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Konzertbericht:
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Roth, in der Nähe von Nürnberg, ist nicht der Nabel der Welt. Die Kulturfabrik ist eine kleine, kuschlige Halle mit Balkon und sehr gutem Sound. Fassungsvermögen schätzungsweise 600 Leute, aber bei Gwyn Ashton und Rob Tognoni waren leider nur ca. 300 da. Tja, die übrigen haben was verpasst. Von Veranstalterin Ruth Kiefer angekündigt stapft die Gwyn Ashton Band auf die Bühne. Und auch der Nicht-Franke denkt sofort: "Allmächd, das ist ja der...". In der Tat, die Statur, das Outfit (wenn man bei Jeans und Hemd von Outfit sprechen will) und die Gitarre. Verblüffend. Nicht zu leugnen, die Ähnlichkeit mit Rory ist da. Optisch. Leider habe ich die ganz neue CD "Fang It!" noch nicht gehört. Tut mir leid, so kann ich nicht alle Titel wiedergeben, aber dieses Thema haben wir später mit Gwyn und Rob noch persönlich besprochen. Es hakt am Vertrieb der CDs. Nichts neues für den Freund von Musik abseits der Hitparaden. Enough Is Enough ist dann wieder ein satter Boogie. Muß man nichts zu sagen. Das ist genau mein Fall. Anschließend kündigt Gwyn den Freddie King-Blues Have You Ever Loved A Woman an. Der erste Blues im Set. Ich bin kein King-Fan (egal ob Freddie, B.B. oder Albert). Aber wie die Band das Teil runterspielt ist geil. Absolut keine verstaubte Trockenbluesversion, sondern eine fast moderne Adaption. Und was für eine Gitarre. Exkurs: Der Völkerkundler in mir gewinnt folgende Erkenntnis. Australier und Iren müssen verwandt sein. Wer sonst erzählt die traurige Geschichte vom davongelaufenen Hund, der blinden Frau, dem erschossenen Vater, der leeren Whiskeyflasche, dem kaputten Auto und dem kranken Pferd mit einem derartigen Grinsen? Nur Aussies und Iren. Oder Rory und Gwyn. Es folgt Cold As Ice von Albert Collins. Ich bin auch kein Albert Collins-Fan... Super Band, klasse Musik. Sauberer Gig. Mir ist jetzt auch klar, warum Gwyn Ashton kürzlich von den ehemaligen Gallagher-Musikern Gerry McAvoy, Brendan O'Neill, Lou Martin und Dennis Greaves für 3 Konzerte in Frankreich in die BAND OF FRIENDS berufen wurde. Nicht weil er so aussieht, sondern weil er ein astreiner Gitarrist ist. Klar, von Rory beeinflusst, aber nicht einen Ton lang ein Plagiator. Nach der erfreulich kurzen Pause kündigt Ruth Kiefer nicht nur die Rob Tognoni Band sondern auch gleich eine, im Anschluß folgende, Session an. Beide Musiker haben sich bis dato noch nie gesehen und ich bin etwas skeptisch. Aber gut, lassen wir uns überraschen. Nach dem "Road Dog" Gwyn Ashton betritt ein eher wie ein Gentleman wirkender Rob Tognoni die Bühne. Und schnallt sich prompt die nächste Strat um. Für den Gibson-Freund Werner neben mir ein herber Schlag. Mir ist es mehr oder weniger wurst. Hauptsache es rockt. Dave Hole (Rob's Freund und Mentor) wird mit dem Crossword Blues gewürdigt. Und wie. Es gibt heutzutage nur wenige Gitarristen, die einen eher abgehangenen Blues so wunderbar rockig rüberbringen, ohne die Zuschauer zu langweilen. Dann geht mal kurz die Snare kaputt. Was müssen diese Drummer auch immer wie wild auf ihre Trommeln draufhauen. Rob intoniert derweil solo Dirty Occupation von "Stones And Colours". Eine hammerharte Rocknummer. Irgendwann steigt auch die Band ein und sie rocken genial. Der Bass ist übrigens ein absoluter Hit bei der Nummer. Und Rob läßt immer wieder mal ein astreines Southern Rock-Solo einfließen. Zugabe. Baby Please Don't Go zeigt einem gewissen Herrn Angus aus Tralien seine Grenzen auf. 20 Minuten Blues- und Boogie-Standards. Aber wie. Ich habe schon einige Sessions gesehen. Und manchmal ist sowas gänzlich überflüssig. Aber was die beiden hier abzogen war einfach traumhaft. Zwei sehr sehr gute Gitarristen, die auch noch die gleiche Musik lieben und sich durchaus auch mal unterordnen können. Und jetzt komme ich zum einzigen Manko dieses tollen Doppelkonzertes. Rob Tognoni hat auf seinen Platten immer einen zweiten Gitarristen dabei. In Roth hatte er keinen. Und das ist schade. So kommen manche (wichtige) Feinheiten nicht ganz so knackig rüber wie auf CD. Einem ausgewiesenen STATUS QUO-Fan wie Till und seiner Freundin, neben uns, stößt sowas auf. Insgesamt ein feiner Abend in angenehmster Atmosphäre, mit netten Leuten, geiler Musik und toll organisiert. Great. Wir kommen wieder. Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.04.2001
