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19:00 Uhr:
Im Babylonia-Zelt haben Downtown Rebels, eine italienische Band, ihren Gig, die Texte zum Teil in Italienisch, zum
Teil in Englisch, manche Songs Pop-orientiert.
21:40 Uhr:
Ein uns (noch) nicht bekanntes Arrangement macht es möglich, dass alle angekündigten Main Acts auf
der Hauptbühne stattfinden. Also werden Mika und Unidos do Berimbau doch nicht ins Babylonia-Zelt verlegt.
22:00 Uhr:
Mika hat gerade den letzten Song ihrer Show angekündigt. Die Stimmung vor der Mainstage ist gut, alle
freuen sich, dass die technischen Probleme wohl behoben sind und das Wetter wieder mitspielt. Die weisse Rastalady
aus Belgien mit griechisch/russischer Abstammung gibt mit ihren rootsig/poppigen Songs ein gutes Debut in Italien. Ihre
Schwester, die eigentlich den Part des Backgroundgesangs hat, zeigt der Posse, dass man Dancehall auch auf
französich machen kann.
Derweil verbreitet die 30-köpfige Crew von Unidos do Berimbau schon den ganzen Nachmittag gute Stimmung. Erst
haben sie sich mit ihren Instrumenten dem laufenden Percussion-Workshop angeschlossen, dann sind sie im Corso
trommelnd und tanzend über das ganze Gelände gezogen.
Die stecken so voll Musik und Temperament! Toll! Wir freuen uns auf mehr!
22:00 Uhr:
Unidos do Berimbau machen brasilianischen Karneval auf der Mainstage von Osoppo. Genial, was die italienische
Sambaschule aus Trieste da aufführt. Man glaubt doch fast, man ist am Zuckerhut.
30 Percussionisten und Tänzerinnen mit einem Hauch von Nichts und Federn. Nach Lady Saw schon wieder
ein Augenschmaus für die Männer! Aber da gucken auch die Mädls gerne hin, das bestätigt mir
auch gerade die Severina!
Da ist die Audience auf jeden Fall gut aufgewärmt für Gilberto Gil. So wars geplant und das hat 100%
funktioniert!
Damit dürfte wohl klar sein, wem die Festivalbesucher morgen beim Endspiel zujubeln werden. Sorry Rudi,
aber ich glaube wir haben da keine Chance! Trotzdem freue ich mich schon drauf, wird sicher eine spannende Sache
in dieser Atmosphäre, das Finale zu sehen.
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23:53 Uhr:
Die gestrige Gewitterfront hat deutlich kühlere Luft in ihrem Gefolge. Es ist zwar nicht so kühl wie
gestern um diese Zeit, aber ringsherum haben alle die kurzen gegen die langen Jeans ausgetauscht und die Pullover
etc. übergezogen. Wir sind hier am Fuße der Alpen, etwa dem südlichen Gardasee vergleichbar und
auch noch am Anfang des Sommers. Aber solange die Finger mitmachen, wird getippt.
00:20 Uhr:
Tja, die Kälte spüren wir hier in unserem Zelt, aber ganz sicher nicht die Leute vor der Bühne,
wo die Show von Gilberto Gil gerade läuft. Das dürfte der bisherige Besucherrekord sein. Genauere Zahlen
erhalten wir evtl. morgen.
Der brasilianische Superstar bietet grosses Entertainment. Er hat eine gigantische Crew dabei (u.a. 2 Mann
Percussion, 2 Mann Keyboards, 3 Girls Background), die Sound erster Klasse machen und Gilberto Gil kennt man seine
60 Jahre kein bisschen an.
Er hat seine Show ja selbst als ein Bob Marley gewidmetes Projekt bezeichnet. Und er spielt sie alle, die grossen
Hits von Bob: No Woman No Cry, Kaya, Buffalo Soldier etc., etc., und zwar sehr nah am Original.
Ich gebe zu, ich bin kein grosser Freund von diesen Bob Marley Cover Shows, hatte mehr brasilianisches Flair
erwartet. Aber den Leuten gefällt es, es wird überall gesungen und getanzt. Und das ist schliesslich die
Hauptsache.
00:30 Uhr:
Es scheint leider kein Festival zu geben, wo man diese Sätze nicht schreiben muss. Geraldine erzählt
mir gerade, dass wohl etliche gefälschte Festivalbändchen im Umlauf sind.
Die Veranstalter tun alles, um den Leuten ein tolles Festival zu bieten. Die Verkäufer wie auch die Käufer
dieser Fälschungen sollten sich wirklich überlegen, ob es fair ist, diese Menschen um den Lohn all ihrer
Arbeit und Bemühungen zu bringen.
01:44 Uhr:
Auch dies muss leider vermerkt werden: Bis jetzt sind vier Rettungswägen mit Blaulicht und Sirene an
unserem Zelt vorbeigefahren. Die vergangenen Tage ist uns kein einziger Einsatz aufgefallen. Es mag aber sein, dass
wir nicht immer alles mitbekommen haben. Heidi meint dazu, dass gestern ein paar Leute aus dem Babylonia-Zelt
getragen worden sind. Aber es scheint wohl ohne Notarzt abgegangen zu sein. Hoffen wir, dass es sich heute um nichts
Ernstes handelt.
"Unser Zelt" (zehn Meter im Quadrat) ist das Internet-Caffee des Festivals. Sechs PCs stehen für Surfer zur
Verfügung (beim Siebten, einem Mac, hat das Netzteil nach dem Unwetter den Geist aufgegeben, das rauchende
Ereignis wurde, nicht von uns, im Bild festgehalten), zwanzig Minuten kosten 2, eine Stunde 4 Euro. Durchaus humane
Preise, wie mir Marco und Stefano versichern und nicht teurer als "Draussen". Unser Platz ist am rechten Ende der
PC-Tische und, auch wenn doch einiges los ist, so werden wir in unserer Arbeit kaum gestört. Die Front des Zelts
ist zu 80% eine Bücherauslage (Reggae, Reggae, Reggae - besonders toll ist das Geschäft nicht, wie ich
höre) und links hat "Emergency" seinen Platz (eine christliche Vereinigung gegen Krieg, Ausbeutung und den
Hunger).
01:50 Uhr:
Spät ist es auch heute wieder, aber dafür ist die Stimmung ausgezeichnet und Lucky Dube macht wie
gewohnt eine tolle Show.
Wie immer bei ihm ist die Choreographie perfekt ausgearbeitet. Die Posse tobt, wenn er über die Bühne
springt und seine Dreads fliegen oder eine perfekt synchrone Einlage mit den Backgroundgirls, Gitarristen und Bassisten
kommt.
Seine Message gegen Gewalt und Korruption in seiner Heimat Südafrika wird vor allem von den afrikanischen
Gästen bejubelt.
Mir persönlich fehlt bei seinen Shows immer ein wenig mehr musikalische Abwechslung.
Was soll man sonst noch zu Lucky Dube sagen? Schaut Euch doch einfach das
Interview an, das ich 2000 mit
ihm gemacht habe.
03:00 Uhr:
Unmittelbar nach der letzten Show war noch ein Feuerlauf irgendwo im Parco del Rivellino direkt vor dem
Festivalgelände angekündigt.
Nachdem unser Auto sowieso eingeparkt war, haben wir uns also auf die Suche gemacht.
Entdeckt haben wir dabei in einem kleinen Valley vor einem Seitengate eine total nette Hippiecommunity. Die haben da
ein paar Verkaufsstände aufgebaut, natürlich lange nicht so schick wie auf dem Festivalbasar, dafür
um so liebenswerter.
Auch spät in der Nacht haben sie noch fleissig frische Pizza gebacken.
In der Mitte des Geländes haben sich ein paar Leute um ein Lagerfeuer versammelt und mit ihren Trommeln
stimmungsvolle Musik gemacht. Beinahe hätten wir die Sevi an diese kleine Community verloren, die wollte gar
nicht mehr weg.
Gleich im Nebenvalley wurde derweilen der Feuerlauf vorbereitet.
Wir waren ja wirklich gespannt, weil dort so eine tolle Atmosphäre war. Aber diese Veranstaltung ging leider
ziemlich nüchtern vonstatten. Sevi, die solche Ereignisse aus Bulgarien kennt, meinte das Magische haben
völlig gefehlt. Und auch mir kam es mehr wie ein Motivationskurs für Jungmanager vor. Lustig war nur, als
sich alle unter einem grossen Drachen versteckt haben und damit nochmal gemeinsam über die Glut gelaufen
sind.
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