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John Petrucci
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Joe Satriani
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| Nashville, TN (USA), Ryman Auditorium, 27.03.2007 |
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Bends, Slides, Hammer-Ons, Pull-Offs, Whammie Bars bis zum abwinken... Gitarristenherz, was willst du mehr? Vielleicht noch ein paar gute Entertainer, eine klasse Halle und ein toller Sound.
Und vielleicht noch gutes Wetter, und selbst das stimmte an diesem Nachmittag/Abend in Downtown Nashville und vor allem im Ryman Auditorium, das es seit 1892 gibt, zwar nicht eines der beiden Fillmores ist, aber doch in der (Musik-) Geschichte von Nashville und Tennessee eine große Rolle spielt. Auf dieser Bühne standen vor allem Country-Größen wie Willie Nelson und Johnny Cash, aber auch Neil Diamond, Jerry Lee Lewis, Joni Mitchell und Bob Dylan, und Rockgiganten wie Neil Young, Jeff Beck, BON JOVI, Lenny Kravitz, Bruce Springsteen, Keith Richards und, nicht zu vergessen, Elvis himself. Vom Sound her vor allem für akustische Auftritte vorgesehen, würde es an diesem Abend eine Herausforderung für die Herren vom Mischpult sein, den Sound so abzustimmen, dass er uns nicht komplett von den Socken holt.
Von 1943 bis 1974 beherbergte dieses Haus übrigens die berühmte Ole Opry, das Mekka für alle Country und Western Fans, das gleichzeitig auch die größte Live-Radio-Veranstaltung der Welt ist. Wer es mag...
Um 7:15 ging es pünktlich mit Paul Gilbert und seiner Band (oder soll ich doch besser RACER X sagen?) los. Der Gitarrist und seine Frau Emi an den Keyboards traten mit überdimensionalen Kopfhörern auf, was im Zeitalter der In-Ear-Monitore dann schon überraschend aussieht, aber irgendwie zu dem eher spacigen Auftreten von Paul passt. Zunächst gab es ein Gitarrensolo auf der Doppelhals-Gitarre, bei welchem gleich auch Bruce Bouillet seinen Teil auf selbiger beitrug. Die ca. 900 Anwesenden honorierten das direkt mit frenetischem Gebrüll, was wohl zum Teil auch an Bruce Bouillet lag, der bei jedem seiner Kurzauftritte gefeiert wurde. Ich wusste gar nicht, dass RACER X hier in den Staaten so ein großes Gefolge haben und welchen Anteil er daran zu haben scheint. Nach dieser Einlage und Pauls Begrüßungsworten ("Nashville and Rock'n'roll") ging es über in Get Out Of My Yard, dem ersten Song des gleichnamigen und aktuellen Albums. Es folgten mit Hurry Up und The Curse Of Castle Dragon Song zwei und drei von diesem Album, das auch den Grossteil des Sets stellen sollte.
Gilbert heizte dem Publikum wirklich mächtig ein, feuerte es ständig an und nutzte den gesamten Raum der Bühne. Unglaublich, was dieser Mann mit seinem kleinen Finger auf dem Fretboard veranstaltet - dermaßen schnell und kräftig ist mir das noch bei keinem anderen Gitarristen aufgefallen. Auch seine Musiker, neben den bereits Erwähnten noch Jeff Bowders an den Drums und Bassist Mike Szuter (kurzzeitig auch bei RACER X im Einsatz), hatten technisch einige Tricks auf Lager und vor allem die Rhythmusabteilung glänzte durch uhrwerksnahe Präzision.
Mit Rusty Old Boat und Radiator folgten zwei weitere Titel des neuesten Werkes des ehemaligen MR. BIG Klampfers, bevor es dann mit Scarified vom "Second Heat" Album ein Stück von RACER X gab, das auch lautstark begrüßt wurde. Im folgenden, ebenfalls aus RACER X Tagen, Scit Scat Wah konnte die Band mit herrlichen und typischen Harmoniegitarren und einem tollen Backbeat glänzen.
Bei Down To Mexico von der "Flying Dog" Platte zeigte Mr. Gilbert dann eindrucksvoll, weshalb er auch als Sänger einen guten Ruf hat, das wird mit ein Grund dafür gewesen sein, dass er beim abschließenden G3-Jam den Großteil der Vocals übernahm.
Twelve Twelve, das noch in eine Akustikversion vom Mega-Seller To Be With You von MR. BIG überging (aber nur angespielt!), und You Kids, beide noch mal vom neuesten Werk, schlossen den 40-minütigen Auftritt ab. Insgesamt war es sehr kurzweilig und vielleicht einen Tick zu kurz, 10 bis 15 Minuten mehr hätten definitiv nicht geschadet, allerdings sollten wir ja an diesem Abend noch einiges an Gitarren auf die Ohren bekommen, somit war das auch in Ordnung. Kurz und gut: sehr hörenswert, tolle zweistimmige Gitarren, herrliche Harmonien, ein klasse Bassist und viel gute Stimmung. So konnte es weiter gehen. Und tat es auch.
Kurze Umbaupause, in der ich zu meiner Überraschung im Foyer Neal Morse antraf, dessen neueste CD "Sola Scriptura" ich gerade an diesem Morgen das erste Mal gehört hatte (bei der er sich übrigens wieder auf seine alten Fähigkeiten besinnt, auch wenn die Texte teilweise, na ja, eher besinnlich sind), was auf der anderen Seite auch nicht überraschend sein sollte, da auf dieser CD sowohl Paul Gilbert mitwirkte, als auch DREAM THEATERs und John Petruccis Drummer Mike Portnoy.
Das erste und einzige Soloalbum von John Petrucci, "Suspended Animation", sollte als Stoff für den gesamten Auftritt dienen, keine Coverversionen, keine Stücke von DREAM THEATER, obwohl mit Mike Portnoy und Petrucci selbst doch immerhin 40 Prozent von D.T. auf der Bühne standen und diese beiden nun mal zwei Drittel von Petruccis Band ausmachten, die lediglich noch durch Dave LaRue am Bass ergänzt wurde. Für LaRue begann in diesem Moment ein kleiner Marathon, denn anschließend an diese Band sollte er noch Joe Satriani unterstützen und in Anschluss daran auch den Bass für den G3-Jam beisteuern. Hut ab, das hat mit Weicheierei nichts zu tun, und die Art und Weise in welcher er diese Auftritte meisterte war klasse. Ein Großer seines Fachs, auf den sich Satch bei seinen Liveauftritten, nicht zu Unrecht, schon seit einiger Zeit verlässt und der auch unter anderem für die Steve Morse Band und die DIXIE DREGS tätig war.
Petruccis Auftritt war eventuell die Überraschung des Abends, kamen seine teils sehr druckvollen aber auch gefühlvoll und melodische Nummern (fast schon im Stil von Joe Satriani) beim Publikum unglaublich gut an. Um ehrlich zu sein, hatte ich manchmal den Eindruck, dass der Lärmpegel noch ein bisschen höher war als bei Satriani selbst. Der hatte natürlich den Vorteil "Headliner" zu sein und dem entsprechend etwas mehr Zeit seine Songs zum Besten zu geben.
Die Songs des Albums waren Jaws Of Life, Glasgow Kiss, Lost Without You, Curve, Wishful Thinking und Damage Control. 50 Minuten für sechs Lieder spricht eine deutliche Sprache was die Länge der Songs betrifft, es war somit ausreichend Platz für Soli und anständiges shredden dabei. Petrucci malträtierte dabei ein ums andere Mal seine 7-String-Gitarre und bekam dafür vor allem nach dem zweiten Song Glasgow Kiss Standing Ovations. Teilweise, und auch nicht zu selten, gab es sogar zwischendurch Szenenapplaus, was ich in dieser Häufigkeit noch nicht erlebt habe. Bei Glasgow fiel vor allem auch das stark an PINK FLOYD erinnernde Solo auf, das mich manchmal auch irgendwie an Gary Moore erinnerte. Wobei Vergleiche eventuell nicht angebracht sind, ist John Petrucci doch mit seinem eigenen Stil zum Erfolg gekommen.
Zwischendurch durfte auch Dave LaRue ein Solo spielen, dazu war dann sein 5-String-Bongo-Bass an der Reihe - und es war einfach faszinierend. Nicht umsonst hat dieser Musiker einen Hochschulabschluss für sein Instrument.
Bei Damage Control waren dann doch noch DREAM THEATER Klänge erkennbar, wenn man wollte, zuvor hatte Petrucci sich in seiner Ansage noch mal ausführlich bei seiner Band und den anderen Musikern bedankt, und was könnte es für ein größeres Kompliment von einem Musikerkollegen geben als: "Was gibt es besseres, als mit diesen Musikern auf der Bühne stehen zu dürfen?" Das hatte er wohl Recht.
