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Fotos: Adelina Schmidtlein
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Blackburn
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Gute Show: Jaded Heart
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| München, Garage, 11.05.2004 |
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Wrong man, wrong place und deshalb sage ich zu JADED HEART an dieser Stelle nichts was negativ interpretierbar wäre, denn es wäre unfair.
J.H. fahren mit ihrer aktuellen CD "Trust" derzeit überall positive Reaktionen ein, das Publikum strömt - für Rock-Verhältnisse - zahlreichst, die Band ist kompetent, Fronter, Produzent und Chef Michael Bormann ist ein sympathischer Grinsefisch und sehr sehr guter Sänger, die Mädels stehen Schlange, nur ich kann mit dieser Musik nunmal nichts anfangen und das wird sich in diesem Leben nicht mehr ändern. Zu viel BON JOVI, zu viel EUROPE, zu viel Publikumsanimation (sagenhaft, die Jungs bringen das Volk noch vor dem ersten Ton zum mitklatschen), zu viel 80er-Jahre-Posertum (trotz durchaus ansehbarem Stageacting), zu viel Melodic, zu wenig Rock & Roll. Für diese Musik gibt es im Home of Rock kompetentere Kollegen und die werden sich dieser Tage noch ausführlich zum Thema äußern.
Auf jeden Fall muss man JADED HEART höchste Professionalität zuerkennen, auch wenn das Intro auf der Akustikgitarre elend irreführend war und auch ein Konzert von GREAT WHITE oder AEROSMITH einleiten hätte können. Doch danach kam... s.o.
Interessant sind übrigens die Statements der Band auf ihrer Homepage zu den Zuständen in der Garage. Lesenswert!
Liebe Freunde in der Garage, bitte tut Euch endlich um, sonst geht das Ding total in die Hose. Wir schreiben das Jahr 2004!
Der eigentliche Grund meines Kommens war natürlich der Toursupport BLACKBURN aus der Schweiz. Immerhin fand ich kürzlich ihre aktuelle CD "Poker Face" ausgesprochen vergnüglich und das wollte ich mir live bestätigen lassen.
Rein optisch gibt der Fünfer gut was her. Rechts und links zwei Bäume von Kerlen an den Gitarren, dazwischen zwei gutaussehende Frauen, denen man aber instinktiv nicht zu nahe kommen will, wer weiß, wie die Riesen reagieren würden... Obwohl, so richtig böse gucken die gar nicht, im Gegenteil, eigentlich lachen sie die ganze Zeit und der herrliche Dialekt macht auch nicht wirklich Angst. Aber sicher sein kann man sich nie.
Wenn der Bormann ein Grinsefisch ist, dann ist die Blackburn-Bassistin Corinne ungefähr ein ganzer Grinsefischschwarm. Sieht man selten, dass jemand so konsequent gute Laune auf der Bühne produziert. Und außerdem bollert sie einen simplen und reichlich fetten Bass ins Publikum.
Sängerin Gabi ist etwa so klein wie Doro Pesch, viel jünger als die, auffallend hübsch und mit einer durchaus vergleichbaren Röhre ausgestattet. Ja hallo, die hat was im Kehlköpfchen.
Die Aufpasser mit den sechs Saiten agieren fehlerfrei, banddienlich, knallhart und herrlich altmodisch.
Und damit sind wir beim Problem dieser Band.
Mit Hardrock der Marke "frühe Achtziger" wird man heutzutage und künftig nur eine äußerst begrenzte Anzahl potentieller Kunden finden. Diese Musik macht Spaß bei Bikerfesten, so wie hier live im Club, bei der Biertrinkparty und den (wenigen?) übrig gebliebenen Fans der frühen JUDAS PRIEST/SAXON/SCORPIONS/WARLOCK und wie sie alle hießen. Natürlich darf man die treuen AC/DC-Freaks nicht vergessen, die werden bei BLACKBURN auch bedient. Aber ob man diese Herrschaften heute noch anlocken kann, außer bei der Veröffentlichung einer neuen CD ihrer alten Helden, steht auf einem anderen Blatt.
Fakt ist aber, dass diejenigen, die die Band live gesehen haben, zu einem Großteil bestens versorgt nach Hause gehen. Und sei es aus Zufall, denn eigentlich wollte man ja JADED HEART sehen.
Ein knappes Stündchen BLACKBURN ist eine Zeitreise von zwei Jahrzehnten rückwärts. Komplett frei von modernistischen Gedanken, unbeleckt von derweil über uns hereingebrochenen Musiken wie Grunge oder NuMetal, entschlackt um jeden unnötigen Firlefanz wie Keyboards, ausufernde Soli der Abteilung Malmsteen und angereichert mit haufenweise Good-Time-Heavyrock aus der Prä-CD Ära.
Wäre man böse, dürfte man behaupten, die Musik der Schweizer ist altbacken, furchtbar eindimensional und stocklangweilig in ihrer konservativen Machart. Wenn man allerdings keine progressiven Schwurbeleien, seichte Trallala-Liedchen oder schwer speedmetallische Thrash-Knüppeleien mag und lieber entspannt mit dem Fuß, Kopf und Bierbauch wippt, dann sind die eingängigen Kracher aus den Toblerone-Alpen genau das korrekte Futter.
Meine Kritik an diesem Konzert besteht einzig aus der Behauptung, dass auf CD ein deutlich höherer AC/DC-Rock'n'Roll-Groove-Faktor zu hören ist, der live (vielleicht als Reminiszenz ans JADED HEART-Publikum?) einem Übergewicht an IRON-SAXON-PRIEST Dampfhammersound weichen muss. Nicht schlimm, ich kann gut damit leben, aber der eine oder andere lockere Heavy-Boogie täte der guten Stimmung keinen Abbruch.
BLACKBURN sind eine gute, ausgesprochen nette Band, mit klasse Retro- und überaus ansprechendem Optikfaktor.
Alles ändert sich, außer es bleibt wie es ist und von mir aus darf sich diese Kapelle noch lange nicht weiterentwickeln.
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