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16:30 Uhr:
Das Unwetter ist vorbei, die Sonne scheint wieder. Die Hälfte der Zelte steht unter Wasser und alle sind wieder glücklich
und froh. Bella Italia...
18:00 Uhr
Pünktlich haben sich im Babyloniazelt die Römer von Torpedo eingefunden. Eine ziemlich witzige Band
mit eigenwilligem Outfit, deren Sound stark am Ska orientiert ist.
Die Italiener scheinen allerdings wirklich erst am späteren Abend in die Gänge zu kommen. Obwohl
Torpedo mächtig Dampf machen und der Sound zum Abtanzen einlädt, sitzen nur etwa 50 relativ
gelangweilte Leutchen rum.
Man hebt sich die Energie wohl für Lady Saw und Luciano auf, der schon sehnlichst erwartet wird.
18:45 Uhr
Stutzig geworden, weil sich auf der Bühne bzgl. Soundcheck so gar nichts tut, habe ich mal meine
Fühler ausgestreckt.
Das Rototom Festival ist heute wirklich vom Pech verfolgt.
Fürs erste werden alle Auftritte in das Babyloniazelt verlegt. Angesichts der dunklen Wolken, die immer noch in
den Bergen hängen vielleicht sogar die beste Enscheidung.
Wir halten Euch auf dem laufenden.
21:15 Uhr
Bedingt durch die Probleme mit dem Wetter tritt die Area Youth Krew mit ordentlicher Verspätung und im
Zelt auf.
Area Youth Krew ist mehr als eine Band, es ist ein interessantes Projekt, entstanden aus der Area Youth
Foundation, gegründet von Sheila Graham. Das ist eine Sozialeinrichtung, die sich um Jugendliche aus dem Ghetto
in Kingston kümmert. Und ein Dutzend genau dieser jungen Menschen legen heute beim Rototom einen tollen
Auftritt hin. Ihre Show ist eine Art Reggaemusical, die Message heisst Freiheit, Gerechtigkeit und Kampf gegen Gewalt.
Leider hat auch diese Gruppe mit der Technik zu kämpfen. Die tollen Stimmen gehen zum Teil wegen der nur
partiell funktionierenden Headsets unter. Trotzdem eine tolle, agile Show. Dass die Choreographie nicht perfekt ist,
macht die Sache nur noch sympathischer.
22:15 Uhr
Heute ist nun wirklich nicht der Tag der Veranstalter.
Seit einer Stunde fegt ein heftiger Sturm über Osoppo und das abgesenkte Dach kann deswegen im Moment
nicht angehoben werden.
Der Verlauf des weiteren Programms ist völlig unklar. Lässt der Wind nach, geht es auf der Mainstage
weiter, wenn nicht, steht nur fest, dass im Babylonia-Tent nicht alle geplanten Auftritte stattfinden können. Es
bleibt spannend. Aber zum Glück sehen es die Festivalbesucher noch einigermassen entspannt.
23:01 Uhr
Inzwischen hat zwar der Wind etwas nachgelassen, dafür regnet es aber wieder ganz ordentlich. Es ist nach
wie vor nicht klar, wo es weiter geht.
23:20 Uhr
Jetzt ist langsam Schluss mit lustig. Inzwischen hört man gellende Pfiffe aus dem Zelt. Die Leute wollen
endlich etwas geboten bekommen. Ihre Geduld wird heute aber auch wirklich auf eine harte Probe gestellt.
23:45 Uhr
Als Einheizerin für den Act von Lady Saw ist jetzt Thriller Jienna im Programm und das gelingt ihr auch.
Zum einen, weil die Leute natürlich endlich etwas geboten haben wollen, zum anderen weil sie mit heissen
Dancehallriddims, rougher Stimme und sexy Outfit eine tolle Show macht. Schade nur, dass das Tent total vollgestopft
ist. Die Füsse sagen Tanzen, aber leider ist so gar kein Platz dafür.
00:45 Uhr
Der Regen hat seit einigen Minuten wieder aufgehört und alle hoffen auf die Richtigkeit der abendlichen
Wettervorhersage, nämlich, dass die Schlechtwetterfront vorbeigezogen sei. Die Lufttemperatur dürfte bei
etwa 16 Grad liegen, durch die abendlichen Niederschläge ist ein guter Teil des Geländes doch sehr
schlammig.
