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Angenehm überrascht bin ich jeden Tag wieder, wie die Veranstalter das Müllproblem bewältigen.
Hat gestern das Gelände um 03:00 Uhr wie ein Schlachtfeld ausgesehen, ist heute wieder alles weggeräumt,
die Mülleimer sind gelehrt. Respekt.
Wir machen uns jetzt wieder an die Arbeit, die Bilder vom gestigen Headliner Lucky Dube gehen demnächst
online und dann haben wir nach dieser Show noch einen Feuerlauf besucht. Und natürlich mit Bildern
dokumentiert.
Ihr solltet unbedingt auch in den nächsten Tagen nochmal auf den Festivalseiten vorbei schauen. Wir werden
alle Berichte noch einmal in Ruhe überarbeiten und wir haben natürlich noch viiiiiieeeel mehr Bilder, für
deren Bearbeitung hier einfach die Zeit gefehlt hat.
17:00
Leider haben wir keine Info bekommen, wieviele Besucher zum Festival gekommen sind, für gestern heisst es
circa 15.000. Die Zählung wird dadurch erschwert, dass es Tages-, Mehrtages- und Wochentickets gibt. Aber die
Veranstalter sind sehr zufrieden mit dem Ablauf des Tages und der Besucherzahl.
19:05
Heute auf dem Mainstage:
| 20:00 | Il Generale - Jaka-Jahmento - Tony-Moretto & The One Drop Band (Italien) |
| 21:30 | Nazarenes (Äthiopien) |
| 22:30 | Dennis Alcapone (Jamaica) |
| 23:30 | Frankie Paul (Jamaica) |
Jetzt, um 19:20, versammelt sich alles vor der Mainstage, und zwar eine beträchtliche Menge an Fans, die schon
in toller Stimmung sind und auf die Main Acts warten. Ein bisschen Geduld ist noch gefragt, hoffen wir auf einen
pünktlichen Start. Der Himmel sieht sehr gut aus und Regen ist nicht zu erwarten, abgekühlt hat es, es sollte
aber wieder ein bisschen wärmer sein als gestern.
Vor unserem Zelt ist der Verkehr doch ziemlich zum Erliegen gekommen. Während gestern um diese Zeit richtig
was los war, so sind es heute sehr viel weniger. Auch auf den Bänken der Restaurants, die sich gleich neben uns
Richtung Mainstage befinden, ist nicht viel los.
Es ist nicht zu übersehen: Es herrscht Aufbruchsstimmung, natürlich vor allem bei denen, die die Tage
im Zelt geschlafen haben. Die Reihen der Zelte haben sich schon sehr gelichtet.
19:30 Uhr
Was ist auf der Mainstage los? Es dauert ein paar Minuten bis ich rausfinde, dass das die
Band Pitura Freska sein muss. Scheinbar haben die ganzen Leute auf diese Local Heroes, sie
kommen aus Venedig, gewartet. Die Jungs sind gar nicht so schlecht. Nicht zu überhören
sind die Italo-Pop-Einflüsse, aber auch eine richtig knackige Rockgitarre ist dabei. Und der
Sänger weiss auch, wie er die Audience mitreisst.
Pitura Freska sind in Italien richtig erfolgreich und haben schon einige Alben
veröffentlicht, seit sie einen Plattenvertrag mit Sony unterzeichnet haben.
20:00 Uhr
Ich komme gerade mit der Sevi im Backstagebereich an und erschrecke, weil dort ein
Krankenwagen steht. Die Story dazu: Der Typ, der da gerade in den Wagen verfrachtet wird,
hatte versucht eine Kamera zu stehlen. Bei der Verfolgungsjagt mit der Security stürzt er
und bricht sich ein Bein. Ich bin ja nicht schadenfroh, aber ..... hihi!
21:15 Uhr
Uuuuups. Jetzt wird es hier aber wirklich deutlich leerer. Sowohl auf der Hauptbühne
als auch im Zelt mühen sich italienische Bands vor einer handvoll Menschen ab.
Da bin ich ja mal gespannt wie viele sich zu den Shows von Nazarenes, Dennis Alcapone und
Frankie Paul noch einfinden werden.
Von den Veranstaltern im Backstagebereich fällt inzwischen all die Spannung und der
Stress der letzten 10 Tage ab, die planen gerade eine Party. Und recht haben sie, das haben
sie sich auch allesamt verdient.
22:25 Uhr
Beim Spanier nebenan gibt es noch Langustenspieße und Patates Bravas (= Pommes
Frittes mit ein bisschen Sauce), aber keine Paella mehr, die ich mir eigentlich holen wollte.
Ernährungswissenschaftlich gesehen ist so ein Festival eine reine Katastrophe. Ich bin
eigentlich überhaupt kein Fan dieser Speisen, aber direkt aus dem Öl, das den
Kartoffeln einen leichten Tintenfischgeschmack mitgibt und mit der pikanten Sauce, schmecken
sie mir, die Patates Bravas.
22:30 Uhr
3 Brüder, Stimmlage bis zum hohen C: die BeeGees?
Natürlich sind das die Nazarenes, die in Schweden lebenden Äthiopier. Jetzt
habe ich sie zum dritten Mal live erlebt und ihre Show gefällt mir immer noch besser.
Der 3-stimmige Gesang der Brüder hat was, zusammen mit den Syntesizer-Effekten ergibt das
eine stimmungsvolle Atmosphäre. Die in Nebel getauchte Bühne rundet die mystische
Stimmung ab.
Und 3 Gitarren sind eh reichlich ungewöhnlich für Reggae.
Aber bevor man gedanklich ganz wegdriftet und zu träumen beginnt, legen sie mal
schnell eine fetzige Rocksteady-Nummer hin.
Das Rototom-Publikum ist auch nach 10 Tage noch hungrig und schreit nach Zugabe. - Und
bekommt sie, auch wenn man angesichts des Zeitplans hinter der Bühne die Hände
über dem Kopf zusammenschlägt.
Aber das ist doch jetzt auch schon egal.
Sevis Kommentar zu den Nazarenes: Es war so hypnotisch. Ich bin begeistert.
22:45 Uhr
Ich habe Gelegenheit gehabt mit zwei jungen Sloweninnen, die in Venedig studieren,
zu sprechen. Zwei Tage sind sie hier gewesen und das Festival hat ihnen sehr gut gefallen.
Meine Frage, ob ihnen auch andere Musik gefällt, ist mit "sicher" beantwortet worden. Nur
mit den Namen hat es ein bisschen gehapert. Aber dass die eine bei meiner Frage nach
klassischer Musik antwortet, dass ihr Carl Orff gut gefällt, gibt wenigstens mir als
Auch-Klassikfan Grund zur Hoffnung.
Beinahe hätte ich es vergessen, weil ich es so gar nicht vermisst habe: Heute hat der
Percussionworkshop zwar stattgefunden, aber es ist mir nicht aufgefallen, weniger Teilnehmer,
darum weniger laut. Ich sage ja überhaupt nicht, dass das nicht richtig gut sein kann.
Aber über viele Stunden und direkt vor meinen Ohren?
00:30 Uhr
Gerade ist das Feuerwerk zu Ende gegangen. Es ist extra der Hersteller gewechselt worden,
denn die Farben müssen Rot, Gold und Grün sein, was in den vergangenen Jahren nicht so
der Fall war. Schön ist's gewesen und laut, direkt über uns.
00:50 Uhr
In einer knappen Stunde wird das Netz, über das wir mit dem Internet verbunden sind,
abgeschaltet. In diesen Minuten ist Dennis Alcapone auf der Mainstage. Gut möglich, dass wir
unseren Bericht und die Bilder erst morgen abend aus der Heimat werden hochladen können.
01.07.02, 22:15
Ja so wars auch. Ich komme mit meinen Bilder zurück und rundherum ist schon alles abgebaut und
eingepackt. Deshalb also die letzten Bilder und Berichte sowie ein kurzes Resumee als Nachtrag, wieder aus
Muenchen.
Dennis Alcapone, der grosse Dj-Meister ist wirklich mit Spannung erwartet worden. Sein bedeutenster Mitstreiter U
Roy war ja diese Woche auch schon da und von seinem Auftritt hat man nur Gutes gehört.
Tja, ich will ja nicht an irgendwelchen Reggae-Heiligtümern kratzen, aber das war wohl nicht so ganz der
Tag des Dennis Alcapone!
Da gab es wohl so manches Abstimmungsproblem mit der Backing Band (der von Frankie Paul). Das wirkt alles
unkoordiniert, ungeprobt. Dennis scheint in seinem lila Samtanzug ein wenig neben sich zu stehen.
Aber er ist halt doch eine der ganz grossen Legenden der Reggaemusik und Vielen war es schon genug ihn
einmal live zu erleben.
Nach einer halben Stunde verlässt er ziemlich aprupt die Bühne, fliegender Wechsel mit Frankie Paul.
Und der macht eine Wahnsinnsshow. Eigentlich ist es für einen Künstler ja ein recht undankbarer Job
den letzten Gig eines Festivals zu haben, aber alle, die schon vorher abgereist sind, haben definitiv etwas
versäumt. Bis nach 3 Uhr gibt aus seinem schier unerschöpflichen Repertoire an bekannten Songs und auch
das Publikum muss mit "Irie, Irie" Singen nochmal richtig ran.
Hinter der Bühne geht's auch richtig ab. Etliche aus der Rototom Crew tanzen und feiern, denen ist richtig die
Erleichterung anzusehen, dass der Stress und die Anspannung der letzten 10 Tage jetzt vorbei sind.
