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Fotos: Adelina Schmidtlein
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| Nürnberg, Hirsch, 20.07.2006 |
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Wie kann man es dem Nicht-Rocker erklären? Oder gar dem fortbildungsunwilligen Nicht-Rocker? Vermutlich gar nicht. Solche Menschen sind verloren für die schöne bunte Welt des Rock & Roll. Die werden nie verstehen, dass es nicht besseres als Backstageräume mit Krabbeltieren unterm Teppich gibt, die werden nie die pure Lebenslust bei objektiv gefühlten 154,4 Grad Fahrenheit vor einer Bühne spüren, die werden niemals das wundervolle Gefühl von Kopfschmerz nach 12 lauwarmen Bieren erleben. Schade.
Allerdings werden sie auch nie das unbeschreibliche Feeling von stehenden Haaren an völlig haarlosen Körperstellen kennen lernen. Das kennt nur, wer gesehen hat, wie Bruce Brookshire und Georg Bayer gemeinsam Lonesome Guitar singen. Oder wer sich vor Schreck flach auf den Boden geworfen hat, weil zwei Gitarren wie F16-Bomber auf Friedensmission durch einen Konzertsaal fliegen, bei Mach 2 Salti rückwärts schlagen und dazu mit den Flügeln winken.
Konzertticket: 16 Euro Gewichtsreduktion: 5 Kilo pro Stunde
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Lustgewinn: Unbezahlbar!
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Zugegeben, es ist eine elende Schufterei, sich bei Temperaturen weit jenseits 40° (Celsius diesmal) unter Bühnenscheinwerfer zu stellen und 60 oder 90 Minuten Show zu machen. Klaglos würde man als Kunde hinnehmen, wenn der Künstler sein Arbeitsgerät in die Ecke stellte und in den hauseigenen Pool spränge. Da wir aber nicht in Las Vegas, sondern im Hirsch zu Nürnberg sind, gibt es keinen Pool und keine Erholung. Keine Gnade für Musiker und Fans - quält Euch, Ihr Wahnsinnigen!
LIZARD bekommen im Jahr 2006 ein bisschen Lohn für ihr jahrelanges Tun auf höchstem musikalischen und deutlich niedrigerem kommerziellen Niveau. Der Lohn nennt sich Respekt. Das Publikum hat inzwischen erkannt, dass es nur eine Band in Europa gibt, die den Vorbildern standhalten kann und das auch durch ständige Präsenz tut.
Man hört kein "nicht schon wieder" mehr, man sieht, dass sich das Volk über die Band freut und ehrlich applaudiert. Es werden keine Millionen Fans mehr werden, aber die Zielgruppe ist endgültig eingefangen und wird gewohnt perfekt bedient. Muss sich eine Band erst als "Classic Act" etablieren, um angemessen wahrgenommen zu werden? Da mag Georg Bayer noch so oft sein nur "kurzes Comeback" betonen, ein paar Jährchen werden es noch sein müssen mit dieser Kapelle, schließlich ist Sohnemann Felix erst 15 - hat allerdings die deutlich geileren Haare.
Insgesamt kann man über diese "25th Anniversary Tour" von DOC HOLLIDAY mit Teilzeit-Support LIZARD berichten, dass der Publikumszuspruch überall gut bis sehr gut und damit deutlich besser als in den Jahren 2000 bis 2003 war (auch wenn natürlich zum endgültigen Resümee noch die Auftritte in Berlin, Hannover und Hamburg ausstehen). Da hat einiges im Vorfeld gut geklappt und die Fans scheuen auch keine gesundheitsgefährdenden Klimabedingungen - dabei sein zählt und das good time feeling will wieder persönlich erlebt sein. Vorsätzlich ausrauben können sich bei den STONES andere lassen.
Der Unterschied zwischen dem Hirsch in Nürnberg und dem tags zuvor bespielten Colos-Saal in Aschaffenburg ist signifikant. Die Punkte für Sound, Bühne, Service und Sauberkeit gehen eindeutig an den Untermain. Die Nürnberger haben in den letzten Jahren offensichtlich geschlampt und damit an Boden verloren. Spielt aber keine Rolle mehr, denn wenn LIZARD mit Boys Are On The Road einsteigen, gibt's Gummi. Ein guter Fingerzeig, Boys!
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Oft gesagt und trotzdem immer noch richtig: Dörfler & Berner sind das beste Gitarrenduo ohne Oldie- oder Legendenstatus. Keine andere Band kann so lässig die 12 Saiten schütteln, keine andere Band verfügt über mehr Duell-Potential, keine andere Band lässt sich so viel Freiraum in den Arrangements, um tausendmal gehörte Nummern immer wieder abwechslungsreich zu gestalten. Dazu gehört natürlich eine famose Rest-Band und auch die haben wir im Home of Rock oft genug bejubelt. Ralf Mende, Klaus Brosowski und der immer-mal-wieder Aushilfsschlagzeuger Wolfgang Rosner bilden das perfekte Team für eine perfekte Band. Das und die hinlänglich bekannten Songs genügt für eine weitere bezaubernde Show. Wenn da nicht noch dieser Sänger wäre. Seitdem er nicht mehr "muss", treibt der Mann ganz komische Spielchen auf der Bühne. Das Publikum wird dirigiert, um nicht zu sagen manipuliert, geshoutet wird wie nie zuvor und auf der Rückseite des T-Shirts steht "Lizard King". Wer allerdings dieser Herr "DOORS" auf der Vorderseite ist...? Kurz: The best Bayer ever.
