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Bob Seger & The Silver Bullet Band

Supp.: Steve Azar

Memphis, TN (USA), The Pyramid, 03.02.2007

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Fotos: Marco Weiden
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Silver Bullet Band
v.l.n.r.: Don Brewer, Craig Frost, Marco Weiden, Chris Campbell, Mark Chatham
Memphis, TN (USA), The Pyramid, 03.02.2007

21.000 begeisterte Zuschauer in der ausverkauften "Pyramide" in Memphis waren wohl mehr als ein würdiger Abschied von dieser Halle. Insbesondere, da Bob Seger sich mit seiner SILVER BULLET BAND die Ehre gab, diese Aufgabe zu übernehmen. Vor nur ca. 12 Jahren erbaut, war die Halle die Heimat der Memphis Grizzlies, für die das 32stöckige Stainless-Steel Gebilde Schauplatz vieler Schlachten war, die Größe war für diese Sportart wohl angemessen, ist sie doch die drittgrößte Pyramide der Welt! Inzwischen hausen die Grizzlies aber im FedEx Forum, direkt an der weltberühmten Bealestreet in der Innenstadt von Memphis, welches noch wuchtiger und moderner ist (und auch auf Googleearth sehr leicht zu erkennen ist.). Damit aber genug der Stadtführung und ab in die Halle.

Vorgruppe heute, anders als noch im Dezember in Nashville, war Steve Azar aus dem benachbarten Mississippi, wie er mehrmals betonte. Der Fluss hat ihn und seine Musik, nach eigener Aussage, stark beeinflusst, so dass neben Rock- und Country-Einflüssen, auch der Blues eine Rolle spielt. Als Singer/Songwriter erinnert seine Musik an eine Mischung aus John Mellencamp, Jackson Browne, Bryan Adams und zu diesen noch ein guter Schuss Country, die er in einer sehr bodenständigen und 'ehrlichen' Art rüberbringt.
Alles in allem war es ein sehr gefälliger Auftritt, der hauptsächlich aus Songs des neuen, im März erscheinenden Albums "Indianola" (das trotzdem am Merch-Stand schon käuflich erwerbbar war) und seiner ersten CD "Waitin On Joe" bestand. Der Titeltrack dieses Albums handelt von Soldaten, die ihren Dienst irgendwo in der Welt ausüben, na ja, und diese wurden dann auch wieder gewürdigt. Endlich. Das war allerdings auch der einzige 'Nachteil' dieses Sets. Highlights seines Auftritts waren I Don't Have To Be Me ('til Monday), das irgendwie an BON JOVIs Sleep When I'm Dead erinnerte, und River's On The Rise, hierbei ging es natürlich um den guten alten Mississippi.

