HoR Logo kl Konzertbericht:

Logo Deep Purple

Supp.:
Logo Molly Hatchet

München, Olympiahalle, 31.10.2003

Logo Home-of-Rock
Startseite > Konzertberichte > Molly Hatchet > Deep Purple > München, Olympiahalle, 31.10.2003

Fotos: Adelina Schmidtlein

Der Klick auf ein Bildchen zeigt es in voller Größe in einem neuen Browserfenster.

Olympiahalle
The crowd is fine tonight...
Molly Hatchet
Molly Hatchet
Deep Purple - Ian Gillan
Ian Gillan
Deep Purple - Ian Gillan & Steve Morse
Ian Gillan & Steve Morse
Deep Purple - Ian Paice
Ian Paice
Deep Purple - Steve Morse
Steve Morse
München, Olympiahalle, 31.10.2003

Molly Hatchet Ein Konzert zum Heulen!
MOLLY HATCHET - respektive Southern Rock generell - in einer riesigen Halle. Eine eher lachhafte Vorstellung für den Klein-Clubs gewohnten Rockfan. Und doch, nach Dekaden der kommerziellen Agonie, bestreiten ausgerechnet HATCHET das Vorprogramm der DEEP PURPLE "Bananas"-Tour.
Beginn einer wundersamen Renaissance oder doch nur Zufall? Egal, trotzdem der Schreiber Großveranstaltungen normalerweise meidet wie MTViva laute Gitarren, diese Gelegenheit muss wahrgenommen werden.

In der Münchner Olympiahalle fanden innerhalb einer Woche 4 Events statt. Allesamt Legenden und die Arena war trotzdem bei keinem Konzert ausverkauft. Bowie, Dylan und Meat Loaf konnten die Ränge nicht füllen, bei Nöl-Bob und Mineralwasser-Werbefritz Bowie waren die Löcher sogar erschreckend groß, und auch das Package DEEP PURPLE und MOLLY HATCHET schaffte es, nur circa zwei Drittel der Plätze zu belegen.
An was das wohl liegt? Wird der künstlerische Output dieser Herrschaften nicht mehr gewürdigt? Oder hat das Publikum die alten Männer endgültig satt? Unfug! So sie denn so lange leben, könnten all diese Ikonen die Stadien bis ins Jahr 2078 ausverkaufen. Wenn eine gewisse Kleinigkeit endlich überdacht werden würde: Eintrittspreise von 50 Euro und mehr werden von der Kundschaft einfach nicht mehr akzeptiert!
Natürlich wendet man sich nicht an ein jugendliches Publikum, sondern an die zahlungskräftige Zielgruppe mittleren Alters. Aber wenn man mit Anfahrt, Parkgebühr, Bier und Ticket 150 Euro und mehr für 2 Personen ausgeben muss, bleiben viele Leute zuhause und legen sich lieber die alten Platten ihrer Helden auf.
Vielleicht kommt den verantwortlichen Firmen demnächst die Erleuchtung, ansonsten sehe ich für die Szene insgesamt finstere Zeiten. Die Großkonzerte nicht mehr als Publikumsmagneten, die Clubs leiden sowieso an Besuchermangel (Grund: Preise) und diejenigen, die sich das viele Geld für die 1. Liga leisten, werden bei den kleinen Bands sparen.
Herrschaften, wir reden von Mainstream und nicht von exotischen Randgruppen die abenteuerlichen Death-Folk-Crossover in blutigen Schafsröcken spielen!
Bei CDs führt man fragwürdige Kopierschutzsysteme ein, vordergründig um Diebstahl zu verhindern, letztlich aber doch nur, um überhöhte Preise für die Zukunft zu sichern. Bei Konzerten greift man den Leuten gleich direkt in die Tasche. Eine Verdoppelung der Ticketpreise in etwa 5 Jahren ist mit nichts zu rechtfertigen. Nicht mit der Künstler- und auch nicht mit der Ökosteuer.

Molly Hatchet - Bobby Ingram Auf jeden Fall kriegt man eine Gänsehaut, wenn man das große HATCHET-Backdrop da hängen sieht und ganz aus ist es dann beim Intro. Das man das noch mal erleben darf...
Und Bobby Ingram, Phil McCormack und die vier Sidemen legen auch los wie die Feuerwehr. Alle Haare in Habachtstellung. Zuerst reibt man sich allerdings verwundert die Augen. Der dicke Bobby Ingram sieht aus wie vor 20 Jahren! Der Mann hat nach seiner Herzoperation vor ein paar Monaten schätzungsweise um die Hälfte abgespeckt und springt in der kommenden Stunde wie aufgezogen über die Bühne. Dafür hat aber Phil wieder ein paar Pfund zugelegt und präsentiert seine Wampe recht eindrucksvoll. Basser Jerry Scott kommt im klassischen Southern-Outfit und Russ Maxwell an der Rhythmusgitarre trägt den gewohnten Hut. Nur John Galvin an den Keyboards sieht aus wie ein leitender Angestellter, ist aber trotzdem der musikalische Backbone und Kreativkopf der Band.

