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Night Of The Prog Festival III

Loreley, Freilichtbühne, 18.-20.07.2008

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Fotos: Claude Wacker (Freitag, rechts) & Dieter Ober (alle anderen)


Night Of The Prog 2008
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Night Of The Prog Logo 2008
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Public Viewing
Public Viewing
Loreley, Freilichtbühne, 18.-20.07.2008

Die Night Of The Prog ging in diesem Jahr in die dritte Runde. Fand die Veranstaltung vor drei Jahren noch an einem einzigen Abend statt, erhöhte sich die Band-Frequenz bereits im 2007 erheblich, so dass bereits ein Zwei-Tages-Event statt fand. Umso erfreulicher war es, dass dieses Prog-Event nun schon ein gesamtes Festival-Wochenende, also drei Tage, beansprucht. Die Vielzahl der auftretenden Künstler lässt es dabei zu, dass sich zum einen die Prog-Elite auf dem ehrwürdigen Loreley-Felsen trifft, auf der anderen Seite sich jeder Interessierte und Veranstaltungsbesucher per Tagesticket einklinken kann, wenn er denn vom Line-up nicht gänzlich überzeugt ist.

Freitag, 18. Juli 2008

Die Night Of The Prog stand erstmals unter dem Motto "Elektronik", ein musikalischer Einfluss, der so manchen Freak noch unter dem Eindruck der berühmten Berliner Schule in Nostalgie versetzen kann. Das Home of Rock schickte auf Grund terminlicher Überschneidungen einen progfesten Elektronik-Freak nach St. Goarshausen. Lest, was Martin Peter aus Mainz zu berichten hat:

Der Nachmittag begann durchaus entspannt, bei warmem Wetter und Sonnenschein. Obwohl es noch recht früh war, hatte sich um kurz nach vier schon eine recht ansehnliche Anzahl an Besuchern im weiten Rund der Loreley niedergelassen, um dem ersten Act zu lauschen. Für den Freitag war schwerpunktmäßig Electronic angesetzt...

SOLAR MOON

Spärlich besetzt und noch spärlicher mit Instrumenten ausgestattet spielte der Kölner Opener sein Set mit wahrlich elektronischer, aber völlig un-proggiger Musik. Weder Gitarren noch Schlagzeug waren zu sehen - ein paar Synthesizer und Notebooks sowie eine schwarze Violine - das war alles. Zum Erstaunen des Publikums entsponnen dann die drei Jungs zusammen mit ihrer Sängerin aus Berlin einen ziemlich coolen Ambient-Dub-Sound, der perfekt zum chillen in die schicksten Yuppie-After-Work-Cocktail-Lounges von Hamburg, Berlin oder München gepasst hätte. Zum Entspannen und zur Vorbereitung auf drei anstrengende Festival-Tage waren die eher einschläfernden Beats aus der Drum Box aber durchaus geeignet. Das Publikum war nicht abgeneigt und ließ die vier gewähren - die Band konnte einige kunstvoll gewobene Klangteppiche mit einem gut passenden Zusammenspiel zur Violine und zum Gesang herbeizaubern.

Solar Moon

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Solar Moon @ MySpace.com
Solar Moon im Home Of Rock

HIPGNOSIS

Wesentlich flotter ging es dann mit HIPGNOSIS los. Die polnische Band spielte recht klassischen Prog mit vielfältigen Einsprengseln aus Space, Artrock und Electronic, in der die stimmlich gut aufgelegte Sängerin KuL den Gegenpol zu ausgedehnten Keyboard- und Gitarren-Passagen bildete. Die Musik war manchmal melancholisch, manchmal auch düster bis teilweise hin zu Gothic-like. Dabei wurden die langsamen Parts mit einigen kräftigen rockigen Parts gut aufgelockert. Aber irgendwie wirkte die Band dann doch zu schüchtern und zu introvertiert um richtig Druck zu machen, so dass HIPGNOSIS in Summe leider recht farblos blieben.