50 Minuten waren schnell rum, nach einer kurzen Umbaupause ging es um halb 10 mit Joe Satriani weiter. Sein Set dauerte mit 60 Minuten etwas länger als die anderen beiden und es ging bei seinem letzten Song Always With You, Always With Mey direkt in den G3-Jam über, als zunächst John Petrucci und anschließend Paul Gilbert die Bühne enterten. Aber der Reihe nach.
Neben dem schon erwähnten 'Arbeiter' Dave LaRue wurde Satrianis Band vom hervorragenden Drummer Jeff Campitelli vervollständigt, der die Stöcke für Satriani schon seit ewigen Zeiten schwingt.
Es ging los mit War vom 1992ger "The Extremist" Album, bei welchem es noch Probleme mit den Monitoren gab, was aber mit dem zweiten Song One Big Rush dann schon erledigt war. Nach Flying In A Blue Dream kam mit Cool #9 der erste und einzige Song vom 95er "Joe Satriani" Album.
Cool #9 glänzte neben seinem eigenen Sound und der frischen Art und Weise vor allem auch durch Daves Bass Solo, das vom allerfeinsten und wirklich mitreißend war. Seine Läufe über den fünfsaitigen Bongo waren der Hammer und wurden auch dementsprechend honoriert.
Das letzte Album "Super Colossal", das bei der letzten 'Solo-Tour' den Grossteil der Songs beisteuerte, wurde heute nur durch den gleichnamigen Titel repräsentiert, es folgten mit dem Satch Boogie und dem eingängigen und gefühlvollen Circles zwei weitere Songs vom Jubiläumsalbum "Surfing With The Alien", von welchem noch 3 weitere Stücke kommen sollten. Satriani hatte mir vor dem Auftritt erzählt, dass dieses Album heute den Schwerpunkt bilden soll, da es in diesem Jahr 20 Jahre alt wird. Gleichzeitig wunderte er sich, wie schnell doch die Zeit seitdem vergangen ist und stellte fest, dass er damals noch Haare hatte... und zwar nicht zu knapp.
Zum folgenden The Mystical Potato Head Groove Thing packte Joe dann eine seiner fünf bei dieser Tour zum Einsatz kommenden Ibanez Gitarren aus, interessanterweise war es erst jetzt diejenige, die das Cover der letzten Studioplatte ziert. Zu seinen Gitarren und einer kleinen 'Weltneuheit' später noch mehr. Der sehr interessante, technisch anspruchsvolle und abwechslungsreiche Song war erste Sahne und alle Beteiligten hatten auch sichtbar Spaß daran ihn zu spielen.
Zwei weitere Jubiläumstitel bildeten den Abschluss des regulären Auftritts, Surfing With The Alien und das bereits erwähnte Always With You, Always With Me. Spätestens als dieser Song zu Ende war und alle G3-Gitarristen auf der Bühne versammelt waren, wurde geshreddert bis zum Abwinken und die Stimmung erreichte ihren Siedepunkt. Auch für mich, denn nun konnte ich den Auftritt von der Seite auf der Bühne mit verfolgen.
Eines von Satrianis Vorbildern wurde mit drei Stücken geehrt: Foxy Lady, Purple Haze und Voodoo Child (Slight Return) von Jimi Hendrix wurden extrem in die Länge gezogen und ein Gitarrensolo forderte das andere heraus. Die 3 Protagonisten wollten sich gegenseitig nichts schenken und kitzelten auf diese Weise gegenseitig einiges aus sich heraus, ohne dass der Eindruck aufkam, dass einer den anderen übertrumpfen wollte. Im Gegenteil, gegenseitiger Respekt für die entsprechende Leistung wird sich auf diesem Niveau der Gitarrenkunst wohl entgegen gebracht.
Die jahrelange Zusammenarbeit mit Billy Sheehan animierte dann Paul Gilbert zum Einsatz einer Bohrmaschine, was nun nicht mehr die absolute Neuheit ist, dem setzte John Petrucci allerdings noch einen drauf, als er ein Plastikhuhn hervorzauberte und mit dessen Schnabel seine Saiten bearbeitete. Die gesamte Band und auch das Publikum waren nicht mehr zu halten. 1:0 für Petrucci! Auch Pauls "Zungenarbeit" an der Gitarre und Hinter-dem-Rücken spielen konnten da nicht mehr für den Ausgleich sorgen.