Molly Hatchet - Phil McCormack 60 Minuten Southern Rock in der Olympiahalle und letztlich nutzen HATCHET ihre Chance und rocken mächtig, posen um die Wette und verbreiten beste Stimmung. Alles richtig gemacht also?
Ja und Nein!
Die Setlist ist konservativ, man könnte sogar sagen, dass sie falsch gewählt ist. Ausschließlich Songs aus den Siebzigern und Achtzigern, nur Devil's Canyon und The Journey repräsentieren die Neuzeit. Warum denn? Seit 1996 ist MOLLY HATCHET eine neue Band und die sollte auch ihre Gegenwart und Zukunft zu Gehör bringen. Oder gibt es keine Zukunft?
Zweiter Minuspunkt ist die Anhäufung der überlangen "Redneck-Gedächtnissongs". 4, 5 Nummern im gleichen Strickmuster - Intro, Hymne, Gitarrenschlacht - ist einfach zu viel.

Molly Hatchet - Bobby Ingram Beatin' The Odds, Whiskey Man und Flirtin' With Disaster entschädigen allerdings über alle Maßen und da sind denn auch die lautesten Publikumsreaktionen zu hören.
McCormack bebrüllt die Halle in seiner gewohnten Art, die Stimme flexibel wie der Mount Everest, Ingram hat wie üblich alle Soli fest in eigener Hand, lediglich bei Flirtin'... bekommt Russ Maxwell einen größeren Spot, den reißt er allerdings genial ab, und zusammen klingt und sieht das alles durchaus eindrucksvoll aus. Die paar kleinen Hakler hört man ab Reihe 12 sowieso nicht mehr und wenn die Songauswahl ein wenig "progressiver" wäre, dann hätte diese Art Musik künftig auch in großen Venues wieder eine Zukunft. Tauglich sind die großen Gesten der Herren aus dem Süden dafür sowieso.
Bewegendes Konzert!

Deep Purple - Ian Gillan Im Sommer hatte ich DEEP PURPLE noch in die gemächliche Altherrenliga einsortiert. Freundliche ältere Herren musizieren gemeinsam alte Hits und haben Spaß.
Entweder Gillan & Co. haben ein zweites Konzept in der Tasche, oder die wahnwitzige Power dieser Band ging bei den Open Airs mangels Hallendach irgendwo verloren. Denn was DP 90 Minuten lang in die Olympiahalle bliesen, war mit das Beeindruckendste der letzten Jahre.

Natürlich kamen einige (bei diesem Backkatalog auch nicht anders möglich) der wichtigsten Klassiker zum Vortrag. Highway Star, Woman From Tokyo, Smoke... oder Space Truckin'. Ginge schließlich auch nicht ohne. ABER: Diese Band hat keine Scheu vor ihren neuen Songs und sie fetzen entsprechend ausgiebig durch die "Bananas"-CD. Und wie! Dazu die Mega-Ballade Haunted und prompt werden einem die Beine weich.

Deep Purple - Roger Glover Davon abgesehen regiert aber knallharter Rock. Seit 1984 habe ich PURPLE nicht so tight und geschlossen gehört. Klar, Gillan ist nicht mehr ganz der alte Gillan, seine Stimme kommt manchmal ein bisschen flach (dafür kommt er diesmal ohne Schuhe auf die Bühne), Child In Time entfällt also wieder, und es ist zu hoffen, dass er die Tour unbeschadet übersteht. Aber in die Top 5 der Sänger gehört er nach wie vor. Roger Glover ist agil wie immer und bollert die Songs gnadenlos nach vorne und über Ian Paice braucht man eh kein Wort verlieren. Er ist der Schlagzeug-Gott.

Deep Purple - Steve Morse Die eigentliche Überraschung sind allerdings die beiden "Neuen". Don Airey hat sich deutlich freigeschwommen, setzt inzwischen eigene Akzente - auch wenn natürlich die Marschrichtung vorgegeben ist. Und natürlich Steve Morse. Unfassbar, was der Mann mit seiner Gitarre technisch und vor allem künstlerisch aufführen kann. Er zerlegt die alten Gassenhauer in ihre Einzelteile, zerfräst sie, bringt sie zur Explosion und dann sammelt er die Einzelteile wieder ein und kreiert neue, brandheiße Versionen daraus.
Bitte heule niemand mehr nach Blackmore!
Den Glanzpunkt setzt er allerdings beim Instrumental Lost Control, mit dem er der Besatzung des abgestürzten Spaceshuttles ein Denkmal setzt und gleichzeitig die Zuschauer zwischen Rührung und Bewunderung hin und her reißt. Auf der CD wurde diese Nummer ganz ans Ende verbannt, live ist es pure Magie.

Ein Konzert, gespickt mit Überraschungen und selbst der Weg zum Bierstand birgt Gefahren. Man weiß nie, was in der nächsten Sekunde passiert.
Eigentlich fehlte nur When A Blind Man Cries zum vollkommenen (Un-)Glück.
Grandios!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 01.11.2003

Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 31.10.2003

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:
Startseite > Konzertberichte > Molly Hatchet > Deep Purple > München, Olympiahalle, 31.10.2003

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum