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| Verviers/B, Spirit of 66, 01.06.2004 |
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15 Jahre ist es jetzt her, daß ich Ian Hunter das letzte Mal live gesehen/gehört habe. 1974 bin ich an 2 Platten von MOTT THE HOOPLE gekommen (und zwar die letzten, etwas rockigeren mit Ian Hunter aufgenommenen, "The Hoople" und "Live", beide auf CBS), habe danach die frühen LPs gehört und dann Mitte der 70er leider zur Kenntnis genommen, dass sich Hunter zu einer
Solokarriere entschieden hatte.
Die ersten Solo-LPs von ihm waren überwiegend sehr gut: Rockig, aber auch mit ruhigen, aber nie schmalzigen Songs. Den meiner unmaßlichen Meinung nach absoluten Höhepunkt seiner Solokarriere hatte er dann mit der 1979 aufgenommenen Do-Live-LP "Welcome to the club" (die vor einigen Jahren remastered und um 4 Trax erweitert auf Chrysalis als Do-CD erschienen) und dem einige Monate danach stattfindenden Auftritt in der WDR-Rockpalast-Nacht am 19.4.1980 erreicht. Auf der überaus erfolgreichen Tour 1979 bis 1981 spielte Mick Ronson die Gitarre.
Nachdem (nicht nur ich) Ian Hunter dann einige Jahre aus den Augen verloren hatte, tourte 1989 und 1990 die Hunter/Ronson Band durch die Lande (zweimal war er auch hier in Köln zu bestaunen und ich erinnere mich an ein phantastisches Konzert im Kölner Wartesaal, vor leider, leider nicht ausverkauftem Haus).
Die Connections zu Mick Ronson wurden seit Anfang der 70er über David Bowie geknüpft, der ja bekanntlicherweise die Karriere von MOTT THE HOOPLE gefördert und All the young dudes für sie geschrieben hat.
Nach der 2002 in Oslo aufgenommenen und 2003 auf Universal veröffentlichten überwiegend sehr ruhigen Do-Live-CD "Strings attached" (der Name ist Programm, Obacht!) las man vor einiger Zeit auf der Homepage, dass er für 2004 eine UK-Tour plane und so war ich sehr erfreut, dass ich ihn zumindest in Belgien (wenn es schon keinen Veranstalter in Deutschland gab) sehen durfte.
[Traurig aber wahr, es fand sich in Deutschland keine Touragentur, die Konzerte eines Ian Hunter veranstalten wollte. Ihr sollte Euch was schämen! Red.]
Das Konzert war wider Erwartung mit ca. 320 Leutchen gut besucht (350 passen max. in die Kneipe rein).
Zu meiner Schande muß ich gestehen, dass ich aus seiner Band lediglich Mick Ralphs von der MOTT-Urformation an der Gitarre kannte. Zur Historie: Mick Ralphs' letzter MOTT-Gig war am 22.12.1972 in Memphis, Anfang 1973 gründete er mit Paul Rodgers BAD CO.
Die anderen Musiker waren der wieselflinke Andy York (g), Ian Gibbons (keyb), Steve Holley (dr) und Gus Goad (b), alle auch schon bei illustren Chefs angestellt gewesen (John Cougar, Chapman, Cocker, WINGS etc.).
Was wir während 120 Minuten hörten, war ein prima Mix, interessant und abwechslungsreich aus all seinen oben beschriebenen musikalischen Pfaden zusammengestellt: Pathetisches Tonband-Intro Ave Maria und dann schwupps, schon der erste MOTT-Knaller Rest in peace. Weiter mit Rock'n'Roll Queen und dem frühen Solo-Hit Once bitten twice shy. Ein neueres Lied (in Gedenken an die 9/11-Opfer), Twisted steel und dann der erste Höhepunkt, I wish I was your mother: Sehr eindrucksvoll.
Es folgte von der "Rant"-CD Knees of my heart, dann Liar und I wanna be someday somehow.
Der Sound war excellent abgemischt, ein Dank an den Mixer: Darum kam das folgende The truth the whole truth nothing but the truth mit tollen Effekten rüber (mein Favorit des Abends!).
Rollerball rundete die erste Stunde des Konzertes ab, dann dachte ich, oh, ihm geht die Puste aus und nun wird's ruhiger. Ian Hunter, der ab und zu ein paar Worte erzählte (für mich jedoch nicht leicht zu verstehen, er spricht recht schnell und dialektreich), gab zum Besten,
wie er den 72-jährigen Frank Sinatra in der Carnegie Hall gesehen hat und so brachte er A nightingale sang in Berkeley Square: Na ja, was soll man dazu sagen?
Hunter meinte, er hätte keine Lust, auf der Bühne in Satin-Klamotten rumzulaufen und z.B. das MOTT-Lied Sucker zu geben. Er wolle nur noch das spielen, wozu er Lust hat. Mir schwante Böses: Nix mehr MOTT THE HOOPLE, nix fetziges von seinen frühen Solo-Alben? Und spielte anschließend grinsend Roll away the stone, Saturday gigs und als Abschluß des 80-minütiges regulären Set All the young dudes. Puu, das ist ja nochmal gutgegangen!!
Was verlangt man mehr von einem 60-jährigen?
Ich ging von einer kurzen Zugabe aus, aber weit gefehlt: Er setzte sich erstmalig an sein Keyboard und die Band spielte kraft- und druckvolle Songs wie Just another night (schön
zum mitsingen!), das langsame Michael Picasso als Verbeugung vor Ronson, All the way from Memphis, Standing in my light und am Schluß Cleveland rocks.
Ein beeindruckendes Konzert, wie ich es im Vorfeld zwar gewünscht, aber (nach der lahmen "Strings attached"-CD) nicht mit gerechnet hatte! Ian Hunter (übrigens natürlich mit dunkler Sonnenbrille) ist ein Entertainer par excellence, der seine Jungens virtuos einzusetzen vermag: Mick Ralphs weiß was er kann (knochentrockene, harte Riffs), ebenso der 2. Gitarrero Andy York (schnelle, verzwickte Soli) und so kommt eins zum anderen. Einfach phantastisch, selten haben sich 19 Euro und zweimal 100 KM Fahrt so gelohnt.
Keine Superlative ohne Einschränkung: Das belgische Publikum ist das schlechteste und unhöflichste westlich des Ganges! Ständig wurde die Theke zwecks Biernachschub aufgesucht, dabei wurde gerempelt wie selten. Bei leisen Stellen (zum Glück gab's nicht viele davon) hemmungslos weitergequatscht, keinerlei Rücksichtnahme.
Interesse geweckt? Dann empfehle ich natürlich oben erwähnte "Welcome to the club"-Do-CD und die retrospektiv gehaltene Do-CD "Once bitten twice shy" (auf Sony), die einen sehr schönen Überblick über seine Solopfade von 1975 bis 1996 incl. tolle unveröffentlichte Leckerbissen bietet. Live-Aufnahmen von MOTT THE HOOPLE hört man am besten auf der Do-CD "All the way from
Stockholm to Philadelphia 71/72" (auf Angel Air, mit Mick Ralphs -g-) und für die Hunter/Ronson Band sollte man die CD "BBC Live In Concert 1989" in den Player legen (wenn man die noch kaufen kann).
Und den Lautstärkeregler immer etwas lauter als üblich aufdrehen, gelle.
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