Hipgnosis

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Hipgnosis @ MySpace.com
Hipgnosis im Home Of Rock

Isildurs Bane

Einer der Höhepunkte des Freitag war sicher ISILDURS BANE aus Schweden. Die Band war nur zu sechst angereist, aber diese sechs hatten es trotzdem in sich. Richtig vertrackt und komplex ging es zur Sache, mit ungewohnten Klängen und Instrumentierungen, mit ständigen Sprüngen in den Musikstilen und in den Tempi. Die meisten Titel kamen aus den "Mind"-Sessions, aber rockiger gespielt und häufig wesentlich flotter als auf den CDs. Die Musiker, alle technisch brillant, kamen unheimlich sympathisch rüber, allen voran Mariette Hansson mit ihrem herausragenden Gesang. Die gute Stimmung in der Band hat sich auch direkt aufs Publikum übertragen, das zunehmend mitging. Alles in allem ein ausgesprochen spannender und vielseitiger Trip durch den anspruchsvollen Progressive Rock von einer der sympathischsten Bands des ganzen Festivals.

Isildurs Bane

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Isildurs Bane @ MySpace.com
Isildurs Bane im Home Of Rock

TANGERINE DREAM

Die Vorbereitungen für den Auftritt von TANGERINE DREAM ließen wahrlich Großes erwarten. Neben einem riesigen Bühnenaufbau mit oberer und unterer Etage kamen nicht weniger als 7 Videokameras zum Einsatz, um auch die kleinste Zuckung der Band aufzunehmen. Etwas skurril war der Anblick schon, als zunächst zwei junge Musikerinnen (Keyboards/Blasinstrumente bzw. Drums/Percussion) in weißen Hosenanzügen ihre Plätze auf der oberen Etage einnahmen. Unten dann ein weiterer Keyboarder, der permanent grinsende Gitarrist mit einer Frisur ähnlich wie Wolfgang Petry, sowie schließlich der Altmeister persönlich, Edgar Froese, der distinguiert und stilvoll die Huldigungen des Publikums entgegennahm. Was dann kam war aber kein Abklatsch rund um irgendwelche Uralt-Titel von Edgar Froese und TANGERINE DREAM, sondern eine zweistündige temporeiche, taufrische und topmoderne Mischung aus Electronic, Prog, Rock, Pop und Dance.
Ohne Unterbrechung reihte die Band Klangperle an Klangperle und es wurde deutlich, dass Generationen von Künstlern aller Stilrichtungen ihre Inspiration von der Band um Edgar Froese haben. Leider haben dann die total übersteuerten und dröhnenden Bässe die restliche Musik phasenweise zubetoniert, was der Begeisterung des Publikums aber keinen Abbruch tat. Erst recht nicht, als Edgar Froese in der Zugabe dann zur Gitarre griff, und auch hier sein musikalische Können unter Beweis stellte.

Tangerine Dream

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Tangerine Dream im Home Of Rock

Klaus Schulze

feat. Lisa Gerrard

Nach der durchgestylten und temporeichen Performance von TANGERINE DREAM kam dann in Form von Klaus Schulze das absolute Kontrastprogramm. Der zweite Altmeister des Abends schlenderte locker und gemächlich auf die Bühne, stellte sich erst einmal ans Mikrofon und begrüßte sein applaudierendes Publikum. Er wisse auch noch nicht so genau was er spielen werde, sondern lasse sich einfach auf das Zusammenwirken mit den Zuschauern ein, und dann werde sich schon irgendetwas Spannendes entwickeln. Später würde dann irgendwann auch noch Lisa dazukommen um zu singen, aber was genau und wie genau wäre wohl auch noch nicht klar. Dann hockte er sich auf seinen riesigen Bürosessel Marke "Chef" und fing an, wie aus dem Nichts heraus, mit wenigen Handgriffen an den Keyboards sowie den Reglern der mehrere mannshohen Synthesizer-Türmen riesige, fließende Klanggemälde zu zaubern.
Die Sounds entwickelten sich ständig weiter und schienen fast lebendig, sanft perlend und schwebend, und von einer alles in den Bann ziehenden Intensität. Die Zuschauer waren längst mucksmäuschenstill geworden und lauschten fasziniert und gebannt zugleich. Die Intensität wurde noch stärker, als Lisa Gerrard dazukam und mit ihrem herausragenden Gesang ein magisch fließendes Wechselspiel zwischen den Keyboard-Themen von Klaus Schulze und ihrem Gesang entstand und nicht mehr klar war, was Komposition und was Improvisation war.
Nach über zwei Stunden verneigte sich das Publikum tief vor den beiden Musikern mit lang anhaltendem und sehr warmem Applaus, und Klaus Schulze und Lisa Gerrard waren beide zutiefst bewegt von der Stimmung und der Begeisterung des Publikums.

