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| Berlin, Columbia Club, 03.12.2004 |
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Als kleine Entschädigung für alle PORCUPINE TREE-Fans für die Tatsache, dass das neue Album doch noch ein wenig auf sich warten lässt, gab es im September die Veröffentlichung des Debutalbums von BLACKFIELD, dem Projekt von Steve Wilson und dem israelischen Sänger/Songwriter Aviv Geffen. Da BLACKFIELD keine Eintagsfliege bleiben soll, stellte man mit Keyboarder Daniel Salomon, dem belgischen Drummer Thoma und Bassist Seffy Efrati eine Band zusammen, um das Material von BLACKFIELD und die auf dem Album mitunter recht komplexen Arrangements angemessen auf die Bühne bringen zu können. Berlin war dabei die erste Station in Deutschland und der Columbia Club recht ordentlich besucht.
Zunächst galt es aber die Eingangskontrolle zu passieren. Dabei wurde man von der weiblichen Securtiy-Mitarbeiterin mit einem zackigen "Bilder ohne Blitz bei den ersten drei Stücken, danach gebt ihr die Kamera ab oder ihr fliegt aus der Halle" begrüsst. Aber hallo, wo sind wir denn hier gelandet? Ergänzen muss man noch, dass wir zunächst ein Interview gemacht hatten und mit Fotoerlaubnis auf der Gästeliste standen.
Tatsächlich wurden wir, die wir ganz vorne an der Bühne standen, von einem weiteren männlichen Security-Wesen angewiesen, nicht mehr zu fotografieren, immerhin durften wir die Kamera aber behalten, diesmal immerhin in freundlichem Ton. Aber kapieren tu ich es trotzdem nicht (zumal einige andere weiter fotografierten oder filmten). Ganz ohne Blitz oder nur die ersten drei Stücke verstehe ich ja, aber so... Na, sei's drum.
Zunächst gab es aber ein Vorprogramm, das natürlich für alle PORCUPINE TREE-Fans maßgeschneidert war, stellte doch Richard Barbieri, der Keyboarder der britischen Band, einige Sequenzen aus seinem Solodebut vor.
Dabei fielen vor allem den weiblichen Hardcore-Aviv-Geffen-Fans (die leider direkt hinter uns standen) Augen und Ohren ab, da sie auf sowas weder gefasst waren, noch etwas damit anfangen konnten. Das "Sowas" war ausladende elektronische Musik in der Tradition der 70er Jahre von TANGERINE DREAM, Klaus Schulze oder SYNERGY, aber nun nicht unbedingt was für Popfans. Dem Großteil des Publikums (viele waren übrigens aus Polen gekommen), die ausweislich ihrer T-Shirts der Proggie-Fraktion zuzurechnen waren (MARILLION und natürlich PORCUPINE TREE waren die bevorzugten Motive), gefielen Barbieris Soundlanschaften zwischen sphärisch und rhythmisch eindringlich natürlich sehr gut, so dass nach Abschluß des etwa halbstündigen Sets wärmstens applaudiert wurde.
Nach kurzer Umbaupause dann BLACKFIELD und direkt hinter uns brandeten wieder die "Aviv!"-Rufe auf. Ob den noch reichlich jungen Damen Steve Wilson überhaupt ein Begriff war? Jedenfalls legte man gleich mit dem Stück Blackfield in Bandbesetzung los, wobei der Sound dann doch dem von PORCUPINE TREE ziemlich nahe kam, da Steve Wilson zunächst doch eine recht doninante Position einnahm, sowohl mit seinem Gesang als auch seinem Gitarrenspiel.
Aviv Geffen wirkte erst etwas schüchtern, um dann aber spätestens bei den explosiven Stellen bei Open mind aus sich heraus zu gehen. Nach den fragilen Popsongs Glow und Pain dann das zart melancholische Lullaby, ebenfalls alle aus dem BLACKFIELD-Debut.
Dann wurde Richard Barbieri, von Geffen als hervorragender Musiker und guter Freund bezeichnet (das müsste den Geffen-Lästerschwestern hinter uns zu denken geben haben, die Barbieri während seines Auftritts mit wenig vorteilhaften Kommentaren versehen hatten), wieder mit auf die Bühne geholt und es gab ein wenig Musik von PORCUPINE TREE, nämlich den Klassiker Waiting.
Ansonsten gab es das komplette Debutalbum, also auch Scars, das von der Band locker umgesetzt und gemeistert wurde, sowie zwei neue Songs. Dabei waren speziell Wilson und auch Geffen die deutlichen Hauptakteure, während sich die soliden Begleitmusiker doch mehr oder weniger zurücknahmen.
Steven Wilson kokettierte auch ein wenig mit dem Publikum, als er beim letzten Stück des regulären Sets, Hello, so lange mit den Zuschauern probte, bis die angemessene Enttäuschung, dass es schon das letzte Stück ist, "im Kasten war".
Natürlich gab es eine Zugabe, nämlich PORCUPINE TREEs Feel so low (Steven dazu: "believe it or not, but the BLACKFIELD-Version is the longer one") und nachdem die Musiker nochmals herausgeholt worden waren, durfte abgestimmt werden, welchen Song man nochmals spielen sollte.
Die Wahl fiel dabei, nicht so sehr überraschend, auf das emotional aufrührende Cloudy now, mit der für Geffen gewissermaßen zum Lebensmotto gewordenen Textzeile "We are the fucked up generation". Womit Geffen die Situation der jungen Leute in Israel ansprach, wendet sich BLACKFIELD nun an alle jungen Leute in der ganzen Welt und spiegelt deren Situation inmitten einer gewalttätigen, gefühlskalten, technisierten Welt wieder.
BLACKFIELD verbindet die musikalische Genialität und Virtuosität des Steve Wilson mit den songschreiberischen Fähigkeiten eines Aviv Geffen, der es versteht melancholische Popsongs in dreieinhalb Minuten auf den Punkt zu bringen. So entstehen kurze, aber prägnante Statements (die auch live nicht wesentlich ausgeweitet wurden), die eingängig und fassbar bleiben aber dennoch über eine gewisse Tiefe verfügen. Die Leichtigkeit des Pop wird mit einer gewissen Düsterheit angereichert und zu kleinen Songperlen verschmolzen, die spüren lassen, dass hier nicht nur musikalisch verwandte Geister sondern richtige Freunde am Werk waren.
Ein aufgrund des noch nicht so üppigen Materials von BLACKFIELD leider etwas kurzes aber stimmiges Konzert lässt auf weitere gemeinsame Taten von Wilson und Geffen hoffen.
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