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Georg Bayer...
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... Lizard King
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Trotz der beiden eher verhaltenen Nummern One Of These Days (das sich über die Jahre zu einem absoluten Favoriten entwickelt hat) und My Fears Are Gone hat die Band keine Sekunde Zeit zur Rast, zu komplex und anspruchsvoll wird hier musiziert. Travelling Band und Running With The Horses geben zum Schluss sowieso jedem wohlgesonnenen Publikum den Rest.
Zugabe gab's keine, was am völlig erschöpften Publikum lag und der völlig erschöpften Band Gelegenheit zur Flucht in den derweil draußen prasselnden Gewitterregen gab.
"Die Mikrophone waren so heiß, dass deine Lippen dran kleben blieben", sagte Bruce Brookshire über den Open Air Auftritt in Hamburg vor einigen Tagen und Bud fügte hinzu "würde man Tiere so behandeln, man würde eingesperrt - bloß macht niemand mit Tieren sowas". In Aschaffenburg und noch mehr in Nürnberg musste man weniger Angst vor Verbrennungen als vor von Schweißbächen ausgelösten Stromschlägen haben. Von Gitarren und Gesichtern lief das Wasser wie aus dem Gartenschlauch und es erscheint nun gesichert, dass T-Shirts aus Schwamm eine Marktlücke sind. Wie man so tropfnass Musik in höchster Perfektion und mit solchem Spaß machen kann, bleibt Geheimnis der Männer aus Georgia.
Apropos Spaß. Den hatte diesmal in gesteigerter Form auch John Turner Samuelson, der im Vergleich zur 2003er Tour wesentlich engagierter, konzentrierter und spielfreudiger antrat. Das kommt natürlich den unzähligen Double-Leads zugute und treibt die Meute vor der Bühne zu noch mehr Lustschreien.
Eher andächtig lauscht man 2006 dem außergewöhnlichen Satzgesang, der in dieser Ausprägung und Häufung bei DOC HOLLIDAY neu ist. Liegt natürlich auch am für diese Tour zusammengestellten Songmaterial, das - nomen est omen, ein Vierteljahrhundert wurde zelebriert - der eigenen Geschichte und der des Southern Rock insgesamt gewidmet ist. Die wirklich ganz großen Überraschungen sind nicht enthalten, aber - man kann das an anderer Stelle (und hier auch) im Home of Rock nachlesen - Bruce Brookshire könnte auch auf dem Kamm blasen, es wäre immer noch ganz großes Entertainment. Jede Bewegung, jedes Anreißen einer Saite wirkt so locker und leicht, dass man beinahe glaubt, Nummern wie Keep On Running, Song For The Outlaw und all die anderen wären banale Kinderlieder und nicht aufs allerfeinste austarierte Südstaaten-Perlen.
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Bruce Brookshire &
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Eddie Stone
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Danny 'Cadillac' Lastinger
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Daniel Bud Ford
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Eddie Stone, wie immer ein lebendes Orgel-Windkraftwerk, der schmächtige 'Cadillac' am Schlagzeug (sieht übrigens nachts um halb 3 auf dem Boden der Hotelbar liegend tatsächlich wie der mumifizierte Lenin aus) und der unfassbar stoische Tiefton-Weltmeister Bud Ford liefern den Gitarren-Vorturnern die Grundlage und B.B. macht daraus mit Stimme, Gitarre und Acting bluesige, gospelnde, countryfizierte, heftigst rockende, Boogie-triefende oder einfach nur wunderschöne Kunstwerke.
DOC HOLLIDAY sind ohne jeden Zweifel die brillanteste noch aktive Southern Rock Legende, keine andere Band des Metiers kommt daran näher als auf Gitarrenlänge heran. Wenn irgendwann die letzte Lonesome Guitar gespielt ist, werden wir sagen können, dass DOC HOLLIDAY niemals zu einer verkommenen Parodie ihrer selbst geworden sind, sondern immer Stil und Würde echter Gentlemen bewahrt haben. Das sollte sich so manche andere Kapelle, auch solche die bis heute ein Vielfaches an CDs verkaufen, bitte hinters Notenblatt stecken.
Daniel Bud Ford, John Turner Samuelson, Georg Bayer, Bruce Brookshire
Daniel Bud Ford, Danny 'Cadillac' Lastinger, John Turner Samuelson, Georg Bayer, Bruce Brookshire, Eddie Stone
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