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Konzertbericht:
Derek Trucks BandSaarbrücken, Garage, 24.10.2007 |
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Das Saarland zählt zu den weniger privilegierten Ecken Germaniens: die wirklich wichtigen Rock-Acts finden den Weg in die "französische Ost-Provinz" nur sehr selten. So kommt es, daß der Schreiber dieser Zeilen sich noch gut an Konzerte erinnern kann, die teilweise schon mehr als 10 Jahre zurück liegen: wie bspw. LYNYRD SKYNYRD in Saarbrücken. Zumeist müssen wir mindestens bis nach Frankfurt, Köln oder Luxembourg-Stadt reisen ..... und da verirrt sich tatsächlich einer der Großen der Jam-Szene hierher, unglaublich!
Nun habe ich zu Derek Trucks eher ein zwiespältiges Verhältnis. Zum einen kann ich den Kollegen Schmidtlein durchaus verstehen, der ihn für einen Langweiler hält. Demgegenüber können die Erfolge, die Trucks mit der ALLMAN BROTHERS BAND vorzuweisen hat, nicht so salopp kleingeredet werden. Im letzten Jahr war er gar mit Gitarrenlegende Eric Clapton in Europa unterwegs, was die hohe Reputation widerspiegelt, die Trucks in der Szene genießt. Irgendein Scherzkeks hatte das Gerücht verbreitet, der Saal sei restlos ausverkauft und so bin ich einigermaßen erstaunt, daß sich bei meinem Eintreffen nur etwa 50 Leutchen in dem mittelgroßen Club verirrt haben. Was ist eigentlich in Deutschland los? Irgendwelche gehypten Plastikbands füllen problemlos die Saarlandhalle und wenn's um gute, handgemachte Musik geht, bleibt die Szene komplett mit dem Arsch dahemm, shame on you Germany! Zum Glück lerne ich Philippe aus dem französischen Rouen kennen, der nur für dieses Konzert schlappe 800 km durch Europa gedüst ist - zudem wurden Tickets nach London, Amsterdam, Helsinki und Prag verkauft. Das nenne ich wahren Sportsgeist!! Gut, der Saal füllt sich dann doch noch, aber knapp 350 zahlende Zuschauer sind doch reichlich mager und eine herbe Enttäuschung.
Die Band betritt die Bühne und der Enthusiasmus im Saal steigt schlagartig auf 120%. Von wegen Milchgesicht: Mit seinem 3-Tage-Bart sieht Derek Trucks richtig "gefährlich" aus. Der mittlerweile 28-jährige Gitarren-Virtuose hatte auf mich bei diversen DVD-Aufnahmen den Charme eines Ex-Waldorfschülers und/oder Radikal-Vegetariers verströmt, aber der Bursche sieht richtig gut aus und er legt gleich mörderisch los. Ein Blues-Schema wird angerissen und mit Get Out Of My Life gibt die Band dann so richtig Gas, ja es wird sogar richtig laut - wer hätte das gedacht.
Der erste Teil des Sets ist dem Blues gewidmet, genauer dem Blues-Rock mit der eindeutigen Betonung auf Rock. Derek Trucks spielt eine weinrote Gibson SG mit einem einfachen Fender-Super-Reverb Amp - minimalistisch reduziert auf das Wesentliche. Im Gegensatz zu seinem Freund und Partner bei der ABB, Warren Haynes, wechselt er nicht die Gitarren und Amps - sein Guitar-Tech ist reichlich arbeitslos. Er variiert die Sounds alleine mit Zupf- und Anschlagtechniken, die einen Gitarrristen [der ich leider nicht bin] in helle Verzückung versetzen würde, wobei er bevorzugt warme Sounds einsetzt. Seine Improvisationen, bei der ABB oft etwas ausladend, sind präzise, virtuos und mit viel 'Seele'. Meine Nachbarn erfreuen sich vor allem an der unglaublichen Geschwindigkeit der Soli, was mich eher kalt läßt. Mir imponiert vor allem das unglaubliche Slide-Playing, das derzeit seinesgleichen sucht.
Im zweiten Teil des Sets wird es deutlich jazziger. Es dient wohl als Einstimmung auf den nächsten Abend, wo die Band beim renomierten HR-Jazz-Festival einen 45-Minuten-Set zu absolvieren hat. Erfahrungsgemäß drehen sich beim HR die Tapes, so daß dieser Gig mit Sicherheit im TV zu sehen sein wird.
Gegen Ende des Sets zieht das Tempo wieder deutlich an, und es wird eine sehr jammige, geradezu orgiastische Interpretation der Gospel-Nummer I Wish I Knew zelebriert, die das Publikum in ultimative Verzückung versetzt. Nach 90 Minuten verabschiedet sich die DEREK TRUCKS BAND in die Katakomben der "Garage" - was 350 Leute doch für einen Lärm zu machen wissen .....
Die DEREK TRUCKS BAND machte mit ihrem Saarbrücker Gig feinste Werbung für den Jam-Rock und dies scheint in Deutschland sehr nötig zu sein. Wollen wir mal hoffen, daß der Veranstalter Joybringer Concerts sich nicht von der mangelhaften Zuschauer-Resonanz beeindrucken läßt und uns weiterhin mit solchen Top-Acts versorgt. Wahrscheinlich wären doch etwas mehr Leute gekommen, wenn der Gig nicht in der Wochenmitte gelegen hätte - worauf der Veranstalter logischerweise nur wenig Einflußmöglichkeiten hat. Steve Braun, (Artikelliste), 25.10.2007
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