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| Berlin, Mudd Club, 22.01.2006 |
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Am mit Abstand kältesten Tag seit langer Zeit (in Cottbus sind es -18 Grad, in Berlin sicherlich noch -16) muss man zu einem Konzert gehen, das wenigstens ein bisschen Wärme durch die ausgestrahlte Energie verspricht. Also ab zu HARMFUL in die zum Glück beheizten Kellergewölbe des Mudd Club im mittigen Berlin. Schließlich steht der Abschluss der beinahe unendlich dauernden "Sis Masis"-Tour an und da Frontmann Aren Emirze ein Solowerk plant, weiß man nicht so richtig, wann das Trio Infernale aus dem Großraum Frankfurt wieder auf Achse sein wird.
Zunächst aber noch ein kurzes Geplänkel der Support Band. Da bin ich mir jetzt wirklich nicht sicher - angekündigt waren SELECT YOUR FIGHTER, auf den Drums stand aber REVOLT. Beide Bands sind aus Berlin, mir nicht näher bekannt, vorgestellt haben sie sich nicht und nachträgliche Recherchen gaben auch kein klares Ergebnis (eigentlich haben beide erwähnten Bands vier Mitglieder, auf der Bühne des Mudd Club standen aber nur drei Gestalten). Egal, der übel abgemischte Postpunk-Hardcore-Alternative Rock war auch nicht so weltbewegend, gute Ansätze gingen im Übersteuerungssog baden und die Gesangslinien waren auch nicht immer so punktgenau auf Kurs. So richtig warm wurde man hierbei also noch nicht.
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Aber das sollte sich natürlich schlagartig und grundlegend ändern, als Aren, Chris und Nico die Bühne enterten und schnell klar machten, welch famose Liveband sie sind. Ohnehin schon unermüdlich ackernd, haben sie nun zu den immer schon vorhandenen Qualitäten - die da heißen gesunde Härte, beispiellose Effizienz und sympathische Working-Class-Attitüde mit dem letzten Album -, dem hochgelobten und doch nicht hinreichend (kommerziell) gewürdigten dauernden "Sis Masis" eine weitere hinzugefügt, nämlich eine wohldosierte Zugänglichkeit. Die neuen Stücke sind, bei aller gebotenen Schubkraft die das HARMFUL-Trademark ausmachen, weicher, eingängiger, popiger geworden, mit folkloristischen Elementen versehen, da Aren ja auch tief nach seinen armenischen Wurzeln gegraben hat (und fündig geworden ist).
All das hat diese sowieso schon fantastische, früher gelegentlich aber etwas spröde wirkende Band noch einen wesentlichen Schritt nach vorne gebracht. Bleibt nur zu hoffen, dass das endlich einmal in etwas breiterer Anzahl registriert wird. Im Vergleich mit dem letztjährigen Opus der legendären QUEENS OF THE STONE AGE fand ich "Sis Masis" deutlich spannender und zwingender.
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Aber genug des Abschweifens, außer den neuen Stücken gab es natürlich auch vieles vom guten alten Songrepertoire. Das Fließband kam schon überraschend früh in der Setlist, leider auch nur in der Kurzversion, aber dafür strotzten die Jungs danach nur so vor Spielfreude.
Einem sehr lockeren Aren war auch eine gewisse Erleichterung und ein Spannungsabfall anzumerken, ist die Band doch mit der Stiländerung ein gewisses Risiko eingegangen. Aber es hat sich, ebenso wie der Wechsel des Labels, ganz sicher ausgezahlt, hat die Band noch weiter zusammengeschweißt, die sich als nahezu unschlagbare Einheit erweist. Nico beeindruckt mit seinem exakten Powerdrumming, ebenso wie der quirlige Chris am Bass, der das Fundament für die Musik legt. Und Aren ist einfach eine, Entschuldigung, Rampensau mit toller Stimme (wenngleich bei diesen Temperaturen leicht angeschlagen), tollem Gitarrenspiel und toller Ausstrahlung, gemeinhin auch Charisma genannt. Der Sound ist jetzt übrigens schlichtweg hervorragend, was angesichts der Kellergewölbe und der mittlerweile zu integrierenden Samples, zum Beispiel in dem auf einer armenischen Melodie beruhenden Ler, wirklich keine Selbstverständlichkeit ist.
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Bei Art Of Rebellion kokettiert Aren mit der Stadionatmosphäre (das Stück hätte auch wirklich die Qualitäten für eine hohe Chartnotierung), das geniale I Remeber You darf natürlich auch nicht fehlen, ebenso wenig der ganz starke, Arne von Nois-o-lution gewidmete Song Tempted To Complete, bevor dann mit Masis als zweite Zugabe das Konzert sein Ende findet. Inzwischen sind alle auf ordentlicher Betriebstemperatur, umso übler dann, hinaus in die klirrende Kälte zu müssen. Immerhin, Aren hat sich verabschiedet "bis nächstes Jahr", dann dauert die Rückkehr von HARMFUL auf die Konzertbühnen vielleicht doch nicht so lange. Wer die Band jedenfalls noch nie gesehen hat, sollte sich schämen und den Besuch eines Gigs beim nächsten Mal unbedingt nachholen. Und ein paar Freunde mitnehmen, davon wird jeder profitieren. Denn auch im Mudd Club war bei einer der großartigsten deutschen Liveband kein ausverkauftes Haus zu verzeichnen. Und diese Band hätte eigentlich die Waldbühne verdient.
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