Klaus Schulze feat. Lisa Gerrard

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Klaus Schulze im Home Of Rock

An dieser Stelle bedankt sich das Home of Rock für die Festivaleindrücke des ersten Veranstaltungstages bei Martin Peter!

Samstag, 19. Juli 2008

Ein dicht gestaffeltes Programm erwartete uns für den Samstag. Eines gleich vorweg: Die wirklich schlechten Wetterprognosen erfüllten sich Gott sei Dank überhaupt nicht. Nur ganz kurze, abkühlende Schauer machten es kaum erforderlich, den Regenschirm überhaupt aufzuspannen. Es bewahrheitete sich einmal mehr, dass die Loreley am zweiten Wochenende im Juli offensichtlich ein Garant für gutes Festivalwetter ist und bleibt.

Central Park

Nachdem die Münchener im abgelaufenen Jahr zusammen mit Fish eine erfolgreiche Deutschland-Tour absolviert hatten, war der Auftritt auf der Loreley nur die logische Folge. Sie hatten die schwere Aufgabe, den Festival-Tag zu eröffnen und taten dies, im Vergleich zu den Acts der vergangenen Jahre, mehr als gut.
Offensichtlich gibt es inzwischen eine Fanbasis, die sich außerhalb der eigenen Regionen befindet. So war es eine Leichtigkeit für Schlagzeuger Artur Silber, im weiten Rund der Loreley bekannte Gesichter zu begrüßen. Und als der Standard-Opener Face The Space erschallte, ging das Publikum, anders als sonst üblich, direkt mit. CENTRAL PARK hatten ihre Setlist abgewandelt, so dass auch Besucher der Fish-Konzerte neues, aber auch altes Material, welches die Band wieder aus ihren Archiven gekramt hatte, live zu hören bekam. Man setzte auf die rockige Variante, was sich bei Tage - und logischerweise noch ohne imposantem Licht - als richtig erwies. Dazu gab es schon eine Kostprobe vom neuen Album, welches CENTRAL PARK derzeit produzieren. Alles deutet darauf hin, dass der typische, in der Vergangenheit begründete 80er-Jahre-Sound schwinden wird und der Fan mit neuen und innovativen Ideen konfrontiert wird.
Der Sound ließ leider über die PA etwas zu wünschen übrig, aber dennoch kamen der Opus Don't Look Back mit Gastsängerin Cory Godess, sowie die Ballade Summer Love denkbar geil an.

Central Park

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MAGENTA

Soundtechnisch stärker kamen als zweite Band an diesem Tag MAGENTA aus den Boxen, die im Rahmen ihres Auftritts natürlich ihre aktuelle Scheibe "Metamorphosis" promoteten. Es war beeindruckend, was Leadsängerin Christina für eine Live-Performance entwickelte. Sehr schnell hatte sie das Rund im Griff und wusste, neben einer vorzüglich aufspielenden Band, vollkommen zu überzeugen. Zudem wurden keine Kosten und Mühen gescheut, denn MAGENTA verteilten im Anschluss an ihren Auftritt noch zahlreiche Promo-Sampler ihres aktuellen Silberlings, und so war es auch nicht verwunderlich, dass viele Besucher am Merch-Stand sich das gesamte Album kauften und dann selbstverständlich unter der Federführung der Sängerinnen signieren ließen. Im Ergebnis: Ein voller Erfolg für MAGENTA!

Magenta

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PRISMA

Ich ahnte es im Vorfeld des Auftrittes der Schweizer voraus. PRISMA spielen mit ihrem an TOOL angelehnten harten Sound eine wirklich geile Mucke, doch das Publikum wusste offensichtlich leider nicht all zu viel damit anzufangen. Man spürte, wie sich PRISMA schwer taten, muss an dieser Stelle aber die Professionalität der Jungs hervorheben. Denn ihr Sound war druckvoll, die Stücke wurden, insbesondere vom aktuellen Longplayer "Collusion", fast perfekt dargeboten.
Mag sein, dass die Band falsch im Ablauf platziert wurde, denn später kamen PAIN OF SALVATION mit einem ebenfalls metallischen Sound sehr gut an. Die haben allerdings auch schon eine fest integrierte Fanszene, so dass man da nicht all zu viele Rückschlüsse ziehen darf. PRISMA brauchen Licht und keine freien Oberkörper eines Leadsängers, aber ansonsten ein guter Auftritt, für den die Festivalbesucher zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht ganz bereit waren. Eine harte Probe, die die Band aus der Schweiz letztlich bestanden hat.

