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Fotos: Adelina Schmidtlein
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Joshua Grange
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| München, Glockenbachwerkstatt, 10.05.2003 |
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Mitte Mai in München. Wir sind bekanntlich fast in Italien und können schon einige Wochen im Biergarten sitzen. Die dunklen sechs, sieben Wintermonate sind beinahe vergessen und sogar auf meinen Armen weicht die vornehme Blässe langsam der ersten Bräune. Morgens singen wieder die Vögel auf dem Balkon vor meinem Arbeitszimmer und abends kann man am offenen Fenster schreiben, trinken und die Nachbarschaft beschallen.
Mir steht natürlich der Sinn nach Good-Time-Music rund um die Uhr, oder wie es der Herr Kurt (Ostbahn, für Ortsfremde) vor einigen Jahren gesagt hat:
I foa o auf 57er Chevy
I foa o auf laute Gitarrn
Alternativ käme noch in Frage: Smokin' dope & watchin' TV. Aber Gottschalk kann man nicht mal stoned ertragen.
Vor ein paar Tagen kam mir die CD "Country For True Lovers" von Eleni Mandell ins Haus. Ich habe sie natürlich angehört. Alternative Country von irgendwo aus der Prärie ist normalerweise nicht mein Fall. Schon gar nicht, wenn so gut wie keine Stromgitarren mit griffigen Riffs vertreten sind. Und trotzdem, die CD lief vier-, sieben-, zehnmal und ich war irgendwie fasziniert. Von was? Keine Ahnung. Vielleicht die Stimme? Die Stimmung? Eleni Mandell, die schön aber spröde ist?
Heute spielt Eleni Mandell in München und über dem Hören der CD ist der frühe Sommer vergangen. Es regnet. Diesen nass machenden, vor sich hin rieselnden Schnürlregen, wie es ihn nur in unseren südlichen Breiten gibt. Aber es ist nicht kalt und die Bäume brauchen den Regen.
Die Glockenbachwerkstatt in der Münchner Innenstadt hat den Charme einer DGB-Jugendbegegnungsstätte von 1979. Ich suche automatisch nach den "Stoppt Strauß"-Aufklebern und überlege, wo ich denn meine Wehrdienstverweigererbescheinigung habe. Vielleicht wird man danach gefragt bevor man ein Bier bekommt? Nein, tut niemand und eigentlich ist es ja nett hier. Auch wenn der Konzertsaal klein und ungewöhnlich ist.
Es ist gut voll im Club und ein kleines Persönchen im Jeansrock, mit Handtasche und albern kleiner Gitarre, stellt sich auf die Bühne und plötzlich ist grade noch Platz für die drei anderen aus der Band. Nicht körperlich. Etwas anderes füllt die Bühne. Hi sagt sie und schaut auf ihre Gitarre und fängt an.
Wie soll man ein Konzert von Eleni Mandell beschreiben? Musikalisch ist es nicht schwer. Eine Singer/Songwriterin mit ihren kleinen Geschichten zwischen Desert, Country, Rock, Hank Williams, Rich Hopkins, Bob Dylan und Tom Waits.
Aber da ist noch etwas anderes. Die simpel gestrickten Songs werden aufgerissen, nein, untermalt durch die Pedal Steel von Joshua Grange, Schlagzeug und Bass poltern stoisch vor sich hin und Eleni singt zwischen tolle Sängerin und hysterische Kindergärtnerin. Sie rollt mit den Augen, wackelt mit den Hüften und macht Schmollmund und es sieht nicht die Bohne erotisch aus - oder doch? Sie steht gelangweilt da, zupft an ihrer Gitarre, macht unwillig Ansagen und plötzlich hat man Lust auf die Frau. Oder will man mit ihr streiten?
Was ist sie? Schlecht bezahlte Kellnerin? Zicke? Diva? Eine Frau mit einer Message?
Die Songs der aktuellen CD klingen live anders. Immer noch Country, aber epischer, rockiger. Zum Verständnis: Country darf man hier auf keinen Fall mit den Nashville-Chart-Mäusen assoziieren. Wir reden von Country in der Version der alten Storyteller, von Geschichten über kleine und große Beziehungen, vom Leben eben. Eleni erklärt auch, dass eigentlich jeder Country Musik liebt, nur wissen es die meisten Leute nicht. Das mag richtig sein, allerdings ist diese Musik keinesfalls etwas für Leute wie unseren Redaktions-Cowboy Daniel. Zu sperrig und schräg kommt der gesamte Vortrag.
Ich würde dieses Konzert eigentlich gerne sitzend genießen. Zuschauen wie Joshua seine Pedal Steel bedient und Eleni singt und Gitarre spielt.
Der Auftritt hat einen ganz besonderen Reiz. Das kleine Mädchen mutiert zur keifenden Matrone zur Elfe zum College Girl zum Vamp zum alles beherrschenden Bühnentier. Trotz größtenteils düsterer Roots-Musik ohne spürbarer Flexibilität. Seltsam das alles. Plötzlich ertappe ich mich, zu untanzbaren Stücken mit dem Fuß zu wippen. Na ja, bin ja auch ein Boogieman und höre immer den Rock & Roll, auch wenn er gar nicht da ist. Oder IST das Rock & Roll?
Spannendes Konzert! Unnötig zu sagen, dass es hinterher noch zwei Tage geregnet hat.
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