Wir haben alle gepackt und hauen direkt nach Showende ab. Und ich gebe es zu, bei der Verabschiedung sind
auch ein paar Tränchen geflossen.
Danke Rototom!!!!
In diesen vier Tagen haben wir ein wirklich faszinierendes Festival erlebt.
An Atmosphäre und relaxter Stimmung ist das Rototom durch kein anderes Festival zu überbieten.
Das kommt zum Teil sicher daher, dass das Musikprogramm erst abends beginnt und die Tage
südländisch entspannt und ruhig, siestamäßig, vergehen.
Trotzdem ist's tagsüber nicht langweilig. Es gibt immer etwas zu sehen/hören. Man hat endlich mal Zeit
ganz in Ruhe über den Basar zu schlendern oder man guckt ein halbes Stündchen den Jongleuren oder
beim Percussion-Workshop zu. Dieser Workshop war übrigens eines der mitreissendsten Geschichten beim
Rototom. Wenn da zu Spitzenzeiten bis zu 50 Leute unter professioneller Anleitung zugleich konzentriert und entspannt
(klingt eigenartig, scheint aber zu funktionieren) ihre Trommeln bearbeiten und dabei wirklich EIN Rhythmus entsteht,
kann man nur staunend daneben stehen. Ich habe mir ein paar mal gewünscht, ich hätte mehr Zeit,
könnte mir eine Decke auf den Boden schmeissen und länger zuhören.
Auch die Sevi hat jede freie Minute genutzt, um mal aus unserem Arbeitszelt zu springen und bei den Trommlern
vorbei zu sehen. Nur dem armen Werner war's ein bisschen zu viel. Aber er ist halt auch der Webmaster vom Home of
ROCK (Betonung auf ROCK).
Zur angenehmen Stimmung haben sicher auch die Leute von der Security beigetragen. Das könnt Ihr nicht
glauben? Stimmt aber. Wenn da am Eingang freundliche Jungs stehen, die auch beim 20. Vorbeigehen noch "Ciao"
sagen, ist die Stimmung einfach besser, als wenn mich ein Olly Kahn Verschnitt anraunzt.
Haupt-Relax-Faktor ist aber ganz eindeutig: Der Parco del Rivellino ist quasi eine polizeifreie Zone. Hier darf sich in
seine Papers jeder so viel Ganja reinrollen wie er will (oder verträgt). Carrabinieri sind zwar angeblich da (ich
habe nämlich keine gesehen) checken aber lediglich, ob harte Drogen im Umlauf sind. Man kommt in den Park und
glaubt fast, dass das "Legalize it" wirklich Realität ist.
Für das Wohlbefinden auch nicht unerheblich: Speis und Trank. Und auch da kann ich nicht klagen. Da findet
sicher jeder etwas, was ihm schmeckt, auch der Vegetarier und die Getränke sind auch nicht ausgegangen. Auch
wenn das Bestellen manchmal zum Problem wird, wenn man nicht italienisch spricht. Auf internationales Publikum sind
die Leute im Verkauf (noch) nicht so gut eingestellt. Selbst mit Englisch kommt man da oft nicht weit. Aber man hat ja
noch zwei Hände und wir mussten also nicht verhungern.
Auch wenn die Müllentsorgung, wie schon erwähnt, beispielhaft war, muß ich aber auch Kritik üben.
Die hätten weit weniger weg zu schaffen, wenn man ein Recyclingsystem einführen würde und nicht
die komplette Versorgung mit Einwegmaterial bestreiten würde. Vielleicht eine Anregung für's nächste
Jahr.
Über die sanitären Einrichtungen hüllen wir besser den Mantel des Schweigens. Aber auf welchem
Festival klappt das schon?
Sehr loben muß man auch, dass die Veranstalter die italienischen und andere europäische Newcomerbands
supporten. Und es bleibt ja immer noch genügend Platz für tolle Highlights.
Ein echtes Manko ist allerdings die Bühnentechnik und deren Organisation. Wenn man da am Equipment noch
etwas aufrüsten würde (z.B. mobile Drumriser), wäre den Bands, den Technikern und vor allem dem
Zeitplan geholfen.
Insgesamt muss man den Veranstaltern aber ein dickes Lob und Maximum Respect aussprechen. Ein 10-Tage-Festival
muss man, ohne nennenswerte Sponsoren, erst mal so auf die Beine stellen.
Mein besonderer Dank geht an Geraldine, die immer ein offenes Ohr für meine Fragen hatte und niemals
genervt war, auch wenn sie manchmal bis an die Erschöpfungsgrenze gearbeitet hat. Mille baci Geri!!!
Bis zum nächsten Jahr beim Rototom Sunsplash 2003!
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