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Konzertbericht:

Eric Sardinas And Big Motor

München, Metropolis, 03.04.2008

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München, Metropolis, 03.04.2008

Eric Sardinas hat den leisen Ton gefunden! Und das, ohne auch nur eine Handbreit von seinem Konzept - Solo-Solo-Solo - abzuweichen, er spielt seine Soli nun eben mal leiser und dann erst wieder lauter. Das ist die gute Nachricht (auch wenn wir sie ganz ähnlich schon vor fünf Jahren verkündet hatten). Die schlechte ist, dass dieses Konzept wenigstens in München nicht (mehr?) tragfähig ist.
Es könnte zwei Gründe geben, warum sich nur gut 150 Leute im hiesigen Metropolis verliefen, erstens die grundsätzliche Ignoranz der überfütterten Bajuwarenhauptstadtkundschaft und das langsame Aussterben der verbliebenen Zielgruppe, oder, und es scheint die wahrscheinlichere Variante, das größere Publikum hat schlicht die Schnauze voll von 2 ¼ Stunden (ego) manischer Gitarrenhudelei. Dabei hatten wir doch erst vor Tagen das neue Album "Eric Sardinas And Big Motor" noch so für seine tollen Songs und die vielen großen Momente gelobt.

Sagenhafte sechs (6) Songs in der ersten Konzertstunde! Und damit weiß der Kenner, was passiert ist. Die Band BIG MOTOR ist auf der Bühne nur Staffage, mehr oder weniger notwendiges Übel für den Dobro-Hexer mit der übergroßen persönlichen Präsenz. Dabei ist der Bassist Levell Price ein V8-Triebwerk mit enormer Zündfolge, gewaltig druckvoll und viel mehr als ein Mitspieler. Nur: Wenn gut die Hälfte der Zeit ausschließlich der Hauptdarsteller Monologe auf seinem Arbeitsgerät führt, bleibt jede Songdienlichkeit auf der Strecke. Das hört sich dann etwa so an: Intro, Solo, Band-Scharmützel, Solo, Solo, Scharmützel, Outro. Und weil nicht besonders viel Zeit für BIG MOTOR ist, lässt sich Drummer Patrick Cacchia auch noch von der fliegenden Hektik des Chefs anstecken und prügelt sich die Seele aus dem Leib. Technisch natürlich perfekt, aber letztlich tödlich für den verbliebenen Rest von Soul im Sound. Wundert sich jemand, dass nur Freunde selbstverliebter Gitarrenmonster nach so einem Konzerteinstieg euphorisch jubeln? Der Eindruck entsteht, dass Sardinas immer mehr von seinem Mentor und Labelboss Steve Vai geprägt ist. Noch ein Widerspruch zur aktuellen CD.
Erst mit Robert Johnson bzw. einem Song von ihm kehrt etwas Ruhe ein, Sardinas brilliert authentisch und ohne wild zu solieren, lässt dem Lied Überlebenschancen und beendet es nach genau richtigen drei Minuten. Ähnliches gilt für As The Crow Flies, bei dem er nicht vergisst Rory Gallagher zu erwähnen, und einige andere Nummern im zweiten Abschnitt. Endlich werden die Möglichkeiten einer echten Band immerhin ansatzweise aufgezeigt - allerdings auch gleich wieder von vollkommen überflüssigen Schlagzeug- und Bass-Soli unterminiert.

Eric Sardinas ist ein Held an seiner Resonatorgitarre, er sieht nach wie vor großartig aus, agiert und singt wie der Leibhaftige, kann der Frauen Höschen nass und der Männer Gesicht lang machen und ist nach dem Konzert am Merchandisestand der supernette Kerl zum Anfassen, aber dass nach fünf Jahren Pause und einem großartigen neuen Album live überhaupt keine Weiterentwicklung erfolgt, sogar im Gegenteil eine Steigerung des früheren Solistenanteils zu melden ist, macht die Sache bedenklich und das Konzert zu einer gelinden Enttäuschung. Man sehnt sich nach den Keyboards und den Sängerinnen und der Burning Love der CD.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 04.04.2008

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