Prisma

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IT BITES

Und nochmal ein paar Worte von Martin Peter:
Deutlich poppiger ging es dann mit IT BITES weiter, bei denen die Band aber zunächst noch musikalisch zueinander finden musste. So entwickelte sich John Mitchells Gesang erst im Laufe des Konzertes, aber zum Schluss hin passte alles und die immer besser aufgelegte Band brachte gute Partystimmung auf die Bühne. Das war vielleicht nicht besonders tiefgehender, anspruchsvoller oder komplexer Prog, aber trotzdem eine fröhliche Mischung aus Popmusik und unterhaltsamem Rock aus dem Mainstream. Und spätestens bei Calling All The Heroes waren dann alle Fans da.

It Bites

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The Flower Kings

Die Flokis waren im Grunde genommen der erste und einzige Grund zum Ärgernis am diesem Wochenende. Roine Stolt scheint überhaupt kein Gespür mehr dafür zu haben, wenn es gilt, sich in eine Gemeinschaft guter Bands einzugliedern und zeitgerecht dafür zu sorgen, dass alle gemäß Plan zu ihrem Recht kommen. Selten habe ich jemanden, außer vielleicht ein paar Amateurbands, gesehen, der/die so langen braucht/-en, um seine/ihre Instrumente zu stimmen. Jede Formation, selbst die später folgenden BARCLAY JAMES HARVEST, wusste, dass man gewisse Sound-Ungereimtheiten dann eben mittels Mischer während der ersten beiden Tracks ausmerzt. Nur nicht Herr Stolt und seine Band, die damit den ganzen Zeitplan vollkommen durcheinander brachten. Nur gut, dass die Flokis, die übrigens keinen besonders guten Gig gespielt haben, zeitig darauf hingewiesen wurden, dass die Spielzeit beendet sei.
Letztlich angenehme Musik, technisch okay, aber viel zu wenig für so viele Starallüren! Die FLOWER KINGS sollten sich schnellstens auf den Hosenboden setzen und begreifen, dass sie derzeit nicht zum Besten des Genres gehören. Aber das hatten vor geraumer Zeit schon ehemalige Mitstreiter begriffen und zogen in die Weite. Mehr dazu an anderen Stellen.
Der Gig selbst: Gerade noch nett, aber mehr nicht.

The Flower Kings

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PAIN OF SALVATION

Jetzt fiel der bereits beschriebene Regen. Aber eine Band wie PAIN OF SALVATION kann dies kompensieren. Die Jungs um Daniel Gildenlöw als Frontmann haben es drauf, ganz ohne Frage. Nicht nur die Alben "Ramedy Lane" und "Be", sondern auch das neue "Scarsick" bieten genügend Material, um ein musikalisches und metallisches Feuerwerk abzubrennen. Besonders erwähnenswert scheint allerdings die Eigenschaft des Frontmannes, der in der Lage ist, mit netten und flotten Sprüchen die riesige Area auf Trab zu halten und für Stimmung zu sorgen. Der Mann ist ein echter Entertainer und ohne Daniel Gildenlöw, der offensichtlich kein begnadeter Gitarrist ist, wäre die gesamte Formation nicht einmal mehr die Hälfte wert. Höhepunkt des Auftritts: Das auf dem Studio-Album so fürchterlich anmutende Disco Queen, welches zumindest so in die lockere und freundliche Atmosphäre der gesamten Band passte.
Sehr ansprechende Darbietung und ein Tipp, falls die Formation wieder in der Nähe ist. Unbedingt hingehen!

