|
Konzertbericht:
|
![]() |
|
|
|
"Speeding Thru Europe" heißt die aktuelle Live-CD und unter dem gleichen Motto steht die laufende Tour der Ur-Rhythm & Blueser DR. FEELGOOD. Vor knapp 30 Jahren haben sie ihre erste LP veröffentlicht und angesichts des fortgeschrittenen Alters könnte man meinen, dass "speeding" leicht übertrieben sein könnte. Jetzt weiß man aber natürlich, dass Dr. Feelgood heute nicht mehr die selbe Band wie damals ist, schließlich ist die heutige Besetzung - außer dem aktuellen Sänger Robert Kane - "erst" seit knapp 20 Jahren dabei. Kane wiederum ist der Nach-Nachfolger von Lee Brilleaux (verstorben am 20.04.1994), ersetzt seit 1999 Pete Gage und war vorher bei einer der vielen ANIMALS-Reanimationen tätig. Vom ersten Song an ist eines klar: Überraschungen oder großartig neue Nummern wird es nicht geben. Von Roxette über She's A Windup, Baby Jane, Instinct To Survive, Down By The Jetty bis Back In The Night kennt man jeden Ton in- und auswendig. Milk & Alcohol kommt mittendrin, eigentlich wäre dieser größte Hit der Band ein potentieller Zugabensong, macht aber auch nichts, denn rocken und krachen tun die vier Briten sowieso immer. Ursachenforschung. Gitarrist Steve Walwyn ist zweifellos einer der heißesten Nummern im Pub-Rock-Bereich. Phil Mitchell hat geile Schuhe und legt mit seinem einfachen Bass zusammen mit Kevin Morris am Schlagzeug das exakt richtige Fundament. Robert Kane ist ein erstklassiger Sänger, Performer und Harpspieler - auch wenn mir seine Kickbox-Einlagen etwas auf die Nerven gingen - und zusammen machen sie überhaupt nichts falsch. Allerfeinster Rock'n'Roll, wie von den Doktoren gewohnt. Lag es also nur am spärlichen Fanvolk? Mitnichten. Der gesamte Auftritt war eine Spur zu routiniert, zu oft in gleicher Form gespielt und das ellenlange Solo von Steve war zu unspektakulärer Blues, um das Publikum so richtig aus der Reserve zu locken. Das ist nicht falsch zu verstehen! DR. FEELGOOD sind auch 2004 noch eine grandiose Rock & Roll Band. Besser als all die gehypten "The-Bands" es jemals werden können (weil die in 2 Jahren wieder verschwunden sind), aber diesmal hat sich bei mir eine gewisse Langeweile - auf hohem Niveau - breitgemacht. Möglicherweise wirkt sich auch die Absenz neuer Songs negativ auf die Laune des regelmäßigen Konzertgehers aus. Es gibt eben schon zu viele alte Bands, die sich immer und immer wieder ausschließlich auf längst vergangene Meriten zurückziehen. Der Feelgood-R & B ist doch nicht so kompliziert, als dass man nicht den einen oder anderen neuen Einfall einbauen könnte. Oder? Ergo: Bei weitem nicht eine der besseren Vorstellungen dieser Band. Gleichzeitig wäre es schön, wenn es eine handvoll junger Bands gäbe, die diese Musik auch nur ansatzweise so dynamisch und freudvoll zelebriert. Wo wir grade bei freudvoll sind. Wie können 45 Minuten Kurzprogramm einer Vorgruppe so richtig Spaß machen? Ich schwöre, weder psychedelische Drogen noch übermäßiger Alkoholgenuss sind nötig, wenn LIZARD 2004 zu dieser Reise einladen! Wer bei all diesen Leckerbissen - sei es ein Piano-Intro oder ein mörderisches Gitarrenriff - keinen mehr hoch kriegt und wem bei all den vollkommen losgelösten zweistimmigen Soli keiner abgeht, dem hilft auch kein Viagra mehr. Tot, sagt man zu diesem Zustand. Das heißt natürlich nicht, dass LIZARD als Hauptband schlechter wären. Mit so viel erstklassigem Material können sie auch 3 Stunden mühelos und ohne Durchhänger bestreiten. Aber in dieser Form komprimiert, kommen all die kleinen und großen Zaubertricks in Liedform noch besser zur Geltung. Es wird wirklich Zeit, dass die Welt da draußen endlich den Output dieser Band entsprechend zur Kenntnis nimmt und würdigt. Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 13.02.2004
|
|||||||||||||
|
|
|