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Konzertbericht:
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Fragt mich neulich eine Freundin, ob es denn möglich ist, über Bands objektiv zu berichten, wenn man sie schon so oft gesehen hat. Aber nein, natürlich nicht. Die Frage ist ohnehin falsch, denn über Musik kann man nicht objektiv urteilen. 99% sind Gefühl und objektive Subjektivität gibt es nicht. Man glaubt es kaum, aber auch auf der x-ten gemeinsamen Tour schaffen die beiden Bands es, die "Halle" so richtig voll zu machen. Als ob die Schwaben am Donnerstagabend nichts anderes vorhaben. So macht Rock & Roll Spaß. Mit Songs wie denen vom neuen Album "Lonely Are The Brave" im Background, kann man die Setlist problemlos modifizieren und selbst wenn das Publikum die neuen Nummern noch nicht kennen kann funktioniert es wunderbar. Rock'n'Roll-Knaller wie Travelling Band sowieso, aber eben auch die anspruchsvollen, zum Zuhören zwingenden Groover im mittleren Tempo- und Härtebereich. Genau wie auf CD baut die Band live massenhaft "Widerhaken" und Aha-Effekte ein, keine Möglichkeit für ein zweistimmiges Solo bleibt ungenutzt, Christoph Berner hat sein Slide-Spiel weiter verfeinert und Keyboards können weitaus mehr als Honky-Tonk- und Hammond-Töne von sich geben. Es ist eben insgesamt eine perfekte Zusammensetzung. Das Stageacting hat sich weiter verbessert, es geht immer direkt nach vorne, vor allem Ralf Mende am Bass lässt permanent die Sau raus. Inzwischen kommen LIZARD beinahe so lässig rüber wie Bruce Brookshire himself. Showtime mit Bruce Brookshire und DOC HOLLIDAY! Dazwischen liegen 90 Minuten Entertainment pur. Duckwalk, Grimassen, Posing, Scherze, brettharte Gitarrenduelle, ein außer Rand und Band geratender Keyboarder, Bud Ford als headbangender Muppet-Bassist und die bekannten Klassiker der beiden ersten Platten. Lediglich die beiden Coversongs Trudy und Simple Man werden gespielt und speziell Trudy wird zu einem reinen DOC HOLLIDAY-Song, keine Spur mehr von Charlie Daniels-Beschaulichkeit, das Ding rockt granatenmäßig. Im Zugabenteil gab es noch ein LYNYRD SKYNYRD-Medley (mit Schorsch Bayer); ich persönlich müsste Sweet Home Alabama und Call Me The Breeze eigentlich nicht unbedingt haben, aber da Konzerte nicht für die Schreiberlingmafia gemacht werden und die Fans eine enthusiastische Party feierten, ist auch das vollkommen in Ordnung. Vor allem in dieser Mega-Qualität. Man muss hoffen, dass der Last Ride dieser Band noch weit in der Zukunft liegt. Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 01.11.2003
Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 30.10.2003
Neulich schrieb ein Journalist der Süddeutschen Zeitung anlässlich des DEEP PURPLE- & MOLLY HATCHET-Konzertes in München etwas despektierlich von einem "Gitarrenballett mit Bierbauch", zu dem Sänger Phil McCormack einlüde. Aber ja, mein Herr, so ist das. Und? Unsere asketischen Augen, Ohren und Restkörper sind weitaus schlimmeres gewöhnt. Silikonbomben mit Entenbürzel, Einweg-Casting-Boy-und-Girlgroups, vollkommen abgehobene Superstars jenseits von Gut oder Böse, und wer hibbelige Jungs mit Pudelmütze und Arsch-in-den-Knien Hosen sehen will, kann ja zu NICKELPUFFYCREED gehen und hyperaktiv vor sich hin zucken. Zugegeben, Bands wie MOLLY HOLLIDAY & THE LIZARDs entsprechen nicht mehr unbedingt den heutigen Schönheitsidealen. Dafür können sie aber ihre Instrumente selber spielen und dabei auch noch gehörig Spaß über den Bühnenrand transportieren. Schade, dass sich in Geislingen (zwischen Ulm und Stuttgart, für die Ortsunkundigen) nur gut 50 Leute vom heimischen Fernseher losreißen konnten, um auch Spaß zu haben. Aber bei Gottschalk war harte Konkurrenz in Form von Justin Timberlake. Zitat All Music Guide: "As both a member of *NSYNC and a solo artist, Southern superstar Justin Timberlake has played a major role in the teen pop explosion of the '90s and 2000s." Ich bin es müde, immer und immer wieder den selben Sermon zu predigen, aber auch diesmal muss ich es sagen: Wer die beste Rockmusik jenseits vom Massengeschmack hören will (wobei es ja durchaus Massengeschmack sein könnte, wenn ein paar Mechanismen im Business funktionieren würden) und wer auf perfekt eingespielte Bands mit Hoppala-Effekt steht, kommt an LIZARD nicht vorbei. Es gibt kein Gitarrentandem in Europa - und nur wenige weltweit - das so geölt dahinrockt und nicht viele Bands, die so viel Aufwand und Energie in ihre Musik stecken. Himmel, was muss denn noch passieren, damit ein paar ältere und jüngere Menschen auf die Idee kommen, mal wieder einen Abend im Club zu verbringen um gepflegt vor sich hin zu swingen. Und damit meine ich Clubs mit Livemusik! LIZARD liefern bekanntlich nicht nur High-Energy-Rock'n'Roll mit zwei Leadgitarren ab, sondern im Prinzip die gesamte Palette zeit- und unzeitgemäßer Rockmusik der letzten 35 Jahre. Wer also von Paul Rodgers über Dickey Betts bis hin zu Sonny Landreth (das ist ein genialer Slide-Gitarrist, nur so nebenbei) CDs im Schrank stehen hat, der kann bedenkenlos auch "Lonely Are The Brave" kaufen oder sich zwischen den vielen (hüstel) Konzerten der genannten Herren eines der Eidechsen gönnen. Die Songs dieses Konzertes sind unwichtig, es sind nie die falschen, aber ich hab endlich "mein" Bring Me Some Water gekriegt (wirklich ein Monster-Rock'n'Roll) und dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass ich den Begriff "Southern Rock" mit keinem Wort erwähnt habe. Ratet mal warum! Weil es nämlich Southern Rock satt im Anschluss gibt, wenn Bruce Brookshire, John Turner Samuelson, Daniel Bud Ford, Eddie Stone und Danny 'Cadillac' Lastinger auf die Bühne steigen und einmal mehr ihre glorreiche Vergangenheit zelebrieren. Fakt ist, dass DOC HOLLIDAY in den frühen Achtzigern einige DER Genre-Hymnen überhaupt geschaffen haben und von mir aus dürfen sie all diese Klassiker bis in alle Ewigkeit immer wieder spielen. Doin' It Again, Song For The Outlaw, Last Ride, Moonshine Runner, wie sie alle heißen, es ist schlicht faszinierend, die Band zu erleben. Wie soll man es beschreiben? Locker, lässig, souverän, sympathisch, knackig, knallhart, bewegend... langt alles nicht als Attributisierung (dieses Wort habe ich hiermit neu erfunden). Wenn es das (positive!) Klischee des Southern Rock überhaupt je gegeben haben sollte, dann erfüllen Bruce & Co. es. Gestandene Männer, die die Musik zelebrieren, die sie mögen und beherrschen und das tun sie so gut, dass wohl jedem Musiklehrer der Griffel aus der Hand fallen würde. Mein Fazit der DOC HOLLIDAY & LIZARD Tour 2003 (und gleichbedeutend der von REBEL STORM und MOLLY HATCHET): Es gibt so viel gute Musik, es wäre eine Schande, in den Sack zu hauen und aufzugeben! Lobet diese Herren & rockt! Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 09.11.2003
Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 08.11.2003 |
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