Überraschenderweise wurde an der 'Begleitband' nichts mehr verändert, bei so hochkarätigen Anwesenden (neben mir auf der Tribüne standen Mike Portnoy und Neal Morse, auch Bruce Bouillet war noch anwesend) wäre es ja nicht unmöglich gewesen.
Wie schon bei anderen G3-Touren wurde Jeff Becks Going Down intoniert (neben Jimmy Page ein weiteres Vorbild von Joe) auch wieder in Überlänge mit viel Spielraum vor allem für Paul Gilbert, der an diesem Abend eindeutig der Entertainer des Trios war (auch wenn nicht er das Huhn aus dem Hut zauberte).
Angesagt als ein Stück von Mick Jagger, Keith Richards, Charlie Watts, Bill Wyman und Ron Wood kam im abschließenden Jumping Jack Flash dann die 'Überraschung': Joe Satriani mit einer Gibson, in diesem Fall eine funkelnagelneue Les Paul. Gibson, die ihre Les Pauls hier an Ort und Stelle in Nashville produzieren, hatte diese nachmittags Satriani geschenkt, als dieser sich aufmachte um sich seinerseits eine Les Paul Gold Top anzueignen. Somit ist er nun Besitzer zweier neuer Gibsons und es schien ihm reichlich Spaß zu machen eine davon auf der Bühne einzuführen. Mit fehlendem Whammie-Bar nichts für den Rest des Auftritts, war ein STONES-Song für diesen 'Test' wie geschaffen.
Nach 40 Minuten Jam war der Auftritt vorbei, eine richtige Zugabe gab es nicht, der Jam selbst kann wohl als solcher gesehen werden. Allerdings war es nach 3 Stunden "Extrem-Gitarreling" dann auch genug, die Ohren klingelten, so dass ich auf dem fast dreistündigen Heimweg nach Memphis nur noch leise Musik hören wollte.
Interessante Infos zu diesem Konzert aus dem Gespräch mit Satriani vor dem Auftritt sind noch, dass Steve Vai diesmal nicht etwa nicht dabei war, weil es Ärger oder Probleme mit ihm gab, ganz im Gegenteil. Allerdings hatte Vai für sein neues Album am Freitag zuvor eine Deadline für die Fertigstellung und hatte somit keine Zeit, außerdem hat er im April und Juni bereits Tourverpflichtungen (auch in Europa). In der Zukunft ist eine weitere Zusammenarbeit aber sehr wahrscheinlich. Weiterhin erzählte Joe, dass G3-Mitglieder 'eingeladen' werden, und sich nicht etwas selbst für diesen Job bewerben können (obwohl er sich vor Anfragen nicht retten kann). Auswahlkriterium ist dabei, dass der Gitarrist aufgrund seines Könnens etwas 'Besonderes' zu bieten hat und selbstbewusst auftritt, also eine Art Entertainer sein muss (vor allem Paul Gilbert entspricht dieser Voraussetzung ja sehr gut). Sogar Slash war schon kurz davor mitzumachen, hatte dann aber doch Bedenken, da er mehr Erfahrung mit von Gesang bestimmten Titeln hat. Im Moment ist er zuviel mit VELVET REVOLVER beschäftigt, wir werden sehen was die Zukunft bringt. In jedem Fall wäre er für G3 eine weitere Bereicherung. Ansonsten wusste er wirklich noch einiges zu berichten, allerdings bekomme ich das so nicht mehr zusammen. Sicher ist, dass Satriani ein sehr interessanter, vernünftiger und sehr netter Zeitgenosse ist, der es nicht nur auf der Bühne versteht die Leute zu unterhalten.
Für alle Statistiker noch die Setlists.
Paul Gilbert: Get Out Of My Yard, Hurry Up, The Curse Of Castle Dragon, Rusty Old Boat, Radiator, Scarified, Scit Scat Wah, Down To Mexico, Twelve Twelve (To Be With You) , You Kids
John Petrucci: Jaws Of Life, Glasgow Kiss, Lost Without You, Curve, Wishful Thinking, Damage Control
Joe Satriani: War, One Big Rush, Flying In A Blue Dream, Cool #9, Super Colossal, Satch Boogie, Circles, The Mystical Potato Head Grove Thing, Surfing With The Alien, Always With You Always With Me
G3-Jam: Foxy Lady, Purple Haze, Voodoo Child, Going Down, Jumping Jack Flash
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