Pain Of Salvation

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Barclay James Harvest

feat. Les Holroyd

Obwohl sicherlich im progressive Genre nicht stark vertreten (bis auf ganz frühe Alben unter der Mitwirkung von Keyboarder Wooly Wolstenholme), ist der Name an sich Programm. Auf der Loreley kehrte die Dunkelheit ein und man war bereit für die Legende des seichten und schlichten melodiösen Balladen-Rocks. Original-Member Les Holroyd hat inzwischen wieder eine komplette Formation um sich, die auch bereit ist, dem großen Namen genüge zu tun und neben einigen neuen Tracks die großen Nummern zu bieten.
BJH waren vor geraumer Zeit schon einmal in Deutschland unterwegs, konnten jedoch damals nicht annähernd den Bühnenzauber entfachen wie in diesem Jahr. Zwar grollte der Bass des Masterminds ungemütlich und unentwegt, doch die Gitarrensounds entschuldigten so manches. Klar ist, dass die Klassiker Mocking Bird oder Life Is For Living keinen progressiven Hering vom Teller ziehen, jedoch muss man attestieren, dass die akustische Version von Hymn noch immer in der Lage ist, das Publikum einigermaßen zu begeistern. BJH passten allerdings nicht ins Konzept, ihnen ist es auch nicht gelungen, durch ihren Bekanntheitsgrad das Ruder zu ihren Gunsten herum zu reißen, dazu kommt eine in den hohen Lagen dünne Stimme (wer will es ihm verdenken). Aber sie werden etwas Neues machen und darauf sind wir gespannt.
Ein unterhaltsamer Auftritt, der nicht nervte, aber ansonsten auch nichts Explosives in sich barg.

Barclay James Harvest

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Fish

Der Patron des Festivals heißt Fish. Zum dritten Mal hintereinander dabei, sollte er in diesem Jahr am zweiten Tag den krönenden Abschluss liefern. Doch auch hier lief nicht alles reibungslos. Furchtbare Soundprobleme ließen das Konzert erst nach einer ganzen Weile genießbar erscheinen. Dafür kann der Sänger freilich nichts. Doch es scheint so, dass es Fish in den letzten drei Jahren einfach zu viel in Deutschland gab. Nichts ist mehr neu und es fällt auch nicht auf, wenn der Ex-MARILLION auf weniger exzentrische Ansagen setzt. Der Zauber eines renovierten Misplaced Childhood ist zumindest für eine Weile vorbei, dass der Schotte seine eigenen treuen Fans immer dabei hat, ist auch bekannt. Dennoch wollen wir nicht verschweigen, dass Fish live derzeit einfach nicht angesagt ist. Dass der Hüne sein aktuelles Scheibchen "13th Star" in den Mittelpunkt der Show rückte, konnte daran nichts verändern.
Im letzten Jahr räumte der Shouter richtig ab, 2008 war er nicht mehr in der Lage, das nun müde Publikum richtig zu begeistern.
Klare Abräumer des ersten Tages waren CENTRAL PARK, die Walliser MAGENTA und an erster Stelle ohne jeglichen Zweifel PAIN OF SALVATION.

Fish

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Sonntag, 20. Juli 2008

Leider mussten die hoch geschätzten SIEGES EVEN ihren Auftritt kurzfristig absagen. Doch auch sieben Bands an einem Tag sind eine Menge Holz und versprachen eine Vielzahl guter und interessanter Auftritte.

KNIGHT AREA

Diese junge Band aus den Niederlanden durfte den dritten und letzten Tag der diesjährigen Night Of The Prog eröffnen. Und auch hier gab es von Beginn an richtig etwas auf die Ohren. Schöner Neo-Prog, in dessen Mittelpunkt natürlich der aktuelle Longplayer "Under A New Sign" stand. Symphonisch getragene Sounds, eingängige Gitarren-Soli und eine ansprechende Leistung von Leadsänger Mark Smit machten den Gig zu einer gelungenen Sache. Die bereits angereisten Festival-Besucher zollten Respekt und waren weitestgehend begeistert. Auf diese Formation kann man setzen, und wenn es ihnen gelingt, im Studio einen würdigen Nachfolger einzuspielen, dann ist ohne Zweifel noch viel zu erwarten. KNIGHT AREA haben es in sich!

Knight Area

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Gazpacho

Für manche eine echte Überraschung, für andere langweilig. Das ist das Fazit, welches man aus dem Gastspiel der Norweger GAZPACHO ziehen muss.
Es kommt nicht von ungefähr, dass MARILLION diese Band auf ihrem hauseigenen Label unter Vertrag genommen hat. Die Begründung hierfür: Jan Henrik Ohme muss bei Steve Hogarth in die Schule gegangen sein. Er nölt genauso vor sich hin. Man darf jedoch nicht verschweigen, dass es eine ganze Summe an Prog-Fans gibt, die genau das mögen. Wer also auf neue MARILLION steht, der kann mit GAZPACHO nichts falsch machen. Man hat nach dem Gig den Eindruck, als wenn die Band einen einzigen langen Track gespielt hat, null Abwechslung, aber es scheint zu gefallen. Jedenfalls sind die Reaktionen der angereisten Fans nicht anders zu deuten.
Mal sehen, was aus GAZPACHO noch zukünftig wird. Der Groove stimmte, und von daher haben sie gegenüber MARILLION derzeit die Nase vorn.

