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Festival-Bericht:
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Sonntag: Ruhetag Ralf: Nach dem abgesoffenen Samstag war für einige von uns schluss mit Lustig. Jörg fiel mit Zehenbruch aus, für Metalharry gabs zu wenig Metal und für mich war der Grottensound ausschlaggebend, den Sonntag zu canceln. Filigrantechniker, Virtuosen und Ausnahmekomponisten wie z.B. G3 oder YES wollte ich mir so nicht antun. Einzig wegen HEART tut es mir leid, die hätte ich wirklich gerne gesehen, zumal die neue CD "Jupiters Darling" recht vielversprechend ist.
Jürgen: Nächster Tag, Sonntag im Kalender. Die Sonne hatte sich durchgesetzt und ich hatte wieder die falschen Plörren an. Lederjacke war nicht unbedingt von Nöten, aber egal, die legt man sich dann untern Kopf und zieht die Kappe über den selben, um unter freiem Himmel liegend IRON BUTTERFLY zuzuhören. Das Sehen kann man sich im Grunde sparen, da es nicht so seeeehr viel Sehenswertes gibt. Die Geschehnisse on Stage würde ich nicht unter Augenweide verbuchen, eher hat's den Effekt von reichlich Valium. Nun ja, das Publikum hatte gegenüber dem Vortag auch eine etwas andere Note, die Metal-Maniacs wurden zahlenmäßig von den Hippies eingeholt. Und die mögen's ja nicht so heftig... oder? Wie dem auch sei, so inner Sonne dösend kann man IRON BUTTERFLY als Hintergrundmusik durchaus ertragen, und In-A-Gadda-Da-Vida gabs zuletzt ja außerdem noch. Das ich es mir etwas druckvoller gewünscht hätte versteht sich bei den vorherigen Worten, oder? Aber, was soll's, nettes Happening alle Male und für die korrekte Dröhnung sorgt SLAYER's Version auf der heimischen Stereoanlage.
Ich gebe zu, bei HEART hat mir in der Vergangenheit nicht nur die Musik gefallen. Für meinereiner war (und bleibt es) Nancy Wilson immer die Rocklady No. 1, und dieses kann nicht nur am Aussehen gelegen haben. Live wars stets eine überzeugende Darstellung, auch wenn ich die Videos von 1985-90 teilweise etwas überzogen fand. Bühnenmäßig blieb es doch stets rockiger, und da Schnarchnase Howard Leese nicht mehr mit dabei ist, war ich doch sehr gespannt. Hey, nicht unfair sein, Schwester Ann ist nun mal ein anderer Typ, und wir gehen ja nicht nur nach der Optik. Die Frau verfügt über ein Organ, da kann man nur staunen. Jeder Ton saß, die Dame hat's immer noch drauf. Und vom Hochglanz der o.a. Phase war eh nix mehr vorhanden. Alone entpuppte sich als ein wahrer Ohrenschmaus, und auch das von Schwester Nancy vorgetragene These Dreams hatte durch das veränderte Arrangement an Format gewonnen. Akustische Gitarre oder Mandoline statt fetten Keyboards oder überproduzierten Gitarren, die abgespeckten Versionen hatten deutlich hörbar Veränderungen zum Positiven erfahren. HEART sind 2004 nicht mehr mit denen zu "Brigade"-Zeiten vergleichbar. Außer den Wilsons sind es ausnahmslos neue Gesichter, von denen vielleicht Michael Inez (ex-Alice In Chains, ex-Ozzy) dem einen oder anderen noch ein Begriff ist. Teilweise klingt es folkiger, dann wiederum erstaunlich heftig. Die Songs aus ihrem neuen Album "Jupiter's Darling" überraschten dann auch dementsprechend. Einerseits Halbakustisches, das ein wenig in die Singer/Songwriterecke geht, andererseits mächtig rockend mit etlichen Ecken und Kanten. Also keineswegs ein lauwarmer Aufguss, sondern ein weiterer Schritt in ihrer Karriere. Even It Up hätte noch etwas mehr Pfeffer vertragen können, aber das sie's noch können bewiesen Magic Man oder das immer wieder dankend angenommene Barracuda. Weitere Höhepunkte sicherlich Crazy On You und die Zugabe Black Dog. Die Geschwister Wilson präsentierten sich überraschend stark und ernteten nicht umsonst massig Beifall. Die Band zählte sicherlich zu den Gewinnern des Festivals und meinereiner ist schwer neugierig auf das neue Album.
Überraschend im vergangenen Jahr nicht auf dem ARROW ROCK FESTIVAL vertreten, hatte man den Lokalmatadoren GOLDEN EARRING im zweiten Anlauf 75 Minuten Spieldauer zugebilligt. Die Band zählte sicherlich zu den angesagtesten Acts, wenn man sich mal so umschaute. Würden Barry Hay, George Kooymans, Rinus Gerritsen und Cesar Zuiderwijk in Deutschland proportional so viele Shows wie in den Niederlanden spielen, wären es wohl an die 250 jährlich. Leider machen sie sich in unseren Breitengraden eher rar, und so muss man schon nach Nederland fahren um diese nach wie vor in Originalbesetzung aktive Band live erleben zu dürfen. GOLDEN EARRING legten auch gleich los wie die Feuerwehr, mit dem Publikum auf ihrer Seite. Warum sie allerdings von ihrem starken letztjährigem Album "Millbrook U.S.A." das düstere Kingfisher spielten, anstatt dem flotten Albino Moon (Radio Arrow Hörer sind wohl schon x-mal drüber gestolpert) blieb mir schleierhaft und warum man unbedingt ein eher langweiliges Basssolo zur Einleitung von Radar Love einbaut oder ein auch nicht weltbewegendes Drumsolo vorführt, wollte mir auch nicht so recht einleuchten. Zudem wurde für mein Verständnis ein bisschen viel gesampelt. GOLDEN EARRING pur ist mir entschieden lieber, wenn ich nur an die hervorragenden Unplugged-Aufnahmen denke. Damit jetzt nicht der Eindruck entsteht, das sei Käse gewesen, die Band legte einen alles in Allem guten Auftritt hin. Back Home mit Barry Hay an der Querflöte, aber leider kein Buddy Joe. Dafür durften die Hits Twilight Zone und When The Lady Smiles nicht fehlen, und auch das schleppende Heartbeat ist nach wie vor ein livehaftiges Highlight. Zur Einleitung von Long Blond Animal fragte Barry Hay, ob denn auch jemand aus Deutschland anwesend sei, aber die Resonanz war eher gering. GOLDEN EARRING sind sicherlich "Holland's finest", die Resonanzen sprachen für sich.
QUEENSRYCHE waren einmal die kommenden Superstars, in Zeiten als dieses Wort noch eine andere Bedeutung hatte. Heute wirken sie konzeptlos und scheinen den Abgang Chris De Garmo's nicht verwinden zu können. Live kam das besonders zum Tragen, denn sein Ersatz (Mike Stone? - sah aus wie Kerry King...) wirkte deplaziert wie auch die Backgroundsängerin. Geoff Tate schien reichlich schwach auf der Brust, ob dafür...? Die konfusen Interviews der Vergangenheit (wieder härter, Metal nein danke etc.) und die gesamte aufgesetzt wirkende Präsentation wirkten abgehalftert. Das "Mindcrime"-Album wurde bis zu meiner Abwanderung komplett dargeboten, aber kein Vergleich mehr zur legendären "Empire"-Tour. Ich frage mich, was QUEENSRYCHE eigentlich beabsichtigen, nur noch mal die alten Rosinen veredeln oder endlich mal mit 'was überzeugendem Neuen aus dem Quark kommen?
![]() Im Zelt spielte derweil Joe Satriani in einer schweinischen Lautstärke, wohl auch um QUEENSRYCHE zu überdröhnen. Nur... es war auch schweinisch gut! Boah ey, der kann Gitarre spielen. Ich war nicht der einzige Staunende, und der Applaus war dementsprechend mächtig. Das ist nicht nur Gedudel, sondern es handelt sich um "richtige" Songs mit anständig Schmackes. Hört Euch mal War vom Album "The Extremist" an, aber mit Lautstärke 10! Das Material verfügt nicht nur über satte Power, es hat auch den Groove!! Das hätte noch lange so weiter gehen dürfen, aber es stand ja noch die Jam mit Steve Vai und Robert Fripp an. Wo Steve Vai dudelt spielt Joe Satriani, und Herr Fripp.... ward nicht gesehen. Hä? Nun ja, der muss inner Ecke gestanden habe, allerdings in der hintersten. Meine Frau war während seines Auftritts im Zelt und wunderte sich über die "komische" Musik und die leere Bühne. Anwesende meinten, das wäre bereits sein Konzert. Nun ja, vielleicht ist der Mann schüchtern oder aber völlig stoned oder.... egal, die G3 sollte man sich auf jeden Fall bei Gelegenheit konzertant antun, auch wenn man nur zwei von ihnen sieht. Das ARROW ROCK FESTIVAL 2004 hat wieder bewiesen, dass ein großes Publikum für diese Art von Musik vorhanden ist. Man muss es nur hinterm Ofen hervorlocken. Ich werde nach Möglichkeit 2005 wieder dort anzutreffen sein, meine Frau auch. Weil alleine ist manchmal doch nicht so schön... Ralf: Hatte es fast nicht anders erwartet. Schade, dass der Kollege bereits wie am Vortag noch vor dem Headliner des Tages den Abflug gemacht hat, denn zu YES hätte ich gerne noch den ein oder anderen Eindruck gewonnen. Aber wer im Glashaus sitzt (sprich gemütlich auf der Couch liegt) soll nicht mit Steinen schmeißen. Special thanx an Janis van Lokven und Maaike Peys (Mojo Concerts) sowie Louis Rentrop (Classic Rock Productions Nederland) und Christophe Dassy (The French Metallian)!
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