Aus der PA war The Boys Are Back In Town gerade verstummt, schon erschien Bob Seger gefolgt von seiner SILVER BULLET BAND auf der Bühne, um mit einem freundlichen "How ya doin?" erst mal hallo zu sagen, um dann direkt mit Roll Me Away loszulegen.
Von Anfang an war klar, dass Seger in dieser Stadt keine Probleme haben wird die Leute zu begeistern und die Laune, welche die Band ausstrahlte, sollte dies noch zusätzlich unterstützen. "Do you feel funky tonight?" - alle taten es, es folgte, wie schon in Nashville, Tryin To Live My Life Without You. Dass dies ein alter Memphis-Song ist, musste hier in dieser Stadt wohl nicht extra erwähnt werden, die ganze Halle war schon voll im Groove.
Bob Seger Schon nach diesen beiden Songs wurde mit Wreck This Heart einer von fünf Titeln vom neuen Album "Face The Promise" gebracht, um danach mit Mainstreet gleich wieder in alte Fahrwasser zurück zu schwimmen. Zu diesem holte Bob Seger zum ersten Mal seine Akustikgitarre heraus, was im Laufe des Abends eher die Ausnahme bleiben wird. Alto Reed, ein Mitstreiter aus ganz frühen Tagen (1969), hat hier gleich einen ersten Höhepunkt am Saxophon, das er im folgenden Old Time Rock'n'Roll auch noch im Solo einsetzen darf, wobei seine Klasse richtig aufblitzt. Old time. ist natürlich einer der Publikumsfavoriten, beim Mitsingteil ist dann auch die hinterste Reihe der Halle voll dabei.
Ach ja, die Halle: Entgegen aller Unkenrufe ist der Sound heute fabelhaft. Jedes Instrument ist deutlich zu hören, es ist nicht zu laut und nicht zu leise und hat wohl selbst die letzten Soundfreaks überzeugen können. Vielleicht liegt es doch nicht immer an der Halle.
Hinsetzen! Es muss wohl enttäuschend für einen Künstler sein, wenn man seine aktuelle Single spielt, und nach 10 Sekunden alle in der Halle sitzen: Wait For Me wurde trotzdem in anständiger Weise präsentiert, neben Bob Seger zeigte auch Alto Reed, dass er durchaus nicht nur Saxophon, sondern auch (Akustik-) Gitarre spielen kann. Bob Seger tauschte seine anschließend gegen eine Telecaster ein, um diese bei Face the Promise, einem weiteren Titel vom gleichnamigen Album, zu spielen. Und endlich: zu Sunspot Baby dürfen wir wieder aufstehen. Im ersten Teil dieses Abends war übrigens Sunspot Baby die erste Änderung zum Auftritt in Nashville, an dieser Stelle hatte dort noch No Matter Who You Are gestanden, Sunspot Baby kam dort noch im zweiten Teil.
Bob Seger Mit Betty Lou's Getting Out Tonight kam direkt noch ein Kracher, den alle Jungs stimmkräftig unterstützen durften und wollten.
Zum Klassiker We've Got Tonight, und beim folgenden Highlight des Abends, Turn The Page, spielte Bob Seger dann anstelle des früheren GRAND FUNK RAILROAD-Mitstreiters Craig Frost (der seit 1980 bei der SILVER BULLET BAND spielt) selbst den Flügel. Turn The Page war für mich dahingehend der Höhepunkt, dass alleine schon Altos Saxophon-Anfang einem einen Schauer über den Rücken jagte und, dass das gesamte Publikum jedes einzelne Wort mitzusingen schien. Dass auch Herren im gesetzten Alter noch modern sein können, zeigten im Anschluss an diesen Song Alto und Bob, indem sie sich ihr "Fäustchen' gaben. Vorbei die 'High-Five-Zeiten'.
Travellin' Man wusste vor allem durch das bei diesem Lied besonders auffallende Trommeln von Don Brewer zu gefallen. Sein durchweg treibender Beat, und vor allem seine Spiellaune, kamen hier besonders zum Ausdruck. Wirklich meisterhaft, was der GRAND FUNK-Drummer an seiner Schiessbude kann. Außerdem habe ich noch nie einen Schlagzeuger gesehen, der während des ganzen Auftritts lacht und dermaßen viel Spaß an seiner Arbeit zu haben scheint. Auch Mark Chatham an der Leadgitarre konnte bei diesem Song zum ersten Mal richtig mit einem Solo glänzen. Travellin'Man rockte einfach unglaublich und ging von Marks Solo direkt über in Beautiful Loser, das auch sehr rau rüber kam und frenetisch gefeiert wurde.
Wie schon auf der ganzen Tour, gab es dann an dieser Stelle wieder eine achtminütige Pause, die peinlichst genau eingehalten wurde. Dieses Mal konnte man sich auch wieder ein Bier leisten, mit 'nur' 6 Dollar waren es 2 weniger als noch in Nashville.
Weiter ging es mit Simplicity vom neuen Album, hierbei wurden auch Laura Creamer und Barbara Payton namentlich erwähnt, die zu den meisten Songs neben dem Urgestein Shaun Murphy stimmlich beitragen durften.
Ramblin' Gamblin Man, das (zum Glück) einzige Stück vom gleichnamigen Album, ging wieder ganz weit zurück in die Vergangenheit, wurde allerdings, was das Alter betrifft, noch vom Chuck-Berry-Klassiker getoppt. Bei diesem Song stand erstmals auch optisch Craig Frost im Mittelpunkt, als sich Bob Seger und der Rest der Band um seinen Flügel versammelten. Craig Frost, den ich wie auch Alto Reed, Chris Campbell, Mark Chatham und Don Brewer nachmittags zufällig in der Stadt getroffen hatte (als sie auf ihren Wagen zum Soundcheck warteten), konnte sich übrigens noch sehr gut an die 1980er Deutschland Tour erinnern, von der er nur Gutes zu berichten wusste. Selbst der Veranstalter Mama-Konzerts fiel ihm noch ein.
Real Mean Bottle war dann wieder fast ganz frisch von der Presse und außerdem die zweite Änderung zur Setlist von Nashville, weichen musste dafür kein anderer Song. Kid Rocks Gesangseinlagen von der Studioversion dieses Titels wurde mit sehr viel Elan von Don Brewer übernommen, der bewies, dass er nicht nur ein hervorragender Schlagzeuger ist.
Zu Answer's In The Question wurden wieder 4 Barhocker aufgestellt, auf denen Bob Seger, Chris Campbell, Jim 'Moose' Brown und Laura Creamer Platz nahmen, nach dieser Ballade im Duett folgte mit Fire Down Below vom "Night Moves" Album sofort wieder ein Kracher (und die dritte Änderung im Set, an dieser Stelle hatte vorher noch Sunspot Baby gestanden).
Der Horizontal Bop wurde zur Bühne für Alto Reed, außerdem versuchten sich Moose, Mark Chatham, Chris Campbell und Bob Seger in der Vierergruppe im Gitarrenschwingen a la QUO. Erfolgreich.
Bob Seger Katmandu wurde als "Gonna go back to the Night Moves album - one way to go high" angesagt und für Mark Chatham dürfte das wohl auch stimmen, denn hier konnte er bei seinem Solo noch mal alles geben, auch Altos Versuch ihn im Duell mit seinem Saxophon zu bezwingen blieb beim Versuch. Trotzdem sehr gelungen.
Die Band verabschiedete sich (15 Mann!), und kam mit dem gefeierten Night Moves zurück, bei dem auch Mark Chatham noch mal zur Akustikgitarre griff. Hollywood Nights, als Studioversion schon schön rockig, steigerte sich gegen Ende des Songs noch zu einem richtigen Hardrocker und ließ Don Brewer an den Drums noch mal richtig zur Geltung kommen.
Nach einer erneuten kurzen Pause gab es Against The Wind, bei dem sich alle noch mal um Craigs Flügel versammelten und als würdiger Abschluss Rock'n'Roll Never Forgets. Hierzu kam das Podest hinter der Bühne zum einzigen Mal zum Einsatz - Alto Reed zelebrierte dort seinen Sax-Part im Duckwalk.

Es war einfach wieder klasse und nur zu empfehlen, man muss Bob Seger und die SILVER BULLET BAND einfach mal live erlebt haben. Schade, dass er Europa stark vernachlässigt, aber wie ich gerade gehört habe, scheint dieser Gig für Europa einfach zu teuer zu sein, vor allem, wenn es von der Plattenfirma keine Unterstützung gibt. "Face The Promise" ist immer noch nur als Import erhältlich, oder?
Außerdem war es wohl das rockigste Programm dieser Tour, da Real Mean Bottle und Fire Down Below das Set ergänzten und dafür das ruhigere No Matter Who You Are entfiel. Bis auf Answer's In The Question war der zweite Teil des Auftritts durchgehend solider, rauer Rock. Von den 25 Songs waren übrigens 5 von der "Night Moves" und 5 vom "Face The Promise" Album.
Die Zeit verging in jedem Fall wie im Flug, was für mich in einem Konzert ein sehr gutes Zeichen ist. Ich weiß nicht mal genau, wie lange es gedauert hat, es müssten wieder so ca. 2 Stunden 15 Minuten gewesen sein. A propos Flug: Für Bob Seger selbst hieß es direkt nach dem Konzert wieder ab in die eigenen Federn, denn er fliegt nach der Show immer zurück nach Hause, während die Band in einem weiteren Privatjet durch die Staaten reist und zwischendurch eben 'richtig' auf Tour ist, wie mir Craig Frost am Nachmittag erzählte.
[Falls noch jemand Fragen hat, warum Bob Seger für Europa zu teuer ist... Sorry, Folks, aber selbst wenn man sein rechtes Bein für ein solches Konzert geben würde, irgendwo hört der Spaß auf. Privatjets, nach der Show heim fliegen... Irgendwer hat den Schuss wohl nicht gehört, wir schreiben das Jahr 2007 und Rock & Roll funktioniert SO schon lange nicht mehr. Soll er doch bleiben wo die Privatflughäfen wachsen.
Fred, Bob-Seger-Fan seit Jahrzehnten, richtig angepisst]

Setlist: Roll Me Away, Tryin' To Live My Life Without You, Wreck This Heart, Mainstreet, Old Time Rock & Roll, Wait For Me, Face The Promise, Sunspot Baby, Betty Lou's Getting Out Tonight, We've Got Tonight, Turn The Page, Travelin' Man, Beautiful Loser
Pause
Simplicity, Ramblin' Gamblin' Man, C'est La Vie, Real Mean Bottle, Answer's In The Question, Fire Down Below, Horizontal Bop, Katmandu
1. Zugabe: Night Moves, Hollywood Nights
2. Zugabe: Against the Wind, Rock And Roll Never Forgets

Marco Weiden, (Artikelliste), 05.02.2007

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