Gazpacho

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Quidam

Die Polen nannten sich ehemals DEEP RIVER und gründeten sich 1991. QUIDAM bieten die Eigenart, dass sich in ihrer Musik neben zahlreichen progressiven Anteilen auch eine Menge an Blues findet. Harte und straighte Gitarrenriffs ergänzen ihre Kompositionen. Sie glänzen mit einem fulminanten Gitarristen Maciek Meller und eine besondere Würze gibt es durch die eingebauten Flöten, ohne dabei einen folkigen Anstrich zu bekommen. Im Mittelpunkt der Setlist standen die beiden letzten Studio-Alben "surREvival" und "Alone Together". Darüber hinaus scheuten sich die Polen auch nicht, den DOORS-Klassiker Riders On The Storm zu covern.
Es dauerte ein wenig, bis sich das Publikum in die Musik von QUIDAM eingehört hatte, doch von Song zu Song und mit fortschreitender Konzertdauer wurde der Auftritt von QUIDAM zu einem echten Highlight.

Quidam

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Neal Morse

Es folgte der beste Auftritt der 3. Night Of The Prog. Neal Morse mit seiner jungen aber überragenden Band betrat die Bühne. Der inzwischen 47-jährige Multiinstrumentalist (Ex-SPOCK'S BEARD, TRANSATLANTIC) wusste auf ganzer Linie zu überzeugen. Morse genießt Anerkennung und hat neben seinem ausgeprägten Glauben an das Christentum einen enormen Output. Man kommt ja aus dem Kaufen kaum heraus, will man alles besitzen. Zudem ist der Mann extrem sympathisch.
Für die Umsetzung seiner Live-Ambitionen erlaubt sich Neal Morse den Luxus, sowohl in den Staaten als auch in Europa jeweils eine eigene Band mit sich zu führen. Die europäische Begleitformation, die auf der Loreley zu sehen war, bedarf der Erwähnung. Es sind Ausnahmekünstler, ohne Frage. Paul Bielatowicz, ein überragender und filigraner Gitarrist, der nicht ohne Grund zudem noch in der Carl Palmer-Band (Ex-ELP) engagiert ist, Colin Leijenaar, der sich kaum noch etwas von Mike Portnoy (DREAM THEATER) abschauen kann, Wilco van Esschoten, ein schneller, grooviger Bassist, um nur drei Musiker exemplarisch zu nennen.
Neal Morse & Band boten einen Querschnitt aus der langen Karriere, insbesondere aus den letzten Alben "One", "?" und "Sola Scriptura", auf dem er Martin Luther huldigt.
An sich befindet sich Morse derzeit auf seiner Worship-Tour, machte jedoch für einen einzigen Gig in 2008 in Deutschland auf der Loreley halt. Er rockt, er zaubert und hat das Festivalrund von Beginn bis zum Ende vollends im Griff. Er wird gefeiert, das Publikum saugt die Energie von der Bühne in sich auf. Es knallt an allen Ecken, und als dann auch noch der Sohnemann die Bühne betritt und gemeinsam mit dem Vater ein gesangliches Duett einläutet, ist es auch gefühlstechnisch bei jedem angekommen. Neal Morse beherrscht alle Facetten des Prog und des Rock und machte somit seinen Auftritt zu einem Erlebnis, der alleine sein Geld wert war. Die Zugabe King Jesus, welches ansonsten nur auf der "One"-Bonus-CD zu hören war, mit dem implementierten U2-Klassiker Pride - In The Name Of Love, entfacht ihr Übriges. Ein großartiger und denkwürdiger Auftritt!

