HoR Logo kl Long Road Out Of Eden-Tour:

Eagles

Mannheim, SAP-Arena, 20.06.2009

Logo Home-of-Rock
Startseite > Konzertberichte > Eagles > Mannheim, SAP-Arena, 20.06.2009

Link Homepage:
Offizielle Eagles Homepage
Link Homepage:
Eagles @ MySpace.com
Link Kaufen:
www.amazon.de
Mehr Info:
All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer
Mannheim, SAP-Arena, 20.06.2009

Meine Frau ist kein EAGLES Fan und Hotel California kann sie gar nicht leiden ("So ein Gejaule!"). Trotzdem konnte ich sie unter Einsatz massiver finanzieller Mittel (ja, ich meine die Karte!) überreden, das Konzert zusammen mit mir (und wie sich herausstellte Uwe Ochsenknecht und Frank Farian, falls man die kennt) durch ihre Anwesenheit zu verschönern. Nach dem intensiven Einsatz audiophiler Materialien waren auch die Kenntnisse des musikalischen Portfolios der Band auf den neuesten Stand gebracht, und somit die Gefahr der postkonzertanten Beziehungskrise gebannt ("Das kannte ich ja alles nicht!"), und auf ging's. Reihe 6, Block 102 - das war die fünfte Reihe direkt vor der Bühne (frag nicht!), und pünktlich um 20:00 Uhr (ct) ertönte How Long, geboten von vier Herren in schwarzen Anzügen, weißen Hemden und schwarzen Krawatten, und einer Schar von Mitmusikern in ebensolcher Kleidung - allerdings mit schwarzen Hemden - der kleine, feine Unterschied.
Die Akustik der Halle war - zumindest von meinem Platz aus - sehr gut, die Klimaanlage kam stellenweise sogar mit Frischluft nach, die Würstchen waren schön fettig, die Cola leicht zu bekommen und kalt. Parkplatz (P2) auch ok, also kann man da jederzeit wieder hinfahren.

Der Abend stand unter dem Motto 'Die Wiederentdeckung des Joe Walsh als Rockgitarrist unter Mithilfe von Steuart Smith an der zweiten Sologitarre und der Musikgruppe The Eagles'. Andere meinten, es wäre eher 'Die Entdeckung der Gruppe The Eagles als Rockband unter der Mithilfe des Duos Walsh/Smith', und der Dekan der Rockmusikalischen Universität Oberpfalz wird eines der beiden Themen dann entsprechend genehmigen.
How Long war der Auftakt zu einem sage und schreibe drei (!) Stunden langen Konzert, mit Pause war die Verweildauer noch 20 Minuten länger. Es gab einen absolut wunderbaren Mix aus alten Countryrock Songs und den Tracks von "Long Road", gemischt mit Henley-Solo-Songs (Dirty Laundry) und - jawohl! - Joe Walsh Solo-Songs. Ich bin ja fast ohnmächtig umgefallen, als plötzlich das Intro-Riff meines Lieblingssongs Walk Away ertönte, um kurze Zeit später mit dem weiteren Frühwerk Funk No 49 komplementiert zu werden (abgesehen von Life's Been Good, der Song ist ja eh immer dabei). Bei den Walsh-Songs - aber beileibe nicht nur da - rockte die Band die Halle als wären sie alle um die 20. Walsh ist nach seinen Alkoholproblemen wieder voll da, und wenn er loslegt, zeigt er, dass er nicht umsonst zu den großen Gitarristen der USA gezählt wird. Roh und eckig sein Spiel, wunderbar im Kontrast zu Smiths Spiel, der elegant und flüssig keine wehmütigen Erinnerungen an Don Felder aufkommen ließ.

Wurden die ersten Songs noch zelebriert, waren es doch zumeist die vielstimmigen alten Hits, die Konzentration bei der Darbietung verlangen, ging es bei den Rocksongs zur Sache, und spätestens nach etwa einer Stunde war auch dem Letzten klar, dass hier nicht eine gelangweilte Altherrenband von Rocksuperstars vorbeigekommen war, sondern dass hier eine Band zeigen wollte, dass noch mit ihr zu rechnen ist und (!) dass die Herren Spaß an ihrem Tun auf der Bühne haben.
Highlights? Es gab keine Highlights - das war ein Abend voller Highlights. Schön, das Hotel war etwas zu einer Zweisterne-Bruchbude verkommen (obwohl das Duell zwischen Joe 'Raw' Walsh und Steuart 'Posh' Smith schon sehr nett anzuhören war) und man merkte den Jungs an, dass sie das nicht mehr gerne spielen. Ruckzuck und durch (PS: Ein Blick zur Seite zeigte mir, dass meine Frau den Song mitsang! Der Abend war gerettet!). Don Henley hat stimmlich mittlerweile Probleme mit der etwas hohen Tonlage des Songs und ab und zu krächzte er mehr als das er sang. Auch konnte man nicht umhin, das Bassspiel von Schmit zu suchen. Anstatt präziser Töne hörte man zumeist eher ein undifferenziertes Gewummer - schlecht ausgesteuert. Und wenn dann alle Jungs volle Lotte dabei waren - Bläser, fünf Gitarren, drei Keyboards, vier Blechbläser - wurde es schon mal undifferenziert und die Gitarren stachen deutlichst heraus, aber, hey, this is rock music, it ain't a chamber orchestra!
Der Killersong des Abends war Long Road Out Of Eden, mit einem tollen Video auf der Leinwand und präziser, doch rockiger Show. Die Rocksongs von "Long Run" kamen als solche knackig rüber und die Harmonien bei Lyin' Eyes, Take It Easy und all den anderen älteren Songs kamen auf den Punkt und ebenfalls unglaublich präzise. Einzig Walks In The Woods zeigte, wie viel Arbeit in die Produktion dieses Tracks im Studio geflossen sein muss - er kam sauber und präzise, doch die feine Abstimmung der CD konnte nicht ganz erreicht werden. Trotzdem ebenfalls ein Fest.

Was soll ich sagen? Ohne Probleme ist das eins der besten, wenn nicht DAS beste Konzert meines Lebens gewesen, und am Ende merkte man den Jungs auch an, dass sie ganze Arbeit geleistet und sich entsprechend verausgabt haben. Nur Joe Walsh, der manchmal stoisch wie ein Fels und ohne eine Mine zu verziehen agierte, aber dann, wenn er seine Solos abschoss und seine eigenen Songs präsentierte, Faxen machte und den alten Joe Walsh rauskehrte, war schon etwas merkwürdig. Wie heißt es doch so schön: You are never alone with a Schizophrenic.
Und Steuart Smith (wird so laut Programm geschrieben, und in einem EAGLES-Programm gibt es keine Fehler!) hat die EAGLES wirklich bereichert. Klasse Gitarrist, das.

Die DoCD "New Zealand Concert" deutet an, wie das gestern Abend war. Mein Nachbar legte mir sehr die DVD "Live From Melbourne" ans Herz. Mal sehen.
Wenn man in oder um Hamburg wohnt - letzte Station der Tour in Deutschland am 16.07.2009: unbedingt hingehen!
Meine Frau ist ein EAGLES Fan und findet Hotel California - in der Version - klasse! Ich wollte mir natürlich kein Merchandising kaufen, ich bin Journalist und lasse mich nicht so vereinnahmen. Kritischer Abstand zu den Dingen! Hey, wo kommt das T-Shirt und das Programm her?

Don Henley: Drums, Percusion, Guitars, Vocals
Glenn Frey: Guitars, Keyboards, Vocals
Joe Walsh: Guitars, Keyboards, Vocals
Timothy B. Schmit: Bass, Vocals

Scott Crago: Drums
Steuart Smith: Guitar, Vocals
Michael Thompson: Keyboards, Vocals
Will Hollis: Keyboards, Vocals
Richard Davis: Keyboards, Vocals
Al Garth: Alto Sax, Tenor Sax, Vocals
Bill Armstrong: Trumpet
Chris Mostert: Tenor Sax
Greg Smith: Bariton Sax

(Erinnerte) Setlist:
How Long, The Long Run, Wasted Time, Peaceful Easy Feeling, I Can't Tell You Why, One Of These Nights, Lyin' Eyes, Hotel California, The Boys Of Summer, In The City
No More Walks In The Woods, Already Gone, Tequila Sunrise, Love Will Keep Us Alive, No More Cloudy Days, Hole In The World, Take It To The Limit, You Belong To The City, Walk Away, Funk No 49, Sunset Grill, Band member intro by Glenn Frey, Life's Been Good, Dirty Laundry, Heartache Tonight, Life In The Fast Lane, All She Wants To Do Is Dance
Encore: Take It Easy, Desperado

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 21.06.2009

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

Startseite > Konzertberichte > Eagles > Mannheim, SAP-Arena, 20.06.2009

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum