenen, modernen und vor allem innovativen, dabei immer eingängigen Touch. Außerdem sieht er mit seinen Rastalocken und den Grimassen gut aus.
Bernie Worrell an der Orgel. Der Mann ist selbst eine Legende. Seit mehr als 30 Jahren auf unzähligen Soul-, Funk-, Reggae- und Rock-Produktionen vertreten (u.a. bei Warren Haynes und Gov't Mule).
Und dazu eine Rhythmus-Abteilung, die man so wohl noch nie gesehen hat.
Robbie Ameen und Horazio "El Negro" Hernandez an den Schlagzeugen und Richie Flores an den Congas und diversen Percussioninstrumenten.
Alle drei kommen aus der eher jazzigen Ecke (mit völlig verschiedenen Hintergründen allerdings) und machen in den folgenden 2 Stunden einen unglaublichen Groove.
Der, vom Publikum gesehen, links sitzende Horazio Hernandez ist eher der Power-Drummer, Robbie Ameen verkörpert die filigrane Groove-Abteilung und Richie Flores ist einer der wenigen Percussionisten, die den Songs noch einen zusätzlichen Kick verleihen können, ohne aufdringlich zu wirken.
Bruce selbst ist bestens gelaunt, macht Scherze, streckt die Zunge raus und hat eindeutig Spaß an seiner Musik und dieser Band.
Er sagt ja selbst von sich, dass es ihm immer noch Spaß macht, in ein Mikrophon zu brüllen.
Dieses Konzert war ein Genuss. Eine Mischung aus Stücken der aktuellen CD "Shadows In The Air" und älteren, ähm, alten Cream Nummern.
Trotz 6 herausragender Solisten gibt es kein einziges nervendes Solo, Musik pur, ohne Schnickschnack und Firlefanz. Natürlich zeigen alle ihr individuelles Können. Wäre ja auch lächerlich, wenn jemand wie Jack Bruce und diese Band nur halbe Kraft spielen würde. Aber alle Solo-Eskapaden sind wunderbar in die Songs integriert.
Das hat natürlich einen Effekt: Manche Songs sind lang. Sehr lang sogar. Und zwar auf die angenehm jammige Art und Weise. Manchmal fühlt man sich an Grateful Dead, die Allman Brothers oder Gov't Mule erinnert. Phantastische Wechsel zwischen brachialen Instrumentalpassagen, zauberhaften Stimmungsbildern und über allem schwebt immer der eigentliche Song.
Ich gestehe, 3 oder 4 Nummern des Konzerts habe ich nicht verstanden. Das sprach mich nicht an, war mir zu kopfgesteuert.
Trotzdem eine gute Ausbeute für 2 Stunden. Vor allem, wenn Sunshine Of Your Love so herrlich augenzwinkernd modern verrockt wird, White Room mit dem Heavyblues-Vorschlaghammer auseinandergenommen wird, um anschließend mit der Feinmechaniker-Pinzette wieder zusammengesetzt zu werden, Out Into The Fields beinahe schwebend daherkommt, Dancing On Air genau dieses Feeling vermittelt, Politician musikalisch und textlich genau das aussagt, was ich hören will.
Neben den gewaltigen Bass- und sonstigen Instrumental-Ausbrüchen, gibt es immer wieder Songs, die Jack Bruce am Keyboard vorträgt. Vor allem hier kommt seine tolle Stimme zum Ausdruck. Der Mann kann richtig singen!
Zu den besten Gesangsleistungen gehört eine wunderschöne Hommage an New York, ein Chanson, von Jack solo am Keyboard gespielt.
Schade, dass es nicht mehr solche Freigeister unter den alten Helden gibt.
Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste) 15.10.2001
Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 14.10.2001
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