Neal Morse

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Ray Wilson And Stiltskin

Und eben weil Neal Morse so abräumen konnte, war der Ex-GENESIS Ray Wilson mit STILTSKIN der zweite Act des Festivals, der vollkommen falsch platziert wurde. Ohne jede Chance konnte der 40-jährige Schotte nicht richtig Fuß fassen. Das gebotene Material war sicherlich nicht schlecht, aber dennoch stand das Publikum noch unter dem Einfluss von Morse, als Wilson mit zwei lockeren und straighten Nummern sein Set begann. Und dann musste man auch feststellen, dass Ray Wilson an diesem Tag sicherlich der nette, aber leider nicht saubere junge Mann von nebenan ist. Es ist schon furchtbar, wenn ein Rockmusiker mit offenen Gesundheitslatschen und schmierigen Haaren die Bühne betritt, aber insgesamt machte Wilson leider eher den ungepflegten Eindruck, der immerhin so peinlich war, dass er hier im Home of Rock Erwähnung finden muss.
Innerhalb seines Sets kamen die Keyboards vom Band, seinen mit ihm zerstrittenen Bruder wird Ray Wilson vielleicht nicht mehr ersetzen. Innerhalb der Live-Darbietung war auch dies ein klares Manko.
Nach nur 45 Minuten wurde der Gig beendet, Wilson war augenscheinlich nicht zufrieden, aber noch mal: Er hatte nach Neal Morse keine Chance!

Ray Wilson And Stiltskin

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Ray Wilson im Home Of Rock

Roger Hodgson

Schließlich betrat der angekündigte Headliner des Festivals die Bühne. Der Superman - sorry, SUPERTRAMP. Der hat natürlich mit Prog genauso viel, wenn nicht weniger, am Hut wie BARCLAY JAMES HARVEST. Aber Roger Hodgson hat Fans ohne Ende. Da wird die Bühne plötzlich eigens mit Blumen bestückt, ein riesiger Flügel ziert das Open-Air-Wohnzimmer und los geht es.
Abgebrüht, aber mit viel Charme, eröffnet die Stimme der Rock-Ikonen sein Set. Hodgson lässt sich nur noch von einem einzigen Musiker begleiten. Es ist der Kanadier Aaron McDonald, der mit Saxofon und Flöten den Partner mimt. Kein Schlagzeug, kein Bass, nur der Flügel, ein Keyboard und die zwölfsaitige Gitarre. Dass das allerdings vollkommen ausreicht, beweist der Altmeister von der ersten Minute seines Konzertes an. Hodgson ist gut bei Stimme, er klingt wie in guten und starken Zeiten. Er ist ebenfalls ein Entertainer, sympathisch und adrett, und für seine fast 60 Jahre macht der Mann keinen müden Eindruck. Der Künstler gab bekannt, dass jeder Song einen wichtigen Meilenstein in seinem Leben darstellt. Er hat die größten Hits von SUPERTRAMP geschrieben und 1969 zusammen mit Rick Davies die Band gegründet. Und so spielte er an diesem Abend vieles, aber eben nicht alles, aus der großen musikalischen Karriere. Take The Long Way Home, Give A Little Bit, Hide Your Shell vom "Crime Of The Century"-Album, Lovers In The Wind vom Solo-Album "In The Eye Of The Storm" und Breakfast In America, dem Traum von schönen Mädchen an den Stränden von Kalifornien.
Der Auftritt von Hodgson ist ein Wechsel zwischen den Instrumenten. Es folgt der Logical Song, und als es unentwegt regnet, fordern die Besucher des Festivals It's Raining Again. Der Gig schließt nach ca. 85 Minuten mit Dreamer, man konnte es kaum glauben, dass die Zeit so schnell verging. Als Encore gab es ein atemberaubendes School und ein zweites Mal Give A Little Bit, dann war das Ende der 3. Night Of The Prog besiegelt.

Roger Hodgson

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Roger Hodgson im Home Of Rock

Im Spätherbst wird sich entscheiden, wie es mit dem Festival im nächsten Jahr weitergeht. Uns fallen noch eine Menge an Acts ein, die sich auf der Loreley ein Stelldichein geben könnten, doch es wird schwer, so ein Line-up zu toppen. Perfekt organisiert, haben all diejenigen, die vielleicht auf Grund der miserablen Wetterprognosen zu Hause geblieben sind, ein Spektakel verpasst.
Wir danken Winfried Völklein von WiV Entertainment für die Unterstützung.

Ralf 'Jogi' Ruhenstroth, (Impressum, Artikelliste), 25.07.2008

Martin Peter, (Artikelliste), 25.07.2008

Fotos: Dieter Ober, (Artikelliste), 18.-20.07.2008

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