Bilder: Adelina Schmidtlein (Impressum, Artikelliste), 04.04.2001
Wir kommen in die Halle. Mein Blick schweift über die Bühne, die für den Auftritt der Gwyn Ashton Band bereit ist. Mein Auge wird von einem Gestell am linken Rand angezogen. Dort sehe ich, jeweils mit dem Rücken zum Publikum: Eine Stratocaster, zwei Telecaster, eine Dobro. Da ich mich auf Gwyns Homepage informiert habe, ist dies das erwartete Bild. Desweiteren sehe ich zwei Fender Combos (Gwyn) nebeneinander und einen Hiwatt Tower für den Bassisten. Für das Arbeitsmaterial des Drummers bin ich der falsche Mann, darum ... Gwyn kommt rein und greift zur Strat: Ein ziemlich altes Teil, dem oberen Teil des Bodies bis zum Schlagbrett fehlt jeglicher Lack, erst ab dieser Linie scheint er noch so einigermaßen vorhanden zu sein. Er stimmt nach und erzählt von den neuen Saiten. Klar. Alte, gebrauchte, werden kaum die Ziehorgien überstehen. Die Pickups der Strat sind Standard, wie auf den exzellenten Fotos jeder sehen kann. Der Sound ist dann wie erwartet: Strat mit Fender Combos. Sehr knackig und hell. Unter seinem Mikro sind seine Pedale montiert. Unter anderem auch ein Stimmgerät. Vor den Hauptsoli steigt er auf den Verzerrer, der gerade so eingestellt ist, dass der Sound leicht verzerrt und lauter ist. Passt eigentlich alles recht gut. Ansonsten fällt mir kein Effekt auf. Gwyns Gitarrenspiel ist klar auf die Drei-Mann-Band ausgerichtet. Die Begleitakkorde werden mit Soli bereichert, etwas, was er ohne Zweifel perfekt drauf hat. Beim Begleiten seines sehr guten Gesanges hält er sich mit vollen Akkorden zurück, nützt sie nur für die Höhepunkte. Somit fällt der Sound beim Solo nicht zu sehr ab. Er macht dies tadellos, man kann es kaum besser spielen. Die Endlos-Schrubber auf der E-Oktave setzt er nur selten ein. Beeindruckend! Und seine Mitspieler sorgen dafür, dass keine Löcher entstehen. Fred kommt vom Bierholen zurück und frägt, ob Gwyn gerade das Wahwah benützt habe. Mitnichten, er erzielt einen ähnlichen Effekt, indem er den Volumeregler mit dem kleinen Finger auf- und zudreht, und den Pickupschalter ziemlich wild hin und herschaltet. Interessant. Für seinen ersten Slide-Song kommt die Tele Nr. 1 zum Einsatz. Selbige ist mit Normalstimmung (e,a,d,g,h,e) und somit absolut Boogie-tauglich. Mein Fenderfass ist inzwischen schon ziemlich gefüllt. Der Sound ist sehr hell und die Hohen klirren für mein Gibsonohr schon beträchtlich. Sein Slidespiel ist ohne Fehl und Tadel - Hut ab. Die Dobrophase erlebe ich im Forum, da mein Mund nach Flüssigkeit lechzt, und weil ich der Chauffeur bin, ist es eine Cola. (Die Preise sind mehr als akzeptabel - 4 Märker für 0,4.) Auch hier macht das Slidespiel einen Großteil der Gitarrenarbeit aus. Sehr gut, auch wenn mir das Sustain etwas schwach scheint. Beim Wechsel zur zweiten Tele wird sofort klar: Stimmung in G-Dur, Kapodaster auf den Fis-Bund, also wird es A-Dur im G-Dur-Sound. Es ist der drittletzte Song und Gwyn spielt eine Solo-Begleitung, die ihresgleichen sucht. Den Slidering auf dem kleinen Finger spielt der Bursche mit den anderen dreien Solo, dass jedem Gitarristen das Herz stehen bleibt. Wie kann das Teil an Ort und Stelle bleiben? Der muss doch einen Krampf im Kleinen kriegen, das gibt es doch nicht. Sollte man meinen, denn Gwyn packt das locker. Ich bin mehr als beeindruckt. Und die Tele klingt, dem Kleinen Gitarrengott sei's gedankt, nicht ganz so fenderig, weil ein Humbucker nahe am Steg montiert ist. Leider habe ich den Songtitel nicht mitbekommen, aber wer eine Demonstration des Slidespiels erleben möchte, dem sei dieser Song ganz nahe ans Herz gelegt. Für mich ist dies die beste Nummer. Auch der seelige Rory hätte dies kaum besser spielen können. Fred bestreitet zwar, dass die Zugaben lauter sind, aber ich lasse mich nicht beirren. Gwyn hat immer wieder runter zu seinem Panel gegriffen, am Combo ist er auch dreimal gewesen und hat gedreht und mir ist es mit jedem Mal lauter vorgekommen. Ich bleibe dabei, dass er dem Verzerrer mehr Volume gegeben hat. Entsprechend schütze ich so einige Sekunden lang mein Gehör. Wir sind ja gerade erst in der Mitte. Die Umbaupause ist sehr kurz. Da die Amps auf den Böden der Transportkästen stehen, können sie schnell raus und reingerollt werden. Während Gwyn im rechten Teil der Bühne tätig gewesen ist, zieht Signore Tognoni den linken vor. Ein Peavey-, ein Fender- und ein Marshal-Combo stehen nebeneinander, davor lehnen zwei Strats, eine blau-glitzernde und eine schwarze, die wohl nur als Reserve dient, da sie während des Sets nicht zu Einsatz kommt. Die Blaue hat einen Humbucker als dritten Pickup (später erzählt mir Rob, "um den Sound etwas zu entschärfen"). Robs Songs kenne ich inzwischen so einigermaßen, was dem Genuss nur zu Gute kommt. Dass er eigentlich eine zweite Gitarre dabei haben wollte, ist seinem Spiel nicht anzumerken. Es ist schon erstklassig, wie er in die Begleitakkorde die Soli einbaut. Umsomehr, als seine Songs mehr komponiert und ausgefeilter sind. Beim Jim Beam Blues bin ich nicht der Einzige der mitsingt. Auch Revenge of the Monkeygrinder ist so einigen bekannt. Überhaupt hat er eine tolle Bühnenpräsenz. Zwei, drei deutsche Wörter, ein sympathisches Lachen und schon sind die ersten Reihen voll dabei. Nach dem Rest schaue ich mich nicht um. Rob spielt seine Songs ziemlich original. Das Wahwah-Pedal kommt zum Einsatz, wohl dosiert, wo es zu erwarten war. Mark Williams, sein Bassist, steht seinem Kollegen Ben Christie vom Können her in nichts nach. Er bewegt sich etwas mehr, wippt im Rhythmus Zehe - Ferse - Zehe usw. Und es herrscht fast ständiger Blickkontakt mit Rob und Rick Lloyd; ein sehr gut eingespieltes Trio. Rob wirft immer wieder mal ein deutsches Wort ins Publikum, was sehr gut ankommt. Die Pausen zwischen den Songs sind sehr kurz, es geht richtig Schlag auf Schlag und für Langeweile ist bei diesem Powerrock absolut keine Gelegenheit. Ein Gag von Rob ist eine Solopassage, die er mit der Strat hinter dem Nacken spielt. Perfekt. Und dies erklärt auch das Nichtvorhandensein einer Les Paul. Die schon angesprochene Zugabe "Baby please don't go" (Them, 1966) hat mir damals schlaflose Nächte bereitet. Ich war schon froh, jeden zweiten Ton zu erwischen. Aber was Rob da spielt, treibt mir die Tränen in die Augen, während er dazu grinst, Grimassen schneidet und sich sichtlich köstlich amüsiert. Und mit welcher Power dieser Oldie dahinrast - eine Ohren- und Augenweide, und ein würdiger Abschluss. Wie angekündigt stößt Gwyn zu Robs Trio. Er nimmt die Tele Nr 2, die inzwischen doch sehr verstimmt ist. Ein paar Sekunden und witzige Dialoge zwischen den beiden später, ist nur noch das Hohe E etwas zu tief, was Gwyn aber überhaupt nicht stört, und ab geht die Session. Foto Nummer 8 links von oben zeigt den Höhepunkt des Zusammenspiels der beiden. Hintereinander stehend, spielen sie auf der Gitarre des anderen. Gwyn muss seine rechte Hand schon ziemlich verrenken, um die Saiten von Robs Strat richtig zu erwischen. Und dann spielen sie Solo, als wäre dies das Normalste der Welt. Super. Wer es nicht weiß, mag kaum glauben, dass die beiden noch nie gemeinsam auf der Bühne waren. Die Zugabe der Session zeigt uns die beiden Gitarreros ohne Begleiter. Sie spielen sich die Läufe zu, dann kommen sie zweistimmig, allerste Klasse. Dann bemerke ich, dass das Fenderfass überläuft und ich verziehe mich ins Foyer, zu Lucky und Cola, und beobachte durch die offenen Türen die letzten Minuten. Die Lautstärke ist bis auf wenige Ausnahmen gut erträglich gewesen. Die Halle muss nicht zittern, damit Rockmusik gut klingt. Nein, der Sound bei beiden hat fast immer erkennen lassen, was Sache gewesen ist. Werner Saumweber, (Impressum, Artikelliste), 05.04.2001
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