HoR Logo kl

Konzertbericht:

Logo East Blues Experience

München, Hide-Out, 09.04.2003

Logo Home-of-Rock
Startseite > Konzertberichte > East Blues Experience > München, Hide-Out, 09.04.2003

Fotos: Adelina Schmidtlein

Der Klick auf ein Bildchen zeigt es in voller Größe in einem neuen Browserfenster.

East Blues Experience
East Blues Experience
München, Hide-Out, 09.04.2003

East Blues Experience Hatte ich vor ein paar Tagen noch über zuviel Sauberkeit im Blues von John Mayall genörgelt, haben wir jetzt den lebenden Gegensatz gesehen. Der Dreck hat einen Namen und kommt (natürlich?) aus dem Osten. Die vier Männer aus Berlin haben den Mauerstaub noch unter den Nägeln und die Trabi-Abgase haben sich eindeutig auf die Stimmbänder gelegt. Oder ist es Schmieröl und Gummi von den Bikes, die die Jungs mit Sicherheit fahren?
Schade nur, dass man als Band aus Berlin in München die Wurst nicht vom Teller zieht. Grade mal gut 30 Nasen - davon sicher die Hälfte Exil-Ossis - bemühten sich ins Hide-Out Untergeschoss. Die anderen haben leider Gottes einen ganz geilen Rock-Abend verpasst

East Blues Experience Seit irgendwas 10 Jahren rockt die EAST BLUES EXPERIENCE schon, aber in Bayern kennt sie kein Mensch. Dumm das, denn wenn die loslegen, bleibt kein Auge trocken. Klassische Besetzung, zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug, dazu schwere Tattoos und Boots. Mucho Macho natürlich und perfekt geeignet für jeden Biker. Ich fahre ja nur U-Bahn, hatte aber trotzdem jede Menge Spaß.
Die Experience macht einen Fehler nicht: Zwei Stunden ununterbrochen zwölf Takte zu klopfen. Das hat zur Folge, dass man einen abwechslungsreichen Konzertabend erlebt und sich nicht nach 20 Minuten gelangweilt nach der Bedienung umdreht um zu zahlen. Man bestellt ein neues Bier.

Rock & Roll, Boogie, der eine und andere Shuffle, Country Blues, Swamp Sounds, zwei Balladen, kräftigster Texas Rock. Kein Wunsch bleibt offen. Aus ihrer Bewunderung für Stevie Ray Vaughan machen sie keinen Hehl und bringen Cold Shot in einer Version, die mir besser gefällt als das Original. Einmal kriegen sie direkt den lockeren Country Blues von THE BAND hin, ein andermal sitzt Sonny Landreth zusammen mit Ry Cooder und Willy DeVille auf der Veranda unter der Bougainvillea und zwischendurch schauen zwei langbärtige Herren aus Texas hinter den Marshalls hervor.
Dabei besteht der größte Teil des Programms aus eigenen Kompositionen und bei denen merkt man, dass die Herren eben richtige Rocker sind. Keine halben Sachen und nette Geschichten erzählen die Songs noch dazu.

East Blues Experience - Peter Wie so oft fällt auch, dass Musiker aus dem Osten handwerklich perfekt sind. Gelernt ist eben gelernt. Zumindest Sänger und Leadgitarrist Peter ist alt genug für eine veritable DDR-Karriere (die er auch hatte - inklusive Auftrittsverbot). Bei der Experience kommt zum Handwerk noch die Seele. Da lebt der Bluesrock.
Viele zweistimmigen Gitarren, massiv Power von hinten, astreiner Gesang und deutlich mehr Dampf vom Bass als beispielsweise bei John Mayall's Stehbasser neulich. In Verbindung mit dem abwechslungsreichen Songmaterial wirklich eine Ohrenweide.
Ob sie auch eine Augenweide sind, muss der geneigte Hörer natürlich selbst entscheiden. Eine Kapelle mit diesem Outfit ist der natürliche Feind aller Daniel Küblböcks dieser Welt und die Fachberater der Arroganz Versicherung werden sich auch eher nicht in diese Abgründe begeben. Es war schon immer meine Rede: Kurze Haare, kurzer Verstand!

Im reichlich unübersichtlichen Bluesrock-Dschungel, mit massenhaft Durchschnittsware, ist die East Blues Experience ein echter Lichtblick.
Tipp an die Wessis: Hingehen!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 12.04.2003

Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 09.04.2003

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:
Startseite > Konzertberichte > East Blues Experience > München, Hide-Out, 09.04.2003

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum