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Fotos:
Adelina Schmidtlein
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Dr. Slide - 40 KB
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Dr. Slide & Lutz - 40 KB
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| München, Hide-Out, 17.09.2002 |
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Wann kriegt ein Münchner Bub den Blues?
Wenn er vier Tage mit Mördergrippe und ohne Stimme im Bett liegt und auf die baldige Erlösung hofft.
Kein Grund allerdings, nicht noch schnell vor dem Ende zu einem Blues-Konzert zu gehen. Vor allem, wenn es um einen geht, der nicht alle Tage bei uns zu sehen ist.
Dr. Slide, geborener Axel Humbert aus Potsdam, ist erstmalig seit 15 Jahren wieder in Deutschland auf Tour.
Zu DDR-Zeiten war er "drüben" als Blueser bekannt, haute mit Anfang 20 in den Westen ab und ging 1988 nach Florida. Von Fort Lauderdale aus machte er sich einen Namen in der nationalen Bluesszene (die nebenbei bemerkt eine andere als bei uns ist), tourte bis 1998 mit Band und seitdem solo durch die Staaten. Clubs, Festivals, Clubs, Festivals. Mit vielen bekannten Namen stand er auf der Bühne und mittlerweile ist Dr. Slide in den USA eine feste Größe. Nebenbei gibt es 2 CDs, "Outta Time" und die aktuelle "Slidin' By".
In Münchens Blues-Keller-Wohnzimmer, dem Hide-Out finden sich schwindelerregende 15 (!!) Gäste ein. Meine Güte, was muss man den Menschen bieten, damit sie sich vom Fernseher weg bewegen?
Meine Influenza ist jedenfalls nach den ersten 8 blauen Noten weg. Dr. Slide greift zur Resonator Gitarre, stöpselt in einen alten Fender Verstärker und legt fußstampfend und röhrend los.

Blues, von einem Menschen alleine gespielt, hat den Ruch des Langweiligen, Eintönigen. Eigentlich sind solche Konzerte nur für ausgewiesene Bluesfanatiker reserviert. ABER! Was Dr. Slide geschlagene 3 Stunden auf der Bühne abliefert, ist pures Entertainment.
Die Ansagen und Erläuterungen zu den einzelnen Songs kommen in dickem Berliner Dialekt - was alleine schon eine Nummer für sich ist - aber wenn man die Augen schließt und nur dem Gesang lauscht, ist man automatisch in einem Club irgendwo in Mississippi oder New Orleans. Der Typ hat eine Röhre, die ihm mancher schwarzer Blueser sicher gerne abkaufen würde. Und wenn er mitten drin losheult wie ein Schlosshund, hat der letzte Miesepeter auch Spaß.
Die Gitarrentechnik: Dr. Slide ist kein Schönheitschirurg, der mal hier eine Note grade rückt und dort ein Brust-, ähm, Blueswärzchen nach oben liftet. Bei Dr. Slide wird geschnitten, gesägt und geslidet. Und das schnell, heftig, tief und ohne Rücksicht auf eventuell bleibende Narben.
Kurz: Slideguitar und Fingerpicking auf allerhöchstem Niveau. Ohne Kompromisse und mit viel viel Seele.
Als ungefähre Referenz zum Sound des Onkel Doktor fällt mir Bluesrocker Eric Sardinas ein. Mit einer Einschränkung: Der kann nur schnell und laut und hart spielen.

Das Programm teilt sich relativ gleichmäßig in gecoverte Songs und eigene Kompositionen. Die Coversongs sind allerdings eine Spezialität. Erstens kommen kaum altbekannte und inzwischen todgenudelte Standards, sondern viele unbekannte Perlen aus dem unerschöpflichen Bluesozean und zweitens werden auch die gängigen Stücke (sei es von Willie Dixon, Son House, Sun Seals oder all den anderen Großen) von Dr. Slide in ganz eigenem Gewand präsentiert. Wie gesagt, Langeweile hat keine Chance.
Im Gegensatz zu vielen Blues-Adepten ist Dr. Slide in der Lage, sehr gute eigene Songs zu schreiben. Ab und an geht das dann auch über reinen Blues hinaus in die Singer/Songwriter-Abteilung, etwas Cajun oder Folk kommt durch und der Doktor erzählt Geschichten, die so oder so ähnlich passiert sind bzw. sein könnten.

Ladies and Gents, leider habt Ihr einen tollen Bluesabend verpasst. Authentischer, spannender und unterhaltsamer wird es in den nächsten Monaten sicher nicht mehr werden. Wenn sich der Hide-Out-Haudegen Lutz zur Zugabe mit Snare Drum auf die Bühne gesellt und trommelt, dann ist auch dieser - von vielen Sessions gestählte Mensch - überzeugt. Ich und mein Schnupfen sowieso.
Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 19.09.2002
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