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Fotos: Fred Schmidtlein & Ilka Czernohorsky
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Gwyn Ashton
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Gwyn Ashton & Sambor Kansy
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| München, Stars, 14.11.2001 |
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Der 14. November 2001 wird mir und meinen Hörwerkzeugen noch lange in Erinnerung bleiben.
Nach der Heavy Metal Lautstärke-Überdosis bei SAXON dachte ich mir, bei der Late-Night Show von Gwyn Ashton im benachbarten "Stars" des Kunstpark Ost in München, könnte ich mich - ohral gesehen - bei einer Ladung Blues, Rock und Boogie anständig erholen. Weit gefehlt.
München hat mit dem Kunstpark Ost eine, an sich, geniale Hallenlandschaft. Ein ganzer Haufen großer, kleiner und mittlerer Hallen und Clubs in unmittelbarer Nachbarschaft. So weit, so gut. Aber was sich dort mittlerweile abspielt, geht im Jahr 2001 ganz entschieden zu weit.
Die Locations sind siffig und nicht wirklich besucherfreundlich und was das Schlimmste ist, es werden inzwischen Hallen angeboten, in denen man vielleicht Schweine züchten kann, aber ein Rock & Roll Konzert ist da so falsch, wie ich in der New Yorker Metropolitan.
Das STARS in diesem Kunstpark (übrigens eine ehemalige Produktionsstätte der Firma Pfanni-Knödel!) hieß früher MILCHBAR. Ich war dort nie, was sollte ich auch in einer Location mit einem derart lächerlichen Namen. Nach der Umbenennung finden dort Konzerte statt. Und das ist eine Frechheit vor dem Herrn.
Die Halle ist relativ groß, natürlich purer Beton, mit Nebenräumen, in denen sich der Schall fängt, einer zu hohen Decke und um dem noch die Krone aufzusetzen: die Bühne ist an einer Längsseite aufgebaut! Damit die beiden Bars an den Kopfseiten zugänglich bleiben. Das bedeutet, die Bands spielen direkt an die gegenüberliegende Längswand. Was da zurückkommt dürfte klar sein. Blues auf Stahlbeton.
Die Beleuchtung beschränkt sich auf 2 Lampen. Eine rote und eine blaue Funzel. Nicht beweglich. Und die werden auch noch zur Hälfte von einem unsagbar abscheulichen Gebilde, das in Fransenform von der Decke hängt, verdeckt (man kann es auf den Bildern ansatzweise sehen).
Die Zuschauer verlieren sich entsprechend quer in der Halle und sehen sich einer Zumutung ausgesetzt, die noch nicht mal den Ansprüchen eines Death Metal Konzerts nach 28 Bieren genügen.
Bands, Veranstalter und Besucher: Lasst künftig bloß die Finger von diesem Saftladen!
Ich jedenfalls werde dort nicht mehr hingehen. Und sollten meine Götter FOGHAT dort jemals spielen, sagt mir Bescheid, ich helfe Euch beim Umzug in mein Wohnzimmer. Da sind die Verhältnisse besser.
Soviel dazu.
Wir haben Gwyn Ashton im Februar dieses Jahres bei den Rother Blues Tagen entdeckt. Dort hat er, im Doppelpack mit Rob Tognoni, ein furioses Konzert hingelegt. Entsprechend hoch waren unsere Erwartungen.
Was wir am letzten Dienstag noch nicht wussten: Gwyn hat sich vor einigen Tagen, bei seinem Konzert in Flensburg, an der Hand verletzt. Andere hätten wohl die Tour abgebrochen, Gwyn nicht. Zumindest hätte er sich (auch noch an seinem Geburtstag) dieses Desaster, vor vielleicht 50 Zuschauern, ersparen können.
Gwyn ist ein phantastischer Bluesrocker, leugnet seine Roots in keinem Ton und kommt mit technischen Schmankerln daher, die jeden Rory-Fan in Verzückung versetzen.
In München war alles anders. Die oben beschriebenen Umstände, also Sound und Verletzung, die erbärmliche Zuschauerresonanz und ein Set, das zwar mit beinahe 2 1/2 Stunden ausgesprochen lang war, aber letztendlich nicht dem Können eines Gwyn Ashton entsprach.
Überdies hat der Mann am Mischpult sein Teil ordentlich beigetragen. Muss denn ein Dobro klingen, als ob man dem Zuhörer damit den Kopf absägen will? Jeder kennt den Sound einer Stratocaster. Muss die denn in so einer Halle kreischen, dass sich die Kronen aus der Kauleiste lösen? Schon mal gehört, dass bei einem Trio der Schlagzeugsound wichtig ist und nicht klingen sollte wie leere Waschmitteltrommeln? Könnte man dem Mann am Bass nicht etwas mehr Resonanz verschaffen, damit sich sein Spiel nicht wie das Bumm-Klopf-Bumm eines psychopathischen Buntspechts anhört? Ich weiß, schwierig in so einem Kabuff, aber die Probleme mit Lautstärke zu erschlagen ist auch nicht die Lösung!
Und zu guter Letzt kamen auch noch ein ganzer Haufen technische Probleme auf Gwyn zu. Die Gitarre kracht, pfeift und produziert unkontrollierte Feedbacks, das Kabel un-plugged sich von selbst, das Effektboard fällt aus...
Was hilft es da noch, das Gwyn mit seiner unheimlich sympathischen Art einen Boogie, Blues und Rock & Roll nach dem anderen raushaut? Man muss sich als Gitarrist furchtbar alleine fühlen, in so einer Situation.
Beinahe alle Nummern kamen, im Vergleich zum April, sehr vereinfacht und rudimentär rüber. Man kann beinahe sagen, es war teilweise pures Geschrubbe. Im Nachhinein wissen wir natürlich warum, am Dienstag kam es uns etwas seltsam vor. Mit verstauchter Hand spielt sich manches Solo nun mal nicht ganz problemlos.
Die Setlist musste vermutlich auch entsprechend angepasst werden, so dass sich doch etwas sehr viele Bluesstandards einschlichen. Irgendwie kommt die 2.978te Version von I Just Want To Make Love To You nicht mehr so packend. Speziell, wenn sie von zwei, drei weiteren Traditionals gefolgt wird.
Trotz aller Probleme kamen die Nummern der letzten CD "Fang It" sehr geil.
I Boogied, Livin' On A Faultline etc. rocken einfach super.
Eine kleine Überraschung war auch George Thorogoods Move It On Over. Das ist mal ein Cover, das man nicht alle Tage hört.
Ashton schlägt die meisten Gitarristen, auch wenn er mit den Füßen spielen müsste. Insofern darf man jetzt nicht meinen, das Konzert sei schlecht gewesen. Aber, unter Berücksichtigung aller Umstände, waren wir doch etwas enttäuscht. Dazu ist das Trioformat nicht flexibel genug.
Hier auch eine kleine Kritik an Bassist Sandor KANSY. Etwas mehr Bewegung auf der Bühne würde auflockern!
Ich bin auf jeden Fall sehr auf die nächste CD gespannt. Einige Tracks spielen die Jungs bereits jetzt und das klingt vielversprechend.
Und bitte, spielt nie wieder in dieser Dreckshalle!
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