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| Verviers/B, Spirit of 66, 08.06.2009 |
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Die Aufregung war groß. BLACKFOOT auf Europatour! Unter Anderem erklärten die Hard-Southern-Rocker das "Spirit of '66" in Verviers/Belgien zu ihren Jagdgründen. Was natürlich ganz passend ist, denn die Route 66 führt bekanntlich durch Indianergebiet. Die Frage war also: Würde die Truppe die Wallonie als Mitglied der Native American Nation rekrutieren können und eine Menge Felle ergattern? Soviel schon jetzt: Bis zum Schluss der Show sah es ganz so aus, danach leider nicht mehr.
Fulminant war der Beginn. Gegen 20:30 Uhr stampfte die Band um Greg Walker und Charlie Hargrett auf die Bühne und schmetterte vergnügt Good Morning zur Begrüßung durch die P.A. Einen Abend damit zu eröffnen, zeigt einen gewissen Sinn für Humor. Tomahawkschlag auf Tomahawkschlag ging es weiter. Mit druckvollem Sound wurde Wishing Well zelebriert. Red Light mit gleicher Inbrunst gerockt wie Baby Blue. Aus der eigentlich ziemlich elenden "Vertical Smiles"-Ära gesellte sich Morning Dew dazu. Etwas näher am Original von Randy California als am nachgespielten Original auf "Strikes" platzierte BLACKFOOT den Smash-Hit I Got A Line On You.
Wirklich eine Menge Skalps forderte die Power-Version von Fox Chase. Gefährlich donnernd wie eine Stampede verrückter Longhorn-Rinder fetzten BLACKFOOT den Song ins Auditorium. Etwas langsamer zwar als auf Tonträger, dafür umso derber und kerniger ließ er die stickige Luft des berühmten Clubs in Verviers vibrieren. Hargrett und Barth schwitzen sich aufopfernd durch schrille Gitarrenduelle. Bei Manitu, der Song war der beste des Abends.
Was der ominöse instrumentale Kathrina-Blues von Bobby Barth (übrigens schlank wie eh und je) nicht von sich behaupten konnte. Er spielt ihn seit der - von Menschen verschlimmerten - Flutkatastrophe jeden Abend, wie er den verblüfften Zuhörern erklärte.
Als ebenso unterdurchschnittlich entpuppte sich ein bisher nicht aufgenommener Song, geschrieben von Bobby Barth und Jackson Spires, ungefähr aus 1985 (Mr. Barth war sich selbst nicht so ganz sicher). Der einfallslose Riff wurde in seiner Schwäche nur noch von einem Schüttelreim, ähnlich "We were born to loose, that's why we play the blues" übertroffen.
Dass es auch anders ging, bewiesen Bobby und BLACKFOOT mit dem dramatischen Sunshine Again. Wenn wir es richtig verstanden haben, komponierte Bobby den leidenschaftlichen Blues direkt nach einem Telefongespräch, kurz vor Jackson Spires Tod. Nun soll er als Aufmunterung für alle verstanden werden.
Den offiziellen Pokal "wichtigster Krieger des Abends" verdiente sich eindeutig Greg Walker. Erst durch seine solide und kraftvolle Bassarbeit entfaltete der BLACKFOOT-Sound seine brachiale Wirkung. Immer, wenn das Lagerfeuer richtig dampfte, wenn die Band sich auf ihre Hard-Rock Seite konzentrierte, spielte sie ihre wahren Stärken aus. Auch für die Vocal-Darbietung war Greg Walker tausend Büffelhäute wert. Ungelogen, sobald er ins Mikro tönte, klang es, als seien nicht einer, sondern mindestens zwei zusätzliche Sänger am Start. Die One-Man-Walker-Chöre!
Sehr viel Spaß bereitete die ganze Angelegenheit Gitarrenmann Charlie Hargrett. Quietschvergnügt spulte er seine Parts ab und schäkerte mit den ersten beiden Zuschauerreihen sowie seinen Stammesbrüdern auf der Bühne.
Etwas hüftsteif wirkte der neue Schlagwerker. Kerzengrade saß er hinter seinen Trommeln. Trotzdem gewährte ihm die Band einen kurzen Soloausflug. Eine Bereicherung stellte die Einlage allerdings nicht dar, sie roch eher nach Spielverzögerung.
Stammesgemäß brachten BLACKFOOT zum Abschluss der Show ihren Highway Song, dicht gefolgt von Train, Train. Bei beiden Nummern zeigte sich die langjährige Routine der Band. Denn, obwohl sie die Songs bestimmt bereits tausende Male runterspielen mussten, schienen sie ihnen immer noch Freude zu bereiten. Und dem Publikum noch mehr.
Tja, und danach wurde es betrüblich. Angefixt durch die wirklich ambitionierte Vorstellung wollten die Leute mehr. Schließlich hatten sie sich aufgerafft, um BLACKFOOT zu erleben. An einem Montagabend wohlgemerkt - was schon mal ein Stimmungskiller sein kann. Sie waren zum Teil von wirklich weit her angereist. Aus Frankreich und aus England kamen sie. Es wurde sogar eine bayrische Fraktion identifiziert. Das Licht blieb aus, das Publikum tobte. "Blackfoot"-Sprechchöre donnerten durch das Spirit of '66. Ein Gestörter pfiff sogar begeistert den Südstaaten-Hit Dixie. Aber alles sollte nichts nützen. BLACKFOOTs Lagerfeuer waren erloschen. Die Wigwams wurden abgebaut und die Fans einsam in der Prärie stehen gelassen. Bei allem Gold der Sioux; bis zu diesem Augenblick hatten BLACKFOOT ein Heimspiel. Alle waren Stammesmitglieder, von den Ordnern angefangen, bis zu den Skeptikern in den hinteren Reihen. Selbst die sonst so lästigen Fotografen gehörten irgendwie dazu. Die Band hatte die Meute in der Hand. Aber nein! Sie wollten nicht mehr. Eine verpatze Chance. Schade eigentlich für eine Band, die, ohne ihren alten Häuptling Ricky Medlocke in ihren Reihen, nicht bei jedem Fan über alle Zweifel erhaben ist.
Was uns sonst noch aufgefallen ist: Charlie Hargrett plagt scheinbar eine Lumboischialgie. Gegen Ende der Show griff er sich, zwar lächelnd, aber doch leicht schmerzverzerrt, schon mal ins Kreuz.
Bobby Barth besitzt Manieren. Bevor er einen wegrempelt, sagt er immerhin "Sorry".
Der heimliche Star des Abends stand nicht auf der Bühne, sondern auf der Treppe links davor. Während des gesamten Gigs dirigierte er mit erhobenem Zeigefinger. Wir wissen nicht, ob er der Band damit tatsächlich helfen konnte. Wäre er nicht dabei gewesen, hätte es für die Arrangements vielleicht nicht viel ausgemacht, wir hätten uns aber bestimmt nicht so gut gefühlt.
Die bizarrste Unterhaltung des Abends bekamen wir nur am Rande, nach der Show, vor der Bühne mit: "Where are you come from?" "England." "What are you doing here?"
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