Die Fans belagern das Babylonia-Zelt, wo Lady Saw ihren Auftritt absolviert und es ist nicht möglich in das
Zelt zu gelangen. Innen drinnen drängen sich die Fans, selbst wenn es mir gelänge hineinzukommen, an die
Bühne ist nicht ranzukommen. Mal sehen, ob es Heidi gelungen ist, gute Bilder für uns zu machen.
0:55 Uhr
Gerade komme ich aus dem Getümmel vor der Bühne zurück, wo Lady Saw vor wenigen Minuten
ihre Show beendet hat. Ja was soll man da sagen? Rude Girl ist noch eine Untertreibung. Diese Frau ist der
personifizierte Sex. Das Babylonia kocht.
Gleich zu Anfang zieht sie sich erst mal mit Hilfe des Background-Mädls ihre Schuhe aus und springt barfuss
über die Bühne, meistens die Hand im Schritt. Über die Message ihrer Songs brauche ich da wohl keinen
Text mehr verlieren.
Langeweile kam bei der etwa einstündigen Show auf jeden Falll nicht auf. Lady Saw ist äusserst
kontaktfreudig zum begeisterten Publikum, der Securitymann hat alle Hände voll zu tun, damit die Männer
die Bühne nicht stürmen. Dann holt sich die Lady aber selbst ein paar aus der Menge rauf, um sie ein wenig
im Dirty Dancing anzuleiten.
Sie zeigt aber auch, dass sie musikalisch vielseitig ist. Give Me A Reason klingt fast ein bisschen nach
Country und hat so gar nichts mir ihren Dancehall-Chants zu tun. Und gleich hinterher kommt noch ein A Capella-Song.
Zu guter Letzt holt sie sich doch mit eindeutiger Aufforderung glatt noch einen Kerl auf die Bühne,
natürlich nicht ohne seine Qualitäten eigenhändig überprüft zu haben! Was dann noch
passiert ist ohne Worte. Lasst Bilder sprechen!
Auf jeden Fall hat Lady Saw heute Abend etliche Männer in den Wahnsinn getrieben.
Als Entschädigung
für die langen Wartezeiten, geht es anschliessend nahtlos mit Brusco weiter. Brusco ist ein DJ aus Rom, der in
Italien sehr beliebt ist, vor allem seit er einen Track dem Fussballverein AS Rom gewidmet hat. Bekannt muss er hier
wirklich sein, denn die Menge erweist sich vom ersten Song an als textsicher. Leider gibt es keine Bilder, weil mir der
gestresste Securitymann plötzlich das Fotografieren verbietet. Macht nix, nach der Lady Saw ist Brusco eh nicht
gerade eine Augenweide.
Der Auftritt von Brusco ist zum grossen Teil dem Notzeitplan zum Opfer gefallen. Ihm blieben nur etwa 20 Min., dann
musste er die Bühne für die Umbauarbeiten für die Luciano-Show räumen.
02:00 Uhr
Ich habe mich bis an den Bühnenrand durchgeboxt, um ein paar Bilder von Luciano zu bekommen. Im
Babyloniazelt gibt es jetzt wirklich kein Durchkommen mehr und die Umbaupause kommt einem endlos lang vor. Aber
gegen 02:00 Uhr morgens ist es dann doch noch so weit: der Headliner Luciano beginnt seine Show furios.
Gleich beim ersten Song gibt es im Mittelteil des Zeltes ein Getümmel, die Leute darum herum geraten
beinahe in Panik, kein Wunder bei dem Gedrängel. Luciano bricht sofort seinen Song ab, fragt was los ist und
beruhigt die Menge.
Wie zu erwarten macht der Jamaicaner eine grossartige Show. Aber leider, leider ist es im Zelt viel zu voll, es ist
spät, Werner am PC kann kaum noch die Augen offen halten und friert, da hilft der gute Vino auch nicht mehr.
Deshalb beschliessen wir, die Segel zu streichen.
Aber wenigstens haben wir noch ein paar Bilder machen können. Viel Spass damit.
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